„Wild und Fremd“: Wie aus einer kindlichen Faszination ein preisgekrönter Podcast wurde
Schon als Kinder lasen die Brüder Ole und Tore Klein heimlich unter der Bettdecke Reiseberichte. Ihre Faszination für Abenteuer begann mit einer Dokumentation über den Antarktisforscher Ernest Shackleton – ein Moment, der ihr Leben prägen sollte. Heute sind sie selbst leidenschaftliche Geschichtenerzähler und begeistern mit ihrem preisgekrönten Podcast „Wild und Fremd“ monatlich rund 50.000 Zuhörer:innen. Ihre immersive Erzählweise, die aufwendig produzierten Soundkulissen und akribisch recherchierten Originalquellen heben ihren Podcast von anderen Geschichtsformaten ab.
Ein Podcast wie ein Hörspiel: Sound & Storytelling
Dass ihr Podcast wie ein hochwertiges Hörbuch klingt, war anfangs nicht geplant. “Wir haben einfach experimentiert und schnell gemerkt, dass diese intensive Atmosphäre perfekt zu unseren Geschichten passt”, erzählt Ole Klein. Die Produktion ist aufwendig: Jede Episode erfordert zwischen 40 und 80 Stunden Arbeit – von der Recherche über das Skript bis hin zur Tonmischung. Doch genau dieser hohe Anspruch macht den Podcast einzigartig und lässt ihn aus der Masse an History-Podcasts herausstechen.
Historische Quellen und unbekannte Geschichten
Ein besonderes Merkmal von “Wild und Fremd” ist die Arbeit mit echten historischen Dokumenten. Unveröffentlichte Tagebücher, alte Briefe oder vergessene Reiseberichte liefern die Grundlage für ihre Erzählungen. Doch an manche Dokumente zu gelangen, ist eine Herausforderung. “Manchmal recherchieren wir zwei Wochen für ein paar persönliche Briefe”, erzählt Tore Klein. Museen und Archive helfen oft weiter, doch einige Quellen, wie etwa Berichte über Pedro Álvares Cabral, bleiben unzugänglich.
Zwischen Studium, Skripten und Studio
Tore studiert Audiokommunikation und -technologie in Berlin, während Ole ein Praktikum bei der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung absolviert. Trotz ihres vollen Alltags nehmen sie sich regelmäßig Zeit, um gemeinsam aufzunehmen. “Es ist einfach besser, zusammen im Studio zu sein”, sagt Tore. Dass das mit viel Kaffee und merkwürdigen Getränken von Ole verbunden ist, nimmt er lachend in Kauf. Der gegenseitige Rückhalt hilft ihnen, das Projekt trotz stressiger Phasen am Laufen zu halten.
Vom Nischen-Projekt zum preisgekrönten Podcast
Was als kleines Herzensprojekt begann, entwickelte sich zu einem der beliebtesten unabhängigen Podcasts in Deutschland. 2023 wurde “Wild und Fremd” als bester unabhängiger Podcast ausgezeichnet. Doch für die Brüder zählt nicht nur die Anerkennung, sondern vor allem die starke Community, die mit Begeisterung & Feedback aktiv an der Themenwahl beteiligt ist.
Expeditionen für die Ohren
Was macht für sie den Reiz ihrer Geschichten aus? “Es ist dieser unglaubliche Optimismus”, sagt Tore. “Da ist ein Ort, von dem ich nichts weiß, der mich potentiell umbringen könnte – und trotzdem geh ich hin.” Besonders bewegt hat sie die Geschichte von Ada Blackjack, einer jungen Inupiat-Frau, die als einzige eine tragische Arktis-Expedition überlebte. Zu ihrem Schicksal haben sie sogar eine eigene Miniserie produziert.
Die Zukunft von “Wild und Fremd”
Ole und Tore haben ambitionierte Pläne: Sie wollen ihren Podcast noch tiefergehender und spannender gestalten, mit noch mehr Experteninterviews und Zeitzeugenberichten. Auch Live-Podcasts stehen auf ihrer Wunschliste, um ihre Community persönlich zu treffen und gemeinsam in die Welt der unerwarteten Entdeckungen und historischen Abenteuer einzutauchen.
“Podcast-Machen ist ein Marathon, kein Sprint”, betont Tore. Wer langfristigen Erfolg haben will, sollte nicht Trends hinterherrennen, sondern das tun, was ihn selbst brennend interessiert. Genau dieser Ansatz macht “Wild und Fremd” so besonders: Die Liebe zu packenden Geschichten, echten Abenteuern und historischen Expeditionen.
Fotos Irene Hahn