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Parallelwelten – der Braunschweiger Fotograf Nizar Fahem ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Art Culture Poverty Worldwide e. V. und setzt sich in seiner Kunst aktiv mit globalen Ungerechtigkeiten auseinander.
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Emotionen einfangen, die Realität abbilden, das kollektive Gedächtnis prägen – die Bedeutung von Fotografie ist vielfältig wie eindrucksvoll. Schnappschüsse wie „Tank Man“ von Jeff Widener oder „Der Kuss“ von Robert Doisneau gingen in die Geschichte ein; wiederrum andere Werke schmücken so manches Wohnzimmer. Einst galt die Fotografie als Hilfsmittel, um Vergangenes festzuhalten, heutzutage überfluten wir uns jedoch selbst durch kopflose Smartphone-Knipsereien. Wer dieses Stück digitaler Allmacht in seiner Hosentasche herumträgt, ist immer einsatzbereit, die inflationäre Fotomaschinerie mit einer scheinbar perfekten Welt zu füttern.
Die Kunst, authentische Momente festzuhalten, beherrscht der Braunschweiger Fotograf Nizar Fahem. Seit 20 Jahren ist der gebürtige Tunesier für die unterschiedlichsten regionalen und überregionalen Auftraggeber unterwegs, darunter die journalistische Presse, Kundenmagazine, Veranstaltungs- und Eventagenturen, die Aida sowie das SUBWAY-Magazin. Als Sohn eines Fotografie-Dozenten bekam Nizar quasi das Handwerk in die Wiege gelegt. „Als ich klein war und mein Vater Fotografie unterrichtet hat, habe auch ich meine ersten Bilder geschossen“, erinnert sich der sympathische 44-Jährige, „ich war damals vier Jahre alt. Meinem Vater hat das gefallen, deshalb hat er mich gefördert. So konnte ich den Spaß am Fotografieren entdecken und letztendlich diese Freude zu meinem Beruf machen.“
Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung zum Fotografie-, Kamera- und Videotechniker beim Ministerium für Jugend, Kinder und Sport, entschied sich Nizar nach einem kurzen Physik-Studium-Intermezzo, seinem Kindheitstraum zu folgen. Er gründete die Agentur Déjàvue Fotografie und bereiste außergewöhnliche Länder wie Tansania, Sansibar, Mexiko und Jamaika, die ihm ein vielseitiges wie beeindruckendes Portfolio bescherten.
Aufnahmen aus dem Abseits
Irgendwann kommt fast jeder Fotograf in seiner Berufslaufbahn an einen Punkt, an dem er sich fragt, welche Bedeutung seine Fotografie für die Gesellschaft hat und wie er mit seiner Kunst Aufmerksamkeit schaffen kann. Für Nizar ist der soziale Aspekt schon immer eine wichtige Facette seiner Arbeit gewesen. Auf seinen Fotoreisen nahm er deshalb nicht nur die Schönheit der Natur und Kultur in den Blick, sondern porträtierte auch die dunklen Seiten des häufig von Armut geprägten Lebens der Menschen. „Von Land zu Land gibt es sehr große Unterschiede, die es wert sind, gezeigt zu werden“, erklärt der Braunschweiger Fotograf, „durch meine Reisen habe ich das schöne Leben in Deutschland sehr zu schätzen gelernt – insbesondere, wenn man sieht, wie Menschen mit sehr begrenzten Mitteln glücklich sein können. Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass wir alle Menschen sind und die Herkunft am Ende keine entscheidende Rolle spielt.“
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Besonders stark prägte den kreativen Weltenbummler eine Karibik-Tour mit der Aida. „Wir waren jeden zweiten Tag an einem neuen Ort und sind mit immer neuen Kulturen und Menschen in Berührung gekommen. Man weiß vorher nicht, was einen erwartet, wenn man aufwacht. Es war immer ungewiss, welche Aufnahmen ich machen kann. Die Motive, die sich in meiner Erinnerung eingebrannt haben, betreffen die Rassentrennung, die auch heute vielerorts noch sehr stark zu erkennen ist“, schildert Nizar.
