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Als eine von 22 bundesweit ausgewählten Regionen nimmt der Großraum Braunschweig seit Juli 2016 am „Masterplan 100% Klimaschutz“ teil. Die Teilnahme ist an das ehrgeizige Ziel gekoppelt, bis 2050 die Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent und den Energieverbrauch um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren. Der Regionalverband Großraum Braunschweig hat hierfür eine konzeptionelle Grundlage geschaffen, die es in die Tat umzusetzen gilt.
Egal, wie wenig man sich davon betroffen glaubt: Der Klimawandel ist in vollem Gange und die Folgen sind bereits heute verheerend. Da wird es allerhöchste Eisenbahn für die Umsetzung eines regionalen Masterplans, um schnellstmöglich nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Der Gedanke, dass man allein doch nichts bewegen kann, ist vielleicht naheliegend, aber ein großer Trugschluss. In unserer Juli-Ausgabe haben wir uns in der Rubrik „Campus“ bereits mit dem Thema Ressourcenverschwendung im Unitagesgeschäft befasst und erläutert, was Studenten und das Studentenwerk OstNiedersachsen  dagegen unternehmen. Heute erfahren wir im Gespräch mit Herrn Patrick Nestler – Mitglied des Masterplanmanagements –, weshalb das Verhalten wirklich jedes einzelnen Bürgers etwas bewirken kann. Nestler klärt uns zudem über die bevorstehenden Folgen in der Braunschweiger Region auf, sollte der Masterplan scheitern.
Guten Tag Herr Nestler! In welcher Phase befindet sich das Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ momentan und welche Schritte sind als nächstes vorgesehen?
Nachdem die Verbandsversammlung des Regionalverbands den Masterplan 100 % Klimaschutz im Mai verabschiedete, geht es nun an die Umsetzung des Masterplans. Viele, die am Prozess beteiligt waren, müssen jetzt wieder gemeinsam an einen Strang ziehen, um die Klimaziele zu erreichen. Wir – das Masterplanmanagement beim Regionalverband – treiben die Maßnahmen voran. Momentan gehen wir auf die Kommunen zu und erläutern ihnen den Masterplan, um möglichst viele Kommunen zur Übernahme der Ziele zu motivieren und einen eigenen Klimaschutzmanager einzusetzen.

Welche konkreten Maßnahmen sind im Bereich Regionalentwicklung und Mobilität für die Erreichung des Ziels bisher geplant?
Ganz oben auf unserer Liste steht, den Radverkehr zu stärken und den öffentlichen Personennahverkehr auszuweiten. Der Regionalverband hat vor kurzem über tausend Fahrrad-Abstellbügel an regionale Kommunen übergeben, die vor allem an Bahnhöfen und Bushaltestellen aufgestellt werden. Zudem sollen auf vielgenutzten Strecken häufiger Züge fahren, damit Bahnfahren wieder attraktiver wird. Daran arbeiten wir.
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Thema Energiewende: Auf welche Energien soll der Großraum Braunschweig künftig zurückgreifen?
Im Masterplan ist nicht festgelegt, welche Energien in welchem Umfang verwendet werden sollen. Es wird aber aufgezeigt, welche Potenziale in der Region stecken. Diese müssten nicht einmal annährend ausgeschöpft werden, um den Energiebedarf zu decken. Vielversprechend ist eine Mischung aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen mit einem großen Anteil an Wind- und Solarenergie, aber auch Biomasse und Wasserkraft. Im Fokus steht häufig der Strom – eine noch größere Herausforderung ist es jedoch, Wärme klimaschonend zu erzeugen. Im Masterplankonzept steht bereits die erste Version eines Wärmekatasters: Mit diesem lassen sich Möglichkeiten identifizieren, wo sogenannte Nahwärmenetze sinnvoll wären. Beispielsweise können Betriebe, die viel Wärme erzeugen, diese an Haushalte der Umgebung weiterleiten. Dieses Tool wird aktuell weiterentwickelt. Der bereits bestehende SolarDachAtlas, in dem alle Bürger online ermitteln können, ob sich ihr Hausdach für Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen eignen, dient dafür als Vorbild:.

