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Mark Benecke

28. Februar/ 22 Uhr 

Stereowerk (BS)

Kriminalbiologe, Insekten-Kenner und Gothic-Ikone Dr. Mark Benecke kommt für den guten Zweck nach Braunschweig – als DJ Dr. Doom für zum „Creatures of the Night“-Charity-Event ins Stereowerk.
PK a Mark Benecke by thomas van de scheck copy c Thomas van de Scheck art
Durch etliche unterhaltsam-informative, wissenschaftlich fundierte Vorträge, Buchveröffentlichungen, Film-, Funk- und Fernsehauftritte hat es der sachverständige Kriminalbiologe und forensische Entomologe Dr. Mark Benecke zu großer Bekanntheit gebracht. Besonders die Gothic- und Grufti-Szene liebt den von oben bis unten zutätowierten, quirlig-kumpelhaften 49-jährigen Kölner für seine Profession als Experte für alles, was mit Tod und Verwesung zu tun hat – und er liebt sie ebenso. So engagiert er sich bei Szenetreffen wie dem berühmten Wave-Gotik-Treffen in Leipzig oder dem Amphi-Festival, arbeitete mit einschlägigen Bands zusammen und legt selbst auch als DJ auf, vornehmlich Stile, die düster und elektronisch sind. Auch mit der Braunschweiger Dark- und Gothic-Gemeinschaft verbindet ihn viel, allem voran die Bekanntschaft zum Szene-Revival- und Kultur-Kollektiv „BS Oldschool“, das am 28. Februar zu einer großen Feier ins Stereowerk lädt. Unter dem Titel „Creatures of the Night“ findet eine Charity-Party statt, bei der Benecke als Headliner-DJ „Dr. Doom“ neben den Lokalmatadoren DJ Matze, bekannt von der „Gegen den Strom“-Reihe und „N8Flug“-Resident DJ Worlock auflegen wird. Ein Teil des Erlöses aus Eintritt und einer Tombola wird der „Pfötchenhilfe“ des Tierschutzvereins Braunschweig zugute kommen, die sich für Katzen einsetzt. Das passt, denn seit vielen Jahren engagiert sich auch Mark für Tierschutz und Tierrechte und nicht zuletzt ist er großer Insektenfreund und -kenner – mit jeder Menge Schaben als Haustiere.
Bist du Katzen- oder Hunde-Typ?
Ich bin „Leben mit Freude und Würde“-Typ ... Das gilt für alle Tiere, auch Hunde und Katzen.

Was magst du an Katzen?
Dass sie versuchen, mit Menschen zu reden, wenn sie Lust haben, und eine klar erkennbare Körpersprache haben — wir können sie sehr gut verstehen, wenn wir ihre Sprache lernen.

Sind die dir nicht eigentlich viel zu niedlich?
„Zu niedlich“? Das gibt‘s nicht.

Was haben Katzen und Insekten gemeinsam?
Mehr Beine als Menschen.

Und können Insekten denn niedlich sein?
Sie sind jedenfalls fantastisch erbaut und ein tolles Wunder. Jeder findet etwas anderes niedlich. Ich schätze, respektiere und erfreue mich gewaltig an allen Lebewesen, auch den manchmal für Menschen etwas roboterartig wirkenden Insekten. Ich liebe Leben und Lebewesen.

Dennoch beschäftigst du dich intensiv mit dem Tod. Was denkst du über das Sterben?
Dass wir alle sterben werden.

Hast du Angst davor?
Freuen tue ich mich jetzt nicht mega. Aber „et is wie et is“ – rheinisches Grundgesetz!
Was zeichnet dich als Rheinländer noch aus?
Hier in Köln sagt man so schön: Jeder Jeck ist anders. Man kümmert sich um seinen eigenen Kram. Alle wissen: Die anderen sind genauso verrückt wie ich. Mit dieser Grundregel bin ich aufgewachsen – für mich hat es nie eine Rolle gespielt, was andere zum Beispiel von meinen Tattoos halten oder ob das beruflich hinderlich sein könnte. Mein erstes Tattoo ließ ich mir zum Studienbeginn stechen: eine Echse aus dem Biologiebestimmungsbuch, quer über die Schulter. Eine gute Stelle, da ist die Haut schön gespannt.

