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Tiny House: ein Eigenheim, klein, fein, immer dabei?
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Immer mehr Platz für immer weniger Personen im Haushalt – dieser Anspruch dominierte in den vergangenen vierzig Jahren die Wohnkultur. Das eigene Haus ist ein Statussymbol, in dem die dinggewordenen Errungenschaften eines ganzen Menschenlebens Platz finden. Doch steigende Mietpreise und der Wohnraummangel in Großstädten zeigen auf, dass diese Art zu leben zum Allmendegut verdammt ist.
Viele Gegenentwicklungen versagen sich dem dauernden Wunsch nach mehr. Der Minimalismus-Trend wird in Design- und Lebensstilfragen als hochmodern gehandelt. Mit dem Mindesten auskommen und sich mehr und mehr dem Materialismus abzuwenden, so lautet das Kredo – damit ist letztendlich auch viel Geld zu sparen.
Auf diesen Grundpfeilern fußt auch die Idee der Tiny Houses. Hier laufen zwei ­fundamentale Wünsche der modernen Gesellschaft zusammen: der traditionelle Traum vom Eigenheim und das Streben nach einem nachhaltigeren Lebensstil.
Grüner wohnen in Braunschweig
So ist es keine Überraschung, dass auch in Braunschweig bereits fleißig am Herzensprojekt einiger Bürgerinnen und Bürger gefeilt wird, die sich den Wunsch eines autarken Wohnparks voller Tiny Houses erfüllen wollen. Derzeit ist die organisationstragende wandel.SCHMIEDE auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ihr alternatives, ökologisches Lebensmodell. Die „community_autark“ soll 50 bis 80 Braunschweigerinnen und Braunschweigern aller Generationen die Möglichkeit bieten, gemeinschaftlich und solidarisch in einem Wohnpark zusammen zu leben. Bislang ist das Projekt zwar noch Wunschdenken, findet aber immer mehr Zuwendung aus der Bevölkerung.
Wirft man einen Blick auf manche Tiny Houses, könnte einem als erste Assoziation ein grauhaariger Mann mit ovaler Brille in den Kopf schießen. Peter Lustig aus der Kinderserie Löwenzahn ist der vielleicht populärste Tiny-House-Bewohner Deutschlands. Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer finden sich in dem berühmten blauen Bauwagen, der ausschließlich aus ausgedienten Gegenständen gewerkelt wurde und inmitten eines Schrebergartens steht. Konsequent und der Zeit voraus, denn die Lernserie legte in ihrer Berichterstattung viel Wert auf neue ökologische Perspektiven.
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Peter Lustig lässt grüßen

Allerdings ist Vorreiter Peter Lustig nicht unbedingt der Prototyp des Tiny-House-Besitzers. Junge Menschen, Paare oder Singles sind es, die den kleinen, hyggeligen Holzhäuschen besonders zugetan sind. Hochbetten, die nur über eine Leiter zu erklimmen sind und in denen man nicht aufrecht sitzen kann, tragen wohl ihren Teil dazu bei. Möchte man zusätzliche Übernachtungsgäste beherbergen, so sollte man sich auch das frühzeitig überlegen, denn solche Wünsche müssen von Anfang an in die Konzeption des kleinen Häuschens einfließen. Hier wird bereits deutlich: Planung ist das A und O.
Insbesondere, da viele der Häuser den Anspruch erfüllen sollen, selbstversorgend – also autark – zu funktionieren. Auf Autarkie wird auch im Zuge des Braunschweiger Wohnparks community_autark Wert gelegt, denn ausgeklügelte Wasserauffangsysteme, Abgaswärmetauscher und Solarzellen kommen langfristig nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch der Umwelt zugute.
Grundsätzlich ist der ökonomische Vorteil nicht zu unterschätzen. Besonders seit der Finanzkrise 2007 ist eine günstigere Wohnsituation attraktiver, für viele sogar unabdingbar geworden. Tendenziell gilt: Je weniger Wohnfläche, desto günstiger und geringer sind die CO2-Emmissionen. Ein Tiny House punktet also mit seiner geringen Wohnfläche von unter 37 Quadratmetern. Zudem steht weniger Platz zur Verfügung, sodass sich auch weniger Krempel häuft. Insofern sind die raffinierten Winzig-Häuschen im Vergleich nicht nur in der Anschaffung günstiger, sondern verleiten auch dazu, weniger Gegenstände anzusammeln.
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Kastig, praktisch, gut
Doch Tiny House ist nicht gleich Tiny House. Der Markt bietet ein breites Spektrum. Während die kleinsten Modelle schon für rund 15 000 Euro zu haben sind, sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Kauft man im Fertigbauset und tüftelt selbst, so ist ein günstiges Modell bereits ab 5 000 Euro zu haben – und damit unschlagbar günstig. Auch bei uns in der Region, im Landkreis Peine – genau genommen in Ilsede – werden die unterschiedlichsten Tiny Houses hergestellt: Fleißig werkelt die Tiny House Company Ltd. an den winzigen Wohnwundern herum, um alle Wünsche möglich zu machen. Mit oder ohne Inneneinrichtung, auf Stelzen oder Rädern – je nachdem, wie die persönlichen Präferenzen und Vorstellungen aussehen, gibt es auch Variationen im Preis. Gerade bei der Dämmung ist allerdings im Allgemeinen Vorsicht geboten, denn für Tiny Houses muss kein Energieausweis vorgelegt werden. So könnte die Energieeffizienz leider schnell flöten gehen.
Aber auch die bürokratische Handhabung ist je nach Modell und Nutzungsweise unterschiedlich. Wer plant, sein Tiny House als Hauptwohnsitz zu nutzen, muss erst einmal eine Baugenehmigung erringen. Deshalb muss das Grundstück, auf dem das Haus stehen soll, als Baugrund gelten und somit über einen Anschluss an Gas, Wasser, Elektrizität und die Kanalisation verfügen. Bei jedem Umzug müsste dieser Anschluss erneut mit den jeweiligen Wasser- und Elektrizitätswerken arrangiert werden.
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Wohnmobil oder Tiny House?
Möchte man sein Tiny House bewegen, kann man sich nicht einfach hinter das Lenkrad klemmen und ab in die unberührte Prärie düsen. Zunächst wird eine Straßenverkehrszulassung benötigt. Der Transport des Hauses kostet viel Sprit und alle freistehenden Gegenstände sollten vor der wilden Fahrt befestigt werden, damit nichts zu Bruch geht. Zudem ist ein Maximalgewicht vorgeschrieben, welches das Vehikel nicht überschreiten darf, wenn es bewegt werden soll. Wem es vorrangig um die Mobilität geht, der sollte also besser auf ein Wohnmobil zurückgreifen. Ein Tiny House ist kein flinker Flitzer, sondern vielmehr ein Schneckenhaus, das einem die Möglichkeit offen lässt, das eigene Zuhause einfach mitzunehmen – jedoch nur nach entsprechender Vorbereitung.
So ganz etabliert hat sich das Tiny House noch nicht. Dafür muss sich der bürokratische Nebel um das moderne Wohnmodell erst noch lichten. Wer dem Konzept bislang skeptisch gegenüber steht, aber prinzipiell interessiert ist, dem könnte ein Urlaub im Tiny House bei der Entscheidung behilflich sein. Vielversprechend sind die Winzlinge allemal, um Wohnungsnot und Klimawandel etwas entgegenzusetzen, denn manchmal ist weniger in der Tat mehr.

Interview Isabel Pinkowski
Fotos Udo Kasten

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