Können nur große Unternehmen wie Volkswagen diese Goliath-Aufgabe bewältigen? Inwiefern können kleinere regionale Firmen zur nachhaltigen Veränderung beitragen?
In der Tat spielt die Großindustrie in unserer Region eine entscheidende Rolle: Bezogen auf das gesamte Verbandsgebiet verdoppelt sich der Endenergieverbrauch durch sie. Doch diese Unternehmen sind aus eigenem Interesse bereits heute sehr aktiv in den Bereichen Ressourcen- und Materialeffizienz. Für den Klimaschutz ist jeder gefragt – auch kleinere Unternehmen und jeder Einzelne. Kleine Betriebe können durch Investition in klimafreundliche Technologien oft genauso Kosten sparen, Stichwort Einsatz von LED-Leuchtmitteln und Wärmepumpen. Wie gute Beispiele aussehen, zeigen seit einigen Jahren sehr schön die Beiträge im Wettbewerb „Ressourceneffizienz für die Region“.
Warum ist in Ihren Augen ein gesellschaftliches Umdenken im Zusammenhang mit Energie und Klimaschutz notwendig?
Weil es schlichtweg keine Alternative dazu gibt: Im Jahr 2018 hatte die deutsche Bevölkerung rein rechnerisch schon am 02. Mai die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht. Dieser sogenannte Erdüberlastungstag findet jedes Jahr ein bisschen früher statt. Wir müssen also dringend handeln! Schade ist auch, dass klimafreundliches Verhalten oft noch als Verzicht gesehen wird. Dabei kommen die Resultate des Klimaschutzes uns allen zugute: Wir begrenzen damit die Kosten für Klimafolgen wie Überschwemmungen und Unwetter, wir schaffen grünere Städte und Dörfer mit weniger Abgasen. Klimaschutz muss endlich als die große Chance gesehen werden, nicht unseren Lebensstandard zu erhalten, sondern die Lebensqualität zu erhöhen.

Welchen Beitrag kann ein Bewohner aus dem Großraum Braunschweig kurzfristig/langfristig leisten, damit der ausgetüftelte Masterplan aufgeht?
Es gibt viele kleine Ansätze, die jeder Bürger angehen kann. Viele davon sind auch schon bekannt: Statt dem Auto lieber die Bahn oder das Rad nutzen, Sachen reparieren, anstelle sie zu ersetzen oder den Honig vom Imker um die Ecke kaufen. Zusätzlich gibt es viele Angebote von Kommunen und Energie-Agenturen: Die Stadt Braunschweig bietet zum Beispiel seit kurzem eine Beratung zum klimafreundlichen Leben, unter anderem für das eigene Mobilitäts- oder Konsumverhalten. Wir würden uns sehr wünschen, dass die Bürger diese Angebote noch stärker wahrnehmen. Auf unserer Website www.klimaschutz-regionalverband.de/meine-kommune/uebersicht haben wir Informationen zu den Angeboten in den einzelnen Kommunen gebündelt.

Masterplanmanagement 2018 2 Art

Masterplanmanagement Regionalverband: Lisa Krüger, Patrick Nestler, Nadège Fiard, Janna Gehrke (v.l)
Weshalb kann das Verhalten jedes einzelnen Bürgers etwas bewegen?
Lassen Sie es mich anders formulieren: Nur das Verhalten jedes Einzelnen kann etwas bewegen. Wenn nur eine einzige Person Klimaschutz betreiben würde, würde das natürlich nicht ausreichen, aber wenn es keiner tut, erst recht nicht. Ich bin überzeugt, dass jeder einzelne von uns auch eine Vorbildwirkung hat: Wenn Sie sehen, dass Ihr Nachbar sein Gemüse immer lokal auf dem Wochenmarkt kauft, und er viel Freude daran hat, werden Sie das vielleicht auch mal ab und an in Ihre Routinen einbauen.

