Was machen eigentlich all die anderen in Corona-Zeiten so?
Die affektierten Gähner von pseudosolidarischen Promis in ihren Home-Gyms sind inzwischen wirklich langweilig geworden. Was machen eigentlich die anderen alle so, während das Corona-Virus Braunschweig und die Region zum Innehalten zwingt? Wir haben ein paar SUBWAY-Leserinnen und -Leser gefragt, wie sie den derzeitigen Stillstand überstehen und die Lage einschätzen.
Paul, 23

Wie denkst Du über die Maßnahmen, die im Angesicht des Corona-Virus getroffen wurden?

Ich gehe jetzt vor allem auf Deutschland ein. In Anbetracht der Entwicklung in China hätte man nach dem Ausbruch in Italien schneller reagieren müssen. Nach dem Treffen der Gesundheitsminister wurden die Grenzen noch offengehalten, was sicherlich nicht zur Eindämmung beigetragen hat. Insgesamt wurden Maßnahmen teilweise zu spät getroffen, gerade Grenzschließungen zu "infizierten" Ländern. Generell finde ich die Maßnahmen wie Grenzschließungen, Kontaktverbote beziehungsweise -reduktion, Ausgangsbeschränkungen sehr sinnvoll, da sie eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern oder minimieren können. Die Maßnahmen sind unbedingt nötig gewesen, man sieht an anderen Ländern, wie schnell die Todeszahlen in die Höhe schießen, wenn nicht entschlossen vorgegangen wird. Auch zeigen Beispiele wie Südkorea, dass konsequentes, richtiges Handeln zu einer erfolgreichen Eindämmung führen kann. Ich denke, Deutschland ist auf dem richtigen Weg, könnte aber in manchen Punkten vielleicht noch weitere Maßnahmen gerade regional treffen.
Welche Maßnahmen haben Dich besonders überrascht?
Eigentlich keine, weil vorher meist in den Medien darüber gesprochen und sie in der Politik diskutiert wurden. Natürlich hätte ich mir aber so Dinge wie drastische Grenzschließungen oder Ausgangssperren gerade in Europa ein halbes Jahr früher nur schwer vorstellen können. Das einzige was ein wenig überraschend war, war die riesige Rückholaktion von Deutschen im Ausland. Da hat mich vor allem überrascht, wie viele Deutsche im Ausland sind. (lacht)

Was fehlt dir jetzt besonders?
Sport! Persönliche soziale Interaktion natürlich auch, aber ich habe glücklicherweise gerade sehr viel zu tun, deswegen trifft es mich nicht so hart wie andere, die im Moment nur zu Hause sitzen können. Zum Teil auch Warenverfügbarkeit – ich kann nicht einfach zum Baumarkt oder so und etwas kaufen, was ich gerade brauche.

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Triffst du weiterhin Freunde?
Bis auf eine Ausnahme: Nein, da ich mich isolieren will. Online gibt es natürlich keine Beschränkungen, da hat die Interaktion stark zugenommen.

Wenn ja, was unternehmt ihr so zusammen?
Wohnung streichen, deswegen war es auch nötig, sich zu treffen. (lacht)

Wie verbringst Du deine Zeit Zuhause?
Sachen erledigen, die so anliegen. Ansonsten vor allem vor dem PC.

Hast Du Angst vor den Folgen des Virus?
Angst ist ein starkes Wort – ich würde sagen Sorge. Und ja, gerade der wirtschaftliche Einbruch bringt natürlich Unsicherheit im Job mit sich. Auch kann ich mir vorstellen, dass einige Produkte bald nicht mehr oder nur noch eingeschränkt verfügbar sein könnten, wenn einzelne Länder sehr stark betroffen sind. Ich kann mir vorstellen, dass politische, aber auch kriegerische Konflikte in der Welt zunehmen werden, das macht mir Sorge. Und zu gesundheitlichen Folgen für mich selbst, falls ich das Virus bekomme sollte: Da ist die Angst eher gering, die meisten überstehen die Krankheit ja unbeschadet.

Hättest Du dir, bevor es eingetreten ist, vorstellen können, dass eine solche Pandemie ausbricht?
Ja, ich hätte es mir schon vorstellen können. Aber einen so drastischen Ausbruch wie jetzt nicht. Hätte man mir das jetzige Szenario vor einem halben Jahr erzählt, hätte ich es bestimmt nicht für möglich gehalten.

