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Frank Schäfer

3. Mai / Buchhandlung Graff (BS)
verlag-reiffer.de
Von Fußball, der Metropolregion und Gerhard Schröder: Der Braunschweiger Autor Frank Schäfer veröffentlicht sein neuestes Werk „Jagdszenen in Niedersachsen“ im April.
Frank Schaefer c Andreas Reiffer art
Der Braunschweiger Autor Frank Schäfer bringt sein neuestes Werk heraus: „Jagdszenen in Niedersachsen“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und vermutlich hat nie jemand besser beschrieben, wie es ist, in unserer Metropolregion aufzuwachsen. Er erzählt in seinen Kurzgeschichten von beinahe Amokläufen an Braunschweiger Schulen, von Peiner Abenteuerspielplätzen und Block 5 und beschreibt dabei sehr genau typische regionale Verhaltensweisen. Wir haben mit ihm über sein Chefchen, Bushaltestellen und die hiesige Metalszene gequatscht.
Welche sind deine Lieblingsplätze in Braunschweig und der Region?
Wie viel Zeit und vor allem Dingen wie viel Platz für das Interview haben wir? (lacht) Ich mag schon viele Plätze hier. Block 5 vorne rechts im Eintracht-Stadion zum Beispiel. Oder bei Auswärtsspielen den Treuen Husaren. Dort mit den alten Haudegen zu sitzen, das gibt einem schon so etwas Ähnliches wie Geborgenheit. Oder im Universum einen Film schauen und hinterher Manöverkritik im Riptide üben. Durchs Lehndorfer Holz laufen, in Riddagshausen einmal um den See wandern. Am liebsten sitze ich aber wohl an meinem Schreibtisch und bossele an irgendwelchen Textletten herum, bis sie fertig sind und
gehen können.

Was ist an unser Metropolregion besser als im Rest von Deutschland?
Vermutlich nichts, nein, ganz sicher nichts, aber ich lebe nun mal hier – und man soll bekanntlich über Sachen schreiben, die man gut kennt.
Welchen Ort in der Metropolregion hältst du für überbewertet?
Ich habe mir vor vielen Jahren mal den tausendjährigen Rosenstock in Hildesheim angeschaut und war, gelinde gesagt, enttäuscht. Aber ich erfuhr dann, dass selbst die Hildesheimer sich über das Gewächs lustig machen. In gewissen kirchenfernen Kreisen heißt er nur „tausendjähriger Hodensack“ – das hat mich einigermaßen versöhnt.

Warum hast du dich für Kurzgeschichten entschieden und nicht für einen Roman?
Naja, einen Roman hatte ich ja gerade geschrieben, jetzt waren eben mal wieder Kurz- und Kürzestgeschichten dran. Ich mag die kurze Form sehr, weil man sprachlich viel mehr machen kann und machen muss als beim Roman, der mehr über die Handlung funktioniert. Je weniger Worte man zur Verfügung hat, umso wichtiger wird jedes einzelne und desto mehr Gedanken verschwendet man daran, wie diese gesetzt werden müssen. Von Lichtenberg gibt es den Aphorismus „Ich hatte keine Zeit, kurz zu schreiben“, das hat mir immer schon eingeleuchtet. Ich mag zudem den Alltag als literarisches Sujet, diese ganz profanen Sensationen. Die dann so zu beschreiben, als wären sie etwas ganz Kostbares, was sie ja auch sind, das mache ich gern auf begrenztem Raum.
Bist du immer noch Schröder-Fan?
Ich war nie ein Schröder-Fan. Aber das schließt ja eine gewisse Faszination für diesen Typus nicht aus, auch weil er mir so unglaublich fremd ist: Sein Machtinstinkt, sein Musikgeschmack, seine Gier oder auch seine erstaunliche Überheblichkeit, gerade auch gegenüber dem Milieu, aus dem er selbst stammt.

Was denkst du als Kenner über die regionale Metalszene im Jahr 2019?
Das Jahr ist noch jung, aber mit dem Steel Held High und mit Rock in Rautheim, dem überraschenden Brainstorm-Gig am 3. Mai ebendort, hat man hier schon zwei erstaunliche Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Hotel 666 wird weiter nachlegen, es gibt gerade im Extreme-Metal-Bereich eine sehr lebendige Szene. Man kann, glaube ich, doch ziemlich zufrieden sein.

Und was denkst du über das B58 heutzutage?
Ich habe damals viele Konzerte dort gehört und auch mehrfach selbst dort gespielt. Der Laden klang nie gut, aber seit ein paar Jahren kriegen die das hin. Gern aufgehalten hat man sich sowieso immer schon dort. Die sympathische Abgerocktheit hat sich der Club glücklicherweise bewahrt, bei aller Professionalisierung. Als Veranstaltungsort ist das B58 eine absolut relevante Größe in unserer Region, keine Frage.

