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Bürger Lars Dietrich

1. November bis 5. Dezember
Komödie am Altstadtmarkt (BS)

Am 1. November feiert die Boulevard-Komödie „Der Gangster und die Nervensäge“ Premiere an der Komödie am Alstadtmarkt. Hauptdarsteller und Showbusiness-Multitalent Bürger Lars Dietrich im Interview.
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Balletttänzer, Stuntman, Moderator, Musiker. Bürger Lars Dietrich ist ein wahres Karriere-Chamäleon. Jetzt begibt er sich als Schauspieler auf die Theaterbühne. Von November bis Dezember ist er als Berufskiller Ralph in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen. „Der Gangster und die Nervensäge“ ist ein Stück über Toleranz und Nächstenliebe aber auch über einen Gauner, der von einem Schlamassel ins nächste stolpert. Wir haben uns vorab mit Lars getroffen.
Laut Wikipedia bist du Entertainer, Musiker, Rapper, Komiker, Moderator, Schauspieler, Synchronsprecher und Tänzer – davor ziehe ich den Hut!
Dankeschön, das freut mich. Ob du es glaubst oder nicht: Da fehlen sicherlich sogar ein paar Sachen (lacht). Aber genau das macht einen Entertainer für mich aus, das impliziert der Begriff ja auch.

Welche dieser Tätigkeiten bereitet dir mehr Freude und welche fordert dich am meisten?
Mich fordert am meisten die Arbeit mit Publikum. Das kann Musik oder Theater sein, das ich erst vor sechs Jahren für mich entdeckt habe. Durch meine Ballett-Ausbildung habe ich die Bühne sehr früh lieben gelernt. Von einem Publikum direkte Reaktionen zu bekommen, bereitet mir sehr viel Freude. Letztendlich mache ich aber alles sehr gerne, ich meine, das habe ich mir ja alles selber eingebrockt (lacht).
Wie schaffst du es, derart wandelbar zu bleiben?
Man hat sich natürlich in den Jahren seines Schaffens antrainiert, mit Druck und bestimmten Anforderungen umzugehen, ohne sich zu sehr verrückt zu machen. Früher gab es auch mal Situationen, in denen ich mir dachte: „Oh Gott, jetzt kommt etwas ganz Neues.“ Ich habe ja viele Sachen nicht von der Pike auf gelernt, sondern sie mir selbst beigebracht. Da muss man alle Möglichkeiten nutzen, sich zu verwirklichen. Das heißt nichts anderes als: Rein ins kalte Wasser. Also ab auf die Bühne und Sachen ausprobieren. Da erlebt man schon einiges und lernt, wie man live mit Pannen umgeht.

Da werden wir neugierig. Hast du ein Beispiel?
Wenn jemand einen Texthänger hat, muss man schauen, wie man glimpflich aus der Situation rauskommt. Das Erstaunliche ist, dass dann der Körper von alleine funktioniert. Man denkt sich nur: „Wow, gut gerettet!“, ohne zu wissen, wie die Reaktion genau zustande gekommen ist. Es ist mittlerweile eine Art Reflex, dass man spontan weiß, wie man was retten kann. Das macht aber auch die Arbeit vor Publikum aus, da kann man nicht so was sagen wie: „Kamera aus. Lasst uns die Szene noch mal drehen …“ Je öfter und länger man das macht, desto cooler kann man damit umgehen.