Evelyn, 52

Wie denkst du über die Maßnahmen, die im Angesicht des Corona-Virus getroffen wurden?
Die getroffenen Maßnahmen sind sinnvoll und dringend notwendig, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Jedoch hätten die Maßnahmen viel früher getroffen werden müssen. Besonders Kurzarbeit oder vorübergehende Schließungen von Geschäften, Unternehmen/Behörden, Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen hätten wirklich bedeutend früher vollzogen werden müssen, um die Ansteckungsgefahr beziehungsweise Verbreitung zu minimieren. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass wir Beschäftigte im öffentlichen Dienst (Behörde mit Publikumsverkehr) als einer der letzten Arbeitnehmergruppe ins Home-Office geschickt wurden, wo Beschäftigte aus anderen Unternehmenszweigen bereits zu Hause bleiben mussten.
Ich hätte mir auch drastischere Maßnahmen, wie sie in Süd-Korea umgesetzt wurden, auch hier in Deutschland gewünscht, wie beispielsweise Fiebermessungen und Schnelltests an Kontrollpunkten beziehungsweise in betroffenen Gebieten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.


Welche Maßnahmen haben dich besonders überrascht?
Plötzliche Schließungen von Läden und Massenkurzarbeit beziehungsweise Home-Office in Unternehmen.

Was fehlt dir jetzt besonders?
Mich frei zu bewegen und ungezwungene Treffen mit Familie und Freunden.

Triffst du im Moment trotzdem Freunde?
Nein!
Wie verbringst du deine Zeit Zuhause?
Ich arbeite zum Teil im Home-Office, putze und räume meine Wohnung auf, gehe spazieren und unterstütze meinen Sohn beim Renovieren und Einrichten seiner neuen Wohnung.
Ich bin auch jemand, der mit dem Alleinsein gut zurechtkommt. Daher genieße ich zurzeit die Ruhe um mich herum.

Hast du Angst vor den Folgen des Virus?
Bis vor kurzem hatte ich keine Angst! Ich war sehr zuversichtlich und entspannt. Erst durch die Medien habe ich ein beklemmendes Gefühl bekommen. Nun mache auch ich mir große Sorgen um die Zukunft; um meine und die meiner Kinder und über unser Gesundheitssystem und unsere Wirtschaft in Deutschland! Erhalten alle Corona-Kranke eine medizinische Versorgung? Bekommen wir vielleicht Zustände wie in Italien, wo Ärzte im Krankenhaus über Leben und Tod entscheiden müssen? Wie werden die Klein- und Mittelständigen-Unternehmen die Krise überstehen? Was wird dann mit den vielen Kurzarbeitern, Arbeitslosen und Sozialschwachen – werden die finanziellen Mittel ausreichen? Was ist, wenn ich oder meine Kinder oder einer aus meiner Familie an dem Virus erkrankt, vielleicht sogar lebensbedrohlich? Je mehr ich durch die Medien erfahre, umso größer wird die Angst! Und das ist meiner Meinung nach nicht gut für die eigene Psyche und des engeren Umfeldes.
Man sollte zwar vorsichtig sein, aber nicht in Hysterie oder Panik verfallen. Negative Gedanken belasten einen selbst sowie andere und verbreiten eine negative Grundstimmung. Besser ist es, sich von angstmachenden Äußerungen zu distanzieren und sich nicht reinzusteigern, um angstfrei und positiv zu bleiben - denn positive Gedanken können einem selbst und anderen Menschen Mut und Hoffnung schenken.

Hättest du dir, bevor es eingetreten ist, vorstellen können, dass eine solche Pandemie ausbricht?

Nein! Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht.

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Hannah, 25

Wie denkst Du über die Maßnahmen, die im Angesicht des Corona-Virus getroffen wurden?
Sie erschweren meine aktuelle Situation – ich stecke mitten in einem Umzug. Sie sind aber absolut sinnvoll und meiner Meinung nach zu spät getroffen worden.

Welche Maßnahmen haben Dich besonders überrascht?
Mich hat sehr überrascht und verängstigt, dass in dieser Situation von einer Ausgangssperre gesprochen wurde. Obwohl eine solche Maßnahmen ja eigentlich nicht überraschend gekommen wäre. (lacht)

Was fehlt dir jetzt besonders?
Meine Freunde und Familie als seelische Unterstützung während des Umzugsstress.

Triffst du weiterhin Freunde?
Im Rahmen des Umzugs habe ich ein paar Freunde um Hilfe gebeten. Sonst nicht, und werde ich auch nicht tun.
Wie verbringst Du deine Zeit Zuhause?
Tätigkeiten, die durch den Umzug anfallen. Kartons auspacken, aufräumen, putzen etc.