Mit welchen Argumenten lassen sich Skeptiker überzeugen, dass jeder auch noch so kleine Beitrag zählt?
Das Aufzeigen von Auswirkungen ist mir wichtiger als das Überzeugen. Jedes Gramm CO2, das wir heute ausstoßen, verbleibt etwa 120 Jahre lang in der Atmosphäre und treibt so lange den Klimawandel voran. An dieser Stelle können die Bürger enormen Einfluss nehmen: Wenn sie der Politik und Wirtschaft klarmachen, dass sie etwas nicht mehr wollen oder Produkte nicht mehr kaufen, können sie viel bewegen. Beste Beispiele dafür sind der Atomausstieg und die Bestrebungen vieler Unternehmen, Plastik-Einweg-Produkte zu reduzieren.

Wie lassen sich klimaschädliche Gewohnheiten reduzieren? Müssen wir alle zu Veganern und Fahrradfahrern werden?
Niemand muss sich für den Klimaschutz quälen, dann ist das Engagement nicht von langer Dauer. Aber jeder kann mit ganz einfachen Dingen anfangen, die nicht wehtun oder sogar Freude bereiten. Wer sich 15 Minuten Zeit nimmt, um zu Ökostrom zu wechseln, kann in einem Zwei-Personen-Haushalt durchschnittlich schon über eine Tonne CO2 pro Jahr sparen. Man muss auch nicht gleich komplett auf alles verzichten, aber es kann auch Spaß machen, einfach mal ein leckeres veganes Gericht auszuprobieren oder wirklich mal das Rad zum Einkauf auf dem Markt zu nehmen.

„Klimaschutz muss endlich als die große Chance gesehen werden, nicht unseren Lebensstandard zu erhalten, sondern die Lebensqualität zu erhöhen.“

Welche Folgen stehen uns möglicherweise in der Braunschweiger Region bevor, sollte ihr „Masterplan 100 % Klimaschutz“ scheitern?
Natürlich werden wir in der Region allein nicht das Klima retten. Aber als Masterplan-Kommune nehmen wir eine Vorreiter-Rolle ein. Was hier passiert, sendet ein starkes Signal an die Bundespolitik. Die anzunehmenden Folgen des Klimawandels bei uns vor Ort sind mehr Starkregenereignisse, mehr Überflutungen, aber auch mehr Hitzewellen und Dürren. Immerhin war der Mai 2018 laut Deutschem Wetterdienst der wärmste Mai seit 1889. Durch die veränderten Klimabedingungen könnten sich auch invasive Pflanzen- oder Tierarten hier ausbreiten: Momentan wird stark diskutiert, ob sich Malaria wieder in Mitteleuropa ausbreiten könnte.

Wie kann sich die Zivilgesellschaft aktiv am Projekt beteiligen? Welchen Einfluss nimmt sie im Bürger-Beirat und wodurch kann sie sich zusätzlich einbringen?
Die Mitglieder des Bürger-Beirats geben regelmäßig Empfehlungen zu einzelnen Maßnahmen ab. In der jüngsten Sitzung ging es beispielsweise um ihre Erwartungen an die Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus stehen wir mit zahlreichen Initiativen in engem Kontakt, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen. Gerade haben wir Vereine bei der Beantragung von Fördermitteln für Klimaschutz-Projekte beraten. Ansonsten freuen wir uns natürlich immer über Anfragen von Bürgern und setzen uns mit allen Nachrichten, die uns erreichen, intensiv auseinander.
Zu guter Letzt: Sie sind felsenfest vom „Masterplan 100 % Klimaschutz“ überzeugt, weil … ?
… er zeigt, dass wir die Klimaziele erreichen können und an welchen Stellschrauben wir dazu drehen müssen!

Mehr Informationen zum Thema Klimawandel, Treibhausemmissionen und alternative Energieversorgung findet ihr unter:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energieversorgung/strom-waermeversorgung-in-zahlen#Strommix

Text Viktoria Knapek
Grafik jozsitoeroe-Fotolia.com, Masterplanmanagement Regionalverband

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