Das Atelier Velo im Univiertel räumt sein Lager, um sich auf Rennräder,
Gravel- und Mountainbikes zu spezialisieren.
SP Atelier Velo
Gründe für einen Fahrradkauf im Internet gibt es viele – etwa ein voller Terminkalender, Bequemlichkeit oder eben eine riesige Auswahl. Besonders bei Letzterem fällt es jedoch schwer, im überfordernden Angebotsdickicht ein passendes Rad zu finden – so ganz ohne Beratung. In den meisten Fällen gehen wir dann nach Preis, Optik und Bewertung. Dabei wartet eine wirklich kompetente Anlaufstelle eigentlich oft direkt um die Ecke: In Fahrradfachgeschäften wird man nicht nur beraten, dort kann das Rad der Begierde auch angefasst, Probe gefahren und individuell angepasst werden.
SP 1 Atelier Velo
„Wer meint, im Internet kaufen zu müssen, wird nicht glücklich“, meint auch Jens-Christian Peters, Inhaber des traditionsreichen Atelier Velo in der Mühlenpfordtstraße. Der sympathische Braunschweiger ist ein waschechter Rad-Enthusiast: Mit 14 Jahren startete der heute 63-Jährige seine Radsportkarriere, bringt 26 Jahre Wettkampferfahrung mit, organisierte unter anderem die norddeutsche Meisterschaft im Mountainbiking, betreute als A-Lizenz-Trainer die Bundesliga-Mannschaft der Löwenstadt und radelte bis heute rund 7,8-mal in Luftlinie um die Welt.
Von dieser Erfahrung und Expertise lebt auch das Atelier Velo seit mehr als 30 Jahren, denn Jens-Christian Peters versteht sein Handwerk. Deshalb verlieh SUBWAY dem kleinen, strukturierten Bike-Shop vor acht Jahren das Testurteil „sehr gut“. Unser damaliges Fazit: „Qualität und ehrliches Handwerk ohne Brimborium machen aus dem Rad 'ne Runde Sache! Obwohl man Firlefanz und Extras durchaus auch bekäme, wenn man wollte.“ Dieses Konzept wurde auch nach unserem Besuch weiter gefahren – bis jetzt, denn in diesem Jahr richtet sich Atelier Velo vollkommen neu aus. Rennrad-Spezialist Jens-Christian Peters möchte sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren: Rennräder, Gravel- und Moutainbikes. Aus diesem Grund startet das Fahrradfachgeschäft einen großen Ausverkauf.
Besonders E-Bikes möchte der ehemalige Leistungssportler kaum noch führen. „Wenn das Auto durch ein E-Bike ersetzt wird, um etwa zur Arbeit zu fahren, dann kann der Umwelt nichts Besseres passieren. Ich stehe dem E-Bike jedoch skeptisch gegenüber, wenn man mit dem Auto in den Harz fährt, um mit dem E-Mountainbike den Brocken hochzuradeln“, erklärt Peters. Außerdem sei unsere städtische Infrastruktur gar nicht auf E-Bikes ausgelegt, meint er weiter, dadurch könne die Nachfrage auch bald wieder immens sinken. „Als in den 90ern der Mountainbike-Trend aus Amerika zu uns kam, glaubte auch niemand, dass der Boom '95 von einem auf den anderen Tag endet. Vielleicht wird das beim E-Bike auch bald so sein“, erzählt der Fachmann.
Eins-zu-eins-Beratung
Aus „Atelier Velo – Fahrradkultur pur“ wird also „Atelier Velo – Radsport“. „Ich gehe aus Erfahrung auf Rennräder und wettkampffähige, sprich hochwertige Mountainbikes und um die Kunden zu befriedigen, die jetzt alle völlig hilflos dastehen, wenn sie ein Rennrad kaufen wollen. Denn die Rennräder sind wegen des benötigten Platzes für E-Bikes aus den Läden verschwunden“, weiß Peters.
Der neue Schwerpunkt wird bei Atelier Velo vor allem auf italienischen Fahrrädern liegen. „Back to the roots mit großen Marken wie Bianchi, die älteste Fahrradmarke der Welt, oder etwa Basso“, freut sich der ehemalige Wettkampffahrer. Außerdem werden weitere Weltklasse-Marken wie Fuji, Breezer und Marin Bikes das Sortiment ergänzen. „Rennräder sind mein Herz. So bin ich zu dem Laden gekommen. Früher habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und jetzt mache ich meinen Beruf zum Hobby“, meint er weiter. Deshalb wird das Atelier Velo spätestens ab dem 1. Oktober auch nur noch von Donnerstag bis Samstag geöffnet haben. „Demnach kann ich auch nur noch Reparaturen an Rennrädern und Mountainbikes anbieten“, begründet der ehemalige Radsportler, der nur wenige Meter vom Atelier Velo entfernt auch noch die Goldschmiede Peters betreibt. Zusätzlich möchte sich der Rad-Spezialist noch mehr Zeit für die Kundenbetreuung und -beratung nehmen. „Da ich A-Trainer bin, wird es zukünftig auch ein Bikefitting mit genauen Vermessungen geben“, berichtet der Braunschweiger.

