Die neue Reform der Pflegeausbildung ist seit Januar am Start –
was kann sie und wird jetzt alles besser?
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Frühchen in Brutkästen, Erwachsene mit Knochenbrüchen oder Senioren in Altersresidenzen – irgendwie, irgendwo und irgendwann sind Menschen auf Hilfe angewiesen. Mit großer Sicherheit auch du und ich: Wer kümmert sich um uns, wenn wir beispielsweise mal alt sind? Wer betreut den geliebten Nachwuchs direkt nach der Geburt? Pflege geht uns alle was an.
„Für mich ist Helfen eine Berufung“, erklärt der 24-jährige Altenpfleger Jan, „ich blicke jeden Tag in die dankbaren Gesichter der Heimbewohner und merke dadurch, wie wertvoll meine Arbeit bist.“ Dabei gelang der großherzige Braunschweiger erst über einige Umwege in die Pflegebranche.

„Eigentlich hatte ich mit 16 eine Ausbildung zum Elektroniker begonnen. Ich war nach der Realschule noch ziemlich orientierungslos und nahm einfach die erstbeste Stelle an. Nach dem zweiten Lehrjahr merkte ich aber, dass ich mich mit dem Beruf nicht identifizieren kann und brach die Lehre ab. Zur Überbrückung bin ich dann irgendwie in die Pflegeschiene gerutscht.“ Drei Jahre assistierte der 24-Jährige bei der Pflege von Senioren, bevor er sich letztendlich für eine Ausbildung zum Altenpfleger entschied. „Eigentlich war mir schon früher klar, dass ich Altenpfleger werden möchte, aber wenn man seine eigene Wohnung hat und einen gewissen Lebensstandard führt, ist ein Azubigehalt natürlich auch eine gewisse finanzielle Frage.“

Und so startete Jan im Herbst 2016 gemeinsam mit rund 63 000 Jugendlichen bundesweit in eine pflegerische Ausbildung. Doch obwohl die Zahl der Pflegekräfte in den vergangenen Jahren erfreulicherweise wieder gestiegen ist, herrscht in Deutschland immer noch ein enormer Fachkräftemangel. Das liegt unter anderem an dem demografischen Wandel, denn der medizinische Fortschritt sowie die sehr guten Lebensverhältnisse führen dazu, dass die deutsche Bevölkerung im Schnitt sieben Jahre Lebenszeit dazugewonnen hat. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch das Risiko der Pflegebedürftigkeit oder Erkrankung, sodass zurzeit ungefähr 3,3 Millionen Menschen in Deutschland auf professionelle Hilfe angewiesen sind.
Das Ding hat Zukunft
Modern, durchlässig und zukunftsorientiert – so soll die neue Pflegereform aussehen, die sich Gesundheitsminister Jens Spahn auferlegt hat, um den Pflegeberuf wieder attraktiver und zugänglicher zu machen. Dreh- und Angelpunkt des im Juli 2017 verkündeten Pflegeberufegesetzes ist die Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung zur „Pflegefachfrau“ beziehungsweise zum „Pflegefachmann“.

Das bedeutet, dass die ursprünglichen Ausbildungsberufe der Alten-, Kranken- sowie Kinderkrankenpflege ineinander verschmelzen und die Azubis zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in jeglichen Versorgungsbereichen befähigt werden. Während an Pflegeschulen also die theoretischen Grundlagen vermittelt werden, durchlaufen die emsigen Berufseinsteiger im praktischen Teil unterschiedliche Arbeitsgebiete. Die Pflegeausbildung ist nun auch kostenlos, denn mit der Reform wurde glücklicherweise das Schulgeld abgeschafft. Und am Ende der Lehrjahre steht natürlich noch eine staatliche Abschlussprüfung an, bevor die gutausgebildeten Azubis auf die spannende Berufswelt losgelassen werden.
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Wie sehen meine Einstellungschancen aus?
Sehr gut, denn aufgrund der breitgefächerten Kompetenzen, die die Azubis während der generalistischen Pflegeausbildung entwickeln, besitzen sie auf dem Arbeitsmarkt bessere Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten. Des Weiteren wird der neue Abschluss auch in der gesamten Europäischen Union automatisch anerkannt, sodass dem neuen Job beispielsweise im sonnigen Spanien nichts mehr im Wege steht. Merkt man während der Ausbildung doch, dass man Bock auf eine Spezialisierung hat, so kann man vier bis sechs Monate vor Beginn des letzten Ausbildungsdrittels noch einen Schwerpunkt entweder in der Gesundheit- und Kinderkrankenpflege oder in der Altenpflege setzen.

„Durch die Reform ist man als Pflegekraft vielseitig einsetzbar. Dennoch verstehe ich, dass man innerhalb einer dreijährigen Ausbildung auch nicht in allen Bereichen gleich gut und umfangreich ausgebildet werden kann. Jedoch bildet die Ausbildung ja nur einen Grundstein, der Rest kommt doch sowieso erst durch die Berufserfahrung“, meint Altenpfleger Jan zur neuen Pflegereform.

Es gibt aber auch noch die Möglichkeit eines Pflegestudiums. Während die Studenten an der Hochschule alle theoretischen und praktischen Grundlagen erlernen, leisten sie zeitgleich 2 100 Stunden in Einrichtungen der stationären und ambulanten Akut- und Langzeitpflege ab. Durch eine bereits abgeschlossene berufliche Pflegeausbildung kann das dreijährige Pflegestudium sogar um die Hälfte verkürzt werden.
Bin ich geeignet?
In der Pflege wird vor allem körpernahe Arbeit verrichtet. Das bedeutet, du solltest keine Scheu haben, Patienten aller Altersklassen zu waschen, zu wickeln und zu füttern. Das mag am Anfang vielleicht etwas komisch und ungewohnt sein, aber mausert sich in kürzester Zeit zu einer normalen Routine. Teil des Berufsbildes ist es allerdings nicht nur die Patienten zu umsorgen, sondern sich auch mal die Zeit zu nehmen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen oder eine Runde Halma zu spielen. „Ich genieße diese Begegnungen sehr. Es lässt mich oft sehr demütig und dankbar für das werden, was ich habe“, gibt Jan zu. Eine gewisse Empathie und Freude am Umgang mit Menschen sind somit wichtige Aspekte, die du mitbringen solltest.

Generell gilt: Mach doch erst mal ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, um zu schauen, ob eine generalistische Pflegeausbildung etwas für dich ist. Vielleicht ergeht es dir dann ja so wie Jan: „Ich bin durch meine Pflegetätigkeit zu dem Menschen geworden, der ich jetzt bin und da bin ich auch ein kleines bisschen stolz drauf.“

Text Denise Rosenthal
Fotos Halfpoint, Pixel-Shot - stock.adobe.com

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