Zwischen Symphonic Metal und Zirkuszelt
Unsoulicited im Interview

Manege frei für Unsoulicited!
Ihr Sound: druckvoller Symphonic Metal trifft auf große Melodien, orchestrale Atmosphäre und ordentlich Emotion. Dabei haben sich Unsoulicited, seit ihrer Gründung 2021 in Braunschweig, ihren ganz eigenen Platz zwischen Metal und orchestraler Klangwelt geschaffen. Erste Demos entstanden damals noch mit Unterstützung von Freunden, bevor sich nach und nach das heutige Line-up formierte: Mit Judith Ehreke am Mikro, Sarah Leser an den Keys, Michael Maring am Schlagzeug, Sebastian Tittel an der Gitarre und Florian Maring am Bass war die Besetzung dann komplett. Nach dem Debütalbum „Reflections“ geht es jetzt direkt in die nächste Runde – und dieses Mal unter die Zirkuskuppel. „Tales from the Striped Tent“ heißt das neue Kapitel und verspricht eine musikalische Reise zwischen Glitzer, Gänsehaut und den dunklen Ecken hinter der Manege. Darum haben wir mit Unsoulicited genauer über all diese Themen gesprochen.
Von den ersten Ideen im Kopf bis zur fertigen Band war es ein langer Weg. Wie hat es aber angefangen und wann habt ihr gemerkt: Okay, aus diesem Projekt kann wirklich Großes werden?
Judith: Ich würde sagen, wir sind nicht mit dem Gedanken daran gegangen, dass es etwas Großes werden kann, sondern ich hatte sehr große Lust, die Songs von Flo auf die Bühne zu bringen. Ich halte sie für zu gut, als dass sie nur auf der Platte ein ruhiges Leben führten und ein Studioprojekt blieben. Hinzu kommt noch das nötige Rampensau-Gen in mir und dann habe ich den anderen quasi einen kleinen Schubs gegeben :).
Erzählt dazu doch einmal kurz wie eure Freunde Adrian Hermet, Maximilian Werner, Reggie Worthy, Herbie Langhans, Matze Flohr und Romy Swiderski Einfluss auf euren Weg als Band und eure Geschichte hatten.
Flo: Ganz einfach: Ohne diese großartigen Menschen gäbe es weder unser erstes Album noch unsere Band. Mit Matze habe ich schon vor vielen Jahren den allerersten Song „Girl of Mystery“ geprobt – und er war es, der bei den frühen Albumtracks die Drums eingespielt hat. Reggie hat sich bei meiner Hochzeit bereit erklärt, den Bass Das ganze Interview auf
für die Songs aufzunehmen. Adrian hat anschließend vor allem durch sein Mixing den Sound des Debütalbums entscheidend geprägt. Maxi hat die Stücke mit seinen Gitarrensoli veredelt, und Herbie sowie Romy haben die Duette auf dem Album bereichert. Auch mein Bruder Michael hat intensiv am Album mitgearbeitet – und ist inzwischen festes Mitglied der Band.
Ihr kommt aus Braunschweig – einer Stadt mit einer ziemlich aktiven Musikszene. Welche Rolle spielt eure Heimat für Unsoulicited und euren musikalischen Weg?
Judith: Braunschweig hat eine tolle und vielfältige Musikszene. Es ist leicht sich mit anderen Bands, auch anderer Genres, zu verknüpfen. Zudem sind wir gut mit den Jungs von Kambrium befreundet. Maxi hat die Gitarren für unser erstes Album eingespielt, Jan hat unsere ersten Bandfotos aufgenommen, Karsten kümmert sich live um unsere Technik. Dafür sind wir sehr dankbar. Zudem habe ich auch schon mit den Jungs der Braunschweiger Doom Metalband Ascian als Gastsängerin auf der Bühne gestanden. Man ist in der Szene befreundet, man hilft sich gegenseitig und supportet sich. Da merkt man keine Konkurrenz – es ist alles sehr wohlwollend. Flo: Ganz genau. Und die lokale Musikszene hat uns überhaupt erst wieder mit Sebastian zusammengebracht. Mein Bruder und ich kannten ihn von früher, hatten ihn aber aus den Augen verloren. Heute spielt er bei Bucketlist – und als wir dringend Unterstützung brauchten, hat er sich innerhalb weniger Wochen unser komplettes Programm angeeignet, um mit uns das erste Festival zu spiel. Das war eine Riesenleistung.





Habt ihr das Gefühl, dass man als Metalband hier genug Aufmerksamkeit bekommt?
Judith: Für eine Stadt mit unserer Größenordnung haben wir ein breites Angebot an Locations und Institutionen, die sehr viel für unsere kulturelle Szene tun. Unter anderem die KufA e.V., der Hotel666 Metalclub, das B58, der Kulturraum Jakobi bieten tolle Atmosphäre, wertvollen Austausch und wertschätzenden Umgang. Auch durch Marco Spiller und das Rock in Rautheim hat sich Braunschweig zu einer richtigen Metalhochburg etabliert. Da kann man doch als Braunschweiger richtig stolz drauf sein!
Zu Euerem Debüt „Reflections“: Was macht dieses Album so besonders, dass man unbedingt reinhören sollte?
Flo: Die sehr unterschiedlichen Songs. Sie sind über viele Jahre hinweg entstanden und erzählen von verschiedenen Abschnitten meiner musikalischen Reise. „Girl of Mystery“ habe ich als Teenie geschrieben – und erst nach fast 30 Jahren konnte ich ihn endlich aufnehmen. Neben solchen frühen Ideen gibt es auch tiefere, nachdenkliche Songs und eine große Spannweite an Gefühlen.
