Maïa Barouh

15. Juni / Schloss (WOB)

Maïa Barouh liefert im Rahmen der Internationalen Sommerbühne eine atemberaubende Show.
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Tradition trifft auf Moderne: Die japanisch-französische Singer-Songwriterin verbindet volkstümliche japanische Songs mit zeitgenössischen Elektro-Sounds. Mit ihrer Musik möchte sie ihr Publikum nicht nur in musikalische Ekstase versetzen, sondern unsere Vergangenheit an kommende Generationen weitergeben und dadurch ein Bewusstsein für begangene Fehler schaffen. Im Interview erzählt uns die Flötistin von ihrem Herzensprojekt.
Stell dir vor, du würdest einem Gehörlosen anhand eines selbstgemalten Bildes deine Musikrichtung erklären. Wie würde dieses Bild aussehen?
Ich würde dieser Person einen explodierenden Vulkan malen (lacht). Dadurch würde ich meinem Gegenüber die Energie veranschaulichen, die in meinen Songs steckt.

Warum singst du größtenteils auf Japanisch?
Weil dieses Projekt nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima entstanden ist. Dadurch fing ich an, traditionell japanische Lieder zeitgemäß zu interpretieren. Viele von ihnen wurden nahezu vergessen, weil sich Musik regional sehr unterscheidet. In Japan äußert sich die kulturelle Vielfalt schon am Klima: Im Norden ist es wie in Quebec und im Süden wie in Miami, was zu unterschiedlichen Lebensweisen, Essgewohnheiten, aber auch Musikgeschmäckern führt. Ich verwende zwar eine seltene Stimmtechnik von einer Insel aus dem Süden des Landes – Amami –, singe aber eher traditionelle Lieder aus dem Norden.
Weshalb sollten traditionell japanische Stücke in Erinnerung bleiben?
Musik ist in meinen Augen nicht nur zum Feiern da, sondern um unsere Geschichte weiterzugeben. Ich bin nur Musikerin und keine Politikerin, meine Aussage ist nicht: „Ich bin gegen Atomenergie!“ Wenn ich aber zum Beispiel ein traditionelles Lied über Fukushima, eine der damals schönsten Städte Japans, singe, dann tue ich das, weil sich die Katastrophe nicht leugnen lässt. Lieder müssen das alles ausdrücken dürfen – der Mensch ist nie vollkommen glücklich oder traurig, sondern eine Mischung aus beidem.

Möchtest du das deiner Zielgruppe vermitteln?
Ganz genau. Ich finde, dass die traditionellen Lieder Japans sehr viel Energie in sich tragen. Das trifft sich gut, weil ich ein energievoller Mensch bin. Darüber hinaus habe ich die Freiheit, nicht nur Japanerin, sondern auch Französin und von der westlichen Kultur geprägt zu sein. Dadurch konnte ich diese traditionellen Songs auf meine Weise modernisieren und ihnen auch auf der anderen Seite der Weltkugel Gehör verschaffen.
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Wen sprichst du mit deiner Musik genau an?
Diejenigen an, die mit meiner Musik auf Reisen gehen und eine andere Welt entdecken möchten. Das macht Musik doch auch aus, oder? Sie öffnet uns Türen zu neuen Ländern und Kulturen. Meine Songs gehen raus an aufgeschlossene und neugierige Menschen, die genauso voller Energie sind wie ich, in denen im Inneren auch ein Vulkan brodelt.

Wie entstehen deine Songs?
Jedes Lied ist anders und du musst auch bedenken, dass ich nicht immer alleine arbeite – da fällt es mir schwer zu pauschalisieren. Dennoch versuche ich immer so ehrlich und direkt wie möglich zu sein. Wenn es eine Melodie gibt, mag ich keinen dekorativen Schnickschnack, nur damit sie schön klingt. Als Künstler ist man doch zu keiner „schönen“ Musik verpflichtet? Vor allem: Schönheit liegt im Auge des Betrachters, auch etwas Hartes kann schön klingen. Ich mag es, wenn Musik rau bleibt. Ein Song kann ja eine fröhliche Melodie haben, obwohl die Lyrics kritisch oder traurig sind. Diesen Ansatz finde ich persönlich sehr interessant.
Dein Vater macht Musik, deine Mutter ist Malerin. Inwiefern haben sie deinen Werdegang beeinflusst?
Mein Vater hat lange Jahre als Sänger und Produzent gearbeitet. Er hat mich musikalisch sehr geprägt, weil ich durch ihn mit verschiedenen Musikrichtungen in Berührung gekommen bin. Er stand Neuem grundsätzlich offen gegenüber – seine Neugierde habe ich mir beibehalten, ich setze mir keine Grenzen bei meiner Arbeit. Ohne ihn würde ich heute nicht die Musik machen, die ich mache. Meine Mutter hat mich genauso beeinflusst, weil sie zwar Japanerin ist, aber keineswegs in die traditionelle Schublade passt. Meine Eltern haben mich beide dazu ermutigt, meinen Weg zu gehen, wofür ich Ihnen sehr dankbar bin.

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„Musik ist dazu da, um sie weiterzuentwickeln und mit anderen zu teilen“

Dein aktuelles Album „Kodama“ heißt auf Deutsch „Echos“. Warum, was genau hallt von deinem japanischen Folk-Elektro-Beat nach?
Ich mag die Vorstellung, dass beim Echo immer etwas weiterklingt. Traditionelle Lieder sind in meinen Augen wie Echos, die sich in der Welt verewigt haben und bis zu mir durchgedrungen sind. Und jetzt liegt es an mir, diese Echos auf meine Art wiederzubeleben und sie an andere Generationen zu überliefern. Wer weiß, wen diese Echos erreichen und wer sie dann wiederum auf seine Weise an unsere Kindeskinder weitergeben wird? Musik ist dazu da, um sie weiterzuentwickeln und mit anderen zu teilen. Das, was von meinem ganz persönlichen Echo nachhallen soll, ist Energie und Offenheit.