„Mit einer 40-Stunden Woche im Büro könnte ich überhaupt nichts anfangen“

Wie sieht dein beruflicher Alltag aus? Gibt es bei dir so etwas überhaupt?
Der ist bei mir definitiv bunt gemischt (lacht). Es kann halt sein, dass ich heute im Theater spiele und morgen eine Fernsehaufzeichnung mit „Dein Song“ habe. Das mussten wir auch alles koordinieren, weil Theaterspielen viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn man so breit aufgestellt ist wie ich – ich mache ja auch noch Musik und bin Moderator, dann bin ich mal Gast in einer lustigen Sendung –, da ist gute Koordination enorm wichtig. Das bin ich aber gewohnt, weil es vor 20 Jahren genauso war. Ich werde eher hibbelig, wenn ich nicht hin- und herreise, das brauche ich inzwischen irgendwie auch (lacht). Mit einer 40-Stunden Woche im Büro könnte ich überhaupt nichts anfangen.
Wenn du aus heutiger Sicht an deine Anfangszeit zurückdenkst: Vermisst du das Jahr 1994, als dir – dem Mädchenmillionär – alle Frauen hinterhergerannt sind?
Ich denke öfter daran, wie alles angefangen hat. Letztendlich war alles richtig für mich, wie es gelaufen ist. Dass ich irgendwann wirklich CDs veröffentlichen würde, damit hätte ich nie gerechnet. Ich meine, ich habe einfach als Teenager zu DDR-Zeiten gerappt, bin in Diskotheken aufgetreten und war für einige dann der King, weil das kaum jemand gemacht hat. Trotzdem vermisse ich die Zeit nicht, weil ich damals einfach unfertig war. Wenn ich mir so einige Sachen von früher angucke, denke ich mir schon manchmal: „Oh mein Gott!“
Also bereust du deine jugendliche Leichtigkeit?
Ganz und gar nicht, das war halt der Stand der Zeit. Es hat sich viel weiterentwickelt und meine Lieder als Teenager würden im Jahr 2018 anders klingen, weil ich viel mehr von der heutigen Zeit geprägt wäre. Damals haben wir als Rapper die amerikanischen Fetzen aufgeschnappt und haben versucht, die Musik aus den USA für Deutschland zu adaptieren. Das hat mir viel Bewunderung gebracht und letztlich auch zum Plattenvertrag geführt. Dann hatte ich 1996 meinen Durchbruch mit „Sexy Eis“ und habe volle Konzerthallen bespielt – das waren schon großartige Zeiten, aber jetzt mache ich die Häuser ja genauso voll. Ich habe einfach gelernt, dass es nicht darum geht, einmal abzusahnen und sich danach auf seinem Erfolg auszuruhen, sondern dass ich weiter in Bewegung bleiben möchte.

Hast du heute eigentlich noch etwas mit Stefan Raab zu tun?
Nein, das war eine sehr intensive Zeit. Er war ein wichtiger Wegbegleiter, sowohl er für mich als auch andersherum – mit meinem ersten Album hat er sich ja als Produzent verwirklicht. Wir haben uns damals gut befruchtet, waren ja auch die einzigen, die so ein bisschen schräger drauf waren in dieser VIVA-Landschaft, sind aber danach beide unseren eigenen Weg gegangen. Das bereue ich rückblickend genauso wenig, weil sich mir danach andere Chancen geboten haben und dann das eine zum anderen geführt hat, was sich gut am Wikipedia-Eintrag widerspiegelt (lacht).

Nicht nur die Zeiten von „Sexy Eis“, sondern auch deine wilden Jahre bei VIVA sind vorbei, du bist inzwischen bei KiKA. Wie kam das?
Es fing mit meiner damaligen Show mit Kathy Weber bei Nickelodeon an, die ich später mit Neela geführt habe. Nachdem ich das Casting bestanden habe, waren ich und meine Moderationspartnerin lange Zeit zwischen den ganzen Cartoons die einzigen menschlichen Gesichter, die auf dem Sender liefen. Das habe ich vier Jahre lang gemacht und in der Zeit scheinbar das Interesse anderer Kindersendungen geweckt. Irgendwann war ich bei Nickelodeon, Schloss Einstein und KiKA gleichzeitig zu sehen. Und dann kam „Dein Song“, was inzwischen auch schon elf Jahre her ist. Auf KiKA hatte ich ja sogar schon eine eigene Serie mit drei Staffeln, „Sturmfrei“ hieß die.
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Ab dem 1. November schlüpfst du in der Komödie am Altstadtmarkt in die Rolle des Auftragskillers Ralph. Was fasziniert dich am Stück von Francis Veber?
Es ist halt lustig und auch cool, mal einen Gangster spielen zu dürfen. Der gerät dann auch mal in Schwierigkeiten, aber in diesem Fall bin ich der Genervte und nicht der Nervende (lacht). In „Machos auf Eis“ in Dresden habe ich zum Beispiel eher eine naive, gutmütige, aber auch durchgeknallte Rolle gespielt. Dieses Element der Comedy habe ich dort bedient, habe aber auch schon mal in der Sonnenallee in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt eine ernstere Rolle gespielt, den alten Micha. Ich finde es gut, dass es mal wieder etwas anderes ist mit dem Gangster. Mich reizt aber auch das Haus oder die Tatsache, dass ich mal in einer anderen Stadt spiele, die ich jetzt kennenlernen kann.
Welche Ähnlichkeiten gibt es zwischen deinem gespielten Charakter und dir?
Ich würde sagen, meine Persönlichkeit besteht schon aus beidem, aus einem Gangster und einer Nervensäge, also ich kann mich in beide Positionen hineinversetzen. Der Gangster, den ich darstelle, Ralph ist ja kein brutaler Killer, sondern einer, der professionell arbeitet, aber trotzdem auch Herz hat, weil er sich dann ja um seinen Nachbarn kümmert. Also er menschelt ja auch. Ich glaube, ich vertrete diesen Gangster, der in uns allen steckt (lacht).
Wie würde das Stück aussehen, wenn du die Nervensäge spielen würdest?
Wahrscheinlich nicht anders als jetzt. Ich vermute, dass ich genauso gut nerven könnte wie mein Kollege, wobei man zugeben muss, dass er das schon sehr gut macht (lacht). Das Schöne ist aber, dass mein Charakter auch komische Elemente enthält. Also der von mir dargestellte Gangster ist weder bierernst noch ausschließlich böse. Das Komische entsteht dadurch, dass er alles richtig machen will, aber daran doch gehindert wird und man fast schon Mitleid mit ihm hat (lacht).
Hand aufs Herz: Wie gehst du mit nervigen Menschen in deinem Privatleben um?
Erst mal verständnisvoll. Naja, aber Ungerechtigkeit ist beispielsweise etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann. Sollte mich irgendjemand wegen irgendetwas ungerechtfertigt beschuldigen, kann ich auch schon mal diskutieren (lacht). Also, ich lass mir nicht alles gefallen, aber ich kann mit Nervensägen schon ganz gut umgehen, solange eine gewisse Distanz gewahrt wird.
Wurden bei der Produktion Elemente hinzugefügt, gab es szenische Anpassungen?
Die Herangehensweise ist schon anders für einen Film beziehungsweise dann, wenn man ihn für die Theaterbühne adaptiert. Die Szenerie vom Original mit den nebeneinander liegenden Zimmern, die durch eine Tür getrennt sind, bleibt jedoch erhalten. Was ich an der Umsetzung spannend finde, ist die Trennwand, weil das Publikum dadurch sehen kann, was in beiden Räumen passiert. Also spielt Choreographie eine wichtige Rolle – wir sehen uns gegenseitig nicht und wissen nicht, was der andere in einer bestimmten Situation macht. Bei den Proben mussten wir uns die Wand noch denken, aber auf der Bühne wird sie zwischen uns stehen. Das wird ein Spaß (lacht).

