Das Hip-Hop-Projekt Urban Culture will Jugendliche für die Zukunft stärken.
LR ASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 15 Art
Urban Culture Braunschweig – was ist das eigentlich? Seit einiger Zeit schwirrt der Name nebulös durch die Stadt und geistert in den sozialen Netzwerken umher. Auch auf der Rückseite unserer März-Ausgabe und der hell leuchtenden New-Yorker-Leinwand in der Schuhstraße starren einen die fünf schwarz-weißen „UC“-Gesichter mit dem knappen Hinweis „2018“ an. Jetzt bringen wir Licht ins Dunkel. Die ganze Crew war zum Interview in der SUBWAY-Redaktion.

Ins Leben gerufen hat das Projekt der umtriebige Braunschweiger Rapper, Werber und Kreative Jonny S – vielen bekannt durch seine „Tattoo“-Crowdfunding-Aktion oder sein Bandprojekt Jonny S & The Gäng. Unterstützt und gefördert durch lokale Institutionen wie New Yorker oder die Volksbank BraWo Stiftung sollen Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren bald die Chance bekommen, künstlerische Leidenschaft in sich zu entdecken, zu entfachen und so zu selbstbewussten und starken positiven Persönlichkeiten heranzureifen. „Für New Yorker ist das eine Herzensangelegenheit“, meint Jonny.
Vier Elemente
Das ganze Projekt baut auf die Eckpfeiler der Hip-Hop-Kultur – der größten Jungendkultur der Welt, bei der es seit eh und je um Kreativität, Selbstverwirklichung, Respekt und einen starken Community-Gedanken geht. Den Teilnehmern sollen kostenlos Workshops für Rap, DJing, Streetdance und Producing/Recording angeboten werden. Entstehen sollen dazu sogar neue moderne Räume im Erdgeschoss der Musischen Akademie im CJD.
Urban Culture greift auf vier authentische Braunschweiger Künstler zurück, die in ihren Bereichen Expertenerfahrung haben und für ihre Disziplin brennen und leben. Alle haben ähnliche Beweggründe, im Projekt als Dozent in Erscheinung zu treten. Ausgewählt hat Projektleiter Jonny die Crew aufgrund ihrer individuellen Lebensgeschichten und ihrer sozialen Ader. „Ronaldo bringt nicht allein den Sieg nach Hause, es geht immer um die Mannschaft. Das sind alles Dudes, die genügend eigene ehrliche Geschichte haben, um frei erzählen zu können, wie sie ihren Weg gegangen sind und warum sie heute das machen, was sie lieben“, erzählt Jonny, „und Erfahrung ist der beste Lehrer.“

