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Die Blau-gelbe Liebe hat einen Bundeswehr-Soldaten auch in den Auslandseinsatz nach Mali begleitet.
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Auch weit in der Ferne war Feldpostsoldat Frank (Name von der Redaktion geändert) aus Lüneburg seinem Lieblingsverein treu. Als großer Fan von Eintracht Braunschweig hat er es sich nicht nehmen lassen, auch Fan-Utensilien mit in den Auslandseinsatz nach Mali mitzunehmen, ein Stück Heimat. Die Wand über seinem Arbeitsplatz in der Feldpoststelle in Koulikoro zierte eine große Eintracht-Fahne, Postkarten und andere Eintracht-Schmuckstücke machten deutlich, dass hier ein echter Löwe im Dienst ist. Ende Mai endete Franks dritte Dienstzeit in Mali als Teil der Mission EUTM Mali, deren Kernauftrag die Ausbildung malischer Streitkräfte ist.
In Deutschland ist Franks Arbeitsplatz die Feldpostleitstelle Darmstadt, die Drehscheibe der Bundeswehr-Feldpost, wo er als Hauptfeldwebel die unterschiedlichsten Aufgabe rund um ein- und ausgehende Bundeswehrpost erfüllt. In Mali war diese Aufgabe mit besonderen Herausforderungen verbunden, der Alltag niemals langweilig und weit entfernt davon, Routine zu sein. Schon 1987 hat Frank bei der Deutschen Post angefangen, 1993 kam der Eintritt in die Bundeswehr, heute ist er Hauptfeldwebel.
Der Einsatz in Mali gehört zu den gefährlichsten Einsätzen der vereinten Nation weltweit. Über 30 Volksgruppen leben in dem kargen, zerklüfteten und strukturell schlecht aufgebauten Land, die Hälfte davon lebt unter der Armutsgrenze. 19 Millionen Einwohner auf 1,24 Millionen Quadratmeter Fläche, darunter etliche Milizen, Warlords, Terroristengruppen – unter anderem Al-Qaida – und zahlreiche politische Gruppierungen, die in ständigem dynamischen Konflikt miteinander stehen. Die Vereinten Nationen sind vor Ort zur Sicherung der Infrastruktur der Region und zum Schutz vor Terror und Kriminalität, um so ganz Westafrika zu stabilisieren. Mali ist im Prinzip gar nicht weit weg von Europa und dabei doch so fern. Bloß Algerien und Italien liegen zwischen Deutschland und dem Sahel-Staat Mali.
Wir hatten Gelegenheit mit dem Niedersachsen Frank über seine Liebe zu Eintracht und seine Einsatzzeit zu sprechen.



Frank, wie steht es um Deine Gesundheit in diesen schwierigen Zeiten? Sicherlich ist ja auch bei Euch das Corona-Virus ein Thema?
Das Corona-Virus ist natürlich auch bei uns ein Thema. Wir betrachten die Entwicklung in der Heimat mit Sorgen und hoffen, dass diese Krise bald überstanden ist. Wir bei der Europäischen Trainingsmission in Mali haben natürlich Präventiv- und Schutzmaßnahmen ergriffen, um uns und die malische Bevölkerung vor der Ausbreitung von COVID-19 zu schützen. Täglich wird unsere Körpertemperatur gemessen, wir haben alle Handschuhe, sowie einen Mund- und Nasenschutz, den wir im Bedarfsfall aufziehen können. Natürlich gilt „social distancing“ auch bei uns im Einsatz.

Du bist z. Z. in Mali stationiert. Erzähl uns doch bitte, wie Du zur Feldpost nach Mali gekommen bist. Was bereitet dir bei diesem Auslandseinsatz besondere Schwierigkeiten?
In meinem zivilen Postamt gab es damals eine Ausschreibung. Dort wurde für die Feldpost geworben. Ich fand das interessant, hab mich gemeldet und wurde dann entsprechend ausgebildet. So kam ich zur Feldpost. Der Spagat zwischen Bundeswehr und Post finde ich nach wie vor, trotz der vielen Jahre die ich das schon mache, sehr spannend. Mir macht es Spaß hier zu unterstützen. Mein Anteil bezüglich einer positiven Moral im Kontingent ist nicht unerheblich und dadurch bin ich mir dieser Verantwortung, die ich hier trage, bewusst.

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind immer wieder ein großes Thema in den Nachrichten, besonders hinsichtlich des Anschlagsrisikos, das ja auch in Mali gegeben ist. Wie gehst Du damit um?
Die Lage bei uns in Koulikoro beurteilen wir aktuell als ausreichend kontrollierbar, ich fühle mich hier sicher! Wir sind aber letztendlich nicht ohne Grund in Mali. Für mich persönlich ist die direkte Gefahr überschaubar.
Du bist ein großer Fan von Eintracht Braunschweig. Hand auf´s Herz, schon immer? Hast du auch ein Stück Eintracht mit nach Mali genommen? Was bedeutet dir dieses Mitbringsel im Einsatz?
Ja, ich bin ein großer Fan und das schon immer. Und auch schon seit immer Mitglied. Ich zeige Flagge, in jedem Einsatz! Die Eintracht hängt bei mir unübersehbar im Feldpostamt. Eintracht Braunschweig, das bedeutet für mich Faszination.

