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Theater Grand Guignol

Premiere am 10. Mai /
Lindenhof (BS)

Das Theater Grand Guignol eröffnet im Mai eine morbide Kasperle-Bühne für Erwachsene im Braunschweiger Lindenhof.
PK Heribert SchlankowitzNEU art
Umherspritzendes Blut, tiefschwarzer Humor und pikante Sexszenen – Das Théâtre du Grand Guignol war ein intimes Schauspielhaus im verruchten Pariser Vergnügungsviertel Pigalle, das sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf morbide Inszenierungen, die in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche blicken ließen, spezialisiert hatte. In der verlassenen Kapelle einer dunklen Seitenstraße der französischen Hauptstadt gelegen, sorgten blutrünstige Aufführungen nicht nur für handfeste Skandale, sondern auch für zahlreiche Ohnmachtsanfälle. Und wenn das Theater auch seinen Betrieb 1962 einstellen musste, so blieb doch „Grand Guignol“ als Gattungsbezeichnung für grotesk-triviale Grusel- und Horrorstücke bestehen.
Mitte Mai wird nun das Theater Grand Guignol im Lindenhof in der Humboldtstraße wiederbelebt und dafür sorgen, dass die Braunschweiger Kulturlandschaft um eine Theaterattraktion reicher wird. Unter der Schirmherrschaft von Eleonore Eiswirt, die das Gebäude im letzten Jahr erworben hat und dort seit einigen Monaten Tango-Tanzkurse anbietet, wollen die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Binder und der Autor und Regisseur Simon Paul Schneider mit der Grand-Guignol-Neuauflage eine Schauspielstätte etablieren, in der sich nicht alles um Politik, Boulevard oder Tagesaktualität dreht. Vielmehr sollen hier Geschichten erzählt werden, in denen es – etwas anders als beim Pariser Vorbild – um unterschiedliche Biografien real existierender Personen geht, die mit verschiedensten Formen psychologischer Gewalt in Verbindung stehen. Entsprechend der Übersetzung von Grand Guignol – „Großer Kasper“ – ersetzen die Theatermacher die realen Personen durch die archetypischen Charaktere des Kasperletheaters: Kasper, Krokodil und Prinzessin. Sie bieten den Zuschauern einen neuen, vielleicht auch ein wenig morbiden Blickwinkel auf die Dinge. In ihren mysteriösen Stücken erzählen sie von Personen, die einander nie begegnet sind, deren Biographien aber trotzdem miteinander verwoben sind.
Die Idee zur Wiederbelebung des Grand Guignol kam den beiden Initiatoren bei der Besichtigung der Räumlichkeiten: „Der riesige, Ballsaal-ähnliche Zuschauerraum, das kleine Portal, die antike Bühne, der denkmalgeschützte grüne Anstrich der Innenverkleidung und die Geschichte des Hauses samt dem grotesken Gedanken, dass diese Bühne während der Nazi-Herrschaft womöglich sogar mit Komödien bespielt wurde, brachte unser Gespräch auf das längst vergessene Pariser ‚Theater des Lachens‘ und Entsetzens. Ein Theater, das über Jahrzehnte das Publikum in seinen Bann zog, weil es mit zwei sehr ursprünglichen Gefühlen umging: Angst und Komik. Zwei Gegensätze, die uns in unseren bisherigen Arbeiten stets beschäftigt haben“, heißt es auf der Homepage des Braunschweiger Grand Guignol.
Die beiden gebürtigen Duisburger kamen unabhängig voneinander als Regieassistent und Regisseur ans Braunschweiger Staatstheater, wo sie sich vor zwei Jahren kennenlernten und dabei feststellten, dass sie ähnliche Interessen verbindet. Seitdem schreiben und inszenieren sie gemeinsam Theaterstücke. Mit dem Lindenhof als festen Standort wollen Binder und Schneider nun in der Tradition des Jahrmarkt-Theaters ein Schauspielhaus für Erwachsene schaffen, in dem das kindliche Vergnügen an den Grobheiten der Kasperlebühne befriedigt wird. Unterstützt werden sie dabei von fünf Darstellern, organisatorischen Mitarbeitern, Bühnen- und Kostümbildnern, einem Techniker, Musikern, Grafikerinnen, zwei Theaterpädagogen und Heribert Schlankowitz, dem Theaterhasen aus Breslau an der Wümme.
Geplant sind insgesamt vier Stücke, zwei von Mai bis Juli dieses Jahres und zwei im Frühjahr 2020. Alle Inszenierungen stammen aus der Feder von Simon Paul Schneider in Zusammenarbeit mit Katharina Binder. Eröffnen wird das Theater am 10. Mai mit der Uraufführung von „Ein Leben lang kurze Hosen tragen“. Die Premiere für „Die obere Koje“ findet am 14. Juni statt. In diesem Sinne: „Licht aus! Das Spiel beginnt!“

Text Kerstin Lautenbach-Hsu
Fotos Katharina Binder, Robin Lascheit, Butch - Fotolia.com

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