Die vier sind keine Bildungselite, haben eher experimentiert, als Einser-Abitur gemacht. Alle sind ganz normale Jungs, die einfach ihrem Herzen folgen und auch mal so orientierungs- und ziellos waren, wie ihre zukünftigen Padawane. Evo, der als Dozent für DJing agieren wird, sieht darin einen Vorteil: „Dadurch, dass wir alle seit jeher unser Ding durchziehen, ist es auch einfach, das zu vermitteln.“ Rapper Eins A, der als Teil des sozialen Projekts Rapflektion seit Jahren als Rap-Coach engagiert ist und dafür sogar seinen unbefristeten Arbeitsvertrag gekündigt hat, spricht aus Erfahrung: „Der Bezug zur Jugend muss da sein. Man muss wissen, was sie cool finden, was gerade aktuell ist, wie sie reden. Hip-Hop ist Jugendkultur. Wir finden automatisch Zugang.“
Keep Ya Head Up
Das Angebot richtet sich in erster Linie an Jugendliche, die sich Musikunterricht und teure Hobbies nicht leisten können. „Ob hochbegabt, privilegiert, wohlhabend oder nicht – jeder sollte sich mit Kunst und Musik beschäftigen dürfen und können“, meint Jonny. Und schmunzelnd ergänzt er: „Wir hätten auch nichts dagegen, wenn das Projekt für manche wichtiger wird als der Schulbesuch.“
Durch die Beschäftigung mit Hip-Hop-Kultur soll in erster Linie Selbstbewusstsein aufgebaut werden. Jeder von Urban Culture kann eine eigene Geschichte darüber erzählen, wie die Musik ihn stark gemacht hat. Jonny erinnert sich noch gut an seine ersten Auftritte: „Das war original ‚8 Mile‘, mit vorher auf‘s Klo gehen und kotzen, weil ich die Anspannung nicht ausgehalten habe. Ich habe mich aber immer wieder auf die Bühne, in Battles und Competitions gezwungen. Du lernst dann damit umzugehen und weißt irgendwann, was du kannst. Mir persönlich hat Rap super viel gebracht.“ Eins A berichtet in diesem Zusammenhang von einem Waisenjungen, der vor zwei Jahren bei Rapflektion aufgenommen wurde. „Der war total ängstlich, hat gestottert. Er hatte eine schwere Kindheit, ist im Heim aufgewachsen und so weiter. Seit er mit 14 Jahren zu uns kam, hat er ein unglaubliches Selbstvertrauen entwickelt. Wir haben ihn auf die Bühne geschickt. Auch wenn er nur einen Vierzeiler gerappt hat, hat ihm das viel Kraft gegeben. Heute blüht der richtig auf.“ Evo erinnert sich an seine schwierige Jugend: „Ich war ein schlimmer Junge mit zwölf, 13. Ich hätte auch in viel Quatsch geraten können. Schule hat mich nie sonderlich interessiert, genauso wenig wie eine Lehre bei VW. Ich wusste lange nicht, was ich will, aber ich wusste immer, was ich nicht will. Die Floskel ‚Musik ist mein Leben‘ ist zwar total ausgelutscht, aber da ist nun mal was dran. Mein ganzes Erwachsenenleben dreht sich um das Auflegen.“
Urban Culture Gruppenbild Art
Als Vorbilder übernehmen die Dozenten auch eine Art großer-Bruder-Funktion. „Als Teenager sucht man sich Leute, die man cool findet, an die man sich hält“, erzählt Evo weiter. „Die können entweder einen guten oder einen schlechten Einfluss ausüben. Einem Jungen etwas beizubringen ist das eine, aber die richtige Empathie aufzubringen und die Verantwortung zu tragen, einem gebrochenen Jungen ohne Selbstbewusstsein über längere Zeit etwas mitzugeben, das ihn stärker macht, eine ganz andere Sache.“
Wertevermittlung ist auch für Eins A ein Kernfokus. Jugendliche feiern völlig unreflektiert Lyrics über Drogen, Dealen, Gewalt, Sexismus und identifizieren sich damit. „Gangster-Rap hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung, aber man muss sich damit kritisch auseinandersetzen. Kids übernehmen Werte von Rappern, ohne das Ganze zu hinterfragen. Das ist gefährlich. Gerade junge Leute werden von Künstlern total beeinflusst. Wir wollen den Kids durch Rap ein höheres Bewusstsein dafür weitergeben.“
Für Streetdancer Dave, der als Tanzlehrer schon viel Erfahrung damit hat, sein Wissen an Jüngere weiterzugeben, steht wesentlich auch der sportliche Aspekt im Vordergrund. „Dass sie körperlich aktiv werden, ist mir wichitg. Viele Kids sitzen heute nur noch vorm PC und bewegen sich nicht mehr richtig.“ Zudem will er die Kreativität der Jugendlichen wecken und fördern: „Ich unterrichte in vielen Tanzschulen, wo es eher darum geht, feste Choreografien zu lernen. Bei Urban Culture möchte ich mich darum kümmern, dass die Kids selbst etwas entwickeln können, Freestylen lernen und so weiter. Sie sollen ermutigt werden, mit ihrer Leidenschaft etwas zu erreichen.“

