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Beatles-Premiere

11. Mai / Staatstheater (BS)
Kleines Haus

BEATLES-Premiere am Braunschweiger Staatstheater: " Sgt. Pepper's lonely hearts come back"
PK c Lautenbach Hsu Sgt. Pepper IMG 2751 2 art
"Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles – ein Album, das nie die Bühnen der Welt hätte erblicken sollen, tut es nun doch. Inszeniert von den Theatermachern Markus Heinzelmann und Bo Wiget, feiert das Stück „Sgt Pepper’s Lonely Hearts Come Back“ im Mai Premiere im Kleinen Haus des Staatstheaters. Wir haben mit den beiden über ihren neuesten Streich gesprochen, der auf dem 50 Jahre alten Album-Klassiker basiert.
Manie und Musen
Wir befinden uns im Jahre 1967. Die Hippies zieht es aus jedem noch so verstaubten US-Bundesstaat ins sonnige San Francisco, blumig geschmückt, Liebe und Frieden versprühend treten sie an gegen festgefahrene gesellschaftliche Konventionen und den brutalen Krieg in Vietnam. Der Soundtrack dieser Ära kommt unter anderem aus England: Die Beatles veröffentlichten am 26. Mai dieses wegweisenden Jahres, im anbrechenden Summer of Love ihr Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.
Die immer als „braveres“ Pendant zu den toughen Rolling Stones verklärten Beatles warfen ihr Image mitsamt Pilzkopf über Bord, ließen sich allesamt prächtige Schnurbärte stehen und legten ihre adretten Anzüge ab. Sichtlich müde vom Trouble der Beatlemania und den reihenhaft umfallenden Fangirls und -boys, schritten sie außerdem zu einer Tat, die für umjubelte Bands am Peak ihrer Popularität durchaus bemerkenswert ist: Sie gaben kurzerhand das Auftreten auf. Ein Aufbruch zu neuen Ufern: George Harrison lernte Sitar spielen, gab sich vermehrt dem Meditieren und auch dem Konsumieren hin, Paul McCartney machte ebenfalls keinen Hehl aus seinem LSD-Konsum und John Lennon ließ sich, damals zwar noch mit Ehefrau Cynthia verheiratet, parallel von seiner Muse Yoko Ono inspirieren. Von nun an sollten die Beatles eine reine Studioband sein. Für „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ avancierten sie schließlich zur namensgebenden Gruppe der einsamen Herzen: Eine Fantasieband mit bunten Marschkapellenuniformen. Da man durch den Verzicht auf sämtliche Liveshows nicht mehr gebunden war an die gewöhnliche Rock Band Instrumentierung Gitarre, Bass, Schlagzeug, tobten sich die vier Liverpooler im Studio aus: Diverse Orgeln, Congas, indische Kastenzithern, Sitar und allerlei damals hochmoderne Soundtechnologien kamen ebenso zum Einsatz, wie ein 40-köpfiges Studioorchester. Das Spielen mit Klängen und Rhytmen, die fern der musik-industriellen Norm lagen, stieß die Tür auf zu einer neuen Musik, die bald als „Psychedelic Rock“ weltweit in aller Munde war.
Auch das Cover des Albums gilt als Ikone. Vor einem Blumenbeet mit gepflanztem Beatles Schriftzug steht die Lonely Hearts Club Band, links von ihnen die alten Beatles mit Anzügen, umringt von insgesamt 69 historischen und zeitgenössischen Berühmtheiten, die den Machern der Platte wichtig waren. Das Album gilt als erstes Konzeptalbum überhaupt und steht bis heute in der Top 10 der erfolgreichsten Platten ever. In Deutschland, Großbritannien und den USA stieg das Werk auf Platz eins der Albumcharts.
Ewiger Kultstatus
Nur wenige Künstler haben über Generationen hinweg einen ähnlichen Legendenstatus inne behalten wie die Beatles. Dabei gab es die Gruppe ja überhaupt nur zwischen 1960 und 1970. Für Markus Heinzelmann und Bo Wiget, die gemeinsam für Inszenierung und musikalische Umsetzung des Stücks „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Come Back“ verantwortlich sind, liegt es vor allem an der Vielseitigkeit der Fab Four. So Heinzelmann: „Die Jungs haben in Filmen mitgespielt, Moden und Frisuren populär gemacht und sich über ihren Wirkungszeitraum auch immer wieder neu erfunden. Zudem haben sie in ihrem 10-jährigen Dasein als Band unglaublich viele Lieder geschrieben und veröffentlicht. Wenn ich mit älteren Leuten rede, haben die alle eine Hochachtung vor dieser Gruppe, auch wenn diese Personen vielleicht eher Stones Fans waren. Vor der künstlerisch-musikalischen und intellektuellen Leistung der Beatles haben die meisten einfach großen Respekt.“ Bo ergänzt: „Man muss anerkennen, dass Paul McCartney und John Lennon fantastische Songwriter waren. Die haben sich gegenseitig hochgeschraubt und beflügelt. Zusätzlich glaube ich, auch dadurch, dass sie zum Ende nicht mehr live gespielt haben, war es überhaupt erst möglich, dass die letzten Alben so vielschichtig und interessant geworden sind.“

