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Das B58 am Bültenweg gilt in Braunschweig als Szene-Institution. Nun steht fest: Das Kinder- und Jugendzentrum soll mit einem Neubau auf den besten Stand gebracht werden. SUBWAY traf Einrichtungsleiter Frank Tobian.
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Das B58 ist der Anfang von allem“, verriet Braunschweigs Exportschlager Bosse vor einigen Jahren im SUBWAY-Interview. Seine Aussage können sicherlich viele Braunschweiger:innen bestätigen: Das Kinder- und Jugendzentrum B58 ist Heimat und Usprung zahlreicher regionaler Bands; Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene; geliebte Konzertlocation für regionale, nationale und internationale Szenegrößen und ein Kulturepizentrum für kreatives Potenzial – doch leider ist die einstige Konservenfabrik im Bültenweg auch stark sanierungsbedürftig.
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Bereits 2019 wurde deshalb ein Architekturbüro beauftragt, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen und zu prüfen, wie hoch die Kosten eines Neubaus gegenüber einer Sanierung ausfallen würden. „Da merkte man schnell, dass es kostentechnisch sehr nah beieinanderliegt“, verrät Sozialpädagoge und Einrichtungsleiter Frank Tobian beim SUBWAY-Besuch im B58, „da uns Teilhabe sehr wichtig ist, haben wir daher im Haus eine Umfrage gestartet.“
Dabei sprach sich ein Großteil der Jugendlichen beim Votum gegen eine Sanierung aus – verständlich, schließlich beheimaten die Gemäuer vielerlei Geschichten. Außerdem wollte man den Standort beibehalten, erklärt Tobian: „Ein Ratsbeschluss legte fest, dass das B58 – egal, ob neugebaut oder saniert – in jedem Fall an diesem Standort bleiben soll.“ Das Kinder- und Jugendzentrum am Bültenweg grenzt unmittelbar an die Nordstadt und ist aufgrund seiner idealen Stadtanbindung ein beliebter Treffpunkt und zweite Heimat vieler Heranwachsenden. Das macht das B58 so einmalig in diesem Quartier.
Viele Aspekte sprachen letztendlich aber doch gegen eine Sanierung. „Es wäre eine große Illusion gewesen, zu glauben, dass man hier und da nur etwas hätte ausbessern müssen“, gesteht Tobian. Um Brandschutz- und Fluchtwegvorschriften sowie Emissionsschutz zu erfüllen, hätten sich Außenfassade und Innenarchitektur stark verändern müssen. Des Weiteren wäre ein normaler Betrieb während der Instandsetzung schlichtweg unmöglich gewesen: Keine Bandproben, keine Veranstaltungen, keine Kinder- und Jugendarbeit – einfach unvorstellbar. „Es lässt sich mit einem alten Auto vergleichen, mit dem man schon viele schöne Sachen erlebt hat und tolle Touren gefahren ist. Aber irgendwann merkt man, es lohnt sich nicht mehr“, veranschaulicht Tobian.
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Der Spirit bleibt
Knapp 10 Millionen Euro sollen nun in den Neubau des B58 fließen, der frühestens 2023 starten könnte. Bei dem Gedanken, das geschichtsträchtige Gebäude mit seiner bunt-besprühten Außenfassade, seinen verwinkelten Gängen und etlichen Bandstickern aufgeben zu müssen, wird natürlich auch Frank Tobian wehmütig. Immerhin ist der Braunschweiger schon seit über 20 Jahren im B58 tätig und hat deshalb zahlreiche Erinnerungen an denkwürdige Veranstaltungen und Menschen, die im Kinder- und Jugendzentrum ein- und ausgegangen sind. Trotzdem sieht der 56-Jährige große Chancen und Möglichkeiten im Neubau: „Wir hatten schon immer das Gefühl, dass es uns an Räumen mangelt – besonders an multimedialen Räumen. Auch hier ist das Stichwort natürlich Digitalisierung. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, bestimmte Onlineformate bedienen zu können. Eine Einrichtung, die Jugendkulturarbeit macht, braucht Räumlichkeiten, die da besser ausgestattet sind.“

Mit durchschnittlich 125 Besucher:innen pro Tag ist das B58 eine feste Institution für Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil und genießt auch als Konzert- und Eventlocation über die Stadtgrenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Sogar die „Da Da Da“-Chartstürmer Trio sind schon im B58 aufgetreten. Dennoch spielt beim Neubau auch der Aspekt der Inklusion eine wichtige Rolle, denn seien wir mal ehrlich: Mit ihren schmalen Gängen und vielen Treppen ist die ehemalige Konservenfabrik keineswegs barrierefrei. „Ein absolutes No-Go“, bestätigt Frank Tobian, „Kultur sorgt für Begegnungen und jede:r sollte daran teilhaben können.“ Deshalb soll auch der Diversität zukünftig noch mehr Beachtung in Form von Projekten und Konzerten geschenkt werden.

Damit das B58 seinen gesellschaftsrelevanten Betrieb während des Neubaus aufrechterhalten kann, wird nur der linke, unbenutzte Teil des Gebäudes, wo einst ein Fliesenhandel war, abgerissen. An diese Stelle wird dann die neue Unterkunft des Kinder- und Jugendzentrums gebaut. „Wir können dann einfach vom Alt- ins Neugebäude ziehen“, erklärt der sympathische Sozialpädagoge.
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Im Wesentlichen wird alles, was das B58 derzeit anbietet, ins Neugebäude umsiedeln – seien es die Probe- und Bewegungsräume, die Kreativwerkstatt, der Konzertsaal, die Aufenthaltsbereiche für die Kinder- und Jugendarbeit oder auch das Löwenhertz Tonstudio, in dem schon hunderte Bands Demos aufgenommen haben. Nur ein Raum für die Kinderschulbetreuung ist nicht mehr vorgesehen, da sich dieser Bereich zunehmend an die Schulen verlagert und schlichtweg nicht mehr benötigt wird. Als Ergänzung zum „Raum8“, einem mit Equipment voll ausgestatteten Musikraum, der von jedem frei genutzt werden darf und von Ostfalia-Studierenden betreut wird, solle es zukünftig auch einen Bereich für Technoproduktionen geben, offenbart Frank Tobian: „Im Zuge des Neubaus wollen wir uns breiter aufstellen und darauf schauen, was die jungen Menschen unter 25 Jahren heute hören.“


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Zwar ist der B58-Neubau bereits beschlossene Sache, der geplante Baustart 2023 jedoch noch nicht wirklich zum Greifen nah. Bis die blühende Jugendkultur schließlich umziehen kann, dauert es also noch ein bisschen. Solange pflegt und kultiviert das B58 mithilfe seiner zahlreichen Besucher:innen und Ehrenamtlichen den einzigartigen Spirit des Hauses – seit Anfang Oktober sogar auch endlich wieder mit Live-Konzerten unter der 2G-Regel. Schließlich machen doch die Menschen das B58 erst zu dem, was es ist – ein kreativer Pool für Musik und Kultur.

Text Denise Rosenthal
Fotos Anke Greite, Frank Tobian, Nizar Fahem

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