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Wunderbar Unverpackt

Manchmal braucht es gar nicht viel, um der Umwelt und sich selbst etwas Gutes zu tun.
Wir sprachen mit Wunderbar-Unverpackt-Gründerin Denise Gunkelmann.

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Hallo Denise, worauf hast du in der Fastenzeit schon mal freiwillig verzichtet?
Letztes Jahr habe ich tatsächlich versucht, keinen Plastikmüll zu verursachen, was aber ohne Unverpackt-Laden nicht ganz leicht war. Um Süßigkeiten und Alkohol habe ich auch einen Bogen gemacht.

Was war am schwersten ohne Verpackungsmaterial zu bekommen?
Da ich Vegetarier bin, esse ich viele Nüsse. Natürlich kann man sich Walnüsse ohne Plastikverpackung kaufen und knacken, aber das ist auch nicht das Einfachste. Nüsse sind im Supermarkt fast immer eingepackt. Auch Milch war schwer zu bekommen.

Worauf könntest du nie verzichten?
Ich habe schon mal versucht, vegan zu leben, aber Käse möchte ich nicht missen. Und getrocknete Maulbeeren. Aber auf Letzteres muss ich ja glücklicherweise auch nicht verzichten.

Welche Opfer brachtest du unfreiwillig?
Gute Frage … Freizeit. (lacht) Bisher bin ich immer von Braunschweig nach Northeim bei Göttingen gependelt. Deswegen hatte ich wenig Zeit. Aber seit zwei Jahren wohne ich in Braunschweig.

Wovon hat man heutzutage viel zu viel?
Wir als Gesellschaft kaufen viel, ohne richtig darüber nachzudenken. Deswegen haben wir zu viel von fast allem. Man hat einen PC und kauft sich noch ein Tablet – da will ich mich selbst nicht ausnehmen. So ist es zum Beispiel auch bei Lebensmitteln. Man kauft, hat dann vieles zu Hause herumliegen und weiß gar nicht, ob man es braucht. Das war unter anderem auch ein Ansatz für diesen Laden. Man kann hier bewusster einkaufen. Unsere Kunden müssen sich vorher überlegen, welche Behälter sie mitbringen und welche Mengen sie wovon einkaufen wollen.

Was bedeutet Luxus für dich?
Luxus bedeutet für mich, Freizeit zu haben, und sie mit meinem Freund, meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Das ist aber nicht erst so, seit ich den Laden habe.

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Wo hast du den ersten Laden ohne Verpackungsmaterial kennengelernt?
Das erste Mal habe ich das aus Berlin durch ein Crowdfunding-Projekt mitbekommen. Ich fand den Ansatz total toll und habe mich weiter mit dem Thema beschäftigt. Seit Anfang letzten Jahres gibt es zwei Läden in Hannover. Dort habe ich auch eingekauft und war fasziniert von dem Konzept. Ich habe mit vielen Leuten darüber gesprochen. Oft ist es ja so, dass man viele Pläne hat, wie beispielsweise eine Weltreise zu machen oder ein Café zu eröffnen. Aber meistens macht man das letztendlich doch nicht. Ich habe es einfach getan und meinen alten Job gekündigt. Oft wurde ich dann gefragt, ob ich mir sicher bin, aber als ich mich einmal dazu entschlossen hatte, den Laden zu eröffnen, bestand für mich kein Zweifel mehr.

Was war dein vorheriger Job?
Ich habe vorher im Vertrieb bei der Conti gearbeitet und Drucktücher verkauft. Dort habe ich auch mein Dualstudium gemacht – ein BWL-Studium und eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Als ich danach im Vertrieb angefangen habe, habe ich gleichzeitig meinen Master in Wirtschaftspsychologie gemacht. Ich wollte dann eigentlich ins Personalwesen, aber das hat nicht so richtig geklappt. Meine Mutter sagt immer: „Es kommt alles so, wie es kommen soll“, und mittlerweile glaube ich da auch dran.

Wie lange dauerte es, die Idee umzusetzen?
Anfang April war ich in Kiel beim ersten Unverpackt-Laden Deutschlands und habe die Besitzerin gefragt, ob ich neben dem ganzen Idealismus auch noch meine Wohnung bezahlen kann. (lacht) Danach bin ich nach Hause gefahren und habe gesagt: „Ich mache das jetzt!“ Dann habe ich einen Businessplan geschrieben. Anfang Juni war ich bei der Bank und parallel habe ich mich nach einem Laden umgeguckt. Von der Stadt Braunschweig habe ich zusätzlich einen Gründerzuschuss bekommen. Ende September war alles unterschrieben und mein Unternehmen gegründet. Im November konnte ich starten und habe bis zur Eröffnung am 3. Dezember dann so einige Nachtschichten zusammen mit Familie und Freunden geschoben.

Wie kauft man hier überhaupt ein?
Der Kunde bringt seinen eigenen Behälter mit, sei er aus Glas, Tupper, Blech, Jute oder Baumwolle, wiegt diesen im Laden an einer Extra-Waage ab, füllt sich dann genau die Menge ein, die sie/er kaufen möchte, und kommt dann zur Kasse, wo das Leergewicht vom Gesamtgewicht abgezogen wird, sodass der Kunde wirklich nur das bezahlt, was in seinem Behälter ist.

Gab es bisher auch negative Reaktionen?
Bei Facebook wurde ich gefragt, ob wir die Ware in kleinen Tüten bekommen und in die Spender abfüllen, doch dem ist natürlich nicht so. Ich mache das ja nicht des Geldes wegen, sondern um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Manche Leute behaupten, dass gar kein Plastik gespart würde, aber auch das stimmt nicht. Personen, die Zweifel an dem Konzept haben, können sich hier im Laden gerne selbst ein Bild machen.
Was macht man, wenn man doch mal einen Behälter vergessen hat?

Man kann bei uns auch Gläser bekommen. Außerdem haben wir Baumwollbeutel in verschiedenen Größen. Oft sind die sogar praktischer als Gläser, weil man sie besser transportieren kann.

Wie ist das Sortiment aufgestellt?

Bei Wunderbar Unverpackt gibt es ein großes Trockensortiment – von Müsli und Flocken über Reis, Hülsenfrüchte, Nudeln, Süßigkeiten, Salziges, Mehl und Zucker, Backzutaten, Tee, Kaffee und Kakao – genauso wie eine Frischetheke mit Käse, Butter, Tofu, und Antipasti. Es gibt aber auch Wasch- und Reinigungsmittel zum Abfüllen und natürlich eine Obst- und Gemüsetheke. Ebenso haben wir Gläserwaren inklusive Pesto, Brotaufstrichen und vielem mehr. Auch Milch und Milchprodukte in Pfandgläsern und -flaschen sind bei uns erhältlich. An den Behältern haben wir Etiketten mit einigen Informationen über das einzelne Produkt angebracht. Alle Produkte mit einem grünen Blatt sind Bio-Waren. Das sind insgesamt etwa 90 Prozent. Und auch wenn manche Artikel nicht in Bio-Qualität erhältlich sind, so habe ich dennoch immer auf eine gute Qualität geachtet.

Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass noch viel mehr Leute motiviert werden, durch ihr eigenes Verhalten den Erhalt unserer Umwelt bewusst zu unterstützen und von dem Konzept des unverpackten und plastikfreien Einkaufens überzeugt werden.

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Katharina Holzberger

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