Nur ein halbes Jahr bleibt bis zum Ausbildungsbeginn. Noch unentschlossen? Dr. Jens Bölscher über Entscheidungsfindung, Ausbildungswechsel und-abbruch.
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Das Halbjahreszeugnis ist gerade erst frisch gedruckt worden und bis zum Ausbildungsstart im August dauert es ein weiteres halbes Jahr. Viele Schüler wissen schon, was sie machen wollen und haben sich vielleicht sogar bereits beworben ... Aber was, wenn man noch keine Idee hat, in welche Richtung es für einen gehen könnte? Oder ob man vielleicht doch studieren sollte? Und wenn man schon eine Lehre angefangen hat und jetzt wechseln will?
Dr. Jens Bölscher, Geschäftsführer der Braunschweiger WelfenAkademie, hat Antworten auf diese Fragen.
Berufsorientierung: So geht‘s richtig
Online-Tests, eine professionelle Beratung und das eigene Bauchgefühl sind ein guter Anfang beim Ausloten nach der richtigen Option – schließlich gibt es mehr als 320 Ausbildungen, aus denen man die passende Wahl treffen muss. „Es ist vor allem wichtig, herauszufinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Schulnoten allein sind dabei aber nicht immer aussagekräftig“, erklärt Bölscher, „Darüber hinaus gilt es herauszufinden, wofür man wirklich brennt“.
Er empfiehlt außerdem die jährliche Berufsorientierungsmesse Vocatium, die auch in der Löwenstadt dazu einlädt, Ausbildungen, Berufe und Unternehmen kennenzulernen. Viele große Ausbildungsbetriebe, wie auch die WelfenAkademie, bieten persönliche Beratungen für unsichere Schüler an. Meistens gibt es dazu die Möglichkeit, sich vor dem Ausbildungsbeginn bei einem Tag der offenen Tür oder am Zukunftstag, beziehungsweise Girl’s- oder Boy’s-Day Betriebe und Berufe anzusehen und für sich zu entscheiden, was das Richtige ist.

Praxis vs. Theorie
Für viele Schüler stellt sich außerdem die Frage, ob sie denn eine Ausbildung oder lieber ein Studium anfangen möchten. Auch Bölscher findet, dass dies eine schwierige Entscheidung ist: „Wichtig ist doch neben einer fundierten theoretischen Ausbildung die Heranbildung von Praxis- und Handlungsorientierung.“ Studenten sollten daher an ihrer Praxiserfahrung arbeiten, Azubis an der theoretischen Fundierung ihrer Kenntnisse, meint der 48-Jährige.
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Doch kein Match?
Und wenn man bereits mit einer Ausbildung begonnen hat und merkt, dass man in dem Beruf oder dem Betrieb unzufrieden ist? „Ich empfehle die offene Kommunikation mit Entscheidungsträgern. Wer um Hilfe bittet, wird diese meiner Erfahrung nach meistens bekommen“, erzählt Bölscher. Für den Fall hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt VerA ins Leben gerufen: Das Projekt bringt Azubis, die Schwierigkeiten haben, und ehrenamtliche Senior-Experten zusammen. Diese helfen nicht nur bei Prüfungsvorbereitungen, beantworten fachliche Fragen und fördern die Lernmotivation, sie helfen auch, wenn der Auszubildende wechseln oder abbrechen möchte. Bölscher weiß: „Wenn man das Gefühl hat, einen Wechsel vollziehen zu wollen, sollte man nie überhastet aufgeben. Vielmehr sollte man sich von mehreren Personen beraten lassen.“ Gründe, seine Ausbildung aufzugeben, sind vielfältig. Im vergangenen Jahr haben etwa ein Viertel aller Azubis ihre Ausbildung abgebrochen. Der Stress, die schlechte Bezahlung und die Überstunden in einigen Bereichen strapazieren die Auszubildenden. Andere Gründe für den Abbruch können häufiger Streit mit dem Vorgesetzten, gesundheitliche Gründe oder eine inhaltliche Abweichung der eigenen Vorstellungen sein. Auch wenn man das Gefühl hat, nichts oder zu wenig zu lernen, oder aber mit den Inhalten überfordert zu sein, kann das zu einem Wechsel führen. „Wenn man sich entschieden hat, seine Ausbildung oder sein Studienfach zu wechseln, stellen die verantwortlichen Institutionen, wie beispielsweise die Personalabteilung oder das Immatrikulationsamt, alle Informationen oft in Form von Checklisten zur Verfügung“, erzählt Bölscher. So kann doch noch jeder eine Ausbildung finden, die ihn erfüllt.

Text Giana Holstein
Fotos THIEMO, Volker Witt, JackF - Fotolia.com

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