Willy Nachdenklich

 

7. April / B58 (BS)
„I bims!“ – das Jugendwort des Jahres 2017. Wo kommt das eigemtlich her?
Komiker und Autor Willy Nachdenklich kann dazu was sagen.
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Viele sind sich einig, dass der Wiener Swag-Rapper Money Boy diese und andere dümmlich-unterhaltsame Falschformulierungen erfunden hat. Fakt ist, dass der bayerische Komiker und Autor Willy Nachdenklich diesen viral gegangenen Sprach- und Schreibstil maßgeblich mitgeprägt hat – vong Bekanntheitsgrad her. Seine Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ zieht das Meme-Phänomen „Visual Statements“ und das profane Online-Mitteilungsbedürfnis vieler Menschen ironisch durch den Kakao. Im Herbst 2016 erschien Willy Nachdenklichs Schriftsteller-Debüt „1 gutes Buch vong Humor her“, 1 Kurzgeschichten-Sammlung, verfasst in bester Vong-Rhetorik.
Seit November bist du fast ununterbrochen auf Lesereise. Wie geht‘s dir zur Zeit bei all der Reiserei?
Bis jetzt macht es immer noch Spaß und kommt auch ziemlich gut an. Ich kann mich nicht beschweren. Die Leute mögen die abgedrehten Geschichten. Die meisten wissen das sehr zu schätzen. Die falsche Rechtschreibung kommt dabei aber nur dezent zum Einsatz.

Bist du erst durch dein Buch auf die Bühne gekommen oder hast du vorher schon was vor Leuten gemacht?
Als ich mal beim Bayerischen Rundfunk war, gab es da so einen Nachwuchs-Schriftsteller-Wettbewerb. Die Facebook-Seite gab es zu diesem Zeitpunkt schon anderthalb Jahre. Da wurde ich gefragt, ob ich nicht eine Geschichte vortragen will. So kam es zu meiner ersten öffentlichen Lesung. Danach sind Verlage auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich nicht ein Buch rausbringen will.

Warum Kurzgeschichten? Willst du nicht vielleicht irgendwann auch einen Roman schreiben?
Das ist halt mein Ding. Kurz und knackig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich so eine Geschichte auf 300 Seiten ziehen sollte. Das könnte ich gar nicht.
Wann hast du gemerkt, dass das ganze Ding mit der Facebook-Seite total durch die Decke geht?
Entstanden ist die Seite 2015 aus einem Joke heraus. Da haben erstmal nur ein paar Kumpels draufgeklickt. Dann ist die Seite eine Weile vor sich hin gedümpelt. Im Oktober 2015 hat es dann irgendwie der Richtige geteilt, dann ist es gewachsen. Plötzlich hatte ich über Nacht 5 000 neue Likes und es ist stetig gestiegen. Ich habe dann gedacht: Fuck, okay. Das wird wohl was Größeres.

Kommt man durch so einen plötzlichen Erfolg nicht in einen Zugzwang, ständig irgendwas abliefern zu müssen?
Ja schon, ich hab erstmal einfach so weiter gemacht. Viele haben zuerst gedacht, dass die Seite wirklich jemand macht, der nicht schreiben kann. Den Stiefel hab ich dann auch erstmal ein halbes Jahr lang beibehalten und zum Beispiel in Interviews immer so getan, als ob ich überhaupt nicht wüsste, warum die Leute mich fragen, ob das ernst ist oder nicht. Ja, natürlich ist das ernst! In dieser Zeit haben mir immer wieder Leute freundlich geraten, doch mal ein Rechtschreib-Programm drüber laufen zu lassen. Manche waren richtig sauer. Da staubt einer viele Likes ab mit so einer katastrophalen Rechtschreibung. Das war eine sehr lustige Zeit (lacht).

Es gibt eine wahnsinnig große Lobby Facebook-User jenseits der 50, die Facebook nur dazu nutzen, ihren Freunden einen schönen Dienstag zu wünschen auf einem Bild mit Katze und Kaffeetasse drauf. Davon gibt es wahnsinnig viele. Ich möchte denen keine mangelnde Intelligenz unterstellen, aber eher ... ich weiß auch nicht. Die Beschissenheit der Dinge würde ich das einfach nennen.

Im August 2016 hat dann die Sparkasse diese falsche Sprache in einer Facebook-Werbekampagne aufgegriffen ...
Da dachte ich, jetzt wird es dann wohl bald vorbei sein. Es hat sich jedoch bis heute trotzdem hartnäckig gehalten. Als dann noch das Jugendwort kam, dachte ich, jetzt ist es wirklich vorbei. Die Formulierung „I bims“ habe ich aber eigentlich mal bei Money Boy gelesen, dessen Seite ich damals rege verfolgt hab, und hab das dann später auch in meine „nachdenklichen Sprüchlein“ eingefügt. Die Lorbeeren für die Erfindung von „I bims“ gehen eigentlich speziell an Money Boy. Ich hab höchstens eine Teilschuld daran (lacht).

