Open Flair Festival –
Feine Sahne Fischfilet

8. bis 12. August | Eschwege

 
Bengalos raus, Pescetarier – es wird stürmisch und dreckig!
Feine Sahne Fischfilet beim Open Flair.
Monchi im Interview zur fangfrischen Platte und der neuen Band-Doku „Wildes Herz“.
Alles auf Rausch. Feine Sahne Fischfilet sind raketenartig zum Headliner jedes ordentlichen Rockfestivals aufgestiegen. Das fünfte Album der lautstarken Mecklenburger „Sturm & Dreck“ haut wieder mächtig auf die Kacke und bezieht politisch klare Stellung: Auch nach elfjährigem Bandbestehen haben Jan „Monchi“ Gorkow und seine fünf Kollegen „Bock auf Stress und eine Menge Hass“. In der Entstehungszeit des Albums hat der Schauspieler Charly Hübner die Punkrocker mit seinem Film-Team begleitet und mit einer packenden Doku sein Regie-Debüt gegeben: Mit intimen Einblicken in Meck-Pomm, das Tourleben der Band und Monchis wilde Vergangenheit.
SP Feine Sahne Fischfilet 2018 01 Andreas Hornoff Art
Wo niemals Ebbe ist
„Ich lebe in einer Gegend, in der 21 Prozent die AfD wählen, das prägt schon. Aber ich wohne sehr gern da. Zuhause ist für mich, wo meine Familie ist“, erzählt uns Frontmann Monchi. Er und seine Schlemmer-Filets sind zwischen perspektivlosen Wendeverlierern, Flüchtlingsheim-Anzündern und Pegidisten aufgewachsen. Der allgegenwärtige Fluchtreflex animierte sie dazu, sich als Band öffentlich gegen Rassismus zu engagieren und ihre Ostsee-Heimat nicht kampflos den Nazis zu überlassen. Charly Hübners neuer Film „Wildes Herz“ zeigt die Bandphilosophie anhand Monchis persönlicher Entwicklung vom hitzigen Hansa-Rostock-Hool zum radikal-aktiven Antifaschisten, der Lebensmittel-Spenden nach Syrien fährt. Aus über 120 Stunden Filmmaterial haben Hübner und sein Co-Regisseur Sebastian Schultz ein 90-minütiges Porträt des 31-Jährigen kreiert, das bei der Vorpremiere beim DOK-Festival direkt vier Preise abgesahnt hat. „Ich glaube, es ist ein schöner Film, aber für mich persönlich sehr, sehr intim“, erklärt Monchi. „Sie haben uns vier Jahre lang in einer turbulenten Zeit begleitet und mit vielen Leuten aus unserem Umfeld geredet. Sie haben uns nicht gesagt, ‚macht mal dies oder das‘, sondern bei dem, was wir gemacht haben, einfach die Kamera draufgehalten und sich als Filmteam immer sehr gut im Hintergrund gehalten. Dadurch war es nicht gezwungen und das hat es für uns einfacher gemacht, so eine extreme Nähe zuzulassen.“

„Ich glaube, diesen ganzen Pazifismus-Quatsch muss man sich erst mal leisten können."

