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 Interview mit AwesomeBraunschweig-Initiator Vladimir Afonichev

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Gemütliches Beisammensein während der Pitchnight.

In nahezu jedem von uns schlummert ein kleiner Unternehmer oder zumindest das Bedürfnis, seine Stadt etwas schöner und lebenswerter zu gestalten. Dabei ist es völlig egal, wie groß oder klein die Veränderungen sind. Das AwesomeBraunschweig unterstützt gemeinnützige Ideen mit einem privaten Funding von 1000 Euro und hilft dem Gewinner mit seinem regionalen Netzwerk, eventuell auftretende Barrieren aus dem Weg zu räumen. Die Awesome Foundation ist eine weltweite Community, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt mit gemeinnützigen Projekten ein Stück lebenswerter zu machen; das Awesome Project Braunschweig ist ein Teil dieser Bewegung. Das Prinzip, das hinter der Aktion steckt, ist vergleichsweise simple: 20 Personen spenden jeweils 50 Euro, um ein gemeinnütziges Projekt zu fördern. Awesome bringt dann die Spender und die Ideengeber bei der Pitchnight, wo die Ideen dem Publikum vorgestellt werden, zusammen. Im Anschluss wird abgestimmt, welche Idee gewinnt und wer sich über die 1000 Euro freuen darf. Die nächste Pitchnight findet am 4. April im TRAFO HUB in Braunschweig statt und wird dabei von der KreativRegion Braunschweig-Wolfsburg unterstützt. Wir sprachen mit Initiator Vladimir Afonichev über AwesomeBraunschweig.
Vladimir, du hast das „Awesome Project“ in Braunschweig ins Leben gerufen. Worum geht es dabei und wo hat das Projekt eigentlich seinen Ursprung?
In einer digitalen Welt sind wir zunehmend vernetzt und die Anzahl unserer sogenannten „digitalen“ Freunde ist enorm gestiegen. Gleichzeitig ist die Kommunikation extrem digital geworden und Aktionen in der realen Welt werden gefühlt seltener. Ich möchte die Gemeinschaft zusammenbringen und in der realen Welt kleine und feine Projekte erschaffen. Als Referenz kann hier zum Beispiel die Vision aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ dienen. Die Welt Stück für Stück schöner machen. Wie machen wir das? Wir sammeln von 20 Spendern, den sogenannten Trustees, die an die Idee von Awesome glauben, jeweils 50 Euro ein und bekommen somit einen Gesamtbetrag von 1000 Euro zusammen. Alle zwei bis drei Monate machen wir eine Pitchnight, einem Science Slam nicht unähnlich, in der Initiatoren von gemeinnützigen und sozialen Projekten ihre Idee auf der Bühne vor den Trustees und einem interessierten Publikum vorstellen. Anschließend wird über ein Publikumsvoting und eine Abstimmung der Trustees entschieden, an welches Projekt das Geld ausgeschüttet wird.
Wie bist du auf das Awesome Project aufmerksam geworden?
Ich saß mit einem Freund zusammen und wir haben überlegt, wie man in der heutigen Zeit Menschen zusammenbringt, um die Community zu verbessern. Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Freund von ihm ein Awesome Chapter in Leidern in Holland gegründet hat. Ich bin dann schnell rüber gefahren und hab mit ihm zwei, drei Tage vor Ort gesprochen. Dann ging es los.

Was hat dich am Meisten an der Aktion fasziniert?
Die Einfachheit der ganzen Geschichte. In Deutschland sind gemeinnützige Aktionen häufig sehr bürokratisch. Um sich eine Gemeinnützigkeit anerkennen zu lassen, muss man durch recht viele Ringe springen. Wir umgehen das ganze Prinzip. Wir machen eine Grass Roots Bewegung, die im Grunde ein Crowd Funding für die Community ist.

Du schenkst Leuten 1000 Euro für ihre Projektidee und dass, ohne daran irgendwelche Bedingungen zu knüpfen. Geld nimmt doch jeder gerne, oder? Oder stößt du dabei an irgendwelche Grenzen?
Es gibt tatsächlich sehr starke Vorbehalte. Die Menschen glauben schlichtweg nicht, dass jemand 1000 Euro ohne irgendwelche Auflagen verschenkt. Ich habe schon alle Theorien gehört. Wir würden versuchen, gute Ideen für das Geld zu kaufen, wir würden AFD-Mitglieder werben oder es aus anderen niederen Beweggründen tun. Fakt ist, dass wir es wirklich machen, weil wir Bock haben, die Stadt schöner zu machen.

Was glaubst Du, warum die Leute eher misstrauisch sind, wenn man ihnen einfach so Geld schenken möchte?
Weil sie es nicht gewohnt sind.

Wie viele Leute spenden Geld?
Es sind immer 20 Leute. Wir versuchen die Gruppe der Spender möglichst divers zu halten, damit die Abstimmung über den Sieger eine möglichst große Bandbreit unserer Bevölkerung widerspiegelt.

Wer kann Geld spenden?
Jeder! Von dem kleinen Mädchen, das sein Taschengeld sinnstiftend spenden will, bis zum sehr alten Opa.

