Sprechstunde
mit JPEN im SUBWAY-Interview

Mit JPEN im SUBWAY-Interview
In seiner neuen EP „Sprechstunde“, die am 11. September 2026 veröffentlicht wurde, setzt sich Felix Dihle alias JPen mit seinen Mustern und inneren Widersprüchen auseinander. Seitdem er schreiben kann, bringt der Rapper Geschichten und Gedichte aufs Papier und schrieb mit 13 Jahren seinen ersten Raptext. Aufgewachsen in einer musikalischen Familie im Wendland, fand er mit der Musik seine Sprache, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile macht er seit knapp 30 Jahren Musik, ist Teil des Kreativkollektivs Spinnerstraße und in der regionalen Hip-Hop-Szene mit Live-Auftritten und regelmäßigen Releases fest verankert. Welche Themen er mit in die Sprechstunde bringt, hat er uns verraten.
Wie hat sich deine Musik mit den Jahren verändert – was ist heute anders, was ist gleich geblieben?
Angefangen habe ich mit Battletexten, da standen Reime und Technik im Vordergrund. Heute ist mir der Inhalt viel wichtiger, aber Reime und Technik sind immer noch ein zentraler Teil meiner Musik – nur bewusster eingesetzt und nicht mehr des Reimes willen. Außerdem versuche ich immer, mit meiner Stimme und dem Flow den Vibe des Beats einzufangen und zu ergänzen. BoomBap ist über all die Jahre meine musikalische Heimat geblieben.

Der EP-Name klingt nach einem Ort, an dem man Dinge loswerden kann. Was wolltest du loswerden und was hast du selbst dabei über dich gelernt?
Ich habe eigentlich schon immer Themen, die mich beschäftigen, mit meiner Musik versucht zu verarbeiten. Dieses Mal habe ich aber genauer und vor allem ehrlicher hingeschaut – auf mich selbst, meine eigenen Muster und wo diese überhaupt herkommen.
Wenn „Sprechstunde“ eine echte Sprechstunde wäre: Welches Problem würdest du als Patient mitbringen?
Oh, da gibt es viele. Unter anderem wahrscheinlich mein Talent, Probleme erstmal jahrelang mit mir selbst auszumachen und Gefühle in mich reinzufressen oder zu verdrängen und dann überrascht zu sein, wenn sie irgendwann mit beiden Fäusten an meine Tür klopfen.

Du beschreibst das Album als den „Versuch, die eigenen Muster zu verstehen und Widersprüche auszuhalten.“ Was sind deine alten Muster, wie hast du sie erkannt und wie möchtest du sie verändern?
Ich neige dazu, Gefühle zu verdrängen, vermeintliche Erwartungen zu erfüllen und es anderen recht zu machen, auch wenn ich selbst nicht dahinterstehe. Dazu kommt, dass ich mir oft selbst im Weg stehe. Ich versuche zu lernen, mich und meine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und gleichzeitig Verantwortung dafür zu übernehmen. Die Betonung liegt auf „versuche“.
Welche Widersprüche fordern dich immer wieder heraus?
Ich wünsche mir Nähe, tue mich aber schwer damit, mich wirklich zu öffnen. Gleichzeitig habe ich gelernt, nach außen stark zu wirken, obwohl es in mir oft ganz anders aussieht. Zwischen Rückzug und dem Wunsch nach Nähe bewege ich mich immer wieder. „Für mein inneres Kind hab ich das Sorgerecht/ niemand sonst nimmt mir die Sorgen weg/“
Was ist eine Sache an dir, die du lange als Schwäche gesehen hast, aber heute vielleicht anders bewertest?
Ich hinterfrage sehr viel, vor allem mich selbst. Das ist für mich Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann ich mir damit ganz schön den Schlaf rauben, andererseits entstehen genau daraus viele meiner Texte. Ohne dieses ständige Grübeln würde es „Sprechstunde“ und wohl auch einige andere Songs von mir nicht geben.
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
„Sprechstunde“ ist seit dem 11. September draußen und bei der Releaseparty haben wir ein neues Showkonzept ausprobiert, das sich ziemlich gut angefühlt hat. Darauf würde ich gerne aufbauen und natürlich weiter live spielen.

Und zum Abschluss: Was möchtest du den Leuten noch mitgeben? Gibt es News oder kommende Projekte bei dir oder im Kollektiv, über die du sprechen möchtest?
Vielleicht einfach: Du musst nicht alles richtig machen. Wichtig ist, dass du dein Bestes gibst. Klingt vielleicht erstmal ziemlich banal, aber ich lerne das gerade selbst erst.
In der Spinnerstraße geht es natürlich immer weiter. Unser alljährliches Mixtape mit der Spinnerbande und den über das Jahr entstandenen Songs, erscheint traditionell am 01. Januar. Von JPenXDerah gibt es bestimmt auch bald wieder was Neues. Mit Derah möchte ich auch weiterhin viel live spielen und vielleicht gibt es irgendwann auch mal wieder eine gemeinsame EP mit Meute Cee?! Apropos: Koli und Meute Cee hauen jetzt ihr Album raus: „LiebeLiebe oder gar nicht“. Nächstes Jahr werden wir bestimmt auch wieder ein BEATBUFFET goes public auf die Beine stellen.
Es bleibt also einiges zu tun – und ich habe Bock drauf!
Sprechstunde könnte ihr hören auf: Spotify, YouTube und der Spinnerstrasse Bandcamp Website.
