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Die Donots sind eine der bedeutendsten bestehenden deutschen Punkbands. Mit „Heute Pläne, morgen Konfetti“ ist nun eine 357 Seiten schwere Bandbiografie erschienen.
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War man in den vergangenen Jahren mal auf einem größeren Rockfestival unterwegs, dann dürfte es schwergefallen sein, nicht über die Donots zu stolpern. Der Punkexport aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren ist mit zwölf Studioalben und tausenden Auftritten eine waschechte Genregröße – auch weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. Zum nicht ganz runden Bandjubiläum 27 erschien jüngst das Buch „Heute Pläne, morgen Konfetti“, das einen detaillierten Zeitstrahl abbildet, vom Aufwachsen in der Kleinstadt und ersten Rockstar-Träumereien bis hin zu den Erfolgen, die das Quintett bis heute feiert. Über all das haben wir mit Sänger Ingo im ausführlichen Zoom-Meeting geklönt.
Ingo, das Buch ist nicht von, sondern über euch geschrieben?
Das kann man so sagen. Ingo Neumayer hats geschrieben. Der ist ein ganz alter Wegbegleiter von uns, ein Freund aus den 90ern. Er war seinerzeit lange beim Visions Magazin, irgendwann auch Chefredakteur. Abgesehen davon, dass er in Münster gewohnt hat und wir uns dementsprechend hier und da auch mal am Tresen begegnet sind, war er immer jemand, der an den wichtigen Stellschrauben, bei Terminen unserer Bandlaufbahn irgendwie dabei war. Ingo hat uns damals schon fürs Visions interviewt, als wir unser zweites DIY-Album „Tonight‘s Karaoke-Contest Winners“ aufgenommen und herausgebracht haben. Er war dabei, als wir 2001 in New York waren, als wir mit Millencollin 2003 in der Brixton Accademy in London gespielt haben, und und und. Wenn du so willst, ist Ingo Neumayer jemand, der uns bei allem, was wir getan haben, immer ein bisschen auf die Pfoten geschaut hat.
Ein aufmerksamer Chronist, der überall mit dem Schreibblock dabei stand, wenn ihr schon längst zu betrunken wart?
(lacht) Ja, so kann man das vielleicht sagen. Das Schöne ist, dass wir dadurch unbewusst immer jemanden hatten, der halt wirklich das Ganze mit unserem Blick, aber auch seiner Perspektive von außen beleuchten konnte. Als wir überlegt haben, wer das Buch schreiben könnte, sind wir ziemlich schnell bei Ingo gelandet, zumal wir seinen Schreibstil total mögen und er echt der Einzige ist, der richtig versteht, worum es geht.
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„Heute Pläne, morgen Konfetti“ wirkt ein bisschen wie eine Bauanleitung, um mit seinen besten Freunden eine Band zu starten ...
Da ist schon was dran, es ist eine Motivationsrede für junge Bands, das finde ich auch das Charmante daran. Es ist überhaupt das, was mich jetzt im Nachgang beim Durchlesen am glücklichsten macht. Das ist nicht „The Dirt“ von Mötley Crüe, die Geschichte ist nicht mit Skandalen gespickt. Wir waren nie eine Band, die Fernseher aus Hotelzimmerfenstern wirft. Wir haben fast eher noch einen Fernseher mitgebracht und den aus Nettigkeit dagelassen. (lacht) Wir haben keine großen Egos, aber es immer sehr ernst genommen, das zu tun, was wir machen wollten. Das ist eigentlich das Erfolgsrezept daran. All das, was du nicht kannst, machst du dann halt mit Attitüde wett.

Wie war es damals, schon früh mit sehr großen Bands zu tun zu haben? Ihr habt 1994 zum Beispiel Green Day in das Jugendzentrum Scheune in Ibbenbüren geholt ...
Ja, heute klingt das völlig abstrus, damals wusste ja aber noch niemand, wie groß Green Day eines Tages werden würden. Für uns war das halt eine US-Punkband, die derzeit als Support für Die Toten Hosen durch Deutschland getourt ist und an ihrem Off-Day aufm Dienstagabend bei uns in der Scheune vor 140 Leuten gespielt haben, damit war das Ding noch nicht einmal ausverkauft. War ein Wahnsinnskonzert und hinterher haben die in der Gartenlaube der Eltern von einem der Scheunekids gepennt. Der Drummer Tré Cool hat sich aus deren Gartenteich noch einen Salamander gefischt und diesen den ganzen Abend auf seiner Schulter mit sich rumgetragen, völlig weird. Green Day haben an dem Abend gefühlt drei Grasplantagen geraucht, die ganze Scheune hat noch nie zuvor so hart nach Marihuana gerochen. Die waren sehr nahbar und super nett, muss man sagen, und so ist das mit allen großen Acts gewesen, die wir da hatten. Ob das jetzt Marky von den Ramones war, NOFX oder Machine Head.

