20 Jahre Junge Kunst

8. September bis 7. Dezember /
Junge Kunst (BS)


Taufrisch nach 20 Jahren: Die Junge Kunst Wolfsburg feiert großes Jubiläum und gewährt mit einer feinen Auswahl exklusive Einblicke in die privaten Sammlungen ihrer Mitglieder.
Frische Positionen, zukunftsweisende Strömungen, regional und international bewusst unerfahrene, aber vielversprechende Talente: Die Junge Kunst zeigt in vier Ausstellungen jährlich, was die Kunstwelt aktuell beschäftigt und förderte dabei schon so manchen Shooting Star. Frau Dr. Anke-Catrin Paulsen, promovierte Zellbiologin und seit 2015 Vereinsvorsitzende, blickt für uns auf die letzten und die nächsten 20 Jahre.
Frau Dr. Paulsen, wie haben Sie Wolfsburg erlebt, als Sie 2001 hierher kamen?
Wolfsburg ist natürlich absolut für sein sensationell gutes Kunstmuseum bekannt und die Autostadt war kurz zuvor eröffnet worden. Aber ich muss sagen, ich war sehr positiv überrascht. Die kulturelle Vielfalt in dieser Stadt, das ist schon ungewöhnlich: Das Kunstmuseum, die Städtische Galerie, der Kunstverein und die Junge Kunst, für die mein Mann und ich uns später bewusst entschieden haben, uns zu engagieren. Wir waren gleich von dem Konzept begeistert, gerade jungen Positionen, Meisterschülern und frischen Strömungen nationaler und internationaler Kunst einen Ausstellungsort zu geben – mit freiem Eintritt für alle Bürger.

Wie ist Ihre Begeisterung für zeitgenössische Kunst entstanden?
Meine Leidenschaft zur Kunst liegt schon in der Kindheit begründet, da ich von meinen Eltern oft zu Kunstaustellungen und Auktionen mitgenommen wurde. Nach dem Abitur habe ich zwei Jahre in Rom gelebt und mich da durch die ganzen Klassiker gesehen, aber meinen Fokus relativ schnell auf Zeitgenössisches verlagert. Was junge Kunst für mich sehr spannend macht, ist, dass es oft etwas jenseits von dem ist, was ich sehe, sondern sich aus dem zusammensetzt, was man an Emotionen, Inspirationen und auch Interpretationen mit Kunst erlebt. Und das ist etwas, das vielschichtiger ist, als die reine Betrachtung. Es ist außerdem eine besonders große Freude, diese Begeisterung mit meinem Mann zu teilen.
PK JungeKunst AndreaFaciu Art
Was haben Sie Neues eingeführt, als Sie 2015 den Vorsitz übernahmen?
Zunächst einmal wollte ich die beachtliche Arbeit meiner Vorgänger weiterführen, weil es hier schon sehr großartige Ausstellungen gab. Auch die starke Verbindung zur Hochschule für Bildende Künste bestand schon, aber seit 2016 haben wir gemeinsam mit Professor Dr. Dr. Christoph Metzger einen neuen Weg gewählt: Wir haben erstmals eine Ausschreibung unter den Meisterschülern organisiert, die sich wirklich mit den Räumlichkeiten der Jungen Kunst auseinandersetzen und mit einem raumbezogenen Konzept hier bewerben sollten. Auch als Echtheits-Training für die Zeit danach. Das war meine erste Ausstellung und ein sehr spannendes Projekt.

Wer hatte damals überzeugt?

Das war Sebastian Pralle mit seiner multisensorischen Installation „Æther“. Das war total klasse (lacht). Etwas für alle Sinne – für mich als Naturwissenschaftlerin natürlich die Herausforderung! Er hat dafür verschiedene Geruchsessenzen kreiert, mit denen er große Pergamentbahnen beträufelt hat, die hier überall in den Raum gespannt wurden und dadurch gewisse Geruchszonen bildeten. Das war sehr beeindruckend. Was auch toll war: Wir haben die Gelegenheit genutzt, regionale Anker zu werfen. Was bietet sich bei kreativen Aromen-Kombinationen mehr an, als einen Koch zum Künstlergespräch einzuladen? Wir haben hier mit Sven Elverfeld, dem Küchenchef des Aqua im Ritz-Carlton, der seit zehn Jahren drei Sterne hält, einen tollen Experten. Es war eine sehr anregende Begegnung und hat, was ich persönlich ganz toll finde, auch mal ein ganz anders Publikum zu uns geführt. Diese Unterschwelligkeit finde ich wichtig, dass man immer mehr und andere Menschen mit und für Kunst begeistern kann.

„Man kann genauso gut 80 Jahre alt sein und eine unglaublich junge Kunst machen“

PK JungeKunst ConstantinLuser Art

PK JungeKunst StefanieBuehler Wiese Art

Warum ist das so wichtig?
Das ist eine fast schon philosophische Frage (lacht). Aber gerade in einer sehr technisch und industriell geprägten Stadt ist es doch eine tolle Antipode, dass man das Künstlerische fördert. Die Kunst ist letztendlich irgendwo die Seele einer Gesellschaft und etwas, was uns weiterbringt.

