Okerwelle heißt das Braunschweiger Radio, das mit einer unfassbaren Programmvielfalt, ­Originalität und dem Fokus auf regionalen Bands punktet. Geschäftsführer Wolfram Bäse-Jöbges erklärt uns im Interview wie das geht.
Freitagnachts Hörspiele bei „Fantastisches vor Mitternacht“, XXL-Musiktitel bei „8 plus“ oder auch das Metal-Magazin „hart&direkt“ machen Radio Okerwelle einzigartig. Eine solche Bandbreite mit leidenschaftlicher Besprechung des hiesigen Geschehens und der regionalen Bandkultur findet man nur abseits der Mainstream-Sender. Geschäftsführer Wolfram Bäse-Jöbges hat in Braunschweig nicht nur als Taxifahrer gearbeitet, nach seinem Orchestermusik-Studium hat er etwa das Café Eusebia eröffnet, das Musikförderprojekt „Löwenhertz“ vorangetrieben und das Schimmel-Auswahlcentrum geführt. Im Interview spricht er über besondere Okerwelle-Beiträge, Rundfunkgebühren und unsere Musik- und Medienlandschaft.
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Welche Bedeutung hat Radio Okerwelle als Plattform für junge regionale Musiker?
Okerwelle war von der Gründung an eine wichtige Plattform, auch weil einige unserer Redakteure selbst mit der Musikszene verbunden sind. Die Musiker aus der Region haben schnell gemerkt, dass wir ihre Songs wirklich spielen oder sie zum Interview einladen. Zudem bieten wir in unseren vielfältigen Musiksendungen ein Programm an, das sich in der Szene herumgesprochen hat und zum Teil einen Expertenstatus erreicht hat.

Wie ist Ihr Eindruck von der Musikszene hier?
Braunschweig hat schon lange eine gute Musikerszene, ob in der Klassik, im Jazz, Pop oder anderen Genres, und hat sich immer weiterentwickelt. Es ist auch schön zu sehen, dass sich einige junge Bands wieder sehr puristisch, handwerklich orientieren und weniger Wert auf elektronische Spielereien legen.

Welche Songs wären definitiv auf Ihrer Playlist auf dem Weg zu einem Festival?
„Sittin‘ on a Fence“ von den Rolling Stones, „Falling in Love“ von Randy Newman und „Odd Job John“ von Paul Millns.

Seit mehr als zwei Jahren sind Sie schon Geschäftsführer, wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Ich habe die Zeit sehr spannend erlebt. Wir haben an unserem einheitlichen Markenauftritt gearbeitet und unsere Zusammenarbeit mit den anderen niedersächsischen Bürgersendern wie Radio Tonkuhle in Hildesheim intensiviert. Seit einem Jahr haben wir außerdem eine App, über die man unseren Stream hören kann, und zurzeit arbeiten wir an der Neugestaltung unserer Homepage.
Wie sind Sie hier verwurzelt und was lieben Sie an Braunschweig?
Ich bin 1957 in Braunschweig geboren und habe mehr oder weniger immer hier gelebt. Ich bin in verschiedenen Organisationen ehrenamtlich tätig und in die Braunschweiger Stadtgesellschaft gut eingebunden. Auch als Musiker bin ich in der Szene vernetzt und immer noch aktiv. Für mich hat Braunschweig die richtige Größe. Die Wege hier sind kurz und die Stadt hat hervorragende Parks. Natürlich darf hier Eintracht Braunschweig nicht fehlen. Ich bin im Meisterschaftsjahr zur Gaußschule gekommen und mein Sportlehrer war Johannes „Hennes“ Jäcker, der ehemalige Eintracht Torhüter. Mit ihm war ich bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden – eine der positivsten Prägungen in meinem Leben.

Was fehlt hier aus Ihrer Sicht?
Eine Location für Konzerte mit einer Kapazität zwischen 500 und 1 200 Besuchern. Das FBZ ist nunmehr seit 16 Jahren geschlossen, kaum zu glauben, dass eine Stadt wie Braunschweig derart lange für eine angemessene Nachfolgelösung braucht. Nun soll es im nächsten Jahr mit der Halle am Westbahnhof losgehen, nach dann 17 Jahren. Ich bin gespannt, auch vor dem Hintergrund, dass ich die örtliche Lage nicht sehr glücklich finde. Und ganz allgemein fehlt es uns in Braunschweig an mehr Gelassenheit, diese ewige „Frotzelei“ gegenüber Hannover geht mir auf die Nerven.

Auf welche Hörer ist Okerwelle ausgerichtet?
Unser Programm richtet sich an Menschen, die gute, abwechslungsreiche Musik hören wollen und die an umfassenden Informationen interessiert sind. Es gibt Themen, die sind so komplex, da muss man sich schon mal sieben Minuten Zeit für nehmen. Also eben nicht der kurze zwei-Minuten-Beitrag. Neben den Hörern unserer Kinder- und Jugendsendungen bildet die Gruppe „Ü-40“ einen Schwerpunkt.
Sie berichten vielfach über bürgerliches Engagement und soziale Projekte. Welches Projekt hat Sie zuletzt besonders bewegt?
Bei uns haben diese Themen tatsächlich eine große Plattform, weil sie zu oft im Alltag untergehen oder in anderen Medien unerwähnt bleiben. Wir haben im letzten Jahr an einem Projekt für Kinder mit Leseschwäche teilgenommen. Unter dem Motto „Drachen auf Sendung“ haben Kinder bei uns Drachengeschichten eingesprochen. Es war eine große Freude zu sehen, mit wie viel Spaß die Kinder bei der Sache waren.

