So viel Zeit wird den meisten Bewerbungsmappen entgegengebracht, bevor sie in die „Rundablage“ wandern. Wir haben Personal-Entscheider Alexander von Lützow von der technischen Akademie TEUTLOFF gefragt, was wirklich zählt.
Wer sich einmal in den Dschungel der Bewerbungsportale begibt, kriegt schneller seine erste Panik-Blockade als er ‚Lebenslauf‘ tippen kann. Bewerbungen sollen immer kreativer und persönlicher daherkommen. Aber was ist individuell, was wirkt unprofessionell? Wie geht man mit Schwächen um und wie wichtig sind Soziale Netzwerke? Alexander von Lützow von der TEUTLOFF® Technische Akademie erklärt, wie Bewerbungen auf der Entscheiderseite ankommen.
Fotolia 79296141 Subscription XXL underdogstudios Fotolia.com Art
Herr von Lützow, wirklich nur sechs Sekunden für die erste Einordnung?
Ob sechs, neun oder zwölf Sekunden ist individuell natürlich unterschiedlich, aber es ist schon so, dass man in dieser Zeit einen ersten äußeren Eindruck der Bewerbung bekommt: Ist sie sauber und ordentlich oder sind da Kaffeeflecken und Eselsohren drin? Ist sie vollständig? Wie finde ich sie optisch? Man stellt dabei auch recht schnell fest, ob es sich um eine standardisierte Massenbewerbung handelt, die kann man dann gleich aussortieren.

Wie kreativ dürfen Bewerbungen heute sein?
Es ist heute nicht mehr ganz so starr, aber es gibt schon deutliche branchen-spezifische Unterschiede. Grundsätzlich kann man sagen, je kreativer das Stellenprofil ist, auf das man sich bewirbt, desto größer ist auch das Kreativpotential, das man bei der Bewerbung walten lassen sollte. Wenn jemand sich als Mediengestalter bewirbt, ist natürlich die Schöpfungsfreiheit, mit der man seine Bewerbung anreichert, deutlich wichtiger als für eine Bank.
Und wie ist es in technischen Berufen?
Da geht man nach wie vor eher den klassischen Weg und das kommt mir als Auswählendem sehr entgegen. Viele der Bewerbungen kriegen wir per E-Mail, weniger die eigentlichen Bewerbungsmappen. Auch das ist völlig korrekt und entlastet mich sogar, wenn die Unterlagen in digitaler Form vorliegen, weil ich sie dann im Vorfeld weiteren Personen, die am Auswahlprozess beteiligt sind, leichter zugänglich machen kann. Und selbst in der technischen Branche gibt es ja ganz unterschiedliche Berufsprofile, von denen einige viel Kreativität erfordern. Ich kann nur raten, schon innovativ und individuell zu sein, aber es nicht zu übertreiben, denn die Einschätzung, ab wann etwas zu viel ist, ist sehr davon abhängig, wer auf der anderen Seite sitzt und den kennt man ja meist nicht.

Worauf kommt es im Anschreiben an?
Wichtig ist, sich möglichst konkret mit der Stellenbeschreibung auseinanderzusetzen und sich genau darauf zu beziehen. Nicht einfach alles Mögliche an Erfahrungen reinpacken nach dem Motto: Kann ja nicht schaden. Meist haben sich die Menschen nämlich das Anforderungsprofil sehr genau überlegt. Und je besser ein Bewerber mit seinen Unterlagen darauf Antwort gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eingeladen zu werden. Da liegt die Kunst natürlich in der Beschreibung. Nicht den ganzen Katalog Punkt für Punkt abarbeiten, sondern subtilere und implizite Formulierungen verwenden. Man muss sich aber darauf einstellen, zu allen diesen Dingen im Gespräch befragt zu werden. Etwa: Woran macht die Person „Team-“ oder „Kritikfähigkeit“ fest?

Und ist es wirklich so fatal: Ohne einen korrekten Ansprechpartner ist man aussortiert?
Man merkt im Anschreiben immer schnell, ob sich jemand wirklich mit der Stelle auseinandergesetzt hat oder eine Nullachtfünfzehn-Massenbewerbung losgeschickt hat. Meine Empfehlung: Niemals machen. Manchmal habe ich nicht direkt einen Ansprechpartner, aber ich würde mich immer bemühen, einen herauszufinden. Ich könnte etwa vorab in dem Unternehmen anrufen und die meisten Firmen haben heute eine Internetpräsenz. Es ist schon etwas ganz anderes, wenn man den Entscheider persönlich ansprechen und sagen kann: „Danke für das sehr nette Gespräch im Vorfeld und die zielführenden Informationen, die Sie mir gegeben haben. Auf dieser Basis fühle ich mich bestärkt, mich bei Ihnen zu bewerben.“ Statt: „Sehr geehrte Damen und Herren, im Internet habe ich Ihre Stellenausschreibung gesehen“ ...
Und ‚Cliffhanger‘ à la „Wollen Sie wissen, welche exklusiven Einsichten ich durch mein Raketenwissenschafts-Praktikum gewonnen habe? Das erzähle ich Ihnen gern persönlich.“?
Das ist in Ordnung, wenn es nicht überzeichnet ist. Ein gesundes Selbstbewusstsein schadet nicht, nach dem Motto: Ich weiß, was ich kann, kann das auch unter Beweis stellen und gehe davon aus, dass mein Gesamtprofil sehr passend ist. Man muss aber aufpassen, dass es nicht ins Freche abrutscht, was unsympathisch oder aufschneiderisch wirkt, da kommt es genau auf die Formulierung an. Ein Satz wie „Gern würde ich Sie mit weiteren Details zu meinem Leistungsspektrum im persönlichen Gespräch überzeugen“ wirkt nicht unglaubwürdig.