Hast du Money Boy schon mal getroffen? Habt ihr Kontakt und was sagt er dazu?
Überhaupt nicht. Er hat mich nie angeschrieben, ich ihn auch nicht. Als das Jugendwort gewählt wurde, habe ich ihm gratuliert und auf seine Seite verlinkt, aber es kam bisher noch keinerlei Kontakt zustande.

Nun gibt es ja tatsächlich unzählige Leute, die ernsthaft und mit hoher Frequenz Visual Statements posten und teilen. Und andere, die das dann auch noch von Herzen berührt. Warum machen Menschen sowas? Was glaubst du, sagt das aus über unsere Zeit und Gesellschaft?
Ich weiß es selbst nicht. Als ich die Seite erstellt hab, sind mir manchmal auch so Sprüche durch die Timeline geflattert und ich fand es einfach sau doof. Weil ganz viele Leute, die solche Sprüche teilen, kommen aus so einer – ich möchte mal sagen – rechtspopulistischen deutschen Patrioten-Ecke. Bei vielen ihrer Sprüche haben sich dann ganz oft Fehler eingeschlichen. Das hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass die weniger geistreichen Leute gern geistreiche Sprüche teilen. Das trifft bestimmt nicht auf alle zu, aber schon auf einen hohen Prozentsatz. Ich hab mir später viele solcher ernstgemeinter Seiten angesehen und festgestellt: Es gibt eine wahnsinnig große Lobby Facebook-User jenseits der 50, die Facebook nur dazu nutzen, ihren Freunden einen schönen Dienstag zu wünschen auf einem Bild mit Katze und Kaffeetasse drauf. Davon gibt es wahnsinnig viele. Ich möchte denen keine mangelnde Intelligenz unterstellen, aber eher ... ich weiß auch nicht. Die Beschissenheit der Dinge würde ich das einfach nennen.
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Was rätst du diesen Leuten?
Wenn es ihnen Spaß macht, können sie von mir aus gut und gerne so weiter machen. Die tun ja auch niemandem etwas. So ein Mensch macht ja nichts falsch. Wenn er sich gut dabei fühlt – okay! Leute wie ich finden das dann halt einfach profan und lustig.

Das zeugt doch auch von einem enormen Mitteilungsbedürfnis. Kann man das nicht auch über dich behaupten?
Eigentlich schon. Ich bin ein Typ, der super gern einfach nur Blödsinn und Scheiße redet. Durch die Seite bekomme ich natürlich ein Mega-Feedback dafür. Das kommt mir natürlich zu Gute. Auf der Arbeit nervt das die Kollegen manchmal, auf der Seite gibt es unzählige Leute, die das super gern annehmen.

Du thematisierst in deinen Kurzgeschichten auch konservatives Deutschtum, AfD, Patriotismus und dergleichen. Wie kommt diese politische Dimension zustande? Eigentlich machst du doch nur Quatsch und Spaß.
Das ist ja nur ein kleiner Teil, der mich aber auch beschäftigt, und ich möchte in all dem Schwachsinn dann doch irgendwie auch meine Meinung durchsickern lassen. Schließlich hab ich ja eine sehr große Reichweite. Es wäre ja Quatsch, damit immer neutral zu bleiben, gerade wenn mich Dinge beschäftigen und ich merke, dass etwas falsch läuft.
Was hat es eigentlich mit der Brille auf sich? Ist das ein Versteck, wenn du auf der Bühne plötzlich direkt mit den Followern ­konfrontiert bist, statt sicher und anonym hinterm Rechner zu sitzen?
Ja schon, die Brille kommt noch von meiner allerersten Lesung beim Bayerischen Rundfunk. Die Leute wussten damals ja überhaupt nicht, wer die Seite macht, Mann oder Frau, was für eine Stimme das ist ... Diesen Zauber wollte ich ein wenig erhalten und habe mich für die größtmöglichst dämliche Verkleidung entschieden. Die Brille ist eigentlich die Unlustigkeit in Reinform. Noch nie war jemand lustig, der so eine Nasenbrille aufhatte.

Am 7. April kommst du nach Braunschweig. Warst du schon mal hier?
Ich war vor Ewigkeiten mal mit einem Kumpel zum Feiern in Braunschweig bei einer Hip-Hop-Jam im damaligen Jolly Joker, die ein Bekannter organisiert hat. Das ist zwölf, dreizehn Jahre her. B-Tight und Aggro Berlin oder die Sekte oder so sind da aufgetreten. Wir waren im Backstage und haben sehr viel Bier getrunken.
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Text Benyamin Bahari
Fotos Michael Golinski Screenshots Facebook

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