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Tahnee

25. Oktober | Hallenbad (WOB)

Comedy trifft auf Gesellschaftskritik: Die charismatische ­Powerfrau Tahnee räumt in ihrer Solo-Show #geschicktzerfickt im Wolfsburger Hallenbad gründlich mit Klischees auf.
PK Thanee Presse 3 Tahnee art
Einige Menschen sind für Comedy geboren, andere rutschen da irgendwie rein – so auch Tahnee Schaffarczyk. Die 26-Jährige glaubte zunächst für eine Musical-Karriere prädestiniert zu sein, schließlich hatte sie 15 Jahre lang eine Ballettausbildung absolviert. Ihr Leben nahm einen anderen Lauf, nachdem ihre Mutter zufällig im Teletext gelesen hatte, dass Cindy aus Marzahn Comedy-Nachwuchs suchte. Kurzerhand sandte die damals 19-Jährige ein selbstgedrehtes Video ein, ohne große Erwartungen. Die Überraschung war umso größer, als Tahnee zum Casting für den ersten RTL Comedy-Grandprix eingeladen wurde. So kam der Schicksals-Stein 2011 mit einem Fernseh-Auftritt vor drei Millionen Menschen ins Rollen. Sieben Jahre später rollt der sagenumwobene Stein munter weiter; die junge Comedienne strahlt pure Lebensfreude aus, ihre gute Laune steckt an. In einem aufschlussreichen Gespräch erfahren wir, warum es in ihrem Solo-Programm nicht nur um stumpfes Lachen geht.
Stell dir vor, du könntest mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen. Was würdest du deinem damaligen Ich mitteilen?
Boah, vielleicht einfach gar nichts (lacht)? Ich finde es schön, Dinge zu erleben und erst danach festzustellen, ob es gut oder schlecht war. Jede Erfahrung birgt und bringt ja etwas mit sich – gerade die schlechten zeigen, wie man es nicht mehr machen sollte. Deswegen hat vorgreifen immer so etwas Schräges. Stattdessen würde ich einfach entspannen und abwarten.

Bereust du es, dass aus deiner Musical-Karriere nichts geworden ist?
Ganz im Gegenteil, ich bin sehr froh darüber! Bei Musicals gibt es immer ein vorgegebenes Skript. Man kann zwar eine Rolle mit seinen individuellen Anlagen füllen, aber ihre Grundzüge sind dennoch festgeschrieben. Dagegen habe ich das große Glück, die absolute Freiheit auf der Bühne ausleben zu können. Im Fernsehen ist es noch mal anders, weil der Text vorher eingereicht wird und man gesagt bekommt, welche Aussagen eher ungeeignet sind, die dann auch gestrichen werden. Live habe ich hingegen die grenzenlose Freiheit zu sagen, was ich möchte. Das ist ein sehr großes Privileg und das feiere ich gerade hart.
 
Woher nimmst du die Inspiration zu #geschicktzerfickt?
Die kommt tatsächlich aus dem Alltäglichen. Das sind mal ernste und mal super witzige Sachen. Kleinigkeiten, die ich mir direkt aufschreibe, oder aber ernstere Themen, die mich einfach beschäftigen. So was wie: Warum schminken sich Kinder schon mit zehn und spielen nicht mehr im Dreck? Weshalb gibt es dieses Ungleichgewicht, was ist schief gelaufen? Da gibt es eine riesige Bandbreite von einfachen, lustigen Themen und denen, die mich aufregen oder bewegen. Und natürlich inspirieren mich auch immer Stimmen. Wenn ich irgendwelche skurrilen Menschen in der Bahn höre, dann denke ich: „Das ist die perfekte Rolle, das glaubt mir doch keiner, dass das hier gerade passiert ist“.

Rollen sind ein gutes Stichwort: Ist alles nur Schauspiel oder ein Teil von dir?
Wenn ich etwas gut finde, dann sauge ich es auf – in der Hinsicht bin ich wie ein Schwamm. Es nicht so, dass ich das Dargestellte in mir wiederfinde, aber ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich bei Freunden in einigen Situationen als irgendeine Figur spreche. Ich kann die Künstlerin und meine eigene Identität gut voneinander trennen, das wäre sonst Schizophrenie und äußerst seltsam (lacht). Tatsache ist aber, dass ich einfach super viel Lust auf andere Stimmen habe, die ich auch gestisch und mimisch darstelle.
Was möchtest du in deinem heterogenen Publikum bewirken?
In meiner Show transportiere ich schon eine gewisse Ernsthaftigkeit. Ich bin begeistert, wenn die Leute nicht nur mit einem Strahlen nach Hause gehen, sondern einen Moment innehalten und über das Gehörte nachdenken. Mit Worten kann man unheimlich viel ausdrücken und spielen, auch mit dem, wie man etwas sagt. Da steckt natürlich auch etwas Ernstes dahinter und ich freue mich, wenn die Leute das checken.