Um auf die Missstände in den Entwicklungsländer hinzuweisen, erstellt der Bildkünstler unter anderem ergreifende Fotomontagen, die den starken Kontrast zwischen den vorherrschenden Extremen verdeutlichen: „Ich vereine beispielsweise Macht und Armut, die sich oft am gleichen Ort befinden. Ich möchte die Menschen damit zum Nachdenken anregen.“
Das gelingt dem bekannten Fotografen vor allem durch seine regelmäßigen Ausstellungen im Welfenhof, bei der winterkunstzeit oder zuletzt auf 200 Quadratmetern im ehemaligen Eintracht-Fanshop. Im Schlosscarree wird Nizar mit seiner Ausstellung auch weiterhin verweilen. Auch wenn seine Bilder für sich sprechen, berichtet Nizar gern persönlich über seine Eindrücke aus dem globalen Süden und nimmt sich vor Ort Zeit für Fragen und angeregte Unterhaltungen. Menschen in Entwicklungsländer haben systematisch weniger Chancen auf eine gute Entwicklung als wir, die zufälligerweise in der Geburtenlotterie gewonnen haben. Jedoch können wir die globale Ungerechtigkeit mindern, indem wir die extreme Armut aktiv bekämpfen – dem ist sich Nizar bewusst.
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Vom Denken ins Handeln
Seit seiner Kindheit ist Nizar aktives Mitglied unterschiedlicher Hilfsorganisationen. 2017 gründete er gemeinsam mit Freunden und Kollegen den Verein Art Culture Poverty Worldwide e. V., der die Verbindung von Kunst, Kultur und Armut aufzeigt. „Der Zusammenhang dieser drei Bereiche hat mich schon immer sehr berührt“, gesteht Nizar, „von Land zu Land gibt es so gravierende Unterschiede und Aspekte. Leider ist dies kein Bestandteil im Leben vieler Menschen. Der Verein will Konzerte, Vorträge und Lesungen über Kunst, Kultur und Armut in der weiten Welt veranstalten und damit Spenden für Hilfsprojekte im In- und Ausland sammeln. Insbesondere internationalen Künstler, die über keine eigenen finanziellen Mittel verfügen, möchten wir eine Plattform bieten, ihre Kunst darzubieten.“
Als im März die Corona-Pandemie ausbrach, verschärfte sich auch die Lage in vielen Entwicklungsländern. Deshalb startete der ACPW-Verein via Facebook einen Spendenaufruf, um Familien in Sansibar, Tunesien und im Jemen zu unterstützen und ihnen eine beständige Lebensmittelversorgung zu gewährleisten. Auch wenn die Spenden noch recht spärlich fließen und die Vereinsarbeit viel Kraft kostet, haben Nizar und sein Team ein Ziel: die Bekämpfung von Armut und die Stärkung von Gemeinschaft. „Wir möchten die Kunst und Kultur fremder Länder in Deutschland bekannt machen, um das Verständnis für soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge zu vertiefen und ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Mitverantwortung zu stärken. Wir wollen den Menschen die Realitäten der Welt zeigen und darauf aufmerksam machen, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht – im Vergleich zu anderen Teilen der Erde. Ich glaube, das macht uns alle ein Stück zufriedener und glücklicher“, erklärt der deutsche Fotograf mit tunesischen Wurzeln.
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Dennoch gibt es auch noch hierzulande einige Baustellen. In Braunschweig wünscht sich Nizar vor allem mehr Raum für kulturelle Begegnungen. Denn erst durch den Austausch und das Zusammenleben können seiner Ansicht nach Vorurteile gelöst und das Wir-Gefühl gestärkt werden. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung.
Dass man mit Fotografie etwas bewirken kann, beweist Nizar Fahem mit seiner sinnstiftenden Tätigkeit. Auf die Frage, ob er ein Foto habe, auf dass er besonders stolz ist, antwortet der Braunschweiger: „Zu meinen absoluten Favoriten gehören all die Bilder von lachenden Kindern aus aller Welt. Obwohl sie kaum etwas besitzen, strahlt das Glück in ihren Augen.“ Es liegt in unserer Hand, die Welt zu einem freundlicheren, besseren Ort zu machen. Nizar Fahem geht mit gutem Beispiel voran.

Text Denise Rosenthal
Fotos Nizar Fahem

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