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Poetryhead MARCEL POLLEX im Interview

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29. September | Niedersächsisch-Bremische Poetry Slam-Meisterschaften
12. Dezember | Veröffentlichung der neuen „12mal12“-Ausgabe von Katze Bull$hit

Er hat soeben sein Poetry-Mixtape „ME MARCEL AND I“ veröffentlicht, war bereits im Satiremagazin The Punchliner und dem bedeutenden regionalen Magazin SUBWAY zu lesen, publiziert das beliebte „12mal12“-Büchlein und arbeitet nach seinem Erstlingswerk „In höflicher Ablehnung“ natürlich schon emsig an seinem nächsten Buch. Der Braunschweiger Poetry Slammer Marcel Pollex spricht im Interview über seine Arbeit und die Schwierigkeiten beim Slammen.



Hallo Marcel, dich sieht man ja auf vielen Bühnen der Region. Leider gibt es die Lesebühne „Kopf & Kragen“ nicht mehr! Was ist passiert?
Kopf & Kragen – Braunschweigs beliebteste und pünktlichste Lesebühne – ging im Dezember 2016 nach fast vier erfolgreichen Jahren zu Ende. Dem zuvor ging eine Veranstaltung – „Kopf & Kragen: Das große Jubiläum“, das als das größte Kopf & Kragen aller Kopf & Kragen geplant war, jedoch ein völliges Desaster wurde, ein wahrer Tiefpunkt meiner Karriere. Daraus haben wir unsere Konsequenz gezogen und Kopf & Kragen aufgelöst. Außerdem haben wir uns menschlich nicht mehr ertragen.

Du hast kürzlich ein literarisches Internet-Mixtape mit Ausschnitten aus deiner Auftrittshistorie unter dem Titel „ME MARCEL AND I“ auf YouTube veröffentlicht. Wie hast du die Schnipsel-Auswahl getroffen? Wem legst du es ans Herz?
Ich wollte weder Texte aus meinem letzten Buch, noch meinem nächsten Buch veröffentlichen, sondern ein kurzweiliges Transitionswerk kreieren, das ich zuhause und ganz allein basteln kann, weil mir die Zusammenarbeit mit anderen, insbesondere „kreativen“ Menschen ein Grauen ist. Und so habe ich seltene Texte und neue Homerecordings ausgewählt, fragmentiert und collagiert. Ich empfehle es text- und performanceinteressierten Menschen.

Was macht aus deiner Sicht gute Poesie und Poetry aus?
Es gilt wie immer: O-ri-gi-na-li-tät. Und wenn es um Poesie geht, muss natürlich die Pflicht stimmen, also Reime, Reimschemata, etc.

Was sind deine Lieblingsthemen?
Das kommt wahrscheinlich wenig überraschend, aber: Die Leute, was sie tun und warum. Wenn ich irgendwo jemanden dabei beobachte, wie er sich daneben benimmt, kann ich es kaum abwarten, einen Text darüber zu schreiben und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich hatte überlegt, mein nächstes Buch „Ich weiß, was ihr da tut, und ich werde es gegen euch verwenden!“ zu nennen, aber das wäre wohl zu lang.

Marcel Pollex von Michael Skolik echtrund 01

Mir ist die Zusammenarbeit mit anderen, insbesondere „kreativen“ Menschen ein Grauen.

Poetry Slam-Performances können ja von Stand-up-Comedy bis Rap alles enthalten. Sind die Arbeiten bei der Vielfalt überhaupt in einer Wettbewerbssituation vergleichbar?
Es ist ja grundsätzlich schwierig, Kunst zu bewerten, es ist ja doch immer nur Geschmack, nichts Offizielles also. Beim Poetry Slam gewinnt ja auch nicht immer der beste Text, sondern der, der dem Publikum in der Stadt in der Location um die Uhrzeit am besten gefällt.

Wie wichtig ist es, dem Publikum zu gefallen? Haben ernste Themen oder politisch kritische Äußerungen nur eine Chance, wenn sie lustig genug verpackt werden?
Ich verstehe mich als Künstler, und so muss es mir natürlich völlig egal sein, was das Publikum denkt. Man muss halt einen künstlerischen Zugang zur Politik finden und wenn das gelingt, gefällt es auch meist dem Publikum, ob nun lustig oder anders. Man kann dem Publikum schon einiges zumuten, ja, man sollte sogar.

Wie gehst du mit dem direkten Publikumsfeedback um, wenn man mal das „falsche“ Publikum erwischt und die Gags einfach nicht zünden wollen?
Das ist mir tatsächlich schon lange nicht mehr passiert. Als ich am Anfang meiner Auftrittslaufbahn beim Publikum gefloppt bin, war mir das ein großer Spaß. Ich habe Verständnis für jeden, der mich nicht versteht.

Was sagst du zu dem Vorwurf, Poetry Slams seien inzwischen so mainstream und kommerzialisiert, dass sie viel von ihrem spontanen, unvermittelten Charakter und Elfenbeinturm-Charme eingebüßt haben?
Da ist was dran, allerdings bin ich mir unsicher, wem man das vorwerfen soll. So läuft es halt, wenn Untergrund populär wird. Im Untergrund ist es meist noch sehr divers und experimentell und wenn es dann in den Mainstream gelangt, kristallisieren sich zwei, drei Textformen heraus, die bedient werden. Aber natürlich gibt es auch gute Poetry Slammer!

Hast du den Eindruck, es steigen einige „Poeten“ auf den fahrenden Zug auf, den Julia Engelmann damals in die Öffentlichkeit gerollt hat, und schreiben gefällige Texte mit typischen Urban-Hipster-Themen, um als mittelgute Autoren viel mediale Aufmerksamkeit zu bekommen?
Suggestivfrage! Diese Art Betroffenheitslyrik gab es schon vor Julia Engelmann und wird wohl auch weiterhin geschrieben werden. Es gibt halt immer Teenager und Jörg Pilawas, die naiv-kitschige Texte mögen. Boom.

Hast du nochmal ein paar „Gute Nachrichten“ für uns?
Aber nur, weil ihr es seid. Hier ein Oneliner: Dem nächsten YPS Magazin werden als Gimmick ein paar Urzeitkrebse im Bikini beiliegen.

Interview: Evelyn Waldt
Foto: Michael Skolik / echtrund

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