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FEM ART DAY –
Empowerment³


8. Oktober
| Kunstmuseum Wolfsburg
Volkswagen Art4All
26. Oktober | Kunstmuseum Wolfsburg
Das Kunstmuseum Wolfsburg gibt mit seiner neuen Ausstellung „Empowerment“ bis zum 8. Januar 2023 den weltweit größten Einblick in Kunst und Feminismen des 21. Jahrhunderts.
PK Bartana Yael What If Women 0482 wiw aarhus 2017photo birgit kaulfuss
Im 21. Jahrhundert dürfen Frauen in Deutschland eigentlich alles – studieren, Geld verdienen, wählen, ihre Schwangerschaft abbrechen. Nichtsdestotrotz sind Frauen und Männer noch immer nicht gleichberechtigt: Weibliche Führungskräfte sind eher eine Rarität und Sexismus sowie sexualisierte Gewalt gehören weiterhin zum Alltag vieler weiblich gelesener Personen, angefangen von anzüglichen Blicken über Catcalling bis zu körperlichen Übergriffen. Wer als Frau durch die Welt geht, erlebt sie ganz anders als ein Mann. Deshalb braucht es den Feminismus – noch besser den intersektionalen Feminismus. Denn insbesondere Women of Color, Menschen mit Behinderungen sowie queere Personen sind von einer Mehrfachdiskriminierung betroffen.
Nachdem Olympe de Gouges 1791 die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ verfasste und somit die erste Welle der Frauenbewegung im 18. Jahrhundert lostrat, reiten wir im 21. Jahrhundert tatsächlich schon auf der vierten Welle des Feminismus, die nun auch das Kunstmuseum Wolfsburg mit seiner neuen Ausstellung „Empowerment“ in den Blick nimmt. Am 9. September feierte die umfassende Kunstschau ihre Premiere. Laut Direktor Dr. Andreas Beitin sei es die erste Ausstellung weltweit, die in diesem Umfang Kunst und Feminismen des 21. Jahrhunderts zeigt.
Um nicht nur eine eurozentrische Perspektive abzubilden, aktivierte das Kunstmuseum Wolfsburg deshalb in seiner dreijährigen Vorbereitung mehrere Netzwerke und initiierte einen transdisziplinären und international ausgerichteten Beirat mit Teilnehmer:innen unter anderem aus Argentinien, Brasilien, China, Uganda und Österreich, der in zahlreichen Sitzungen über die weltumspannende Ausstellung tagte. Begleitet wurde das Projekt außerdem von international agierenden Goethe-Instituten sowie eingeladenen Kunst-Kollektiven aus Brasilien, China, Indien, Uganda und dem panafrikanischen Kontext, die allesamt auch über Guest Spaces in der Ausstellung verfügen.
„We Should All Be Feminists“
Die Ausstellung „Empowerment“ demonstriert anschaulich, dass feministische Ansätze eine progressive Methode sind, um die Welt mit den Mitteln der Kunst zu analysieren. So werden im Kunstmuseum Wolfsburg unter anderem auch soziale Ungleichheit, Sexismus, Rassismus sowie andere gesellschaftliche Probleme forciert und zeitgleich Lösungen gesucht – und das durch 115 künstlerische Positionen auf etwa 2 500 Quadratmetern.
Mit ihrer Fotografie „pow‘hair“ liefert die ivorische Aktivistin Laetitia Ky nicht nur das Key-Visual zur Ausstellung, sondern leitet auch das erste von insgesamt sieben Kapiteln ein. Die 26-jährige Künstlerin aus der Elfenbeinküste kämpft für Frauenrechte. Dafür nutzt sie ihr krauses, schwarzes Haar, aus dem sie mithilfe von Extensions und Draht spektakuläre Skulpturen formt – etwa zwei muskulöse Oberarme, die eindrucksvoll ihre Selbstermächtigung demonstrieren. „Es gibt noch viel zu tun, um diese ideale Welt zu erreichen, aber wir werden es schaffen, wenn wir unsere Kräfte bündeln, um zu kämpfen“, ermutigt die afrikanische RadFem ihre rund 500 000 Instagram-Follower:innen in der Caption zu „pow‘hair“.

