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Durch Corona bleiben der Gastronomie ihre Kunden fern. Die Vielharmonie und die DRK KaufBar behelfen sich mit Lieferservice und anderen Ideen.
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Zum sozialen Leben gehört neben vielem anderen auch das Essen und Trinken in Gesellschaft. In Zeiten von Corona fällt dies flach und beschneidet damit ein großes Stück Lebensfreude. Doch schwerer als für den Restaurantgast wiegt der Griff des Schicksals hier für diejenigen hinter den Theken und vor den Töpfen. Gastronomen ist von einem auf den nächsten Tag praktisch die Kundschaft flöten gegangen. Was das bedeutet liegt klar auf der Hand: Keine hungrigen und durstigen Gäste zu verköstigen führt zu Flaute in der Kasse. Für kleinere Betriebe steht die Existenz auf dem Spiel, die Belegschaft muss um ihre Arbeitsplätze bangen. Sei die Not auch noch so groß – sprichwörtlich macht sie eben auch erfinderisch. Viele Gastronomiebetriebe haben sich innovative Konzepte ausgedacht, um auch in der Krise den Hunger und den Durst ihrer Kunden zu stillen.

Die Vielharmonie

Jean-Luc und Corbi, ihrerseits Genussprofis und Inhaber der Vielharmonie, haben einen gut laufenden Laden, liefern innovativ gedachte Küche mit Anspruch und bringen hippe aber dennoch auf dem Teppich gebliebene Gerichte auf die Tische ihres treuen Kundenstamms. Jetzt die Krise, der Gastraum bleibt zwangsläufig leer. „Wir haben uns mit der ganzen Crew zusammengesetzt – immerhin sieben Festangestellte“, so Jean-Luc. „Das gezahlte Kurzarbeitergeld – 60 Prozent vom Lohn – reicht oft nicht, wenn man darauf angewiesen ist, eine Familie zu ernähren, zumal die Trinkgelder wegfallen.“ Gemeinsam fiel dann die Entscheidung ein für die Vielharmonie neues Geschäftsmodell auszuprobieren. „Ein Lieferdienst kann auf jeden Fall funktionieren, wir haben eine gute Fanbase und Stammkundschaft.“ Ein befreundeter Webdesigner sprang in die Bresche und stampfte innerhalb von drei Tagen einen Webshop aus dem Boden. „Wir haben dann unsere Speisekarte nochmal aufs Liefergeschäft optimiert – zum Beispiel gibt es keine Pommes mehr, jeder kennt es, die werden labbrig“, erklärt Jean-Luc. Jetzt ist es so easy wie bei jedem anderen Onlineshop auch: Man stellt sich sein Menü zusammen, legt es in den Warenkorb und bezahlt abschließend praktisch kontaktlos mit PayPal, Kreditkarte oder per Sofortüberweisung. Das Essen wird dann frei Haus vom Vielharmonie-Team geliefert oder kann am Bankplatz 7 abgeholt werden.

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Trotz Lieferdienst kein Junk-Food.

„Unsere Schnitzel kommen sau gut an und auch andere Hausmannskost funktioniert als Lieferdienstessen“, Jean-Luc ist beeindruckt von dem Support seiner Kundschaft. „Ich bin total überwältigt, unsere Kunden sind derart solidarisch und hilfsbereit. Viele bestellen jetzt immer öfter, weil sie uns so unterstützen wollen. Wir sind mega dankbar dafür.“ Gerade auch über die Osterfeiertage machen Restaurants üblicherweise viel Umsatz, der jetzt entfällt. Dafür hat die Vielharmonie ein eigenes Ostermenü kreiert und in den Lieferservice mitaufgenommen. Spargelcremesuppe, Lammbraten mit Vichy Karotten und Böhmischen Knödeln oder Spargel mit hausgebeiztem Lachs, danach Erdbeertiramisu – ja, schlemmen geht auch in Zeiten von Corona. Als Special für Ostersonntag gab es ein Gin Tasting. „Dafür haben wir Boxen mit verschiedenen Gins, Botanicals, Tonic Water und kleinen Überraschungen ausgeliefert. Um 21 Uhr fanden sich dann alle zuhause vor ihren Rechnern zusammen und haben unter unserer Anleitung nach und nach die Drinks verköstigt.“ Es war ein lustiger Abend und das obwohl die Geselligkeit den Umweg über Router und das Internet nehmen musste.