Wie fängt man nun 20 Jahre Junge Kunst ein? Wie haben Sie die Auswahl getroffen?
Das war gar nicht leicht. Aus den Arbeiten, die von Mitgliedern des Vereins nach ihrem ganz persönlichen Geschmack und vor allem für den Privatbesitz angekauft wurden und somit in Wolfsburg geblieben sind, haben wir Fotografien, Skulpturen und Malereien ausgesucht, die einen Überblick über die letzten 20 Jahre geben aber auch kuratorisch zusammenpassen.

Ist Ihr persönliches Lieblingsstück mit dabei?
Von meinem Mann und mir sind mehrere Arbeiten dabei und natürlich sind das alles Lieblingsstücke (lacht). Es ist immer ein ganz besonderer Moment für einen Kunstliebhaber, wenn man vor einer Arbeit steht und für sich entscheidet: Wow, das ist noch etwas, das heraussticht, in meine Sammlung passt und womit ich auch leben möchte. Bei Titus Schade etwa, der mit seinen „Fachwerk“-Arbeiten hier im vergangenen Jahr für mich wirklich ein Highlight war und auch in der Jubiläumsschau ausgestellt wird, waren seine besondere Akkuratesse und das Geheimnisvolle, das seine Werke umgibt, extrem beeindruckend. Und wenn man seinen Werdegang jetzt verfolgt, ist es einfach toll, dass er in einem frühen Stadium hier in der Jungen Kunst war und wir seine Entwicklung, den gedanklichen Prozess in Richtung Bühnenbild, miterleben durften. Normalerweise gibt es immer sehr hitzige aber stets konstruktive Diskussionen im Vorstand, wer hier ausstellen darf – wir haben ein ganz engagiertes Ehrenamt, bei dem jeder die Positionen, die er herausragend findet, einbringt und dann stimmen wir demokratisch ab – aber bei Titus waren wir uns alle schnell einig.
Wie wird die Junge Kunst ihrem Namen mit den Jahren immer wieder neu gerecht?
„Jung sein“ hat für mich immer auch mit einer gewissen geistigen Haltung, etwas Inspirierendem zu tun. Uns geht es nicht vor allem um die biologische Jugend, sondern um die inhaltliche. Das ist das Bemerkenswerte: Man kann genauso gut 80 Jahre alt sein und eine unglaublich junge Kunst machen. Wir sind immer bemüht, einen Querschnitt der neuesten Strömungen aus allen Formen der zeitgenössischen Kunst zu zeigen. Deshalb ist auch mal eine Multisensorik oder eine Animation dabei. So etwas provoziert auch und das machen wir ganz bewusst. Wenn Schülergruppen etwa die „Æther“-Ausstellung besucht haben, kamen gleich die Fragen „Was ist das und warum riecht es hier so?“ Und genau das ist extrem wichtig und versuchen wir zu erreichen: Die lebendige Diskussion dessen, was ist Kunst und was ist junge Kunst. Bei unseren Besuchern ist sicherlich auch mal der ein oder andere dabei, der eine künstlerische Fähigkeit mitbringt, sich aber vielleicht noch nicht traut, sein Leben darauf auszurichten. Genau dafür ist es wichtig, dass es nicht nur die großen Satelliten an Kunstinstitutionen gibt, sondern auch die kleinen, die sehr niederschwellig arbeiten und ganz junge Positionen zeigen, um damit auch neue Talente zu ermutigen.

PK JungeKunst Arndt und Paulsen2 c Claudia Mucha Art

Simone Arndt, Geschäftsführerin, und Dr. Anke-Catrin Paulsen, Vorsitzende des Vereins.

Was wünschen Sie sich für die Junge Kunst in den nächsten 20 Jahren?
Dass wir dann immer noch am Puls der Zeit sind. Dass man weiterhin bewusst die jungen Positionen in den Galerien und Ateliers international anschaut, sich die Offenheit bewahrt, sich überraschen lassen möchte und es immer spannend bleibt. Es ist aber eine interessante Frage, inwieweit sich die Kunstlandschaft im Zuge der Digitalisierung verändert oder ob es vielleicht eher eine Rückbesinnung auf andere Kunstwerte gibt. Etwas, das ich mir natürlich auch wünsche, ist, dass gerade die nachwachsende Generation den Akzent nicht nur auf die ganzen leistungsorientierten Fächer setzt, sondern die Kunst weiterhin in der Wahrnehmung wichtig ist und noch wichtiger wird, denn es ist sicherlich das höchste Gut, was da verteidigt wird.
PK JungeKunst AndreaFaciu Art

Interview Evelyn Waldt
Fotos Claudia Mucha, Matthias Leitzke, Manfred Hensel,
Nadine Decker, Ali Altschaffel

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