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Heinz Strunk

12. März | Brunsviga (BS)

Heinz Strunk liest in der Brunsviga.
PK Heinz Strunk 005 Dennis Dirksen art
Hätte die Geschichte ein anderer Autor verfasst, wäre die bildschöne junge Frau vielleicht mit ihrem Prinzen in den Sonnenuntergang geritten. Als eine der 50 Titel in „Das Teemännchen“ rackert sie sich hingegen Tag für Tag in einer schmierigen Imbissbude ab und wird langsam aber sicher von Alter und Zerfall gezeichnet. In einem anderen Kapitel wird das Bild eines unscheinbaren Teeladen-Besitzers gezeichnet, der sein Geschäft nach kurzer Zeit wieder schließen muss. Ist es das, was man als Normalo vom Leben zu erwarten hat? Realistisch ist die Handschrift des Hamburger Schriftsteller-Popstars sicher – „Fleisch ist mein Gemüse“ brachte 2004 den Durchbruch, „Der goldene Handschuh“ wurde mit dem Raabe-Literaturpreis 2016 ausgezeichnet – aber eben auch schonungslos und unangenehm. Die skurrilen Aufeinandertreffen, bemitleidenswerten Schicksale und einige vielleicht sogar so geschehenen Beobachtungen stellt Strunk im März in der Brunsviga bei einer Lesung vor. Wir haben ihn zwischen mehreren Interviews erwischt …
Hallo Herr Strunk, wie geht es Ihnen?
Ja danke, geht so.

Wussten Sie, dass in Braunschweig ein Ölgemälde von Ihnen hängt?
Ich glaube ja, es ist ziemlich hässlich. Der Künstler hatte mir das irgendwann zur Ansicht geschickt. Wie ich es finde, spielt aber keine Rolle, es liegt ja in seiner künstlerischen Verantwortung. Deswegen wollte ich mich auch nicht dagegen sperren.

Sie stellen im März Ihre Kurzgeschichtensammlung „Das Teemännchen“ in der Brunsviga vor. Warum haben Sie diese Geschichte als titelgebende ausgewählt?
Das war von allen Optionen, die in Frage kamen, die beste. Die Entscheidung treffe ich nicht allein, sondern gemeinsam mit meinem Verlag.

Gab es eine Geschichte, die Sie besonders beschäftigt hat?
Nee, das kann ich jetzt auch gar nicht mehr nachvollziehen. Es gibt halt Geschichten, die mir nahegehen und andere nicht so. Aber das ist ja bei jedem unterschiedlich …
Haben Sie neben dem „Teemännchen“ eine der Geschichten eins zu eins so erlebt?
Ja, die Geschichten „Fred Perry“ und „Jenny Müller“. Das sind Beobachtungen, die ich gemacht und aus denen ich Geschichten gebaut habe.

Teilweise sind diese sehr derb aber vielfach eben auch realistisch. Wann ekeln Sie sich beim Schreiben vor etwas?
Ich ekele mich eigentlich nie beim Schreiben.

Und wie entscheiden Sie, wie viel Humor jeweils auch in traurigen Erzählungen angebracht ist?
Das entscheide ich nicht aktiv. Ich habe ein Gefühl dafür, wann es aus meiner Sicht richtig ist. Es ergibt sich meist von selbst.

Bekommen Sie viel Rückmeldung von Menschen, die sich klar in Ihren Geschichten wiedererkannt haben?
Nee.
PK Heinz Strunk 008 Dennis Dirksen art
Zurück zur Lesung. Wie beobachten Sie Ihr Publikum?
Gar nicht. Es ist alles schwarz und ich lege viel Wert darauf, kein Gesicht zu sehen. Abgesehen davon, dass ich dann sowieso keine Brille auf habe und mich auf den Text konzentriere. Deswegen habe ich keine Gelegenheit dazu. Aber man hört ja die Reaktionen.

Was mögen Sie an Lesungen?
Die Lesungen gehören zu meinem Beruf, da verdient man ganz gut mit.

Und was mögen Sie so gar nicht an Lesungen?
Es ist sehr anstrengend. In der Stunde, bevor es losgeht, befindet man sich in einem seltsamen, schwer zu beschreibenden Zustand, der eher unangenehm ist. Fühlt sich nicht gut an.

Sie wurden für „Der goldene Handschuh“ mit dem Raabe-Literaturpreis 2016 ausgezeichnet. Wenn Sie Ihre Lektüre aussuchen, orientieren Sie sich an so etwas wie Preisen oder Bestseller-Listen?
Ich suche ausschließlich nach Empfehlungen von Leuten, denen ich eine gute Urteilsfähigkeit zuschreibe. Zum Beispiel von meinem Lektor beziehungsweise meinem Verleger. Ich lasse mir Tipps geben. Natürlich lese ich auch, was gerade angesagt ist. Bestseller zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie meistens ziemlich mainstreamig sind und dadurch kommen die meisten für mich schon gar nicht in Frage. Es gibt ein paar Ausnahmen.
Gab es etwas, das Sie überrascht hat oder besonders gut war?
„Sie kam aus Mariupol“ von Natascha Wodin. Das wurde mir geschickt, weil es auch beim Rowohlt-Verlag erschienen ist.
Sie „sammeln“ außergewöhnliche Wortkreationen. Ich habe zwei Beispiele aus dem Braunschweiger Sprachgebrauch herausgesucht …
Aha.

Das wäre: Du willst doch nur auf meiner Spucke Kahn fahren. Das heißt von jemand anderem profitieren.
Gefällt mir nicht, das ist widerlich.

Das zweite wäre anbucken, ankuscheln.
Wenn ich mich schon frage, was das heißt, fragen sich meine Leser das wahrscheinlich auch. Deswegen kommt so etwas für mich nicht in Frage, das muss schon eindeutig sein.
An was arbeiten Sie sonst gerade? Gibt es bald Neues von Fraktus? Ich habe auch gehört, dass „Jürgen“ noch mal als Langspielfilm oder Serie gedreht werden soll.
Das ist beides zutreffend. Aber filmen ist immer so teuer. Deswegen kann ich keine seriösen Prognosen abgeben, wann das stattfinden wird.

Einen Versuch war es wert. Freuen Sie sich auf Braunschweig?
Ob ich mich freue, kann ich schwer sagen. Aber da gibt es ein ganz gutes Fünfsterne-Hotel. Das wird schon werden.

Interview Katharina Holzberger
Fotos Dennis Dirksen

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