„Wir waren nie eine Band, die Fernseher aus Hotelzimmerfenstern wirft“

Wie kommt es, dass du und deine Brüder so ähnlich musikalisch sozialisiert worden seid? Oft entwickeln sich Geschwister ja in ganz andere Richtungen ...
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch daran liegt, dass es damals noch kein Internet gab. Du musstest dich noch richtig anstrengen, Fan einer Band zu sein, denn du konntest nicht alles in die Finger kriegen. Das war wie Weihnachten und Geburtstag zugleich, eine Japanpressung von irgendwelchen Metallica-B-Seiten zu bekommen, die es auf dem Land einfach so nicht gab. Wenn irgendjemand in der Stadt eine neue Platte hatte, dann wurde die getaped und auf dem Schulhof hin und her getauscht. Als „No Control“ von Bad Religion erschien, hatte die einer unserer Nachbarn und hat sie uns vorgespielt. Wir konnten gar nicht fassen, dass es sowas gibt. Wir waren halt Metalkids mit langen Haaren und fanden harte, laute und schnelle Musik geil. Aber diese Songs waren immer so neun Minuten lang, mit ewig langen Gitarrensoli und dann kamen halt Bad Religion daher und mähen dich innerhalb einer Minute platt. Und ab da wurden dann diese Kasetten getauscht. Wenn eine Band also erstmal groß war in Ibbenbüren, dann war sie für die ganze Subkultur groß.
Man merkt immer wieder, dass ihr bestimmten Grundwerten des Punk treu geblieben seid. Wie hat sich das entwickelt?
Unbedingt! Früher war es Usus, dass zu einer Punkshow Fanzines und DIY-Plattenlabels aus ganz Deutschland vorbeigekommen sind und da ihre Merchstände aufgebaut haben. Da bist du natürlich total in den Austausch gekommen und hast viele Berührungspunkte mit Punk und dessen Ethos gehabt. Auch was Vegetarismus und Veganismus angeht zum Beispiel. Klar, die Szene bestand aus so Macherkids, die Bock hatten, etwas aufzubauen. Das fand ich immer großartig! Ich habe mich viel lieber mit den Punks umgeben, die für eine Sache eingestanden sind, als mit denjenigen, die Ablehnung in alle Richtungen vermittelt haben.
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Auch euer Buch ist jetzt über einen kleinen DIY-Verlag erschienen ...
Genau. Wir haben auch erst überlegt, ob wir es über unser eigenes Plattenlabel verlegen sollen, aber wir wissen halt nichts über Buchveröffentlichungen. Der Ventil Verlag hat in der Vergangenheit schon viele Bücher rausgebracht, die ein Punk-Thema haben. Die hatten sofort Bock, das mit uns zu machen. Wenn es ein Learning aus den letzten 27 Jahren gibt, dann dieses: Finde nicht Leute, die besonders viel Geld haben, sondern finde Leute, die mit dem Geld, das sie zur Verfügung haben für eine Sache brennen. Finde Leute, die Mittel und Wege finden, weil sie enthusiastisch sind, nicht weil sie das dickste Auto fahren. Das trifft auf den Ventil Verlag zu und das ist auch der Grund, warum wir mit unserem Label Solitary Man Records alles selbst machen. Wenn man jungen Bands eines raten kann, dann: Behaltet die Rechte an eurem kreativen Output, solange es geht, bei euch und macht so viel es geht DIY!

Inwiefern reizt euch eine eigene Lesetour – mal mit was anderem als eurer Mucke auf die Bühne zu gehen?
Wir haben schon ewige Zeiten den Podcast „Die relaxte Kluftpuppe“, den wir auch mal live vor Publikum aufgenommen haben. Das hatte dann schon diesen Charakter, auf einer Bühne zu sitzen und völlig unvorbereitet, ja, praktisch mit dem Brotmesser zur Schießerei zu kommen und sich dann den Fragen des Publikums zu stellen. So ähnlich stelle ich mir auch eine Lesereise vor. Natürlich würde noch Ingo Neumayer mit dabei sein und vielleicht spielt man hinterher noch ein paar Songs unplugged oder sowas. Ich hätte schon Bock drauf, weil es nochmal ein ganz neues Türchen aufstößt im Vergleich zum klassischen Touren und Konzertespielen. Davon haben wir ja inzwischen auch schon so 1 200 Stück erlebt.
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Interview Simon Henke
Fotos Tobias Sutter, Dennis Dirksen

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