Royale Sonderausstellung
Victoria Luise im Schlossmuseum
 
(Anzeige) „Victoria Luise – ein Leben, zwei Welten“.| Mit einer Sonderausstellung wird das Leben und Wirken der letzten Braunschweiger Herzogin bedacht. Anlässlich des 125. Geburtstages von Victoria Luise sind Fotografien, Kleider und zahlreiche persönliche Exponate im Schlossmuseum zu sehen. Im Interview stellt Dr. Ulrike Sbresny, Leiterin des Schlossmuseums, die Ausstellung und Persönlichkeit näher vor.

Öffnungszeiten und mehr Informationen finden sich unter www.schlossmuseum-braunschweig.de.
Die Ausstellung geht noch bis zum 16. September 2018.

Die Sonderausstellung heißt „Victoria Luise – ein Leben, zwei Welten“. In welchen zwei Welten hat die Herzogin gelebt?
Der Titel macht deutlich, wie stark sich die Welt seit der Geburt Victoria Luises 1892 bis zu ihrem Tod 1980 verändert hat. Das Ende der Monarchie 1918 war für sie augenscheinlich ein Wendepunkt, der ihre bisherige Welt zum Einsturz brachte. Gleichzeitig gibt die Ausstellung auch in anderer Hinsicht Einblick in zwei Welten, nämlich eine sehr persönliche Welt, die deutlich macht, dass alle Menschen Emotionen wie Freude, Liebe und Trauer empfinden, und andererseits eine öffentliche Welt, in der Victoria Luise als Kaisertochter und Herzogin und später (durchaus gewollt) durch ihre Bücher im Interesse der Medien stand.

Wie ist die Ausstellung aufgebaut und welche Exponate werden zu sehen sein?
Die Ausstellung wird in mehreren Räumen präsentiert. Sie informiert über Victoria Luises Leben als Frau im 20. Jahrhundert, präsentiert Mode und Schmuck, beschreibt ihr Leben im Fokus der Öffentlichkeit und fragt schließlich nach Aufgaben und Verantwortung. Abschließend werden in zwei Sondervitrinen Erinnerungsstücke gezeigt, die Besucher uns während der Ausstellungsdauer für je circa vier Wochen zur Verfügung stellen können.
Die Exponate reichen von kleinen persönlichen Gegenständen wie einem Reiseschreibset, das Victoria Luise von ihrer Mutter geschenkt bekam, über Fotografien und Gemälde, Kleidungsstücke und Schmuck bis hin zu Erinnerungsschriften an den Einzug des Herzogspaars in Braunschweig. Besonderheiten sind beispielsweise die Husarenuniform Victoria Luises als Leihgabe des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt und ihr Brautkleid, das bisher als verschollen galt, und eine Leihgabe des Braunschweigischen Landesmuseums ist.


Als einzige Tochter von Kaiser Wilhelm II. und Auguste Viktoria ist Victoria mit sechs Brüdern groß geworden. Wie muss man sich den Alltag in der Kindheit der Prinzessin vorstellen?
Victoria Luise war schon als Kind sehr aktiv, was in dem großformatigen Porträt der Malerin Sophie Koner in unserer Ausstellung auch deutlich wird. Stillsitzen lag ihr nicht, aber sie musste ihre privaten Unterrichtsstunden absolvieren bevor sie ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen durfte: in den Ställen bei den Pferden sein, reiten, mit den Hunden spielen. Sie wurde außerdem dazu erzogen, sich sozial zu engagieren, musste Handarbeiten machen und lernen, wie man sich als hochadlige Frau zu benehmen hatte. Ihr Leben spielte sich in einer einerseits luxuriösen Welt (sie bewohnte acht Zimmer!) ab, andererseits war es aber auch eingeschränkt, ohne selbst gewählte Spielkameraden und immer darauf abgestimmt, „was sich gehörte“ und was nicht.

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Victoria Luise war schon als Kind sehr aktiv, was in dem großformatigen Porträt der Malerin Sophie Koner in unserer Ausstellung auch deutlich wird. Stillsitzen lag ihr nicht, aber sie musste ihre privaten Unterrichtsstunden absolvieren bevor sie ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen durfte.

Dr. Ulrike Sbresny

Victoria Luise hat in der turbulentesten Zeit des vergangenen Jahrhunderts gelebt. Wie hat sie die Zeit der zwei Weltkriege wahrgenommen?
Während des Ersten Weltkriegs lebte Victoria Luise als Herzogin in Braunschweig und Blankenburg. Ihr Mann Ernst August, der Herzog, hatte ihr sogar die Regierungsgeschäfte übertragen als er als Offizier in den Krieg zog. Allerdings hat sie diese Aufgabe nicht ausgeschöpft und praktisch keine Entscheidungen getroffen. Stattdessen sah sie es als ihre Aufgabe an, soziale Einrichtungen und Aktionen zu unterstützen und ließ Lazarette im Braunschweiger Schloss und in Blankenburg einrichten. Sie reflektierte jedoch nicht, wie es zum Krieg gekommen war und stellte das politische System nicht in Frage.
Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs waren Victoria Luise und ihre Familie zunächst an den Nationalsozialisten interessiert, trafen sich mit Hitler und weiteren Funktionären. Es wird derzeit erstmals umfassend untersucht, wie weit diese Kontakte gingen und wann genau sie wieder abflachten. Später waren ihre Söhne als Offiziere im Krieg, wurden aber 1943 aus dem Dienst entlassen und ihr ältester Sohn wurde von der Gestapo verhaftet. Besonders einschneidend war für die Familie der Verlust des Schlosses Blankenburg nach Kriegsende, als es 1945 in die sowjetische Besatzungszone eingegliedert wurde.