PK Kaersenhout Patricia Guess Whos Coming to Dinner too

Nach dem Passieren von Laetitia Kys Fotografien beginnt der Streifzug durch den offenen Ausstellungsraum des Kunstmuseum Wolfsburg, der extra vom Berliner Architekturbüro raumlabor in Szene gesetzt wurde. Immer wieder unterbrechen fließende Stoffbahnen mit sinnlichen Farbverläufen die harte Realität der strukturellen Macht- und Ungleichheitsverhältnisse. Neben dem ersten Kapitel „Protest & Empowerment“ spricht die Ausstellung auch die Themen „Gender & Identity“, „Herstories & Other Narratives“, „Desired & Violated Bodies“, „Labour of Care“, „Planetary Challenges“ und „Feminist Futures“ an. Vor allem die zuletzt genannten Kapitel vereinen gesellschaftspolitische mit ökologischen Herausforderungen wie der Klimakrise, dem Postkolonialismus oder den militärischen Konflikten und entwerfen Visionen, Utopien und Dystopien für die Menschheit und unseren Planeten.
So wirft die israelische Multimediakünstlerin Yael Bartana in ihrer performativen Arbeit „Two Minutes to Midnight“ (2021) beispielsweise die Frage auf, wie es wäre, wenn Frauen die Welt regieren würden. Ein Gedanke, der womöglich schon viele Köpfe kreuzte.
Doch nicht nur Regierungstafeln sind in der Regel männlich besetzt, auch das letzte Abendmahl strotzte vor XY-Chromosomen. Darauf spielte bereits Judy Chicago zwischen 1974 und 1979 mit ihrer raumgreifenden Installation „The Dinner Party“ an, die Patricia Kaersenhout mit ihrer Arbeit „Guess Who’s Coming To Dinner Too?“ (2017 bis 2019) kritisch reinszenierte. In ihrer postkolonialen Version finden nämlich bis zu 60 BIPoC-Heldinnen des Widerstands Platz, deren Leistungen nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch aufgrund ihrer „Rassifizierung“ übergangen wurden. Kaersenhouts Arbeit kommt mit einem umfangreichen Rahmenprogramm daher – von Talks über Stickerei-Workshops bis zum Austausch mit Migrant:innen. Außerdem durfte „Guess Who’s Coming To Dinner Too?“ den Kunstmuseums-Besucher:innen erst gezeigt werden, nachdem eine afro-surinamische Winti-Priesterin das Kunstwerk spirituell einweihte.
Um den Ausstellungsraum multiperspektivischer und globaler zu gestalten, hat das Kunstmuseum Wolfsburg zusätzlich fünf Kollektive eingeladen: Die Njabala Foundation (Uganda), What the hELL she doin! (Großbritannien, Kenia, Südafrika, Uganda), AXA projects (China, Deutschland), das Sandbox Collective (Indien) und Nacional TROVOA (Brasilien). In der begleitenden Publikation „Empowerment – Kunst und Feminismen“, die in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entstanden ist, finden sich unter anderem Interviews mit diesen weltweit agierenden Kollektiven.
Des Weiteren gibt es Beiträge von den Kurator:innen Andreas Beitin, Uta Ruhkamp und Katharina Koch sowie den Co-Kurator:innen Regine Epp und Dino Steinhof sowie von großen Feministinnen unserer Zeit wie zum Beispiel Chimamanda Ngozi Adichie, die 2013 mit ihrem TED-Talk „We Should All Be Feminists“ weltberühmt wurde. Es geht schließlich um Gleichberechtigung und mehr Selbstbestimmung für alle weltweit – deshalb bin ich Feministin. 

Text Denise Rosenthal
Fotos © Birgit Kaulfuß, © Courtesy the artist and LIS 10 Gallery,
© Patricia Kaersenhout

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