„Man macht als Autor in büchern manchmal dinge, die den Leser verwundern“

Du erzählst auch von deinen Band-Tagen. Denkst du, dass es junge Bands inzwischen durch soziale Medien leichter haben als ihr damals in deiner Bandzeit?
Dafür ist die Konkurrenz jetzt aber auch größer. Ich glaube, es wird immer schwer bleiben, mit dem eigenen Kram andere Leute hinterm Ofen hervorzulocken. Aber es geht doch auch gar nicht so sehr um den großen Erfolg, sondern darum, dass man zusammen etwas macht, wofür man brennt. Diese quasi magischen Momente, in denen eine Band auf einmal mehr wird als die Summe ihrer Teile. Das wird jeder erfahren, ob erfolgreich oder nicht, und dafür lohnt es sich. Mit Freunden in einer Metalband gespielt zu haben, gehört zu den schönsten, wichtigsten Erfahrungen meines Lebens, dabei waren wir damals
wirklich relativ erfolglos.
Wieso ist dein Kind ein „Chefchen“?
Ein Kind ist halt zunächst mal klein, deshalb der Diminutiv, aber es bestimmt trotzdem das Leben und sagt ganz unmissverständlich, wo es langgeht, da kann man gar nichts machen. Wenn Chefchen schlecht drauf ist, steckt die ganze Firma in der Krise.

Im kompletten Buch sind schwarz-weiße Fotografien von Bushaltestellen, das Gedicht dazu ist jedoch das letzte Kapitel. Warum kommt das Gedicht erst am Ende, wenn man sich schon über diese außergewöhnlich gewöhnlichen Bilder gewundert hat?
Das Buch beginnt ja mit einem Handke-Zitat, in dem das Warten an der Bushaltestelle als das wahre „menschliche Epos“ bezeichnet wird.
Man macht als Autor in Büchern manchmal Dinge, die den Leser verwundern. Bestenfalls findet er das Ergebnis dann hübsch. Ich glaube, das nennt man Poesie oder so.
Frank Schafer Portrats 019 art
Hast du noch Bushaltestellenträume?
Ehrlich gesagt, nicht mehr so oft. Diese Fantasie, noch einmal völlig neu anzufangen, etwas ganz anderes zu wagen, stellt sich nur ganz
gelegentlich mal ein. Ich bin eben auch ein alter Sack. Meistens macht mir mein normales Leben sowieso viel zu viel Spaß.

Deine Lieblings-Bushaltestellengeschichte?
Bei uns im Dorf fuhr morgens, wenn wir auf dem Bus warteten, ein älterer Kerl auf seinem Mofa zur Arbeit. Er machte ein Gesicht wie ein Muli, stoisch, unbewegt, aber auch nicht unsympathisch. Es ging bergauf, der Mann war nicht besonders schmal, das Mofa hatte schwere Arbeit zu verrichten und dann gab es in der Straße eine kleine Senke, eine Unebenheit. Wenn er dort hindurchfuhr, stöhnte seine Zündapp regelrecht auf. Und wir lachten uns kaputt. Wir warteten jeden Morgen darauf und erfreuten uns an diesem tiefen Seufzen des Motors, das für uns diese triste Warterei auf den Bus, vielleicht sogar die Existenz in einem Dorf in der niedersächsischen Tiefebene irgendwie akustisch auf den Punkt zu bringen schien. Und dann gab es Tage, in denen er nicht die Ideallinie fuhr und die kleine Senke umkurvte, dann blieb auch das Stöhnen aus. Und wir waren enttäuscht. Das waren dann diese Scheißtage, an denen
Mathe-Arbeiten anstanden oder so etwas.

Inwiefern sind diese Fragmente eines niedersächsischen Lebens „Jagdszenen“ für dich?
Der Titel ist eine ironische Anspielung auf Martin Sperrs „Jagdszenen aus Niederbayern“, ein Theaterstück und zugleich eine ziemliche Abrechnung mit dem bajuwarischen Dorfleben. Ich wollte ein bisschen Schärfe ins Spiel bringen. Auch meine Provinzgeschichten sind ja nicht bloß Liebeserklärungen. Außerdem beschreibt das Wort auch ganz gut die Arbeit des Schriftstellers, der auf der Pirsch nach etwas ist, das der Beschreibung wert ist. Der fertige Text ist dann gewissermaßen die Jagdtrophäe.

Interview Giana Holstein
Fotos Moritz Thau, Andreas-Reiffer

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