SP 2 Atelier Velo
Derzeit arbeitet Peters an der Neuausrichtung vom Atelier Velo, doch nebenbei sucht der 63-Jährige weiterhin nach einem Nachfolger. „Für jemanden, der sich entscheidet, den Laden zu übernehmen, wäre es ein gemachtes Nest mit ziemlich geringen Kosten“, plaudert der Outdoorfreund und ergänzt, dass die Kosten für die Käufer:innen wegen des Ausverkaufs des Lagers ziemlich niedrig seien.
Insbesondere während der Corona-Pandemie erlebte das Fahrrad ein regelrechtes Revival. Denn etwa ein Viertel der Deutschen begeisterte sich in der Zeit des Lockdowns für Outdoor-Sport. Viele ließen daher häufiger ihr Auto stehen, um dem Virus davonzuradeln. Das freute die Fahrradbranche, doch ziemlich schnell leerten sich dementsprechend auch die Lager vieler Fachgeschäfte. „Die Branche machte während der Pandemie etwa 2,5 Prozent Umsatz mit Rennrädern. Ich habe über 60 Prozent gemacht“, gesteht der Branchen-Kenner, „die Leute sind aus sehr weit entfernten Städten wie Frankfurt, Leipzig oder Dresden zu mir gekommen, um ein Rennrad zu kaufen.“
Die Nachwehen der vergangenen zwei Jahre sind bis dato deutlich spürbar: Aufgrund des weltweiten Rohstoffmangels und der Pandemie-bedingten vorübergehenden Werkschließungen hat der Fahrradmarkt noch immer mit Lieferengpässen zu kämpfen. „Fahrradketten sind das neue Gold“, witzelt Peters, während er ein Päckchen mit frisch gelieferten Ersatzteilen öffnet. Expert:innen schätzen, dass der Fahrradboom auch 2022 weiter anhält. Für Jens-Christian Peters vollkommen nachvollziehbar: „Ich bin inzwischen zum Schön-Wetter-Fahrer geworden. Mir gibt das Radfahren noch immer ein Gefühl von absoluter Freiheit und einem gut funktionierenden Körper, obwohl das altersbedingt deutlich schlechter wird“, lacht der Atelier-Velo-Inhaber am Ende unseres Besuchs, den wir erneut mit dem Testurteil „sehr gut“ bewerten.
SP 3 Atelier Velo

Profitipp für den Mountainbike-Kauf
„Wichtig beim Kauf ist, dass das Rad die richtige Größe hat, zum Körper und zum Anwendungsbereich passt. Gerade beim Mountainbike gibt es eine enorme Bandbreite. Ein Hardtail ist etwa nur vorne gefedert und eignet sich beispielsweise für Einsteiger oder Menschen, die gern bergauf fahren, da es leicht und schnell ist. Race Bikes haben hingegen ganz wenig Federweg. Downhill-Boliden besitzen extrem viel Federweg und werden daher nur zum bergab Fahren genutzt. Jeder Hersteller gibt zudem die Größen völlig unterschiedlich an. Daher ist es wichtig, dass der Händler den Hersteller, seine Räder und Größen kennt. Nur so passt das Rad und man ist hinterher auch glücklich.“

Text & Fotos Denise Rosenthal

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