Wie steht man zu Schwächen und Lücken?
Zu bestimmten Lücken muss man stehen. Ich würde sie aber etwas positiv umschreiben und weniger von dem Wort „Schwäche“ als von „Optimierungspotential“ sprechen. Einem Entscheider ist ja klar, dass im Leben eines Menschen eben nicht immer alles glatt läuft, das ist bei den wenigsten der Fall. Es gibt auch einfach Dinge, die man nicht beeinflussen konnte, die aber in einem Lebenslauf unter Umständen problematisch wirken. Da sollte man versuchen, möglichst viel Erklärung bereitzustellen, ohne sich dabei permanent zu entschuldigen. Spätestens im Gespräch muss man zu bestimmten Lücken Stellung nehmen. Eine längere Arbeitslosigkeit zum Beispiel: Wie haben Sie diese Zeit genutzt? Ob man nur am Baggersee gelegen oder versucht hat, sich weiter zu qualifizieren, kommt unterschiedlich gut an.
Werden alte Arbeitgeber wirklich angerufen? Wie wichtig sind Referenzen?
Das gibt es schon ab und zu, aber ich persönlich als Entscheider rufe die genannten Referenzen eher nicht an. Weil derjenige, der die Referenz in den schriftlichen Unterlagen angibt, sich natürlich jemanden ausgesucht hat, der sich positiv über ihn äußern wird. Das weiß ein Personaler natürlich. Insofern stellt sich die Frage: Wie glaubwürdig ist diese Referenz? Ich gehe lieber ganz unvoreingenommen an eine Bewerbung.

Sind professionelle Bewerbungsfotos wichtig?
Machen wir uns nichts vor, das Auge isst mit. Es sollte nicht ausschlaggebend sein, aber es ist Teil des Gesamteindrucks. Und für gewisse Berufsprofile spielt die optische Erscheinung eine Rolle, überall wo ich massiv Außenwirkung habe. Für andere Berufe ist das Aussehen dagegen völlig egal. Ich versuche das für mich auszublenden, ob es mir immer gelingt, weiß ich nicht. In jedem Fall sollte das Foto sympathisch, authentisch und nicht gestellt wirken. Denn eins ist klar, ich kann mich auf einem Foto verstellen, beim Vorstellungsgespräch vielleicht auch noch, ich werde mich aber auf Dauer im Unternehmen nicht verstellen können.
Wie steht es um Soziale Netzwerke?
Da gehen junge Menschen häufig mit einer gewissen Blauäugigkeit heran. Es gibt durchaus einige Unternehmen, die ihre Kandidaten überprüfen und zum Beispiel mal bei Facebook eingeben. Es gibt dann Bewerber, die über eine eigene Webseite oder Karrierenetzwerke ihr Profil für den potentiellen Arbeitgeber noch ausdifferenzieren, und andere, die sich mit vielleicht freizügigen oder anders unvorteilhaften Fotos und Äußerungen präsentieren. Es gibt sicherlich Firmen, die einen lockereren Blick darauf haben. In jedem Fall sollte man aber mit dem Medium bewusst umgehen, denn gewisse Rückschlüsse kann man immer ziehen.

Haben Sie noch besondere Tipps?
Es fällt sehr gut im Anschreiben auf, wenn man sich wirklich dezidiert über das Unternehmen informiert hat. Zu wissen, wer die Entscheider sind und was das Unternehmen eigentlich macht, wirkt interessiert und hebt sich ab. Ansonsten versuchen, unverkrampft heranzugehen. Es hilft, eine spätere Gesprächssituation vor Freunden zu simulieren, die offen Kritik üben würden. Idealerweise mit Videounterstützung. Um selbst zu sehen: Wie sitze ich da, wie sind Gestik und Mimik, wie reagiere ich auf schwierige Einwendungen? Da gibt es online viele Tipps, wie man sich relativ einfach selbst optimieren kann. Einen guten Eindruck macht zudem, wenn man vorschlägt, einen Tag Probe zu arbeiten. Das kann auch für den Bewerber selbst aufschlussreich sein.
S Alexander von Luetzow TEUTLOFF Art
Die TEUTLOFF® Technische Akademie ist der regionale Spezialist für die gewerblich-technische Aus- und Weiterbildung. Als älteste Technikerschule Deutschlands in freier Trägerschaft steht sie seit mehr als 100 Jahren mit innovativen Bildungsangeboten und hohen Qualitätsstandards für individuelle Beratung, Qualifizierung und Vermittlung technischer Fach- und Führungskräfte.

Interview Evelyn Waldt
Fotos underdogstudios - Fotolia.com, TEUTLOFF Technische Akademie gGmbH Braunschweig

User Rating: 0 / 5

instagram

subway_magazin
Da ist sie endlich, die Juni-SUBWAY! ☀️ . Dieses… https://t.co/UZRcC53ylr
subway_magazin
Am 19. Mai eröffnet die… https://t.co/0NiD5aKEtn
Follow subway_magazin on Twitter

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de