Planst du ein weiteres Album?
Ich plane tatsächlich schon ein nächstes Album, in dem ich mehr auf Französisch als auf Japanisch singen werde. Diesmal möchte ich meine beiden Muttersprachen viel mehr miteinander vermischen genauso wie die beiden Kulturen, mit denen ich aufgewachsen bin.
Wer ist dein musikalisches Vorbild?
Ich habe immer Schwierigkeiten damit, diese Frage zu beantworten, weil ich nichts vom Begriff „Vorbild“ halte. Das liegt auch daran, dass relativ wenig Menschen die gleiche Art von Musik machen wie ich. Es gibt aber einige Sänger, deren Musik mir sehr gefällt wie zum Beispiel die argentinische Sängerin Juana Molina, die elektronische mit akustischer Musik vermischt. Dann gibt es Liliana Hererro, Elis Regina sowie Iara Rennó und Caetano Veloso aus Brasilen, die ich ebenfalls schätze. Aber ich sehe sie nicht als meine Vorbilder, ich möchte einfach ich selbst sein.

Woher nimmst du die Inspiration zu deiner außergewöhnlichen Performance? Was davon passiert spontan und was ist sorgfältig geplant?
Auch wenn ich keine professionelle Tänzerin bin, liebe ich es zu tanzen. Nichts von meiner Performance auf der Bühne ist im Voraus geplant, alles entsteht in der Situation. Das wäre doch auch total „bizarre“ (lacht). Ich fühle mich einfach sehr wohl auf der Bühne, weil mich mein Vater, seitdem ich klein war, auftreten ließ. Dieser Energieaustausch mit dem Publikum ist einmalig und nach all den Mühen und der Arbeit – an „Kodama“ habe ich drei Jahre gearbeitet – ist so ein Auftritt wie eine Belohnung.

Worauf legst du wert, wenn es um deine Outfits geht? Kleidest du dich privat anders als auf der Bühne?
Hast du dir mal eins der Konzertvideos angesehen? So laufe ich ganz sicher nicht in meinem Privatleben rum (lacht). Als Privatperson bevorzuge ich es, nicht sonderlich aufzufallen. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das anders. Das ist dann ein anderer Teil von mir – eine Art Verwandlung, wenn man es so möchte. Ich liebe es, wenn meine Bühnenoutfits außergewöhnlich und farbenfroh sind! Bei der Suche nach dem geeigneten Outfit helfen mir meine Stylisten, in gewöhnlichen Shops würde man derartige Kleidung gar nicht finden.

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Mit welchem Musiker würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?
Wow … Naja, also Michael Jackson ist ja leider tot (lacht). Natürlich gibt es da welche, aber so auf Anhieb fällt mir niemand ein.

Gibt es ein Instrument, das du noch zu spielen lernen möchtest?

Ich bin eigentlich Flötistin, aber auch total begeistert von ganz vielen anderen Instrumenten. Sobald ich jemanden sehe, der ein mir unbekanntes Instrument spielt, möchte ich es auch spielen können. Ich habe mir vor Kurzem eine japanische Gitarre gekauft – eine sogenannte Shamisen – und hoffe, dass ich sie eines Tages spielen kann.

Du bist in deinem Leben ganz schön in der Weltgeschichte herumgekommen. Wo fühlst du dich zu Hause?
Das ist wirklich eine sehr gute Frage, die habe ich mir auch schon oft gestellt. Das hängt immer von der Situation ab ... Früher war es Tokyo und momentan ist es Paris, obwohl ich in London wohne. Das sind die beiden Orte, in denen ich mich Zuhause fühle, weil ich in den beiden Städten sehr lange gelebt habe.

Welche Länder würdest du gerne noch bereisen, beruflich oder privat?
Ich möchte alle Länder bereisen, in denen ich noch nicht gewesen bin. Asien kenne ich gut, aber in Afrika und Lateinamerika habe ich bisher nur wenige Länder gesehen. Da draußen gibt es so viele Länder und Kulturen zu entdecken, wozu man leider nie genug Zeit hat.

Die japanischen Tageszeitung „Asahi“ vergleicht dich mit einem hemmungslosen Tier. Als welches Tier würdest du dich selbst beschreiben und warum?
Mein Tier aus dem chinesischen Horoskop ist das Wildschwein. Sie sind sehr zielstrebig, verletzen sich aber auch von Zeit zu Zeit auf ihrem Weg. Dieses Tier eignet sich gut, um mich zu beschreiben. Ich bin ein energievoller Mensch, der weiterkommen will, wobei ich gelegentlich einige Blessuren in Kauf nehme. Aber das ist nicht schlimm, bei einem Sturz stehe ich einfach wieder auf und fange von vorne an (lacht).
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Maïa, warst du schon mal in Deutschland und was assoziierst du mit den Deutschen?
In Deutschland bin ich tatsächlich am häufigsten auf Tour – ich bin schon in 50 Städten aufgetreten. Aus der Perspektive einer Sängerin kann ich sagen, dass ich das deutsche Publikum sehr gerne mag. Sie sind sehr konzentriert und feierwütig gleichzeitig: Bei einer ruhigen Passage hören sie einem zu, sind aber sofort am Tanzen, sobald die Musik wieder schneller wird. Das passt sich gut, weil ich mit meinen Songs eine unheimlich große Bandbreite abdecke, eine bunte Mischung aus ruhigen und energiegeladenen Liedern. Deshalb halte ich die Deutschen für sehr offen.
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Text Viktoria Knapek
Fotos Kramer Artists

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