Das Bewerbungsgespräch ist eingetütet – jetzt geht’s ans Eingemachte: Was soll man nur anziehen? Hose oder Rock? Sneaker oder High Heels? Schlicht oder wenigstens ein Statement-Accessoire? Ulrich Dörflinger von Rebmann Fashion Style gibt Rat.

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Das Bewerbungsoutfit ist ein heikles Thema: Die Gelegenheit, einen perfekten ersten Eindruck zu machen, bekommt man nur einmal. Ulrich Dörflinger, Inhaber des Braunschweiger Familienunternehmens Rebmann Fashion Style kennt die Probleme – und das passende Kleidungsstück für jeden Anlass. Im Interview erklärt uns der Experte, wie man seinem Traumberuf stilsicher und souverän entgegenschreitet.

Was kann Kleidung über einen Bewerber aussagen und an welchen Merkmalen kann man das festmachen?
Es gibt zwei Hauptmerkmale. Zum einen: Wie viel liegt demjenigen am eigenen Äußeren, ist er ungepflegt oder gepflegt, introvertiert oder extrovertiert, ist er modebewusst, konservativ, stilvoll, billig, dominant, unterwürfig … die Liste kann beliebig erweitert werden. Die Kleidung ist insofern unheimlich interessant für jeden Personaler. Zum anderen die Anpassungsfähigkeit: Stellt sich der Bewerber auf seine zu erwartende Umgebung ein oder ist sie ihm egal und er will nur seinen Individualismus beweisen? Das zeugt von wenig Teamfähigkeit. Solche Details prallen voll und im ersten Moment auf den potentiellen Arbeitgeber ein und entscheiden sofort über die Schublade, in die der Bewerber gesteckt wird. Also Vorsicht! Es heißt nicht umsonst: „Für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“. Ist der versaut, kann man nur hoffen, dass man die Möglichkeit erhält, sich mühsam aus dieser Kiste wieder herauszuarbeiten.

Wie kann Kleidung bei einem Bewerbungsgespräch Einfluss nehmen?
Nach dem ersten Eindruck sind eigentlich hauptsächlich „irritierende“ Bestandteile fähig, den weiteren Gesprächsverlauf zu beeinflussen: Protzige Details, Knall- und Warnfarben. Das Outfit sollte generell nicht offensiver sein als das des Gesprächspartners, um ihm nicht das Gefühl zu verleihen, man sehe sich als etwas Besseres und wolle Dominanz ausstrahlen. Es gilt für alle Kleidungsstücke das sozialdarwinistische Prinzip: Ich empfehle mich meinem Arbeitgeber am besten als gesunder, kräftiger Mensch, der das Unternehmen zu neuen Ufern bringt. Politisch muss ich dabei darauf achten, dass ich mich nicht unglücklich über mein Gegenüber stelle. So kennzeichne ich mit meiner Kleidung, dass ich mich in die Hierarchie einzugliedern weiß.

Welche Trends gibt es derzeit bei „klassischen“ Bewerbungsoutfits?
Dem Bewerber wird es nicht mehr so einfach gemacht wie früher. Damals war es die einfachste Wahl, sich in einen Anzug oder ein Kostüm zu werfen, Hemd oder Bluse zu tragen und der Herr Krawatte. Heute ist das anders: Man zeigt, dass man die Unternehmenskultur und die Arbeit, in die man sich hineinbewirbt, verstanden hat. So ist die Bank noch konservativ oder „klassisch“ geblieben, beim Floristen wird aber natürlich keiner einen Anzug erwarten. Saubere ordentliche Kleidung, gepaart mit stimmigen Accessoires, vielleicht sogar einem dezenten Anstecker aus Lebendgrün oder ein florales Muster in der Bluse würden etwa die Liebe zum Gegenstand unterstreichen. Wichtig ist hier die Information im Vorfeld, was das Unternehmen ausmacht. Mit meiner Kleidung umrahme ich meine Bewerbung, wie die Bewerbungsmappe das Papier umrahmt. Es gilt also, einen positiven, aber authentischen Eindruck zu machen.

Solche Details prallen voll und im ersten Moment auf den potentiellen Arbeitgeber ein und entscheiden sofort über die Schublade, in die der Bewerber gesteckt wird. Also Vorsicht! Es heißt nicht umsonst: „Für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“.

Und bei kreativeren Branchen?
Das hängt sehr vom Unternehmen ab. Ist es klein oder groß? Wenn es groß ist, ist sicherlich die Personalabteilung mit im Boot, die ist weniger kreativ, eher klassisch, also muss ich meine kreative Zurschaustellung stärker zurücknehmen. Aber am Beispiel der Floristin kann man den Weg schon ganz gut erkennen. Wichtig ist: Es muss zum Bewerber passen, darf keine Gespräche abwürgen, darf den anderen nicht nerven, sondern muss ihn motivieren, mehr von mir kennenlernen zu wollen.

Was sind häufige Irrtümer?
Dass sie nicht so wichtig sei. Das Gegenteil ist der Fall. Die richtige Kleidung ist die Eintrittskarte ins Bewerbungsgespräch. Habe ich sie nicht dabei, kann ich mir ziemlich sicher sein, dass das, was ich von mir zu geben habe, und sei es noch so professionell, nicht zu 100 Prozent beim Gegenüber ankommt.

