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Science Slam

13. April /
Haus der Wissenschaft (BS)

Wer holt sich das Goldene Hirn? Braunschweiger Superbrains treffen beim Science Slam wieder aufeinander.
Wir haben mit Hilko Paulsen über seinen Vortrag
„Was wir von Fußballschiedsrichtern für moderne Arbeitswelten lernen können“ gesprochen.
Was haben Fußball und die digitalisierte Arbeitswelt gemeinsam? Dr. Hilko Paulsen, selbst Schiedsrichter im Amateurfußball, zieht Parallelen. Der Psychologe absolviert neben seinem TU-Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie derzeit eine Ausbildung zum Sportpsychologen und hat 2017 mit einem Kollegen die Firma „Denkverstärker“ gegründet, wo er seine Expertise in der Praxis weitergibt. Beim Science Slam werden sechs Nachwuchswissenschaftler (und ein „Opferlamm“) ihre Forschungsergebnisse in zehn Minuten möglichst unterhaltsam präsentieren. Wie der 32-Jährige das Publikum überzeugen will, um die Goldene-Hirn-Trophäe abzusahnen, erzählt er uns im Interview.
PK mitarbeiterfoto hilko skaliert Art
Warum sind Sie Schiedsrichter geworden?
Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt. In der Grundschule hatte ich irgendwann mal eine Trillerpfeife mitgebracht und wurde zum Pausenhof-Schiedsrichter. Zum neunten Geburtstag schenkte mir meine Oma dann noch eine Gelbe und eine Rote Karte. Damals war ich aber noch zu jung, um Schiedsrichter zu werden. Ich spielte weiter Fußball und wechselte später zur Leichtathletik, wo ich Leistungssport betrieb. Nachdem es verletzungsbedingt dort nicht weiterghen konnte, absolvierte ich mit 17 einen Schiedsrichterlehrgang.

Auch theoretisch beschäftigen Sie sich damit.
Seit der Uni lese ich gerne Studien zu Fußballschiedsrichtern. Nach meiner Dissertation habe ich in meiner dazugewonnen Freizeit begonnen, mich intensiver damit zu beschäftigten, den Forschungsstand zu systematisieren und habe nun sogar eine kleine Studie laufen.

Was hat Sie bei den Studien überrascht?
Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass Schiedsrichter Entscheidungen intuitiv treffen. Entsprechend agiert auf dem Platz der Autopilot. Dies steht natürlich im Widerspruch dazu, dass der Schiedsrichter Entscheidungen begründen können soll. Ansonsten war ich überrascht, dass zentrale Forschungskenntnisse nur wenig in der Aus- und Weiterbildung für Schiedsrichter berücksichtigt werden.

Warum machen Sie beim Science Slam mit?
Ich wurde angesprochen. An einem meiner ersten Arbeitstage in Braunschweig vor sieben Jahren habe ich einen Science Slam besucht und fand das Format sehr unterhaltsam. Es war eine spontane Entscheidung, mitzumachen.
Wie kamen Sie auf die Verknüpfung von Fußballschiedsrichtern mit Führungskräften?
Fußballmetaphern sind ansonsten ja in der Wirtschaft weit verbreitet. Interessanterweise nutzen auch Wirtschaftswissenschaftler Schiedsrichter-Entscheidungen, um Entscheidungsverhalten zu testen. Damit ziehen sie implizit Vergleiche zu Führungskräften. Für mich geht es um eine fundierte Auseinandersetzung mit der Metaphorik. Was ist wirklich dran? Inwiefern lassen sich begründete Schlussfolgerungen treffen?