Die DRK Kaufbar

Die Kaufbar ist eine Einrichtung des Roten Kreuzes und versteht sich als Treffpunkt und Plattform für soziokulturelle Projekte. Die Kaufbar ist Ort der Begegnung und für secondhand Mode, Restaurant und Café. Eine Location für Konzerte und eine offene Tür für jede und jeden, ungeachtet von Herkunft und Generationenzugehörigkeit. Dazu hat die Leiterin Heike Blümel eine klare Philosophie: „Wie kriegt man Leute zusammen? Durch gutes Essen und gute Musik!“ Menschen zusammenbringen, die sich sonst vielleicht nicht treffen würden, das ist die Idee hinter der Kaufbar. Der gastronomische Teil der Einrichtung ist dabei nicht zu verachten. Der wöchentlich wechselnde Speiseplan für vegetarische und vegane Tagesgerichte, Kuchen, Snacks und Getränken kann sich sehen lassen. Zu Schade, dass der Verzehr in der Wohnzimmeratmosphäre der KaufBar-Gaststube gerade nicht möglich ist. Doch auch Heike Blümels Team hat aus der Not eine Tugend gemacht und liefert ab sofort das Essen aus: „Auch für diejenigen, die selber gerade nicht das Haus verlassen sollen oder können ist das ein Service, den wir anbieten wollen.“ Zusätzlich dazu gibt es seit neuestem auch einen Kuchenback-Service. Das KaufBar-Küchenpersonal backt auf Bestellung diverse Kuchen und liefert diese aus oder stellt sie zur Abholung bereit. Sämtliche Essensbestellungen werden per Mail oder Telefon empfangen und sollen einen Tag vorher abgegeben werden. Der aktuelle Speiseplan, wie auch alle weiteren Infos sind auf der Homepage www.drk-kv-bs-sz.de/angebote/drk-kaufbar zu finden.

Kaufbar analoger Chat art

KaufBar Lieferessen art

Kleine Schritte machen!

Heike Blümel geht es darum, einen Schritt nach dem anderen zu tun und nicht unter Druck zu geraten. „Was macht diese Zeit mit uns? Wie lange werden wir noch so weiterleben? Wir wollen versuchen, nicht ohnmächtig zu werden und weiterhin mit den Menschen vernetzt zu bleiben.“ Dies gelingt nicht nur über das Liefern von Essen und Getränken, es ist auch ein Mangel von sozialer Nähe, der den Menschen gerade zu schaffen macht. „Wir haben den analogen Chat eingerichtet“, so Blümel. „Er soll eine Schnittstelle sein, um Kontakt zu schaffen und aufrechtzuerhalten in Zeiten, in denen man physisch auf Abstand bleibt.“ Der analoge Chat ist eine um die KaufBar gespannte Leine, an der kleine Zellufantütchen aufgehängt wurden, in denen Botschaften, Gedichte, Bilder und anderes Kleinod enthalten sind. „Alle sind angehalten, sich etwas davon zu nehmen und für andere wieder eine Überraschung hinzuhängen“, meint Blümel. Diese Botschaften sollen den Leuten Mut machen, sie erheitern oder einfach dazu dienen, mit der KaufBar selber in Kontakt zu treten. „Das Geschenk, dass wir gerade mehr Zeit haben als sonst, wird durch die Panik überschattet. Der analoge Chat soll entschleunigen und bedeutet ein Stück Menschlichkeit.“

Auch viele andere Läden in der Region haben auf den Ernst der Lage reagiert und bieten einen Liefer- und Abholservice an. Es bleibt abzuwarten, ob der Einfallsreichtum der Gastronomen zum Erhalt der kulinarischen Landschaft führt. Denn wo kein hungriger Gast, da kein Geschäft. An der Stelle muss wiederum die Fahne der Solidarität hochgehalten werden. In dem Schlamassel um Corona sitzen wir alle gemeinsam. Unterstützen wir uns, wo wir können und schätzen wir die Vielfältigkeit der Restaurants und Gaststätten. Vielleicht bestellen wir jetzt einfach mal öfter und bewusster unser Lieblingsessen, um bald wieder an den uns so vertrauten Orten zu verkehren – quch wenn das bedeutet, dass wir vorerst unsere Suppe alleine zuhause löffeln müssen.

Text Simon Henke
Fotos Vielharmonie, DRK Kaufbar

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