Worauf gibt es besonders viel Feedback?
Sehr gute Rückmeldungen erreichen unsere Musiksendungen wie zum Beispiel „Playback“, „Jazz et cetera“, „Rockcity“, „OK Country“ und „Moonshiner“. Bei dem Feedback spüren wir auch im positiven Sinne kritische Anmerkungen, die wir als Anregungen gerne annehmen.

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Welche Sendungen verpassen Sie selbst nie?
Mit „Region aktuell am Morgen“ komme ich gut in den Tag. Zum Feierabend höre ich oft „Region aktuell am Abend“. Okay, manchmal verpasse ich auch eine der Sendungen, aber dann kann ich mir die ja nachträglich anhören.

Welcher Beitrag hat Sie zuletzt gefreut?
Es ist immer schwierig, etwas besonders hervorzuheben. Sehr gefreut hat mich der Beitrag über „Weihnachten für alle“, ein Hilfsprojekt für Obdachlose. Zum einen, weil es sich um eine wirklich gute Aktion handelt, und zum anderen, weil wir sehr zu der Aufmerksamkeit für das Projekt und das Thema „Obdachlosigkeit“ in unserer Stadt beitragen konnten.

Radio Okerwelle hat ein sehr breites, individuelles Programm. Lässt sich so ein Angebot heute nur noch mit Rundfunkgebühren finanzieren?
Ich glaube, es gibt auch gute kommerziell ausgerichtete Sender, die sich um sehr spezielle Musikformate bemühen. Meine Vermutung ist eher: Ein von Betriebswirtschaftlern gestaltetes Programm wird immer Gründe finden, warum Vielfalt zu teuer ist. Mit einer Mainstream-Playlist findet man einen sehr breiten Nenner, um Werbekunden zu akquirieren. Mit speziellen Sendungen und definierten Zielgruppen lassen sich solche Effekte auch erzielen, sie machen aber mehr Arbeit und sind womöglich nicht so universell. Wir bekommen zwar eine Teilfinanzierung unseres Budgets aus Rundfunkgebühren, der wesentliche Teil unserer Inhalte ist aber von der hohen Motivation unserer Mitarbeiter und dem großen Engagement von Freiwilligen und Ehrenamtlichen geprägt.

Wie positioniert sich Radio Okerwelle in der hiesigen Medienlandschaft?
Die regionale Berichterstattung zählt zu den Hauptaufgaben unseres Sendeauftrags, den wir sehr ernst nehmen. Wir beobachten kritisch, dass auch in unserer Region die Konzentration und Zusammenlegung von Printmedien und anderen Bereichen unter der Führung eines Verlagshauses voranschreitet. Dennoch glaube ich, dass unsere Region insgesamt gut aufgestellt ist. Wir wollen unsere Hörer in möglichst vielen Bereichen umfassend informieren und damit einen Beitrag für ein gutes Zusammenleben in unserer Region leisten. Die Kolleginnen und Kollegen haben ein sehr gutes Gespür dafür, was unsere Hörer interessiert und einen sogenannten „Mehrwert“ bietet. In Zukunft werden wir etwa den Bereich für lokale Bands weiter ausbauen, um dieses Alleinstellungsmerkmal noch zu schärfen. Wir sind per App vertreten und nutzen Social-Media-Plattformen, um Menschen auch auf diesen Kanälen zu informieren. Wir legen aber Wert darauf, dass unsere Kernmarke das Radio ist und bleibt. Die Resonanz unserer Hörer gibt uns dabei Recht.

„Auch wir diskutieren darüber, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch zeitgemäß ist und wir diese Gebühren brauchen.“

Welche Herausforderungen sehen Sie 2018?
Zunächst steht unser Rückzug in die Räume in der Brunsviga an, mit all den technischen Anforderungen und ohne Sendeunterbrechung. Da musste der Brandschutz überarbeitet werden, sodass wir übergangsweise in den Räumen des Gründerzentrums untergebracht waren. Darüber hinaus verfolgen wir natürlich auch den Umbruch in der Medienlandschaft. Wir hatten gerade die Volksabstimmung in der Schweiz gegen die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die damit verbundenen Gebühren. Auch wir diskutieren darüber, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch zeitgemäß ist und wir diese Gebühren brauchen. Ich selbst halte ihn für eine wichtige, stabilisierende Säule in unserer Demokratie. Im Hinblick auf wachsende Missachtung der Pressefreiheit, eines wichtigen Menschenrechts, auch hier in Europa, werden wir unseren Beitrag dazu leisten, dass zumindest unsere Hörer wissen, dass wir uns an Inhalten messen lassen und mit den Rundfunkgebühren sorgsam umgehen. Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft eine solide und gesetzliche Grundlage für unsere Arbeit gibt.

Interview Evelyn Waldt
Fotos Radio Okerwelle

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