Was sind das für Menschen, die einfach so ihr Geld spenden? Welche Beweggründe gibt es für sie?
Die Menschen, die bei Awesome als Spender mitmachen, sind in der Regel sehr motivierte Kreativköpfe, Entrepreneure und Wohltäter. Ich würde sagen, dass alle mit denen ich nach den Events gesprochen habe, stets sehr glücklich waren zu sehen, dass in der Stadt etwas passiert. Es sind Menschen denen gefällt, dass es da coole Köpfe gibt, die was bewegen wollen und denen manchmal nur ein kleiner Kickstart fehlt, um ihre Idee umsetzen zu können.

Warum findet das Projekt bei den Spendern so viel Anklang?
Weil sie das Geld nicht einfach an eine Charity Organisation spenden, die in der Ferne versucht, irgendwas zu verbessern, sondern an Menschen, die das direkte Umfeld, in dem auch die Spender leben, verbessern wollen.

Welche Ziele verfolgst du persönlich mit dem Projekt?
Ich persönlich möchte gerne Braunschweig zeigen, dass mit Engagement, geringen finanziellen Mitteln und durch den Zusammenhalt einer Community, viel bewegt werden kann. Ansonsten macht es mir auch einfach nur Spaß, die Events zu moderieren.

Du bietest den Leuten eine Open Stage, auf der sie ihre Projektidee vorstellen können. Weißt du im Vorfeld immer, welche Projekte präsentiert werden?
Ich kenne in der Regel zumindest den Grundgedanken der Idee. Ich versuche, alles weitere zu vermeiden. Ich will nämlich von den Pitches genauso überrascht werden wie das Publikum. Es gab auch schon Leute, von denen ich nur den Namen kannte. Oder es wurden komplett spontane Vorträge aus dem Publikum gehalten, die nicht angekündigt waren, weil es eben eine Open Stage ist.

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AwesomeBraunschweig-Initiator Vladimir Afonichev

Wer entscheidet darüber, wer letztendlich den Zuschlag bekommt?
In unseren bisherigen Events haben die 20 Spender entschieden, wer gewinnt. Diesmal wollen wir auch das Publikum mitentscheiden lassen. Dieses Feedback habe ich nach den letzten Sessions gekriegt. Wie genau wir es umsetzen, wissen wir noch nicht. Aber das Publikum wird eine Stimme haben.

Wie oft findet die Open Stage statt?
Bisher haben wir einen Turnus von drei bis vier Monaten. Wir würden es gerne öfter machen, aber es ist leider so, dass wir aktuell nicht genug Leute finden, die gerne 1000 Euro haben wollen. Für uns ist es leichter, 20 Leute zu finden, die 50 Euro spenden, als genügend Personen die 1000 Euro haben wollen und damit etwas Sinnvolles anstellen. Sollten sich irgendwann mehr Leute melden, würden wir das Event gerne regelmäßig alle zwei Monate machen.
Zwei Mal fand das Awesome Project bereits statt. Welche sozialen Projekte haben dabei gewonnen?
Die ersten Gewinner waren die Codenauten. Sie wollen eine Programmierschule für Kinder aufmachen. Sie haben ein Spiel entwickelt, das wirklich Spaß macht und gleichzeitig Kindern das Programmieren beibringt. Wie geil ist das denn! Mit dem Geld werden die Codenauten hundert Stück von dem Spiel herstellen und es kostenfrei an Jugendzentren und Schulen verteilen.

Der zweite Gewinner Curilab möchte gerne eine neue Art der Dokumentation in der Altenpflege einführen. Dazu soll ein sprachgesteuertes System entwickelt werden, welches Pflegekräften ermöglicht, ihre Aufzeichnungen und Dokumentationen per Sprachbefehlen aufzuzeichnen. Dabei werden der Datenschutz und die IT-Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Das Programm soll in einer gemeinnützigen GmbH der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.
Wie läuft so eine Pitchnight ab?
Die Veranstaltung findet im Trafo Hub statt. Diesen richten wir gemütlich mit Sofas, Sesseln und Tischen her. Viele Leute bringen Kekse mit. Ansonsten werden Getränke verkauft. Vorne ist eine Bühne und ab 19 Uhr fange ich mit der Moderation an. Ich rufe die Teilnehmer auf die Bühne und sie haben circa fünf bis zehn Minuten Zeit, um ihre Idee zu pitchen. Nach dem Pitch gibt es immer eine Diskussionsrunde, in der das Publikum und ich Fragen stellen. Wenn alle mit dem Vortrag fertig sind, zieht sich die Jury zurück und diskutiert etwa fünf Minuten, wer gewinnen soll. Anschließend verkünde ich den Sieger. Wer möchte, bleibt dann noch zum Netzwerken und Kekse essen.

Diesmal haben wir unser Programm erweitert. Wir fangen schon um 18 Uhr mit zwei Benefiz Konzerten an. Jonny S und die Band Kurzmal werden jeweils 30 Minuten spielen und es wird gegrillt. Die Einnahmen aus den Verkäufen von Getränken und Lebensmitteln gehen übrigens auch an den Gewinner. Wir wollen keinen Eintritt nehmen. Das Event ist also vollkommen kostenfrei.

Vielen Dank, lieber Vladimir für den spannenden Einblick in das Awesome Project.

Wer auch eine gemeinnützige Idee hat und dafür etwas Startkapital braucht, findet unter www.facebook.com/awesomebraunschweig die nötigen Infos.

Text Kerstin Lautenbach-Hsu
Fotos Vladimir Afonichev

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