Auf eurem neuen Album „Tales from the Striped Tent“ habt ihr euch etwas ganz anderes einfallen lassen, denn hier zieht sich die Zirkus-Thematik durch die Songs. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Idee?
Flo: Ich habe nach einem Thema gesucht, in dem ich schöne Metaphern für all die Dinge finden konnte, die mir im Kopf herumgeistern. Der erste Song wurde dann direkt zum Namensgeber des Albums. Darin verarbeite ich meine Gedanken über Reality TV. Außerdem wollte ich uns unbedingt in Zirkusklamotten auf der Bühne sehen.
Zirkus steht für Glitzer, Show und große Emotionen, aber auch für Chaos, Abgründe und die dunklen Seiten hinter der Manege. Welche dieser Facetten reizt euch musikalisch am meisten?
Judith: Da ich wohl diejenige in der Band mit dem dunkelsten Metal-Musikgeschmack bin und des Öfteren gegen Flos Happy Metal wettere (er kommt klar damit haha), reizt mich der Kontrast von Glitter, Dunkelheit und Verzweiflung am meisten. Was wäre Zirkus ohne die Schatten hinter den Vorhängen, die Leere, wenn die Show vorbei ist und die Traurigkeit auf dem Gesicht des Clowns, wenn niemand hinsieht. Vielleicht spiegelt es auch unterbewusst die Menschen, die den Zirkus besuchen. Kommt und bringt uns eure Verzweiflung und euren Schmerz, wir blenden ihn gemeinsam für eine Weile aus, ehe wir alle wieder dahin zurückkehren. Vielleicht ist es eine stille Übereinkunft, ein stilles Teilen der Melancholie und das macht es für mich wunderschön. Es ist toll, dass ich mit meiner Stimme die Vielfältigkeit dessen ausdrücken darf. Das ist ein spannender Prozess für mich in stimmlicher Hinsicht. Flo: Neben dem für mich typischen Happymetal bekommt daher auch die Schattenseite des Zirkus ihren Platz auf dem Album. Dort finden sich dunklere, stimmungsvolle Texte – einige davon stammen von Judith und verleihen dem Ganzen eine besondere Tiefe.
Wer von euch ist im Proberaum der größte Perfektionist – und wer sorgt dafür, dass es trotzdem nicht komplett eskaliert?
Judith: Das ist wohl Flo unser Composer ;). Er könnte zudem auch immer noch weiter proben obwohl wir anderen schon total platt sind und keine Energie mehr haben. Da ist er noch bei 70% :). Zum Glück sind wir in der Mehrzahl, so dass er überstimmt werden kann. Eskalieren tut es nicht, es ist ziemlich harmonisch bei uns. Flo: Das ist es wirklich – auch, weil wir inzwischen richtig gute Freunde geworden sind und mir meine kleinen Macken im Proberaum großzügig nachgesehen werden. Zu meiner Ehrenrettung: In meinen frühen Musikerjahren wurde ich förmlich zum Perfektionismus erzogen. Schuld ist vor allem Uwe von den Del Jays. Und er weiß das. 😀
Was macht ihr neben eurem Leben als Band? Was wissen eure Fans vielleicht noch nicht, aber sollten sie über euch ruhig erfahren.
Judith: Neben meinem Hauptjob im Krankenhaus bin ich seit kurzem auch ganzheitlicher stimmtherapeutischer Coach und biete Stimmpräventionskurse und Online-Coachings an. Falls ihr Bedarf habt, meldet euch gerne bei mir. Flo: Wir haben alle anspruchsvolle Jobs, teilweise kleine Kinder und spielen zusätzlich in anderen Bands. Neben Familie, Beruf und Musik bleibt schlicht nicht viel Freizeit übrig – also alles ziemlich normal:-D
Wo und wann können Fans und Zukünftige euch als nächstes Live erleben?
Judith: Den Rest des Jahres werden wir uns als Band auf die finalen Aufnahmen für unser neues Album konzentrieren. Am 16. Januar 2027 haben wir die große Ehre Nightlaser bei der Laser Night XI im KufA Haus zu supporten. Am 20. Februar spielen wir einen kleinen Gig in der Nationalbrauerei Jürgens in Braunschweig. Zudem trete ich neben anderen coolen Musikern beim Konzertformat „Day of the Dead Rockstars“ am 31.10. in der Brunsviga auf. Ich freue mich auf die nächsten Gigs und freue mich euch alle zu sehen!
Der Blick nach vorne: Was soll bei Unsoulicited als Nächstes passieren, damit ihr am Ende 2026 sagen könnt: Das war unser Jahr?
Judith: Ich kann mich nicht beschweren, da jedes Jahr bisher noch coolere Ereignisse mit sich gebracht hat. Da ich jetzt Festivalblut geleckt habe, würde ich im nächsten Sommer gerne wieder das ein oder andere Festival rocken, am liebsten hier in der Region. Rock in Rautheim oder auch Rockharz wären natürlich mal ein absoluter Traum! Flo: Da kann ich Judith nur zustimmen. Wir alle möchten großartige Festivals spielen. Und natürlich freue ich mich darauf, dass unser nächstes Album „Tales from the Striped Tent“ erscheint. Wenn das Album gut ankommt, unsere Shows den Leuten gefallen und dann noch ein Interview mit uns in der Subway gedruckt wird, dann können wir wirklich sagen: Das war unser Jahr!
