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Die Stadt Braunschweig will Wildbienenhauptstadt Deutschlands werden. Wir befragten den Braunschweiger Bienenexperten Uwe Alpert der Imkerei Okerbienen, was jeder von uns dazu beitragen kann, um unsere Löwenstadt zum neuen Hot Spot der Wildbienen zu küren.
LR Uwe Alpert Foto Kerstin Lautenbach Hsu art
Uwe Alpert
Nicht nur durch die einseitig gewordene Landwirtschaft, sondern auch durch die Versiegelung von Flächen in den Städten finden Wildbienen immer seltener Nistplätze und damit verbunden zunehmend weniger Nahrung. Dieser Entwicklung will die Stadt Braunschweig mit entsprechenden Maßnahmen begegnen. Gemeinsam mit dem Julius Kühn-Institut hat die Stadt Braunschweig im April das Projekt „Bienenstadt Braunschweig“ mit dem Ziel, Wildbienenhauptstadt Deutschlands zu werden, gestartet. Dafür soll im ganzen Stadtgebiet eine Gesamtfläche von über 16 Hektar wildbienengerecht umgestaltet werden. „Ziel ist es, Braunschweig in ein Refugium für verschiedene Wildbienenarten zu verwandeln, in dem sie Nahrung und Lebensraum finden“, sagt der erste Stadtrat Christian Geiger, der unter anderem für den Fachbereich Stadtgrün und Sport zuständig ist, in einer Pressemitteilung der Stadt Braunschweig. So sollen seitens der Stadt auf rund 30 000 Quadratmetern Fläche mehrjährige Blühstreifen angelegt und artenreiche Stauden gepflanzt werden. Außerdem sind sechs Streuobstwiesen sowie die Pflanzung von 500 Kopfweiden und 650 weiterer Bäume geplant. Auch die Braunschweiger sind aufgerufen, etwas für den Schutz der Wildbiene zu tun.
Was eine Wildbiene eigentlich braucht, um glücklich zu sein, dazu haben wir Uwe Alpert, der die Imkerei Okerbienen betreibt, besucht und uns mal ein wenig schlau gemacht. Der Braunschweiger Bienenexperte ist seit 15 Jahren Imker aus Leidenschaft und besitzt mehrere Bienenvölker an der Oker, in der Nordstadt sowie im Klostergarten in Riddagshausen. Als wir den Braunschweiger Bienenflüsterer nach dem großen Bienensterben fragen, erklärt er uns erst einmal, dass man nicht von einem generellem Sterben spreche könne, denn es gäbe so viele Honigbienen wie niemals zuvor. Das Bienensterben beziehe sich ausschließlich auf die Wildbienen, von denen insgesamt über 560 Arten in Deutschland leben und jede davon ihre spezifischen Ansprüche habe. Daher sei es auch besonders wichtig, die bevorzugten Nistmöglichkeiten in Kombination mit den richtigen Nahrungspflanzen anzubieten. Alpert betont übrigens in diesem Zusammenhang, dass Honig- und Wildbienen in Bezug auf ihre Nahrung in keinerlei Konkurrenz zueinander stehen. Während es Honigbienen eher in die Massentracht zieht und sie Bäume wie Ahorn, Robinie oder Linde anfliegen, bevorzugen Wildbienen andere Nahrungsquellen.

Uwe Alpert kennt interessante Fakten über die Wildbienen: Im Gegensatz zu seinen staatenbildenden Honigbienen sind Wildbienen in der Regel Einzelgänger und leben solitär. Lediglich einige Arten der Furchenbienen sowie Hummeln, die ebenfalls zu den Wildbienen zählen, bevorzugen eine soziale Lebensweise. Die Wildbienenweibchen bauen während ihres vier- bis achtwöchigen Lebens vier bis 30 Brutzellen und versorgen diese ohne Partner. Nach der Begattung beginnen die Weibchen, in hohlen Pflanzenstängeln oder in Erdlöchern mit dem Bau der Brutzellen, in die sie jeweils ein Ei legen und zusätzlich mit Nektar und Pollen ausstatten. Anschließend wird die Kammer mit einem Lehmpfropf verschlossen und im nächsten Jahr schlüpft dann der Wildbienennachwuchs.

„Denn wer will schon in einem Hotel wohnen, in dem es nichts zu essen gibt?“

Dadurch, dass für Bienen wichtige Lebensräume wie Sandwege, Hecken, Totholz- oder Steinhaufen zunehmend verschwinden, finden viele Wildbienenarten keinen geeigneten Nistplatz mehr. Um dem entgegenzuwirken stellen immer mehr Gärtner sogenannte Insektenhotels auf. Die Idee an sich findet Alpert nicht verkehrt, doch man dürfe nicht vergessen, den Bewohnern solcher Nisthilfen auch ein entsprechendes Nahrungsangebot zu bieten. „Denn wer will schon in einem Hotel wohnen, in dem es nichts zu essen gibt?“ Doch welches Nahrungsangebot bevorzugen die Nektarsammler eigentlich? Wildbienen sind wahre Gourmets, die sich ausschließlich vom Nektar und Pollen bestimmter Pflanzen ernähren. Viele Gartenbesitzer pflanzen zwar Blühpflanzen und meinen damit etwas Gutes für die Bienenwelt zu tun, doch in vielen Fällen sind diese Blumen als Nahrungsangebot für Bienen und Hummeln schlichtweg nutzlos. Nicht nur, dass viele Wildbienenarten auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien angewiesen sind, sondern sie kommen bei zahlreichen Blühpflanzen wie Rosen, Pfingstrosen und anderen Beetpflanzen aufgrund der Dichte der Blütenblätter erst gar nicht an den Nektar heran.
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Wer also einen bienenfreundlichen Garten anstrebt, sollte auf bei den Nektarsammlern besonders beliebte Blühpflanzen wie Lavendel, Glockenblumen und Margeriten setzen. Auch Kräuter wie Liebstöckel oder Oregano und blühende Beerensträucher werden sehr gerne angeflogen. Und Bienenexperte Uwe Alpert hat noch einen besonderen Tipp für Hobbygärtner: „Die Menschen sollten lernen, die Schönheit in den vermeintlichen Unkräutern zu sehen und einfach für eine grüne Schmutzecke im Garten sorgen.“ Optimal sei es, wenn man hier wilden Wein, Hopfen oder Brombeere ungehindert wuchern lassen würde, denn so hätten Wildbienen ein gutes Nahrungsangebot. Wir haben beschlossen, dass auch wir dazu beizutragen werden, damit unsere Löwenstadt Wildbienenstadt Deutschlands wird.

Text & Fotos Kerstin Lautenbach-Hsu

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