Soundtrack einer Bewegung
Ein weiterer Erklärungsansatz liegt im gesellschaftlichen Kontext der 60er Jahre. Die Auflehnung der Jugend gegen die Elterngeneration und den Krieg in Vietnam bedeutete eine Bewegung des Protests und alternativer Jugendkultur. Dazu Bo Wiget: „Hast du Beatles gehört, warst du tendenziell eher nicht bürgerlich“, meint Bo Wiget, „das ist heute anders. Heute haben Bands Probleme, weil sie auf irgendeiner Parteifeier gespielt werden, mit der sie nichts am Hut haben wollen. Ich glaube nicht, dass eine stramm konservative CSU damals in den 60ern eine Beatles Platte auf ihrem Parteitag aufgelegt hätte.“ „Andererseits“, so Markus Heinzelmann, „früher war man in der Technik auch beschränkter. Da gab es vielleicht 50 Radiostationen und wenn ein Album eben Nummer eins war, wie „Sgt. Peppers“, dann konntest du über Wochen am Radio drehen soviel du wolltest, überall liefen die Songs dieser Platte.“

"Man hört als Zuschauer anders zu und nimmt die Texte anders wahr. Theater ist eine Illusionsmaschine"

Ein unspielbares Album Live?!
Ein Album, das als live unspielbar gilt, soll nun also auf die Bühne kommen und das auch noch 52 Jahre danach. „Bei Meisterwerken, und ich denke wir können hier schon von einem solchen reden, gibt es immer Anlass für eine Inszenierung“, findet Bo Wiget. „Wir wollen auf den Summer of Love und die Träume der Menschen damals zurückblicken um zu gucken, was davon heute noch gültig ist. Welche Utopien kann man auch jetzt noch denken? Was hat sich vollkommen überholt, ist man ernüchtert worden durch die Geschichte?“ Die beiden wollen schon die Musik des Albums auf die Bühne bringen, in erster Linie aber den Zeitgeist transportieren. Markus Heinzelmann dazu: „Die Musik hat über die Gefühlsebene funktioniert und einen gewissen Spirit mit sich gebracht, es war eines der ersten Konzeptalben und gilt rundum als Gesamtkunstwerk. Wir wollen dem Publikum verschiedene Aspekte davon näherbringen.“ Bo Wiget, der selber studierter Musiker und Cellist ist, plant kein monumentales Konzert auf der Bühne, sondern will sich dem Material anders stellen: „Unser Ensemble besteht nicht aus studierten Musikern, die können aber alle auf eine Art und Weise Musik machen und singen. Unsere Mittel sind reduziert. Wir haben Leute dabei, die können vielleicht vier Töne auf dem Bass, aber damit kann man schon den ein oder anderen Song begleiten und den Geist transportieren.“ Limitierte Mittel sind für den erfahrenen Theatermusiker, der bereits seit 1989 zahlreiche Projekte auf und hinter der Bühne verwirklichte, eine Chance: „Das Album ist unspielbar, weil die Beatles nie beabsichtigten, es live zu spielen. Wir müssen uns daher mit gewissen Lücken beschäftigen. Dadurch, dass wir die Songs neu arrangieren, hört man als Zuschauer vielleicht nochmal anders zu und nimmt die Texte anders wahr. Theater ist eine Illusionsmaschine! Wir können mit genau diesen Lücken spielen.“
Comeback einsamer Herzen
Im Stück wird niemand explizit die Rollen der Bandmitglieder verkörpern und das Bühnenbild soll nicht einfach das ikonenhafte Albumcover nachstellen. Das wäre zu einfach. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Wir wollen kein Reenactment von diesem Album machen“, so Bo. Viel mehr ginge es darum, die einsamen Herzen zu thematisieren: „Die Darsteller verkörpern alle ‚Lonely Hearts‘. Die werden ins Theater geworfen und entdecken dann gemeinsam die musikalische Vorlage und erinnern sich zusammen an die Songs und an Werte, die es damals gegeben hat. Auch an die namhaften Figuren, die das Cover abbildet.“ Ein so monumentales und mit kleinen Details gespicktes Gesamtwerk ist natürlich im Rahmen eines einzelnen Theaterstücks nicht abzuhandeln. Für Markus Heinzelmann ist daher die große Wirkung wichtig. Er will eher bruchstückhaft an das Schaffen der Coverpersonen erinnern: „Die 69 Figuren, die das Cover zieren, kann man natürlich nicht alle behandeln. Einige von ihnen kommen aber zumindest in Fragmenten zu Wort. Vielleicht weckt das Assoziationen auch gerade beim älteren Publikum, die die Zeit selber miterlebt haben.“ 

Text Simon Henke
Fotos Kerstin Lautenbach-Hsu

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