Mobilitätstrend E-Bike: Gute Sache oder Großmutter-Rad?
SP Fotolia 169922223 c electriceye Fotolia.com art
Nur für schwache Senioren oder Sportmuffel – lange Zeit hatten E-Bikes, auch Pedelecs genannt, ein mieses Image. Doch in den letzten Jahren gewannen die Elektromotorunterstützten Zweiräder immer mehr an Beliebtheit. Die Vorteile, die es gerade für Großstädter gibt, liegen auf der Hand: Man kommt schnell von einem Ort zum anderen und das ganz ohne Stau, verspätete Bahnen oder den Mief Anderer in überfüllten Bussen im Hochsommer. Und ganz nebenbei treibt man auch noch etwas Sport und schont die Umwelt. Eine grandiose Sache – oder? Dennoch hört man oft von mehr Unfällen mit den Rädern und die E-Mobilitätsbranche steht wegen der umweltschädlichen und menschenunwürdigen Herstellung der Akkus in der Kritik.
Ist das motorunterstützte Fahren gefährlich und sollten sich umweltliebende Menschen stattdessen lieber ein ganz normales Fahrrad holen? Oder sieht so das Pendeln der Zukunft aus? Wir haben uns mit Marc Katholing, dem Inhaber von Fahrrad Hahne, darüber unterhalten. Morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können, ohne verschwitzt anzukommen und auf dem Rückweg das Workout für den Tag erledigen: E-Bikes sind für Pendler praktisch. Das Prinzip ist einfach – Ein Motor unterstützt Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern und der Fahrer kann selbst einstellen, wie stark der Motor arbeiten soll. „Viele nutzen auch den Weg als Ziel: Die fahren dann noch einen kleinen Umweg, weil die Strecke so viel schöner ist“, erzählt Marc Katholing. Der Geschäftsführer von Fahrrad Hahne mit Läden in Braunschweig und Peine weiß, wovon er spricht: Er verkauft E-Bikes seit 25 Jahren, also schon zu Zeiten, in denen das Fahrzeug unter seinem Oma-Image leiden musste. „Damals war es ein Fahrzeug für Menschen, die ein Handicap hatten, wie zum Beispiel Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System oder den Gelenken, also vorwiegend ältere Menschen. Vor zehn oder zwölf Jahren haben dann einige Hersteller das E-Bike als Projekt forciert und sich dann erst mal die ältere Generation als Zielgruppe genommen“, erzählt Katholing. Die Räder hatten damals noch zu wenig Reichweite, sie waren zu klobig und schwer und einfach nicht hip genug. Aber wie wird etwas so Uncooles zu einem Lifestyle-Trend? Schließlich steht in gut sechs Prozent aller Haushalte in Deutschland inzwischen ein E-Bike und die Tendenz steigt exponentiell. „Dadurch, dass die Hersteller ihre Reichweite erweitern wollen und die Räder auch modischer gemacht haben, hat sich der Markt radikal geändert“, weiß Katholing.
Inzwischen gibt es jedes normale Fahrrad auch als E-Variante, egal, ob Trekking-, Mountain- oder Citybike. „Das Ding macht vor nichts Halt – es gibt einfach Sachen, die machen einen ungeheuren Spaß und E-­Bikes gehören dazu. Wer einmal damit gefahren ist, der steigt nicht mehr auf ein normales Rad“, schwärmt der 51-Jährige, „Und in einer Stadt wie Braunschweig kann man mit einem E-Bike alles machen, selbst die Wocheneinkäufe.“ Apropos Braunschweig: Wie schätzt der Experte die Situation in der Stadt ein? „Ich glaube, Braunschweig ist auf einem guten Weg. Die Stadt eignet sich gut zum Radfahren, weil man sich den Stadtkern schnell mit dem Fahrrad erschließen kann. Außerdem gibt es interessante Radwege um Braunschweig herum. Leider ist die Radweg-Situation innerstädtisch gemischt, weil man erst vor ein paar Jahren erkannt hat, dass es immer mehr Fahrradfahrer gibt und man etwas für das Radwege-Netz tun muss. Es gibt zum Beispiel an Hauptstraßen immer noch Wege, auf denen gerademal eine Lenkerbreite Platz ist. Aber die Stadt ist auf einem guten Weg: Das Ringgleis ist zum Fahren beispielsweise perfekt.“

Aber was ist mit der gestiegenen Zahl von Unfällen, über die berichtet wird? Sind wir vielleicht noch nicht bereit für ein Fahrrad, mit dem man mit 25 Kilometerstunden durch die Innenstädte brettern kann? Sind E-­Bikes etwa gefährlich? Unsinn, findet Katholing: „Natürlich gibt es mehr Fahrradunfälle – aber die Zahl der Fahrradfahrer ist auch exponentiell gestiegen.
SP David StockSnap HV3XMBMNL1 art
Vor 20 Jahren gab es nahezu gar keine Pedelecs. Inzwischen gibt es sehr viele.“ Klingt logisch: Im letzten Jahr haben sich rund 850 000 Menschen ein neues E-Bike zugelegt, dass es da auch mehr Unfälle gibt, ist verständlich. „Der Mensch darf ein Auto fahren, das 300 Stundenkilometer fährt, da ist die Debatte, ob derselbe Mensch ein Fahrrad führen darf, das 25 Stundenkilometer fährt, unsachlich“, findet Marc Katholing.

Aber ist die E-Mobilität wirklich so umweltfreundlich, wie immer behauptet wird? Erst kürzlich gerieten e-Golf, Tesla und Co. in die Kritik: Mal ganz abgesehen davon, dass der Strom in unseren Steckdosen Mischstrom aus nachhaltiger Energie, aber auch aus Kohlekraftwerken ist, sind die Akkus in den Fahrzeugen vorbelastet – dieselben Akkus wie in E-Bikes. Das Lithium für die Zellen beispielsweise wird in der chilenischen Atacama-Wüste gewonnen – einem der wärmsten Orte der Welt. Dort wird mineralhaltiges Grundwasser aus dem Boden in Tanks gepumpt, wo das Wasser verdampft. Der tägliche Wasserverbrauch liegt bei 21 Millionen Liter – in einer der trockensten Gegenden der Welt.
SP Fotolia 244529759 c Halfpoint Fotolia.com art

Es gibt einfach Sachen, die machen einen ungeheuren Spaß und E-Bikes Gehören dazu

Die Akkus werden dann in China hergestellt und fliegen somit um die halbe Welt, bevor sie in einem E-Bike landen. Marc Katholing meint: „Der Bedarf an Akkus ist unabhängig der E-Mobilität hoch: In Handys, in Laptops, in Fernbedienungen – überall sind Akkus drin. Jeder muss mit seinem Geldbeutel und seinem Gewissen vereinbaren, ob er ein E-Bike kauft oder nicht. Aber, wenn man sich dafür entscheidet, ist man zumindest sehr nachhaltig für die Umwelt unterwegs: Man produziert keine Abgase und man tut auch was für seine eigene Gesundheit. Das Thema ‚Produktion und Rohstoffgewinnung‘ in Drittländern ist ein problematisches, allerdings gibt es dieses Problem auch in der Mode-, oder der normalen Autoindustrie.“

Halten wir fest: Wer das Auto stehen lässt und das E-Bike nutzt, fährt zumindest nachhaltiger und spart sich den Stress der Parkplatzsuche, ist in der Stadt am schnellsten unterwegs und tut dazu auch noch mit viel Spaß etwas für seine eigene Gesundheit.“

Text Giana Holstein
Fotos David-StockSnap, electriceye,
Patrizia Tilly, Halfpoint - Fotolia.com

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de