Gibt es dennoch etwas, worüber du keine Witze machen würdest?
Vermutlich über einige private Situationen? Aber an sich kann ich nichts ausschließen, weil es eigentlich nur um den richtigen Zugang geht. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn man auf der Bühne alles thematisieren kann. Egal was, das Wie ist entscheidend. Es kann ein hartes, ernstes, klamaukiges, sexuelles Thema sein, ganz egal in welchem Bereich, der Zugang und die Erklärung sind wichtig.
Comedians spielen gerne mit Klischees. Mit welchen siehst du dich als eine in der Öffentlichkeit stehende Person konfrontiert?
Da gibt es zwei. Wenn ich auf die Bühne komme, nimmt man mich sofort als Frau wahr und nicht als eine Person, die Comedy macht. Bei einem Typen ist es egal wie er aussieht, er kommt auf die Bühne und da ist direkt gesetzt: „Ah okay, der erzählt mir jetzt bestimmt etwas Witziges!“ Es wird oft gesagt: „Als Frau hat man es einfacher, weil es ja nicht so viele gibt.“ Das mag sein, aber man wird auch viel negativer wahrgenommen. Deswegen kann ich dem nur widersprechen, weil man sich scheinbar gegen die Männer „behaupten“ muss. Dann gibt es noch die Klischees über Lesben. Ein ganz blödes Beispiel: Die Haare. Ich bin gar nicht so frei in der Entscheidung, ob ich lange oder kurze Haare habe. Wenn ich kurze Haare hätte, würde man sagen: „Ach ja, guck mal, Lesbe!“ Und wenn ich lange Haare habe, dann heißt es: „Ah okay, die will sich davon absetzen.“ Natürlich leben wir in der Comedy auch davon und bedienen Klischees. Gleichzeitig ist es interessant zu beobachten, wenn bei einem Publikum eine Schublade aufgeht und man merkt, dass sie vorher wirklich so gedacht haben.
PK Thanee Presse 4 Tahnee art
Was würdest du einer angehenden Comedienne raten?
Vor allem Angst ablegen, weil Frauen ganz oft alles anzweifeln – das thematisiere ich auch in meinem Programm. Männer haben gleich von Anfang an die Einstellung: „Ich bin das, ich mach‘ das, ich kann das!“ und Frauen sagen eher: „Hach, ich weiß nicht! Hoffentlich ist das lustig? Jetzt haben die ja gar nicht so gelacht. Okay, ich kann nie wieder auftreten... “ Sie fallen dann in diese Rolle und merken gar nicht, wie bescheuert das ist. Da standhaft zu bleiben und zu sagen: „Ich mach das!“, weil: Was unterscheidet mich? Gar nichts!

„Was ist ein Keks unter einem Baum?“

Wie gut lässt es sich von Comedy leben? Kaufst du dir bald eine Yacht?
Ja sicher! Die stopf ich mit den ganzen Pfandflaschen voll, die ich sammle (lacht). Es kommt drauf an. Am Anfang ist es natürlich schwierig, weil man offene Bühnen macht und teilweise ohne Gage spielt, um einen Spot zu kriegen. Beim Fernsehen gibt es natürlich ein bisschen Geld, aber zur Yacht hat es bisher nicht gereicht. Ich ruf dich an, wenn sie in greifbare Nähe rückt (lacht).

Diverse Fernsehauftritte, die erste Solotour mit #geschicktzerfickt, ein Prix Pantheon in der Kategorie „Frühreif und verdorben“. Was kommt als nächstes?
Die Yacht (lacht)! Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. So schließt sich vielleicht der Bogen, wenn du die Zeitmaschine in die andere Richtung drehst – deine Frage vom Anfang –, dann lasse ich mich genauso überraschen. Vielleicht gibt es irgendwann eine eigene Sketchshow, in der ich meine irren Rollen noch mehr ausleben kann? Wenn alles gut geht, kann ich nächstes Jahr eventuell mit meiner zweiten Solo-Show durchstarten.
Warst du eigentlich schon mal im Wolfsburger Hallenbad?
2015 habe ich da schon mal NightWash moderiert. Ich fand das total geil, weil das Publikum einen Tick weiter unten sitzt. Wenn du auf so vielen Bühnen unterwegs bist, freust du dich über eine so besondere Location.

Ein letztes Anliegen hätte ich noch: Bitte erzähl mir einen stumpfen Witz!
Was ist ein Keks unter einem Baum? Ein schattiges Plätzchen! Das ist ein ganz stumpfer Keks-Witz, den man der Oma sonntags beim Kuchenessen prima
erzählen kann.

Interview Viktoria Knapek
Fotos Guido Schröder

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