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Olaf Jaeschke im Interview | Sein Herz schlägt für Braunschweig und die Region: Galerist Olaf Jaeschke belebt nicht nur mit der Galerie Jaeschke den Kunstmarkt, sondern er ist als Vorstandsvorsitzender des Arbeitsausschuss Innenstadt ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht Braunschweig noch schöner zu machen.
Wir haben uns mit Olaf Jaeschke zu einem Gespräch getroffen.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, Galerist zu werden?
Letztendlich ist das über das „Familien-Projekt“ entstanden: Die Galerie gehört meiner Familie bereits seit 1960. Der Ursprung der Bilder-Etage Jaeschke liegt sogar noch weiter zurück. Das ging schon in den 30er Jahren in Chemnitz los.

Kunst und Kommerz sind für viele schwer zu vereinbaren, wie gehen Sie mit dem „Konsumgut“ Kunst um?
In einer Stadt wie Braunschweig ist es natürlich schwierig, von Kunst zu leben, zu existieren. Das Konzept, welches wir seit 1960 haben, ist, dass wir vom klassischen Bild über abstrakte Kunst oder Installationen eine große Bandbreite abbilden. Das ist eine unserer Säulen. Dazu kommen die Einrahmungen, Restaurierung, die Digitaldruckerei wo wir zum Beispiel für Fotografen auf Leinwand drucken und auch unsere eigenen Projekte realisieren. Dann kommt im nächsten Schritt die Galerie-Arbeit. Das ist ein ganz eigener Bereich, in dem Künstler gefördert und exklusiv ausgestellt werden. Diese Mischung schafft es, dass wir existieren.
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Jeff Koons "Balloon Dog" in Pink

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Werke von Paul Thierry

Woran erkennt man Kunst?
Wenn man emotional angesprochen wird und der Kunst gestattet, einen zu berühren. Unsere Aufgabe in dem Zusammenhang ist, dass diese berührende Kunst sich auch in einem vernünftigen Niveau bewegt. Also es gibt schon den Unterschied zwischen einem Hobbymaler und einem studierten Künstler. Unser Anspruch ist beim Zeigen der Kunst in den Räumen auch eine gewisse Qualität zu waren.

Wie hat sich Ihr Kunstverständnis über die Jahre verändert?
Ich bin eigentlich ein Kunst-Chaot. Es ist so, dass mich vieles begeistert: Ob es eine alte Grafik ist, die ich auf dem Trödelmarkt finde oder wenn ich Kunst ganz nah in einem Atelier in Berlin oder Venedig sehe. Sobald mich das Werk berührt, versuche ich es je nach Preis zu kaufen. Diese Begeisterung versuche ich auch meinen Kunden zu zeigen Und halte hier ein entsprechendes Sortiment an Kunst vor.

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Olaf Jaeschke mit einem Gemälde von Bettina Bülow-Böll

Braunschweig verfügt über eine rege Kunstszene. Welche Highlights empfehlen Sie Besuchern der Stadt?
Wir haben ein toll renoviertes, modernes Museum mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum, in dem sich auch ein Raum für moderne Kunst befindet. Durch die HBK haben wir in der Galerie den internationalen Zeitgeist vertreten, der dort in den Ausstellungsräumen gezeigt wird. Es gibt auch das Museum für Photographie mit starken Ausstellungen. Es gibt in Braunschweig wirklich ein großes Angebot an Kunst. Und: Wolfsburg ist nicht weit. Dort ist das international bekannte Kunstmuseum. Oder die Städtische Galerie, die sehr innovativ ist mit ihren Ausstellungen.

Die „Alltagsmenschen“ von Christel Lechner sind in diesem Jahr wieder zu sehen. Die Reaktionen reichen vom fröhlichen Selfie mit den Figuren bis hin zu mutwilliger Beschädigung dieser. Polarisieren diese Figuren?
Eigentlich nicht. Sie sind für 95 Prozent, für Menschen die Kunst im öffentlichen Raum entdecken, da. Also für Leute die nicht mal eben in Museen marschieren. So werden viele mit Kunst konfrontiert. Das ist auch die Intention der Künstlerin. Ich denke, man sollte nicht einknicken, wenn ein paar Menschen meinen, diese Skulpturen zerstören zu müssen. Vielleicht aus einer Unzufriedenheit heraus, weil diese Figuren eine heile, glückliche Welt zeigen … Es ist vor allem klasse, wie positiv es ansonsten angenommen wird.
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Jörg Döring

Was könnte in Braunschweig und der Region in Bezug auf Kunst noch besser werden?
Ich denke, die Vernetzung könnte besser werden. Das hat ja gerade schon stattgefunden: Erstmalig konnten die Meisterschüler der HBK in den Räumen der Städtischen Galerie Wolfsburg ausstellen. Ich war bei der Vernissage und es war eine spannende Ausstellung, Ich finde es toll und wichtig, wenn man diesen jungen Künstlern Raum in einem Museum gibt. Ein tolles Projekt, das gemeinsam von Frau Ohlraun und Frau Pfleger initiiert wurde. Es sollte noch mehr solcher Kooperationen geben. Ich könnte mir vorstellen, dass auch wir mit Studenten der HBK ein gemeinsames Projekt machen, denn ich würde sie gern mehr einbinden. Wir haben ja vom Arbeitsausschuss Innenstadt auch das Thema „Kunst“ gehabt, denn wir haben in vielen Schaufenstern der Innenstadt entsprechende Flächen für kleine Ausstellungen, um die Bandbreite zu zeigen, die wir hier haben. Darüber sollte man noch mehr nachdenken.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Noch mehr Austausch über Kunst, denn mehr Wertschätzung von Kunst führt schließlich zu mehr Erfolg der Galerien, die natürlich auch wirtschaftlich denken müssen.

 

Welche Kunstwerke gefallen Ihnen persönlich?
Ich mag Kunst, die ein wenig schroffer ist. Also, so wie die Künstlerin Uschi Klaas, die sehr haptisch, dreidimensional arbeitet. Auch Petra Rös-Nickel, die schroff mit ihren Oberflächen arbeitet. Ebenso mag ich Antonio Tàpies, ein Spanier, der sein Papier stark bearbeitet. Ich bin nicht jemand, der für die ganz cleane Kunst steht, sondern eher Werke, bei denen eine gewisse Materialität mitschwingt. Das muss nicht nur Öl-Farbe sein, das kann auch Kupfer sein.


Wie betrachten Sie ein Kunstwerk beim ersten Mal?
Eigentlich reagiere ich auf Farben und Formen. Meine Partnerin ist manchmal etwas genervt, weil ich mich in Ausstellungen relativ schnell im Raum bewege aber an zwei, drei Punkten auch hängenbleibe und mich dem Bild intensiv nähere, um aufzunehmen, was es für Inhalte hat. Ich möchte schon von Kunstwerken angesprochen werden.

Welchen Künstler würden Sie gern ausstellen? Und warum?
Das ist schwierig, weil dieses Eingrenzen schade wäre. Wir haben so viele spannende Künstler. Das macht doch diese bunte Welt aus. Es gibt keinen speziellen Künstler. Doch wir haben im letzten Jahr ein großes Projekt mit Markus Lüpertz realisiert. Es wurde in Wolfenbüttel eine Wilhelm Busch Skulptur aufgestellt. Es sind vor allem solche Momente, die spannend sind. Nach einer langen Arbeitsphase, wenn das Kunstwerk dann im Raum steht, kommt der Genuss.

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Zeichnungen von Christo

Interview: Kathleen Kalle
Fotos: Kathleen Kalle, SUBWAY

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