Gibt es absolute No-gos?
Sich schrill und ichbezogen zu kleiden. Kurzer Rock ohne Strumpfhose oder Sportsocken sind noch immer Bewerbungs-No-gos. ­Allerdings gibt es heute Socken, mit denen man gekonnt Farbeffekte erzielen kann, wenn ich sie beispielsweise mit Einstecktuch, Schleife oder Krawatte verbinde – aber solche Akzente bitte wirklich mit Vorsicht setzen.

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Was können Frauen heute tragen?
Frau muss heute noch mehr darauf achten, dass sie ihre weiblichen Reize nicht ausspielt. Der Hosenanzug geht genauso wie das Kostüm, also Sakko und Rock. Beim Rock auf die Strumpfhose achten! Hohe Schuhe machen längere Beine, dadurch wirkt eine kleine Frau größer, dominanter – gegenüber anderen Frauen und Männern. Große Frauen sollten nicht zu hohe Schuhe tragen, damit sie die anderen nicht auch noch gewollt überflügeln, aber das sollten sie auch schon aus normalen „Stilgründen“ nicht. Der hohe Schuh ist keine Pflicht mehr, der gepflegte, attraktive Schuhe passend zum Restoutfit allerdings schon.

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Sind bei Männern Sneaker und Jeans ok?
Es ist eine Frage des Stils und angestrebten Berufs und sollte immer auf das Unternehmen abgestimmt werden. In Ausnahmefällen kann das alles gehen. Wenn ich mich bei einem Sneakerhersteller bewerbe zum Beispiel.

Welche Einschränkungen für verschiedene Altersgruppen sind heute noch aktuell?
Man sollte sich authentisch anziehen. Das ist nach wie vor aktuell. Ich kann mich als 50-jähriger Geschäftsführer-Aspirant natürlich nicht anziehen wie ein jugendlicher Berufseinsteiger im Einzelhandel.

Besser overdressed oder underdressed?
Generell besser etwas overdressed, aber niemals überheblich.

Besser farbenfroh oder dezent?
Ich persönlich bin ein Fan von stilvoll und lieber etwas dezenter als zu aufdringlich. Damit fährt man immer besser, denn man beweist Geschmack und überfährt den anderen nicht.

Welche Accessoires würden Sie empfehlen?
Wenn man ein Accessoire tragen möchte und die Krawatte aufgrund der Unternehmenskultur nicht benötigt, kann man im männlichen Bereich das Einstecktuch, auch Pochette genannt, nutzen. Damen könnten vielleicht eine nette, zurückhaltende oder auch eine Statement-Brosche oder ein Hals-tuch tragen.
Was halten Sie von Statement-Teilen. Kann das manchmal sogar helfen?
Im Grunde bin ich kein Freund von Statements in der Kleidung bei Bewerbungsgesprächen. Da sollte man doch eher einen Rahmen für das Gespräch setzen und die eigentlichen Statements, die man als notwendig erachtet, im Gespräch vorbringen. Jemand, der mit Statements in der Kleidung provoziert, provoziert im Zweifel auch im Job und ist möglicherweise schwer integrierbar. Falls doch: Auch Statements sollten nicht als Nötigung eingesetzt werden. Werden sie gezielt und geschmackvoll verwendet, kann das in der einen oder anderen Kultur und Arbeitsplatz-Kombination einen bestimmten Willen untermalen. Wenn ich den Job haben will, muss es allerdings auch unweigerlich dazu passen und nicht nur sagen: Ich bin anders.

Müssen gute Bewerbungsoutfits teuer sein?
Das Bewerbungsoutfit ist eine Investition in meinen zukünftigen Arbeitsplatz und in meinen Arbeitgeber. Ist dieser mir wichtig, ist das Outfit geschmackvoll und schön und daher meist weiterverwendbar. Geschmackvoll und schön ist nicht zwingend teuer, meist aber auch kein echtes Schnäppchen. Die Weiterverwendbarkeit relativiert dann die Kosten entsprechend, da man sich ja ohnehin so anzieht, dass man den Job erhält und damit Kleidungsstücke besitzt, die für die besseren Anlässe in gerade diesem Job nötig sind.
Haben Sie noch einen besonderen Tipp?
Wenn die Kleidung gut passt, signalisieren Sie, dass Sie auf die Details achten. Beispiel: Schaut die Manschette des Hemds auf beiden Seiten gleich weit aus dem Sakko heraus? Passt der Hemdenkragen? Sind Bein- und Oberkörperlänge im Ausgleich? Hängen die Schultern des Sakkos oder Blazers nicht über die Schultern hinaus? Wichtig ist die richtige Hosenlänge: Das heißt, die Hose stößt hinten nicht auf dem Schuh auf, vorne darf sie eine Falte bilden. Das rundet das Bild einfach ab und gibt Ihnen optisch den Charakter eines gesunden, vor Elan strotzenden Anwärters auf einen wertvollen Job im betreffenden Unternehmen.
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Text: Evelyn Waldt
Fotos: Mareike Murray Photography, MORTAZZA, kiuikson, agcreativelab - Fotolia.com, Tim Schulze

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