Victoria Luise hat kurz nach Ihrer Hochzeit einige Zeit in Braunschweig gelebt. Wie hat sie die Zeit in der Löwenstadt verbracht?
Victoria Luise und Ernst August lebten ab November 1913 bis November 1918 als Herzogspaar in Braunschweig, hielten sich aber auch regelmäßig im Schloss Blankenburg auf, das damals zum Herzogtum Braunschweig gehörte. Wenn sie in Braunschweig waren, sah man sie regelmäßig bei Spaziergängen in der Stadt. Diese Zeit war außerdem für sie von der Geburt ihrer drei ältesten Kinder geprägt: im März 1914 wurde ihr Sohn Ernst August geboren, ein Jahr später ihr Sohn Georg Wilhelm und im April 1917 Friederike Luise. Im Schloss wurde eine Familienwohnung eingerichtet.
Welche Verbindungen hatte die Herzogin in späteren Jahren mit Braunschweig?
Victoria Luise hatte sich in Braunschweig immer sehr wohl gefühlt. Auch nach 1918 besuchte sie mit ihrer Familie die Stadt mehrfach. Es war eine persönliche Entscheidung, dass sie wenige Jahre nach dem Tod ihres Mannes schließlich 1956 wieder nach Braunschweig zurückkehrte. Sie lebte bis kurz vor ihrem Tod in Riddagshausen und nahm sehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Beispielsweise war sie eine begeisterte Besucherin sämtlicher Bälle vom Hochschulball über den Reiterball bis zum Schützenball. Aus einem ihrer Briefe geht hervor, dass sie sich immer noch als „Landesmutter“ sah, obwohl die Monarchie schon seit Jahrzehnten nicht mehr existierte und sie überhaupt keine offiziellen Aufgaben hatte. Die Zeit von 1913 bis 1918 hatte sie aber stark geprägt.
Schlossmuseum M 01

Die Herzogin war in der Öffentlichkeit sehr populär. Wie kann man diese Beliebtheit erklären?
Es wird immer wieder beschrieben, dass Victoria Luise sehr kommunikationsfreudig war. Schon als Herzogin zeigte sie Interesse für Bedienstete im Schloss und verschenkte beispielsweise Kleidung ihrer Kinder (ein Kinderkleidchen, das sie damals verschenkte ist in unserer Ausstellung zu sehen). Als sie in den 1950er Jahren nach Braunschweig zurückkehrte, hatte sich ihre Haltung überhaupt nicht verändert. Die Menschen waren verblüfft darüber, dass sich die Kaisertochter so selbstverständlich mit ihnen unterhielt, bei Festen auftrat und in Vereinen aktiv war. Sie nahm also am gesellschaftlichen Leben teil und ließ trotzdem keinen Zweifel daran, dass sie sich noch immer als Herzogin fühlte. Gleichzeitig wurde in Zeitungen und Zeitschriften über sie berichtet, so dass man sagen kann, dass sie eine prominente Persönlichkeit war, die man aber zufällig auf der Straße treffen konnte.

Die Urgroßmutter von Victoria Luise ist Victoria, Königin des Vereinten Königreiches von Großbritannien und Irland. Welche anderen bekannten Namen tauchen im Stammbaum der Herzogin auf?
Schon in ihrem Namen ist ja die Verwandtschaft zu Queen Victoria verankert, aber auch zu Königin Luise von Preußen, die um 1900 besonders verehrt wurde und eine der wichtigsten Frauen der preußischen Geschichte ist. Sie war die Ururgroßmutter Victoria Luises. Als Tochter Wilhelms II. war sie außerdem mit dem russischen Zaren und dem englischen König verwandt. Spannend ist aber auch, dass Victoria Luise die Urgroßmutter des heutigen spanischen Königs Felipe ist. Ihre Tochter Friederike Luise wurde durch Heirat griechische Königin und ist die Mutter von Sophia von Spanien!

Es gibt, auch in Deutschland, eine gewisse Faszination mit Königshäusern und dem Adel, obwohl die Monarchie in unsere Breiten keine politische Bedeutung mehr hat. Was ist das Faszinierende an diese Glanzzeit der Könige und Königinnen und dem aktuellen Nachwuchs?
Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Es spielt sicher eine Rolle, dass die Medien nach 1945 Vertreter des Hochadels als „Prominente“ entdeckt haben und beispielsweise die Krönung der britischen Königin 1953 als erste länderübergreifende Live-Sendung auch im deutschen Fernsehen übertragen wurde. Dass es in Deutschland schon seit 1918 keine Monarchie mehr gibt, hielt die Zuschauer schon damals nicht ab, sich das Ereignis anzusehen. Dass mit Silvia Sommerlath eine „ganz normale“ junge Frau Königin von Schweden geworden ist, bot dann in den 1970er Jahren den gleichen Stoff zum Träumen wie der Wunsch „vom Tellerwäscher zum Millionär“ zu werden. Heute ist Herzogin Kate ein großes Vorbild für junge Frauen, weil sie schön ist, mit ihrer Familie das Gefühl von „heiler Welt“ vermittelt und trotzdem ab und zu Kleidung von Modeketten trägt, die sich viele sogar leisten können.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Vorstellungen vom Leben einer Prinzessin eher von Disneyfilmen geprägt sind als von der Realität, vor allem, wenn man sich das Leben historischer Persönlichkeiten ansieht.
VL Altersbild 01
Interview Kathleen Kalle
Fotos Stiftung Residenzschloss Braunschweig, M. Küstner

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