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Sonderausstellung

noch bis 30. August 2020/
Schlossmuseum (BS)

Das Schlossmuseum Braunschweig zeigt in der Sonderausstellung „Gesellschaft der ­Freunde junger Kunst“ Werke von Feininger, Beckmann und anderen Künstlern der Moderne.
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Es gibt manchmal Momente, da steht man vor einem eindrucksvollen Gemälde im Museum und fragt sich, welche spannenden Geschichten das vor einem hängende Kunstwerk wohl zu erzählen hätte, wenn es denn reden könnte. So würde Karl Hofers Werk „Neues Land“ als Zeuge seiner Zeit sicherlich viele unglaubliche Geschichten über handfeste Skandale, politische Verfolgung und ausgesprochene Künstlerverbote zum Besten geben.
Das 1921 entstandene Ölgemälde dient derzeit als Titelmotiv für die Sonderausstellung „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“, der sich das Schlossmuseum Braunschweig seit dem 26. September widmet.
Gezeigt werden Arbeiten von mehr als 50 bekannten Vertretern der klassischen Moderne, die zwischen 1924 und 1933 mit ihren Arbeiten für reges Aufsehen sorgten. Dass im Schlossmuseum derzeit moderne Kunst ausgestellt wird, überrascht vielleicht im Hinblick auf seine Historie, da unter anderem Herzog Ernst August und seine Frau Victoria Luise ihre privaten Räumlichkeiten bis zu ihrer Abdankung 1918 mit vergleichsweise eher konservativen Werken ausgestattet haben. Während sich in Berlin, Weimar oder Darmstadt die künstlerischen Strömungen weiterentwickelten, die bereits zu Beginn des Jahrhunderts aufkamen, suchte man sowohl im herzoglichen Schloss als auch in den Braunschweiger Museen eher vergeblich nach Beispielen der Moderne. Erst die „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ brachte damals die internationale Moderne ins Schloss und damit auch nach Braunschweig und musste sich dabei so manch naserümpfende Kritik gefallen lassen. Im Grunde genommen kaum verwunderlich, denn der direkte Vergleich der höfischen Kunst mit den Arbeiten der damaligen Avantgarde vermittelt eine gute Vorstellung, wie „anstößig“ die aufstrebenden neuen Kunstrichtungen sowohl vom Adel als auch dem wohlhabenden Bürgertum empfunden werden musste.
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Kunstliebhaber-Vereinigung
Die „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ wurde 1924 vom Braunschweiger Kunstmäzen Otto Ralfs gegründet. Ralfs und dessen Frau Käthe stammten beide aus kunstinteressierten Familien und pflegten persönliche Beziehungen zu Künstlern wie Paul Klee, Emil Nolde, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Wie eng diese Künstlerkontakte waren, dokumentieren unter anderem die Einträge in Ralfs Gästebuch, das ebenfalls in der aktuell kuratierten Ausstellung im Schlossmuseum zu sehen ist. Dank seiner guten Verbindungen gelangte Ralfs selbst immer wieder an Exponate namhafter Künstler, fand aber zudem Unterstützung bei Galka Scheyer, deren Bruder Erich, Hermann Querner und Hermann Flesche, die allesamt private Sammlungen moderner Kunst besaßen und diese für Ausstellungen zur Verfügung stellten. Während die ersten beiden Ausstellungen der Gesellschaft noch im Lichtsaal des Landesmuseums stattfanden, konnte schließlich nach einem regen Schriftverkehr zwischen Ralfs und dem Staatsministerium ein abgelegener Vorratsraum im zweiten Stockwerk des ehemaligen Braunschweiger Residenzschlosses angemietet werden, in dem seit dem Ende der Monarchie bereits das Naturhistorische Museum, die Kammerspiele des Landestheaters und das Museum für fürstliche Kultur untergebracht waren.

Nach selbstfinanzierten Renovierungsarbeiten eröffnete die Gesellschaft im März 1925 die neue Galerie mit einer August-Macke-Gedächtnisausstellung. Mehr als 40 Ausstellungen veranstaltete der exklusive Verein der Braunschweiger Kunstliebhaber in den Räumlichkeiten des Schlosses, bei der nahezu monatlich wechselnd Werke von Lyonel Feininger, Max Beckmann, Karl Hofer, George Grosz, Gabriele Münter, Käthe Kollwitz, Conrad Felixmüller und vielen weiteren Kunstschaffenden zu sehen waren. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Politik musste sich die Gesellschaft 1933 schließlich auflösen.
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Text Kerstin Lautenbach-Hsu
Fotos Schlossmuseum/ M. Küstner

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