Niemand wie ihr
Die Dokumentation ist eine Kombination aus Interviews, Super-8- und Reportage-Filmszenen mit Fotos und Konzertmitschnitten. Nicht nur Monchi und die Band kommen zu Wort, auch Familienangehörige, Wegbegleiter und sogar der Verfassungsschutz, der die Band über lange Zeit beobachtet hat. „Es gibt schon Sachen, die ich nicht reingenommen hätte. Wenn Freunde und Exfreundinnen irgendwelche krassen Storys erzählen, von denen keiner weiß. Oder die Szenen mit meinen Eltern, wo du merkst, dass denen noch sehr viele Sachen nahegehen, das war schon richtig emotional. Das Lied ‚Niemand wie ihr‘ habe ich nur geschrieben, weil ich das Film-Interview von ihnen gesehen habe. Das war schön, aber auch hart.“ Aufgeregt sei er, wie der Film angenommen wird, wenn er in die Kinos kommt: „Da wird gezeigt, wie ich ein Polizeiauto angezündet habe mit 18, meine Eltern erzählen, wie sie mich mit 14 aus dem Knast abholen mussten. Es geht viel um eigene Fehler und dass ich manchmal ein Idiot bin. Da werden sich viele das Maul zerreißen. Aber das ist völlig ok.“ So ist es schon bei den Album-Releases, berichtet der selbstkritische Sänger. Einmal hat man ihm seine Frontzähne ausgeschlagen – ein Glück, dass seine Mutter Zahnärztin ist – und erst vor ein paar Wochen wurde er auf der Straße bespuckt. Wenn er abends die Facebook-Nachrichten lese, seien da jeden Tag mindestens 15 Morddrohungen dabei. „Klar, auf unserem Album sind auch alles persönliche Geschichten. Beim Konzert ist es megageil, das zu zeigen und wenn die Leute dann mitsingen. Aber wenn du das in einem Film siehst, ist es noch mal krasser. Ich saß bei der Vorpremiere in Leipzig mit 400 Leuten im Kino, da ist alles ruhig und alle gucken den Film und du denkst nur: Fuck. Das ist schon eine ganz andere Art von Intimität und Hose runterlassen.“
Nicht komplett im Arsch
Live waren Feine Sahne Fischfilet immer schon legendär – Bengalo-, Moshpit- und Stagedive-Action inklusive. Diese intensiv-euphorische Energie auf eine Studioplatte zu pressen, gelingt ihnen dieses Mal noch besser als zuvor. Die Auswahl der Szenen auf „Wildes Herz“ dagegen hatte allein die Filmcrew. „Es ist kein Film von uns sondern über uns. Klar, sie haben uns immer mal was gezeigt, aber sie hätten wegen uns auch nicht alles verändert“, erklärt Monchi. „Charly ist ein geiler Typ, mit dem ich sehr viel verbinde. Meinungsverschiedenheiten finde ich da normal oder richtig. Der ist 15 Jahre älter und sieht ein paar Sachen dann vielleicht auch mal anders.“ Hübner, der selbst in Mecklenburg aufgewachsen ist, konnte die Anliegen der Band gut nachvollziehen, auch wenn er selbst früh den Weg raus aus dem Sumpf gewählt hat. Wie die Band ihre letzten Jahre aus der Ego-Perspektive erlebt hat, können Fans auf ihrem Album – und live – hören: „Genau in der Zeit ist ‚Sturm & Dreck‘ entstanden, da sind alle Storys mit drinne. Eigentlich ist es komplett ein Sinnbild für das, was in dem Film erzählt wird.“ Neben dem Dankeslied dafür, dass seine Eltern immer zu ihm standen, finden sich weitere der im Film gezeigten Geschichten auf dem Album. Der Song „Angst frisst Seele auf“ beschreibt etwa, wie Freunde der Band mit dem Tod bedroht wurden, und „Wir haben immer noch uns“ handelt von ihrer „Noch nicht komplett im Arsch“-Kampagne: 2016 tourten sie vor der MV-Landtagswahl durch die Dörfer und Kleinstädte – unterstützt von Künstlern wie Marteria.
SP Feine Sahne Fischfilet. c Neue Visionen Filmverleih ArtSP Feine Sahne Fischfilet2 c Neue Visionen Filmverleih Art
Dreck der Zeit
„Wir wollen mit unserer Musik Kraft geben, schöne Momente schaffen und dass sie Leuten nahegeht“, so Monchi. Darum handeln ihre Lieder von echten Erfahrungen, die eben auch zwiespältig sein können. So trifft auf dem Album der gewohnte Punk-Lifestyle mit intensiven Saufgelagen und Randale auf Selbstreflexion etwa in „Ich mag kein Alkohol“. „Ich würde den Leuten aber niemals mit dem erhobenen Zeigefinger kommen. Ich trinke, auch mal zu viel, und bin auch gewaltsam. Alle Leute sind das.“ Diesen Spagat in ihrem Leben zeigt die Doku, wie Monchi berichtet: „Das ist, was diesen Film auch ausmacht, diese Ambivalenz zwischen lustigen, schönen Momenten und ganz beschissenen, wo ich vielleicht cool wirke aber auch scheiße.“ Die Frage, ob denn auch mal ein Lied über linke Gewalt kommt, beantwortet Monchi lachend: „Nein. Das hat einfach nichts mit meiner Realität zu tun. Ich sehe nicht gerade die neue RAF gründen, sondern die ganzen NSU-Morde. Ich glaube, diesen ganzen Pazifismus-Quatsch muss man sich erst mal leisten können.“ Die Wut über die Abgestumpftheit vieler ist groß und manchmal muss man mit unkonventionellen Mitteln für Aufmerksamkeit sorgen: Während einige Flugstunden entfernt die echten Katastrophen passieren, werden hier Jugendliche wegen brennender Autos kriminalisiert. „Wir waren zum Beispiel an der türkisch-syrischen Grenze bei einem Selbstmord-Attentat und haben dort mit den Leuten gesprochen, darum geht es in ‚Suruç‘. Diesen Menschen, die sich dem IS entgegenstellen, was von Anti-Gewalt zu erzählen, finde ich absurd. Erzähl mal irgendwelchen Flüchtlingen, die angegriffen werden und deren Häuser brennen, dass sie den Leuten Rosen auf den Weg streuen sollen. Vielleicht könnten sie mit denen, die sie abschlachten wollen, ja lieber ein bisschen reden und eine Befindlichkeits-Runde aufmachen? Davon halte ich einfach nichts.“

Interview Evelyn Waldt
Fotos Andreas-Hornoff, Neue Visionen Filmverleih

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