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Qualität setzt sich durch – seit 2017 gibt es wieder Bier der einstigen National Jürgens Brauerei, produziert nach dem selbstgesetzten Prinzip „Bier von Hand gebraut“.
LR NJB Braumeister 1 art
Craft Beer ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Und auch in Braunschweig tut sich was. Leidenschaftliche Brauer erfinden und vermarkten ihre eigenen neuen Biere und legen dabei echten Wert auf natürliche Reinheit, Frische und Geschmack. Allen voran strahlt eine junge Privatbrauerei dabei ganz besonders hervor, die durch die Fügung einiger glücklicher Umstände auf einen besonders traditionsreichen und altbewährten Namen für ihre Brauerzeugnisse zurückgreifen kann. Seit Sommer 2017 ist in und um Braunschweig wieder Bier der National Jürgens Brauerei erhältlich – Craft Beer, das sich am alten Geist der NJB-Qualität orientiert und die Seele der alten Brau- und Siedemeister trifft. Der Name National Jürgens ist älteren Braunschweiger Semestern mit Sicherheit noch ein Begriff. Die Brauerei hat eine mehr als 140 Jahre alte Geschichte und war um die Wendezeit zum 20. Jahrhundert zwischenzeitlich sogar die größte Brauerei der Stadt. Aufgrund der deutschen Teilung und des wegfallenden Kundenstamms hinter der Zonengrenze stagnierte das Geschäft über die Jahrzehnte, bis die Gala Biere der Brauerei Anfang der 1980er und deren Brunswiek Alt Anfang der 1990er Jahre vom Markt verschwunden waren.
Erst als drei junge Brauer sich mit ihrem 2015 gegründeten Craft-Beer-Start-Up Crabbs und ihrem ersten Bier Crab#1 für einen Gewerbeplatz im Rebenpark interessierten, war der Weg für die Wiederbelebung der geschichtsträchtigen Brauerei geebnet. Denn wie es der Zufall so will, ist Rebenpark-Vermieter Alexander Zahn ein Nachfahre der NJB-Eigentümerfamilie, der Rebenpark war sogar einst Sitz der Brauerei. Zahn wurde hellhörig, als das Crabbs-Gespann bei ihm brauen wollte, denn schon seit einiger Zeit spielte er immer wieder mit dem Gedanken „man müsste mal wieder Bier brauen“, wie er berichtet, „da hängt ja auch mein Herz dran. Als Kind bin ich mit der Großmutter über den Hof gefahren, der Trebergeruch, die Lastwagen mit den Fässern und die kupfernen Kessel … Das war alles sehr beeindruckend. Das wird man nicht mehr los“, erklärt Zahn. Schon lange war er von Bier auf Wein umgestiegen, weil ihm beim gängigen Einheitsbier Individualität, Geschichte und schlicht und ergreifend Geschmackstiefe verloren gegangen waren. Ein Schlüsselerlebnis hatte er jedoch, als er im Herbst 2015 auf das Crabbs-Trio traf und zum ersten Mal ein Craft-Bier der drei Brauer in die Hand bekam. „Das ist Bier? Das schmeckt ja! Das riecht! Das gibt’s doch gar nicht“, beschreibt er seine ersten Eindrücke. „Seitdem trinke ich wieder Bier!“
Die Chemie stimmte nicht nur an Zahns Geschmacksknospen, sondern auch zwischen dem NJB-Nachfahren und den ambitionierten jungen Brauern. So gründeten die vier als gleichwertige Gesellschafter 2016 im Rahmen und in den Räumen eine neue alte National Jürgens Brauerei, um zusätzlich zu den Crabbs-Bieren die alten NJB-Marken als Craft-Biere neu zu produzieren. „Das ließ sich wunderbar zusammenknoten. Daraus konnte nur etwas Gutes entstehen“, so Zahn. Und Briesemeister ergänzt: „Ganz klar muss man sagen, unsere Biere sind nicht eins zu eins den alten nachempfunden. Damit gehen wir offen um. Die alten Rezepte, die wir besitzen, inspirieren uns zwar, aber es ist nicht das Bier von früher.“
Seither teilen sich die vier die viele anfallende Arbeit, wobei jeder seine Schwerpunkte hat: Während Paul Briesemeister sich als ausgebildeter Braumeister in erster Linie um den Brauprozess kümmert und das Tagesgeschäft organisiert, ist der engagierter Hobbykoch Stefan Speit für die Geschäftsführung, Buchhaltung und für das Veranstaltungsgeschäft zuständig. Zahn ist strategischer Denker, Hausmeister und Mädchen für alles und der passionierte Biertrinker und Ingenieur Max Juraschek fungiert als Briesemeisters rechte Hand und betreut zudem die IT und den Außenauftritt des Unternehmens.
LR NJB Braukeller 4 art
Einen langen, steinigen Weg galt es zu überwinden, diverse technische und organisatorische Hürden zu bewältigen, bis schließlich der erste Sud auf eigener Anlage angesetzt werden konnte. Heute verfügen sie über eine eigene Flaschenabfüllanlage und können bis zu 10 000 Liter Bier angemessen lagern. Zudem konnten die Absätze so gesteigert werden, dass am 1. April 2019 eine erste Vollzeitstelle geschaffen werden konnte, die Briesemeister als Braumeister innehat. „Das ist für uns ein riesengroßer Erfolg. Und das in unserer kurzen Unternehmensgeschichte“, freut sich Briesemeister. „Nebenberuflich kam man schon oft an seine Grenzen, um das Braugeschäft am Leben zu halten.“ Seither wird die Produktion stark hochgefahren, verdoppelt sich demnächst vielleicht sogar auf 8 000 Liter im Monat.
Sogar eigenen Hopfen kann das NJB-Quartett heute auf einem Feld bei Göttingen anbauen und Zeit für Experimente mit alten Whiskey- und Portweinholzfässern gibt es auch noch. Mit dem steigenden Interesse für die Craft-Biere erfahren auch die hauseigenen Braukurse besonderen Zuspruch, bei denen die Teilnehmer einen ganzen Tag lang auf einer kleinen 50-Liter-Anlage einen kompletten eigenen Sud herstellen und ihr eigenes Bier nach der Lagerzeit mit nach Hause nehmen können. Ebenso wird der seit Herbst 2018 geöffnete Taproom der Brauerei immer beliebter, in dem jeden Donnerstagabend ein Hausverkauf stattfindet und die eigene NJB-Bratwurst verköstigt werden kann.

