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Der Braunschweiger Autor Marcel Pollex veröffentlicht sein drittes Hörbuch.
Marcel Pollex von Michael Skolik echtrund 4 art
Marcel Pollex ist eine der aktivsten Gestalten der hiesigen Literaturszene. Der gebürtige Braunschweiger hat sich unter anderem als Schriftsteller, Poetry-Slammer, Lesebühnen-Gründer und Artzine-Herausgeber („12mal12“) verdient gemacht und nicht zuletzt sogar auch mal Kolumnen für SUBWAY geschrieben. Der gelernte Mediengestalter hat sein erstes Buch „In höflicher Ablehnung“ 2015 beim Verlag Andreas Reiffer veröffentlicht (seinerzeit übrigens vier von fünf Sternen in der SUBWAY-Kritik, hehe...) und damit seinen Kurs klar gemacht. „Kunst ist mir die einzige Möglichkeit, irgendetwas Sinnvolles aus dem menschlichen Elend zu machen“, hat er uns kürzlich treffend verraten. Wir haben mit dem 40-Jährigen über sein neuestes Hörbuch gesprochen. Es beinhaltet selbst eingesprochene Dialoge und Monologe, heißt „Wenn ihr nicht aufhört auf meinen Gefühlen rumzutrampeln, rufe ich die Polizei“ und ist auf seiner Homepage, bei seinen Lesungen und im Riptide erhältlich.
Man könnte aus deinem bisherigen Gesamtwerk schließen, du seist ein chronischer Gegengeher und vielleicht sogar Misanthrop. Ist da was dran?
Das Wort „Misanthrop“ kannte ich vor Veröffentlichung meines ersten Buches gar nicht, seitdem lese ich das ständig über mich. Aber wenn die Presse und Amazon-Rezensionen mich so nennen, muss da wohl was dran sein. Wenn „Misanthrop“ chronisch Genervter bedeutet, wäre das nicht gänzlich falsch.

Und was nervt dich aktuell am meisten?
Rassismus und Hinweisschilder, die zu klein oder unübersichtlich gestaltet sind.

Schwimmst du auch irgendwo mal mit?
Natürlich schwimme ich auch mal mit. Auch ich habe ein angespanntes Verhältnis zu meiner Mutter, erwarte ungeduldig das Finale von „Game of Thrones“ und bin generell überfordert von allem, wie alle anderen Menschen auch.

Wie viel vom echten Marcel steckt in den Monologen und Dialogen des Hörbuchs?
Doch hoffentlich so wenig wie möglich. Ich würde niemanden auf Albumlänge mit meiner privaten Persönlichkeit langweilen wollen, dafür sind Interviews da. Außerdem ist das einer der Vorzüge am Kunstmachen: Ich kann mich selbst loswerden.
Das Hörbuch startet mit allerlei dir entgegengebrachten „Buuuuh“-Rufen. Sind das Stimmen in deinem Kopf? Selbstzweifel?
Das möchte ich natürlich der Interpretation des Hörers überlassen. Ich dachte mir, dass der Text doch recht gut zur Ausrichtung des Hörbuchs, meiner Rolle als Künstler und der heutigen Beschwerde-Kultur passt.

Wie gehst du als Autor und Kreativer mit Ablehnung, fehlender Wertschätzung und mangelndem Respekt um?
Mangelnder Respekt oder gar Ablehnung sind mir bisher größtenteils erspart geblieben. Und fehlende Wertschätzung ist für mich selbstverständlich. Ich verstehe mich als Künstler. Und als solcher erwarte ich nicht, dass mir irgendjemand Applaus oder Geld für meine Arbeit gibt.

Wen spricht das Buch an? Wer ist Zielgruppe?
Das weiß ich nicht genau, und so schreibe ich auch nicht. Ich schreibe, was mir gefällt, die Zielgruppe muss mich finden und nicht umgekehrt. Auf dem Hörbuch gibt‘s einen Absatz dazu, in dem ich vermute, dass meine Zielgruppe Menschen sind, die keine Freunde haben und ungern das Haus verlassen.
Marcel Pollex von Michael Skolik echtrund 5 art
In unserem letzten Interview hast du uns verraten: „Mir ist die Zusammenarbeit mit [...] ‚kreativen‘ Menschen ein Grauen“. Was ist eigentlich so schlimm an denen? Erkennst du dich selbst in ihnen wieder?
Sie sind schlecht organisiert, nehmen sich übertrieben ernst und sind lausige Gesprächspartner. Außerdem schätze ich das Alleinsein mit der Kunst. Und nein, Gott sei Dank erkenne ich mich nur in den allerwenigsten wieder.

Wie bewertest du die regionale Literaturszene? Einige Autoren sind ziemlich aktiv, manche verschwunden, wegezogen ...
Ich möchte nicht wieder der Regional-Kulturpessimist sein, deshalb halte ich mich bei der Frage zurück und antworte mit einem kurzen: „War schonmal schlimmer“.

Hörbuch versus Lesebuch: Was gefällt dir besser und warum?
Zeit zum Lesen verbringe ich am liebsten mit Musikhören oder Schreiben. Und natürlich braucht die Welt viel mehr Menschen, die sich die Zeit nehmen und ein Buch lesen.

Verliert das Lesebuch in unserer gehetzten und bequemen Zeit an Bedeutung?
Ich denke, dass es sogar an Bedeutung gewinnt, nicht unbedingt wegen des Inhalts, sondern wegen der Entschleunigung. Wenn ich mir allerdings die SPIEGEL-Bestsellerliste angucke, wünsche ich mir, das Buch würde noch mehr an Bedeutung verlieren.

Wann und warum hast du zuletzt wirklich die Polizei gerufen?
Eben gerade. Aufgrund dieser Farce deiner letzten Frage. Selten war ein Gag naheliegender. Eine unentschuldbare Zumutung. Anzeige ist raus, Bahri!

Text Benyamin Bahri
Fotos echtrund

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