Back to Braunschweig
Nicht zuletzt will Urban Culture der Stadt etwas zurückgeben. Viele junge Erwachsene verlassen Braunschweig, um sich in Köln, Hamburg oder Berlin, wo alles so vermeintlich einfach, groß, spannend und vielversprechend ist, selbst zu finden und zu verwirklichen – oder zu verlieren! Das Projekt könnte einer ganzen neuen Generation von Hip-Hop-Akteuren ein solides lokales Kreativ-Fundament mit professionellem Support und Netzwerk bieten. Das ist, was der autodidakte Sound-Engineer und kommende Tonstudio-Dozent Fabian als Teenager vermisst hat: „Ich habe mir damals alles selber beigebracht, zusammengespart, irgendwo nachgeguckt, wie irgendwas geht. Wenn es irgendwo eine Adresse gegeben hätte, zu der ich hätte gehen können, wo einer sitzt, der mir Tipps gibt und Dinge erklärt – ich wäre sofort hin. Wenn ich heute die Möglichkeit habe, genau dieser Typ zu sein, dann bin ich da sofort dabei.“ So sieht das auch Evren, der vor seiner Zusage nicht lange gezögert hat. „Wenn in der Stadt, in der ich geboren und groß geworden bin, so ein Projekt an den Start kommt, möchte ich Teil davon sein, weil ich hier in Braunschweig in den letzten zehn jahren als DJ aktiv war. Das Projekt ist wichtig – wichtig für die ganze Stadt, für die Kids. Wenn wir es schaffen, dass regelmäßig traffic ist, dann haben wir unseren Beitrag geleistet. Wenn aus hundert Kids auch nur ein einziges dabei ist, bei dem ich irgendwie spüre, dass da irgendwas Besonderes in ihm ist und wächst, habe ich mein Ziel erreicht.“

LR dj evolution ASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 3 Art

DJ Evolution | DJ-Dozent
Name Evren Songürer
Alter 31
Prägung DJ seit 2008
Aktuelles Projekt Mitbetreiber des XO, DJing, Producing

LR fabian wiehle ASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 5 Art

Audio_Fab | Studio-Dozent
Name Fabian Wiehle
Alter 31
Prägung Seit dem zehnten Lebensjahr Instrumente gelernt, mit 14 Producing und Recording begonnen
Aktuelles Projekt Sound-Agentur Audiopics, Tonstudio Studiowerk

LR eins a ASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 2 Art

Eins A | Rap-Dozent
Name Andreas Bucklisch
Alter 30
Prägung Mit 12 das erste Mal mit Rap in Berührung gekommen
Aktuelles Projekt Rapflektion, Release des zweiten Studioalbums „Muutu“

LR dave ASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 1 Art

Dave White | Streetdance-Dozent
Alter 31
Prägung Kontakt mit Streetdance Ende der 90er
Aktuelles Projekt weltweite Auftritte mit seiner Crew „Special Delivery“, Hip-Hop- und Dancehall-Tanzkurse in verschiedenen Tanzschulen und Fitnessstudios

LR jonny sASDRKLS SHOOTING BEARBEITET 4 Art

Jonny S | Projektleiter
Name Jonathan Beddig
Alter 33
Prägung Mit 14 Jahren erster Freestyle-Rap
Aktuelles Projekt Album „Ich will Schuhe 2“, Urban Culture

Text Benyamin Bahri
Fotos Agentur Ausdruckslos, Katharina Holzberger

User Rating: 0 / 5

instagram

subway_magazin
Da ist sie endlich, die Juni-SUBWAY! ☀️ . Dieses… https://t.co/UZRcC53ylr
subway_magazin
Am 19. Mai eröffnet die… https://t.co/0NiD5aKEtn
Follow subway_magazin on Twitter

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.