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Movimentos – Festwochen der Autostadt
 
4. April bis 6. Mai / diverse Orte (WOB, BS)

Deutsche Schauspiel-Größen, internationale Musik-Virtuosen und experimentelle Tanzgruppen unter anderem aus Kanada, Australien, Taiwan und Brasilien zeigen bei den 16. MOVIMENTOS Festwochen der Autostadt ihre herausragenden Talente.

Das diesjährige Motto lautet „Würde“.

PK Movimentos Art

Würde ist nicht nur ein Konjunktiv. Auch wenn sie per Grundgesetz „unantastbar“ ist, ist die Auseinandersetzung mit diesem Attribut aller Menschen absolut essenziell. Das Thema ist eine Herausforderung, denn es geht um ein theoretisches Konstrukt. Wird die Würde wirklich allen Weltbürgern gleich zugesprochen? Wie sieht ein würdevolles Leben aus, wie ein würdevoller Tod? Haben Tiere eine Würde? Pflanzen? Die Erde als Lebensraum? Sollten sie? Was ist Würde überhaupt und wer ist ihrer würdig? Bei den Movimentos-Festwochen nähern sich Künstler und Kenner aus aller Welt diesen Fragen auf vielfältige und oftmals überraschende Weise, regen zum Austausch an und loten mögliche Antworten aus. Wir haben vorab bei Dr. Regula Venske, Präsidentin der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland und Teilnehmerin des öffentlichen Podiumsgesprächs zum Wert der Würde, nachgehakt.

Frau Dr. Venske, der Duden definiert „Würde“ als: „Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung.“ Wie würden Sie den Begriff definieren und warum ist es so schwer, ihn in Worte zu fassen?
Dem Begriff eignet zugleich eine Innen- und eine Außenperspektive, zudem hat sich seine Bedeutung historisch stark gewandelt. So mancher „Würdenträger“ früherer Zeiten erscheint uns heute ja als Witzfigur. Ich würde mir nicht anmaßen, eine bessere Definition als der Duden liefern zu können, deshalb freue ich mich auf das Gespräch am 9. April und denke, wir werden auch über das Verhältnis von „Würde“ zu anderen, ähnlich aufgeladenen Begriffen nachdenken, wie Ruhm und Ehre, Anstand und Moral, aber auch Freiheit, Mut und aufrechter Gang. Letztere gehören für mich zur Würde unabdingbar hinzu.

Warum ist Bildung ein wesentlicher Faktor?
Bildung ist die Voraussetzung für Aufklärung, verstanden als Befreiung des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit – nach Kant. Bildung und der Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, sind die Voraussetzungen für die Freiheit des Individuums, verstanden auch als innere Freiheit. Letztlich ist Bildung die Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie.

Auch in Deutschland wird die Menschenwürde vielfach „angetastet“. Was sollte aus Ihrer Sicht dringend angegriffen werden?
Das Wort „angreifen“ möchte ich hier nicht benutzen, es ist mir zu martialisch. Was wir dringend brauchen, ist eine Debatte und Verständigung in der Gesellschaft über genau diesen Begriff der Würde und die Grenzen einer falsch verstandenen Toleranz. Denn je pluralistischer und freier eine Gesellschaft ist, desto wichtiger ist das Grundverständnis der Mitglieder für die Spielregeln und die gemeinsame Basis: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
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Würde ist nicht nur ein Konjunktiv. Auch wenn sie per Grundgesetz „unantastbar“ ist, ist die Auseinandersetzung mit diesem Attribut aller Menschen absolut essenziell.

KANT WÜRDE TANZEN
Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem diesjährigen Motto erfolgt erneut mit starken internationalen Gästen. In hochkarätigen Tanz- und Schauspielaufführungen, Lesungen, Konzerten, Matineen und Soireen, aber auch zahlreichen Workshops zum Mitmachen, werden gemeinsam neue Perspektiven entwickelt und zugleich neue Fragen aufgeworfen.

Tanz
Neben bemerkenswerten Deutschlandpremieren sind drei eindrucksvolle Europapremieren ganz unterschiedlicher Ausrichtung aus China, Brasilien und Australien bei den Festwochen zu sehen. In seinem Meisterwerk „Über die Insel Formosa“ übersetzt einer der weltgrößten Choreografen, Lin Hwai-min, mit dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan den gesellschaftlichen Verlust einer würdigen Existenz aus dem Verfall der Sprache. Die Grupo Corpo aus Belo Horizonte verknüpft in „Gira“ hingegen authentische Rituale der afrobrasilianischen Kultur mit psychedelischer Musik der Indie-Rock-Band Metá Metá aus São Paulo, während die Sydney Dance Company mit „Frame of Mind“ die Zuschauer zur Musik von Bryce Dessner von der New Yorker Alternative-Rock-Band The National hinter die Kulissen einer Tanzproduktion führt.
Text
Die „Apokalypse“ der Johannes-Offenbarung, Texte der 1920er Jahre von Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Else Lasker-Schüler oder Kurt Tucholsky, Yasmina Rezas grotesk-eskalative Milieuzerstörung „Babylon“ und eine terrorverdächtige Philosophieprofessorin in Daniel Kehlmanns „Heilig Abend“ sind nur einige der Text-Interpretationen zum diesjährigen Motto. Als szenische Lesungen werden sie expressiv und teilweise mit musikalischer Begleitung von deutschen Film- und Theater-Stars wie Iris Berben, Maren Kroymann und Sylvester Groth, Caroline Peters und Samuel Finzi, Wolfram Koch oder Burghart Klaußner vorgetragen.

Musik
Jazz-Virtuosen wie Gregory Porter, das Grammy-gekrönte Ausnahmetalent aus den USA, oder die jungen britischen Senkrechtstarter Dominic J. Marshall und Laura Jurd mit ihrer Band Dinosaur zeigen die Kreativität und Vielfalt des Genres. Mal melancholisch, mal funky oder mit Einflüssen aus Hip-Hop, Soul oder Electronica gemischt, repräsentieren die Musiker der Movimentos die modernen Spielarten des Jazz. Das schwedische Emil Brandqvist Trio mit Schlagzeug, Piano und Bass bringt etwa einen „cineastischen“ Touch mit, während die beiden Solisten Kit Arm-strong und Annika Treutler für ihre Wolfsburger Matinee mit zwei Klavieren von Mozart und Liszt inspiriert wurden.

Alle Informationen zum Festival und das vollständige Programm auf movimentos.de

Text: Evelyn Waldt
Fotos: Peter Greig, Cindi Wicklund, Jose Luiz, Pedernairas/Moviementos

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