Mittlerweile sind es so viele, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann. Das letzte war eine Amsel am Bein und ein Knöchel-Delfin. Wer Angst vor dem Personalchef hat und keine Eier in der Hose, der braucht auch keine Tattoos. Das ist eine Frage der Gewichtung. Es wird sich eh ändern, wenn die auf die schlechte Art konservativen Menschen in den Firmen weg sind. Die Profanierung von Tattoos ist schon längst passiert.

Mit Braunschweig verbindet dich in erster Linie die Kooperation und Bekanntschaft mit dem „BS Oldschool“-Projekt. Was verbindest du sonst mit der Stadt?
Natürlich die großartige Braunschweiger Kinoproduktion „Sky Sharks“! Und der Braunschweiger Kollege Armin Rütters, der wie ich über Kannibalismus forscht.

„Alle wollen das Klima retten und labern rum, aber die meisten essen Fleisch“

Du bist ein sehr nahbarer Star. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Fans und warum legst du so viel Wert darauf?
Meine Frau Ines und ich wohnen in einer Einzimmerwohnung, kochen mit Wasser und fahren mit dem Zug oder der Straßenbahn zur Arbeit. Ich bin nur ein kleiner Fanboy, der durch eine Laune des Schicksals manchmal auflegen, moderieren oder bei Videos mitmachen darf. Die Autogramme von Welle:Erdball, Rammstein, Covenant, Bela B., Blutengel, Agonoize, Lord of the Lost und so weiter habe ich sogar auftätowiert: Ich bin ein Fan wie alle anderen und selbst „Publikum“.

Wie ernst nimmst du als DJ deine Selection? Gibt es bei dir auch mal „Final Countdown“ oder sowas?
Ich bin strenger Elektroboy: Aggrotech, Hellectro, Cyberpop, wilder Scheiß. Da Kim Wilde mir netterweise backstage ihr Autogramm verpasst hat, vielleicht ein Stück von ihr und vielleicht, auch aus Verehrungs- und Freundschaftsgründen, Rammstein und Neubauten. Sonst kommen mir keine Gitarrenklänge ins Haus beziehungsweise auf die Tanzfläche. Es gibt ja einen Co-DJ.

Woher kommt deine Leidenschaft für „Grufti-Musik“?
Wo alle Leidenschaften herkommen: aus dem – bei mir schwarzen – Herzen.
PK Rocksau Pictures art
PK 2 1 c Thorsten Froehlich art
Bei welchem Song ist bei dir die Grenze erreicht und mit welchem Song ist sie überschritten? Kannst du zwei Beispiele nennen?
Naja, Noise ist nicht tanzbar, das geht also auf Partys nicht.

Du legst sonst als Teil des „Chaos-Teams“ auf. Spielst du als DJ lieber allein oder zusammen mit anderen?
Das gibt‘s nicht mehr: Fräulein Venus und die schwarze Witwe sind bürgerlich geworden. Das haben sie sich auch verdient, Respekt vor beiden.

Warum schätzt und magst du die Dark-Gothic-Szene so sehr?
Gruftis raffen dramafrei, dass wir nur eine Runde auf dieser Erde haben. Nicht zwei und auch nicht drei. Anlass, ein sinnvolles, soziales und schönes Leben anzustreben – so gut es eben geht. Viele Menschen aus Sozial-Berufen sind Gruftis.

Denkst du, die Menschheit wird die Klimakrise überleben?
Nein. Wir können das Ende aber verlangsamen und würdevoll, sozial und friedlich gestalten. Und wir können die Erde nicht bis aufs Letzte zerschunden hinterlassen.