Was können Führungspersonen von Fußballschiedsrichtern lernen?
Zum Beispiel ist es eine zentrale Aufgabe von Führungskräften, Strukturen zu geben. Die Konsequenz von Laissez-faire-Führen, also dem Unterlassen von Entscheidungen, sieht man auf dem Fußballplatz sehr gut – greift der Schiedsrichter bei Nickligkeiten nicht ein, eskaliert es schnell. Gute Schiedsrichter greifen präventiv ein und geben dadurch eine Struktur. Beim Fußball treffen sie ihre Entscheidungen teilweise unter Unsicherheit und mit der Erwartung, schnell eine Richtung vorzugeben. Auch im Arbeitsleben kann es dazu kommen, zum Beispiel bei der Dienstplangestaltung. Dann schauen alle die Führungskraft an und wollen eine Entscheidung. Wesentlich ist auch der Umgang mit dem Regelwerk: Einige Regeln sind eindeutig, andere müssen flexibel ausgelegt werden: Was in dem einen Spiel ein Foul ist, stört in einem anderen keinen. Auch Führungskräfte müssen oft ein Regelwerk oder gar mehrere umsetzen und dabei das vorhandene Regelwissen so anwenden, dass deren Sinn und Geist erfüllt sind und gleichzeitig eine Akzeptanz besteht.
Was können umgekehrt Schiedsrichter von Führungspersonen lernen?
Kollegen am Lehrstuhl schauen sich die Interaktion zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden unter der Lupe an und prüfen, inwieweit die Kommunikation von Führungskräften Widerstand erhöht oder verringert. Dies wären auch interessante Aspekte für Schiedsrichter. Wie kann der Schiedsrichter Ansprachen so gestalten, dass sie eine höhere Akzeptanz haben?

Wie wollen Sie das Publikum begeistern?
Wissenschaft und Witz lassen sich gut verbinden. Außerdem gelingt es mir oft, durch Sprachbilder die gewünschte Wirkung zu erzielen. Ich beabsichtige, anzuregen und zu inspirieren.

Was nehmen Zuhörer aus dem Vortrag mit?
Im besten Fall aktivere ich bei ihnen Kopfkino. Innere Bilder, die im Gedächtnis bleiben und in realen Alltagssituationen dann Analogien ermöglichen. Ansonsten freue ich mich, wenn ich für die Schiedsrichter-Tätigkeit begeistern kann.

Wie schaffen Sie es, ihr Wissen auf ein leicht verständliches Maß zu reduzieren?
Reduktion ist ja ein grundsätzliches Prinzip beim Präsentieren. Es ist die Chance, seine Gedanken zu sortieren. Der Science Slam ist für mich wie eine gute Karikatur. Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen, das didaktisch leicht überzeichnet wird. Mir ist hierbei wichtig, dass diese Karikatur auf einem soliden Fundament aufbaut. Dieses Fundament existiert dann allerdings vorranging in meinem Kopf.

Was in dem einen Spiel ein Foul ist, stört in einem anderen keinen.

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Wie nutzen Sie Ihre Erfahrung im Lehren?
In der Lehre konnte ich Erfahrungen sammeln, was gut funktioniert und was nicht. Daher habe ich ein gutes Gefühl dafür, was klappen könnte. Ansonsten hilft mir Prototyping. Einfach vorher üben und Freunden einen Entwurf präsentieren. Das Feedback ist nützlich, um besser zu werden.

Wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie während des Vortrags merken, das Publikum ist Ihnen so gar nicht gesonnen?
Dann ist es in der Regel schon zu spät. Daher ist es wichtig, vorab zu wissen, was meinem Ziel entgegenstehen könnte und dies beim Aufbau der Präsentation zu berücksichtigen. Das könnte beispielsweise eine zu hohe Detailtiefe sein. Sich hier im Vorfeld Feedback einzuholen, hilft mir sicher. Ansonsten bin ich es als Schiedsrichter natürlich gewöhnt, auch nicht der Publikumsliebling zu sein (lacht).
Vor welchen Konkurrenten haben Sie Angst?
Angst vor der Konkurrenz habe ich tatsächlich keine. Angst ist zwar oft ein Begleiter, aber nur gelegentlich ein guter Ratgeber. Ich nehme das Ganze sportlich: Die oder der Bessere möge gewinnen. Ich freue mich, dabei zu sein und mein Thema vorzustellen. Wahrscheinlich bin ich so sehr auf mein eigenes Ding fokussiert, dass ich den anderen nur wenig Aufmerksamkeit schenke.

Wenn Sie gewinnen, was machen Sie mit Ihrem Goldenen Hirn?
Das ist eine schöne Frage. Sie löst Reflexionsprozesse aus. Bislang habe ich mich nie mit der Situation auseinandergesetzt. Allerdings kann ich mir gerade schon sehr gut vorstellen, das goldene Hirn in mein Büro zu stellen. Das spornt auf jeden Fall an.

Interview Evelyn Waldt
Fotos Florian Koch, Hilko Paulsen

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