Welche andere Ebene siehst du in dem Theaterstück als die komische?
Wir wollen das gar nicht so plump komödiantisch darstellen. Ich glaube, die Komik liegt darin, dass wir versuchen, die Situation realistisch zu spielen, damit sich die Zuschauer in die Charakter hineinversetzen können. Da braucht man keine Maskerade, die das zusätzlich unterstützt. Das Stück transportiert viel Wärme, weil es darin auch um zwischenmenschliche Beziehungen geht: Zwei total unterschiedliche Charaktere finden doch irgendwie zusammen, da ist Toleranz ein wichtiges Stichwort. Ich meine, wenn der Gangster so böse wäre, hätte er die Nervensäge gleich am Anfang umgebracht. Stattdessen stelle ich einen Killer dar, der Herz hat und versucht, alle glücklich und gleichzeitig seine Arbeit zu machen.

Wie sieht dein nächstes Projekt aus?
Ich hatte vorhin ja schon das Thema „Musik“ angesprochen, damit stehe ich momentan quasi in den Startlöchern mit dem Genre Kinder beziehungsweise Familie. Auch „Sexy Eis“ war mehr für die Allgemeinheit als für eine bestimmte Gruppe gedacht. Ich unterhalte einfach gerne Alt und Jung, was man ja auch daran erkennt, dass ich oft in Formaten der Familienunterhaltung zu sehen bin. In der Richtung bin ich jetzt auch musikalisch unterwegs. Da wird es nächstes Jahr eine Platte von mir geben. Im Frühjahr 2019 feiere ich zudem mein Leinwanddebüt, dann werde ich bei der Neuverfilmung von „Alfons Zitterbacke“ den russischen Kosmonauten spielen. Zu dem Film werde ich natürlich auch einen Song beisteuern, da steht mir eine spannende Zeit bevor.

Was assoziierst du mit Braunschweig?
Ich bin tatsächlich das erste Mal hier in Braunschweig. Aber schon zu DDR-Zeiten kam bei uns die Braunschweiger Teewurst auf den Tisch, deshalb kannte ich die Löwenstadt schon als kleines Kind (lacht). Außerdem war hier doch irgendwas mit Till Eulenspiegel? Die Stadt hat mich auf jeden Fall schon immer an etwas Positives erinnert, sei es Essen, Märchen oder alte Zeiten (lacht).

Interview & Fotos Viktoria Knapek

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