Was verbindet Dich im Einsatz sonst noch mit Braunschweig und der Region?
In erster Linie viele gute Freundschaften, die mich auch auf dem Laufenden halten was gerade in Braunschweig passiert. Selbstverständlich verfolge ich auch die Spiele.

Hattest du – bis zum Corona-bedingten Saisonstopp – im Einsatz Gelegenheit, die Spiele der Eintracht zu verfolgen? Vielleicht sogar mal live zu sehen?
Leider wird die Dritte Liga nicht durch Bundeswehr-TV übertragen, daher nutze ich einen Liveticker. Der Informiert mich nahezu in Echtzeit und ich „fieber“ da natürlich immer mit.
Habt ihr auch Hannover-96-Fans in der Einheit? Sind eventuelle Club-Konkurrenzen ein Thema bei euch?
Soweit mir bekannt, sind hier keine „Hanoi“-Fans. Kann auch sein, dass die sich nicht trauen, sich zu zeigen. Ich glaube hier sind nur Fans im Kontingent von Vereinen die in meinen Augen Tradition haben. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, aber wie gesagt, diesbezüglich ist hier alles ruhig.

In Zeiten von Corona findet Fußball mit Publikum, wie vieles andere auch, natürlich nicht statt. Was denkst Du wäre der beste Weg die aktuelle Saison zu beenden?
Die Saison sollte zu Ende gespielt werden. Aber unter der Berücksichtigung sämtlicher gesundheitsrelevanter Aspekte. Wenn man sieht wie eng das in der dritten Liga ist und wie viel von einem Aufstieg abhängt, ist das gerade für die kleinen Vereine wichtig. An die Chance glauben zu dürfen, nach oben weiter zu kommen, ist gerade im Sport der Antrieb und die Motivation.
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Meinst du, in dieser Saison geht für Eintracht noch was?
Der Kader hat die Qualität. Der Aufstieg ist noch nicht abgeschrieben. Wenn die Jungs sich jetzt zusammenreißen, konstant gut spielen, dann ist der Aufstieg möglich. Da bin ich mir sicher.

Ist es möglich mit den Kamerad*innen ein Spiel zu machen? Wie handelt ihr das gebotene "Distancing"?
Noch Anfang Februar haben wir im Kontingent Fußball gespielt. Das Spielfeld hier besteht übrigens aus Beton. Durch die starke Reduktion des Personals und der damit verbundenen Mehrbelastung jedes Einzelnen ist es schwieriger geworden, genug Leute gleichzeitig zusammen zu bekommen. Wenn Mannschaftsportarten wieder möglich sind, werden wir wieder neue Anläufe starten.

Haben sich eure Einsatzschwerpunkte in Bezug auf die Unterstützung der malischen Bevölkerung durch Corona verändert?
Aktuell ist die Ausbildung der malischen Soldaten ausgesetzt. Damit hat sich natürlich einiges temporär verändert, jedoch nicht in Bezug auf das positive Verhältnis zu der Bevölkerung unseres Gastlandes.

Mali ist ein Land mit einer sehr lebensfeindlichen, kargen Natur, wenig entwickelter Infrastruktur und einer schlecht versorgten Bevölkerung. Kannst Du Land und Leuten dennoch etwas abgewinnen? Was magst Du an Mali?
Ich sehe das etwas differenzierter. Dieses Land ist wunderschön. Leider dominieren die Schlagzeilen bezüglich islamistischer Gruppierungen in der öffentlichen Wahrnehmung das Bild dieses Landes. Ich bewundere, wie toll die Bevölkerung mit aus unserer Sicht relativ wenig Mitteln diese Krise aktuell besteht.
Hast du jetzt, wo Fußball gerade nicht stattfindet, eine andere Leidenschaft entwickelt? Briefmarkensammeln, Harry Potter auswendig lernen, Stricken oder sonst irgendwas?
Dadurch das Fußball mich gerade zeitlich nicht bindet, kann ich mir die Zeit nehmen, um ausführlich mit Euch über Fußball, diesen Einsatz und Eintracht Braunschweig zu reden.
Wir möchten dir zuletzt noch die Gelegenheit geben, deine Wünsche und Grüße los zu werden! Das Interview werden sicher eine Menge Braunschweiger lesen. Feuer frei!
An erster Stelle möchte ich diese Chance nutzen auf das herzlichste meinen Sohn Nico zu grüßen. Selbstverständlich folgt diesem Gruß die gesamte blau-gelbe Eintracht-Familie. Ich wünsche jedem und jeder von Euch beste Gesundheit und freue mich darauf, irgendwann wieder mit Euch im Stadion zusammen stehen zu können.

Interview Benyamin Bahri, Holger Kühling-von Essen
Fotos Gerrit Hohmann, Bundeswehr

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