„Die Leute merken, Was wir hier machen: Bier von Hand gebraut“

„Mit dem Brauen kommen wir inzwischen gar nicht mehr hinterher. Wir haben Schwierigkeiten, die angefragte Menge zu bedienen. Das finde ich erst einmal ganz gut“, lacht Alexander Zahn. Große Pläne zur Vergrößerung oder Expansion gibt es dennoch nicht. Denn sie verfolgen nicht das Ziel, die Größe der NJB von einst zu erreichen und in industrieller Masse zu produzieren, sondern Bier als hochwertiges Genussmittel und Frischeprodukt zu fertigen. „Denn alle Masse ist des Herzens Tod. Massentierhaltung, Massennahrungsmittel … Lebensmittel werden zunehmend lieblos und verlieren an Wertigkeit“, klagt Zahn, „wenn ein Koch drei Schnitzel macht, gibt es einen bestimmten Unterschied, als wenn in einer Kantine 3 000 gemacht werden. Wir verschließen uns also von vornherein einer Ökonomisierung des Fertigungsprozesses, weil wir sagen: Nein! Wir wollen, dass unsere Kühe immer von Hand gemolken werden. Lasst uns doch das Lebensmittel schätzen!“ So kostet eine Flasche Bier der NJB natürlich etwas mehr, man kauft sie aber bewusst, nicht kistenweise. „Es wird die wohltemperierte Flasche ins Glas umgefüllt, dann wird gerochen, probiert, sich eine Meinung gebildet … So kommt auch das Feedback zurück, dass es etwas völlig anderes ist, als das Bier, was man sonst so im Laden findet. Viele sind völlig überrascht, was Bier eigentlich so alles kann“, beschreibt Briesemeister die Wirkung ihres Erzeugnisses und Zahn ergänzt: „Das ist auch eine Herzgeschichte. Was anderes wollen wir gar nicht. Ich kann schlechte Sachen einfach nicht ertragen“, lacht er.
So verzichten die vier Brauer auch bislang nahezu gänzlich auf Marketing, leben von Mundzumund-Propaganda. Das Bier soll für sich sprechen. „Die Leute werden merken, was wir hier machen, nämlich ‚Bier von Hand gebraut‘“, meint Zahn und Briesemeister erklärt: „Alles, was Sie im Glas haben, entsteht aus den Grundzutaten. Wir verwenden kein Couleur, keinen Hopfensirup, keine Zusatzstoffe. Das einzige, was wir also tun, ist, dass wir uns Mühe geben, gutes, ordentliches und frisches Bier zu brauen, das unseren eigenen Ansprüchen genügt. Und offensichtlich finden das andere auch gut. Das ist unsere Werbung!“
Unternehmerische Schlagwörter wie Businessplan, Gewinnschwelle, Expansionsbestreben und ökonomische Effizienz sind für das Quartett also sekundär, wie Zahn beschreibt: „Wir wollen schon so wachsen, dass wir den Markt bedienen können. Aber wir haben uns fest zum Ziel gesetzt, dass wir die Art und Weise, wie wir brauen nicht ändern werden. Wir wollen nicht in die gleiche Schiene rutschen, wie die anderen, wo am Ende nur noch Knöpfe gedrückt werden. Das gilt es zu verhindern, denn ab da macht es keinen Spaß mehr, das Glas zum Mund zu führen. Die Kunst besteht darin, die Qualität im Produktionsprozess, unseren Markenkern, zu erhalten, mit dem Wunsch ein vollkommenes Ergebnis zu erzielen. Wie bei der Arbeit an einem Kunstwerk. Erst dann haben Sie auch die Chance, damit auch Geld zu verdienen.“

Text Benyamin Bahri
Fotos Alexander Zahn

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