Was bedeutet es heute angesichts der Klimakrise und des Artensterbens, nicht vegan zu leben?
Es ist für Menschen meiner Generation ein längerer Prozess gewesen. Ich habe zum Beispiel lange an Leder festgehalten, da die ersten Outdoor-Klamotten nach Benutzung Sondermüll waren, was auch niemandem hilft. Ich habe dann aber zunehmend die Sicht der reinen Tierschützer und -befreier kennengelernt, außerdem kamen Daten zum Energie- und Landverbrauch raus. Und dann stellten die ersten Firmen auf umweltverträglichere Ersatz-Textilien um. Im Einklang mit der Erde leben, das war und ist ein längerer Weg. Auch als Veganer müssen wir austüfteln, was jenseits des dann zum Glück wegfallenden Tierleides blöd und verbesserbar ist – etwa in viel Plastik verpackte, vegane Snacks.

Du lebst selbst vegan und setzt dich auch öffentlich für eine vegane Lebensweise ein. Wie kam es dazu?
Ich habe früher mit Tinten-„Fischen“, eigentlich ja Tintenschnecken, gearbeitet. Die waren schlau, sehr individuell, verspielt und vor allem haben sie uns vertraut: Wir durften sie – einfach so, nicht für Experimente – aus dem Becken heben. Die Tiere haben sich dabei weder aufgeregt und Tinte gespritzt noch gebissen – das können sie sehr gut – noch sich im Aquarium festgehalten – das können sie auch sehr gut. Stell‘ dir mal vor, dich würde ein Tintenfisch unter Wasser mitnehmen – würdest du ihm vertrauen? Die Tiere haben jeden im Labor erkannt und waren bei Besuchern zurückhaltend, sie haben mit anderen im Nachbar-Aquarium „Händchen gehalten“... und das war messbar, nicht eingebildet. Als wir sie frei gelassen haben, haben meine Mitstudierenden geheult. Die Achtarmigen waren echte Freunde geworden, ohne Gefühlsduselei, sondern ganz ernst und gerade. Als Kind hatte ich auch öfter Tier-Transporte mit Schweinen auf Lastern gesehen, weil wir früher mit unseren Eltern oft von Köln nach Bayern gefahren sind. Das habe ich sogar mal in einer Klassenarbeit aufgeschrieben, wie ätzend ich diese Transporte fand. Die letzten veganen Schritte – Quark und Leder weglassen – kamen durch freundliche Stupser von den Leuten von PETA und Kochen ohne Knochen, mit denen ich Interviews und Aktionen durchgeführt habe.
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Gibt es eigentlich auch irgendetwas, das du ekelig findest?
Haare im Abfluss. Alle Fleischprodukte finde ich auch ekelig. Ich habe ja wie gesagt mit Tintenfischen gearbeitet, das war in Irland. Unser damaliger Kölner Prof, der eigentlich Düsseldorfer war, sagte einem irischen Fischer, der nie was anderes als fischen gemacht hatte und nur sein Boot und seine Hütte kennt, „du musst mal nach Düsseldorf kommen. Das ist die schönste Stadt der Welt.“ Schließlich hat er ihn tatsächlich nach Düsseldorf gebracht und ist mit ihm ins Carsch-Haus, wo es in der Fischabteilung halt Fische auf Eis gab. Der Fischer fand es dann super ekelhaft, weil es ja eigentlich Leichen sind. Lebende Fische riechen ja nicht nach Fisch. Der Fisch riecht nur, weil er alt ist. Alte Leichen. Bakterien lassen ihn riechen. Das ist beim Metzger ähnlich, nur riecht es da eher nach Blut. Und beim Fleisch ist es so: Alle wollen das Klima retten und labern rum. Aber die meisten verwenden dennoch Tiere, was der Hauptfaktor für den CO2-Ausstoß, Wasser- und Landverbrauch auf der Erde ist. Das ist unlogisch und riecht halt auch einfach nicht gut. Wenn ich eine Brandleiche vor mir habe, riecht das genauso wie ein gebratenes Stück Fleisch.

Interview Benyamin Bahri
Fotos Rocksau Pictures, K.A.S. Sandra

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