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Von der lebenslangen Ehe über serielle Monogamie zur Polyamorie
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Die Wege der Liebe sind unergründlich. Beziehungsdrama hier, gefrustete Paare da, die nächste Trennung steht vor der Tür. Das Pärchen, das schon seit der siebten Klasse zusammen ist und von dem alle dachten, dass sie heiraten würden, hat sich jetzt auch noch getrennt und so ziemlich alle Eltern meiner Freunde sind mittlerweile geschieden – Generation beziehungsunfähig und zu tinderfluenced? Ich weiß nicht recht. Irgendwie sind ja doch alle auf der Suche nach der großen Liebe und sogar denjenigen, die sie eigentlich gefunden haben, fehlt manchmal irgendetwas – die Abwechslung, das Abenteuer, die Bestätigung, das Flirten, das Kribbeln vom Anfang, die Aufregung und irgendwie auch die Ungewissheit, ob da jetzt nun was läuft oder nicht – die Herausforderung. Möglicherweise ist es das Stichwort Monogamie, welches Beziehungen immer häufiger zum Scheitern bringt, denn die Vorstellung, dass eine einzige Person alle sexuellen, romantischen, menschlichen und sonstigen Bedürfnisse einer anderen Person auf Dauer erfüllen kann, ist ziemlich utopisch. Ist Polyamorie, also die Vielliebe, vielleicht das eigentliche Liebesrezept?
Wer schon mal auf Tinder unterwegs war, hat vielleicht schon das ein oder andere Mal in der sexy Selbstbeschreibung eines potentiellen Partners das Stichwort „in einer offenen Beziehung“ gelesen – aber was bedeutet das eigentlich? Sind diese Typen vielleicht gar nicht unbedingt fies zu ihren Freundinnen, sondern empfinden Monogamie einfach als unrealistisches, gesellschaftlich konstruiertes Konzept, das eigentlich gar nicht funktionieren kann? Kann es möglich sein, sich auch zu anderen Menschen sexuell hingezogen zu fühlen, obwohl man eine glückliche Beziehung führt, und dass das ganz natürlich ist? Könnte es Beziehungen nicht vielleicht sogar von Nützen sein, etwas Abwechslung eingehaucht zu bekommen, indem sich beide Partner ausprobieren und vielleicht ganz neue Seiten an sich entdecken? Dass sie durch die Bestätigung eines weiteren Partners möglicherweise auch mehr Selbstbewusstsein bekommen, was wiederum zu weniger Eifersucht führt und den Charakter festigt? Objektiv betrachtet gibt es für Monogamie keinen Grund – nicht einmal biologisch. Um es auf den Punkt zu bringen: Monogamie ist eine sozial konstruierte Norm der westlichen Kultur, die sich über die Jahre entwickelt und verändert hat.

Während bei unseren Großeltern das „bis dass der Tod uns scheidet“ noch beim Wort genommen wurde, ging diese Beziehungsform in den nachfolgenden Generationen über zur seriellen Monogamie, also mehreren, aber zeitlich voneinander getrennten monogamen Beziehungen. Aktuell ist diese traditionelle Zweierbeziehung eher Schnee von gestern und sexuell offene und vielfältige Lebens- und Liebesmodelle gewinnen – zum Glück – zunehmend an gesellschaftlicher Akzeptanz.
Das Infragestellen dieses Beziehungsmodells meint nicht, dass Gefühle, Nähe, Vertrauen und die Vorstellung einer gemeinsamen und womöglich auch lebenslangen Zukunft in den Keller geworfen und für immer vergessen werden sollen oder dass es dabei nur um Sex geht und das mit möglichst vielen. Aber selbst wenn – who cares? Vielmehr treten dadurch Formen des Liebeslebens hervor, die es möglich machen, sich in unterschiedlichen Richtungen frei zu entfalten und zu lieben, was genau genommen nicht nur eine persönliche Bereicherung sein kann, sondern darüber hinaus auch allgemein zu einem offeneren, reflektierten und toleranteren Weltbild führen kann. Nur wenn man sich gegenseitig Freiheiten lässt, sich auszuprobieren und zu öffnen, kann man sich sicher sein, dass der Partner auch das auslebt, wonach er sich fühlt, was ihm guttut, was ihm Spaß bereitet und was ihn erfüllt – und wollen wir nicht alle für die Person, die wir lieben, genau das?
Beim Polyamorie Stammtisch in der DRK KaufBar werden an jedem letzten Mittwoch des Monats Fragen bezüglich Liebe in all ihren bunten und vielseitigen Farben und Formen diskutiert.

Text Louisa Ferch
Fotos lassedesignen-Fotolia.com

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