Hast Du Angst vor den Folgen des Virus?
Definitiv. Auf der einen Seite habe ich Angst, welche Folgen das Virus für mich persönlich mit sich bringt, zum Beispiel in Bezug auf mein Studium. Auf der anderen Seite macht mir auch Sorgen, welche Auswirkungen sich für uns alle ergeben werden, in Bezug auf Politik, Wirtschaft und und und.

Hättest Du dir, bevor es eingetreten ist, vorstellen können, dass eine solche Pandemie ausbricht?
Nein, das hätte ich mir nicht wirklich vorstellen können.
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Daniel, 24


Wie denkst Du über die Maßnahmen, die im Angesicht des Corona-Virus getroffen wurden?
Das sind harte Maßnahmen, die aber leider aktuell notwendig sind, um Schlimmeres zu verhindern. Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht weiter verschärft werden sollten. Ich denke, dass spätestens ab Mai die Maßnahmen wieder gelockert werden müssen. Eine freiheitlich demokratische Gesellschaft kann und sollte solche Maßnahmen nicht dauerhaft akzeptieren. Spätestens ab Mai, denke ich, wird es ohnehin so sein, dass die derzeit noch gegebene Bereitschaft der Bevölkerung, die Maßnahmen zu tragen abnehmen wird. Entweder wird die Anzahl der Fälle bis dahin stark sinken und man wird nicht mehr gewillt sein, sich einschränken zu lassen, weil es offensichtlich geholfen hat, oder, wovon ich nicht ausgehe und was ich auch nicht hoffe, die Infektionen werden weiter steigen, was wiederum zeigen würde, dass die Maßnahmen sinnlos sind. Bestimmte Einschränkungen werden uns sicherlich langfristig erhalten bleiben, zum Beispiel das Verbot von Großveranstaltungen, aber so ein Zustand, wie wir ihn jetzt haben, kann eigentlich nicht langfristig beibehalten werden. Meines Erachtens wäre das noch gefährlicher für die Gesellschaft, als das Virus selbst.
Welche Maßnahmen haben Dich besonders überrascht?
Eigentlich alle, weil die Freiheit einschränkende Maßnahmen kannte ich bisher in meinem Leben noch nicht, zumindest nicht in Deutschland.

Was fehlt dir jetzt besonders?
Die Freiheit, sich mit Freunden spontan draußen zu treffen und seinen Tag spontan zu gestalten. Jetzt ist man an seine Wohnung gebunden. Das klingt jetzt vielleicht banal, aber auch, dass man nicht mal Fußball gucken kann – das fehlt irgendwie auch. Außerdem fehlt die Gewissheit, wann das wieder vorbei ist.

Wie verbringst Du deine Zeit Zuhause?
Lesen, Kochen, Fernsehen gucken, mehr Zeit vor der PlayStation verbringen. Ich versuche auch, etwas für die Uni zu machen, aber bisher mit mäßigem Erfolg.
Hast Du Angst vor den Folgen des Virus?
Ich habe keine Angst vor dem Virus oder den direkten Folgen, aber ich mache mir Sorgen, inwiefern diese Zeit mit ihren Maßnahmen unser Leben verändern könnte. Das kann für viele existenzbedrohend sein, sei es für Restaurants, für kulturelle Einrichtungen oder Bars, Clubs und so weiter. Das sind Sachen, die in einer freien Gesellschaft wichtig sind. Deshalb hoffe ich, dass man das alles weitgehend unbeschadet überstehen kann. Zudem hoffe ich, dass man danach wieder einigermaßen zur Normalität zurückkehren kann und sich daraus nicht so eine verängstigte Gesellschaft entwickelt, die übervorsichtig wird und die Leute sich selbst in ihrem Leben einschränken.

Hättest Du dir, bevor es eingetreten ist, vorstellen können, dass eine solche Pandemie ausbricht?
Ich hätte mir vorstellen können, dass so eine Pandemie ausbricht. Gab’s ja auch schon vorher, wenn vielleicht auch nicht in so einer krassen Form, wie wir es jetzt haben. Aber ich hätte mir bis vor zwei Wochen noch nicht vorstellen können, dass die Maßnahmen, die ergriffen werden, derart krass sind.

Interview Isabel Pinkowski
Fotos JenkoAtaman, Svyatoslav Lypynskyy,
VectorMine, dekdoyjaidee-stock.adobe.com (alle)

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