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Afrob

18. April |

Volkswagen Halle (BS)


Afrob verabschiedet sich mit seiner neuen Platte von allem Druck und Erwartungen.
Gelassen kommt er mit „Abschied von Gestern“am 18. April zu
Pop Meets Classic in die Volkswagen Halle.
KF Afrob Rapper c 2019 Georg Roske 01 art
Mit den Massiven Tönen ging er zur Schule, mit den Fantastischen Vier ist er getourt, mit Samy Deluxe hat er zwei Alben gemacht und Ferris MC hat er den Nickname „Reimemonster“ verschafft – wenn jemand im deutschen Rap-Game weiß, wies läuft, dann Afrob. Seit über 20 Jahren ist er auf der Bildfläche. Nach sechs Solo- und zwei ASD-Alben haut Afrob „Abschied von Gestern“ raus – eine Platte, die plötzlich irgendwie ganz anders klingt. Afrob präsentiert sich darauf absolut gechillt und reduziert – authentisch und ehrlich erzählt er auf diesem sehr persönlichen Album, welches ein Babyfoto von ihm ziert, seine Geschichte. Ein paar Jahre lebte Afrob auch in Braunschweig und lernte hier Deutsch, bis er in seiner Jugend seine Fühler im Stuttgarter Freundeskreis von Max Herre ausstreckte. Am 18. April macht sich der mittlerweile in Hamburg lebende Musiker ganz vorbildlich mit dem Zug für „Pop Meets Classic“ auf den Weg zurück in die Löwencity. Afrob hat sich für uns Zeit genommen und ganz gemütlich über Hip-Hop, das Leben, die persönliche Selbstfindung und ein friedliches Miteinander philosophiert.
Im April kommst du für „Pop Meets Classic“ nach Braunschweig. Was reizt dich an dem Format?

Ich habe schon immer Klassik-Samples verarbeitet, da hatte ich nie Berührungsängste. Wenn es einen tollen 4/4-Takt gab und es ein geiles Sample war, dann habe ich das auch mal stundenlang gehört. Musik ist immer eine Symbiose. Zwar ist es auch der Sinn der Sache, sich auf etwas einzulassen, von dem man keine Ahnung hat, aber jeder gibt von seinem Metier etwas ab und diese Zusammenkünfte sind immer interessant, auch wenn sie mal in die Hose gehen. Ich bin sehr neugierig.

Wie ist es für dich, nach all der Zeit in Braunschweig aufzutreten?

Letztens musste ich mal wieder in Braunschweig umsteigen und dann denke ich immer daran, dass ich meine ersten Jahre hier verbracht habe und meine Schwester in Niedersachsen geboren wurde. Mittlerweile habe ich aber leider kaum noch Bekannte hier. Vor ein paar Jahren war ich mal wieder in der Weststadt und habe mir nochmal das Hochhaus angeguckt, in dem ich aufgewachsen bin und ehrlich gesagt war ich froh, dass wir da weg sind. Mittlerweile ist die Weststadt bestimmt zum Hipster-Viertel geworden. Sobald die Baukräne kommen – run for your life! (lacht)
Dein neues Album trägt den Namen „Abschied von Gestern“. Ist das dein Abschied aus dem Musikgeschäft?

Ich mache das schon sehr lange und klar denkt man auch mal darüber nach, aufzuhören, aber der Titel des Albums hat damit direkt nichts zu tun. Das ist natürlich immer ein Spiel mit den Titeln, die man Platten oder Songs gibt. No King rules forever und wenn ich wüsste, dass morgen niemand mehr meine Platten kauft, dann wäre ich auch fein damit. Da wäre ich nicht verbittert und frage mich, warum mich keiner mehr feiert. Ich habe oft gesehen, dass Leute ne tolle Karriere hatten und die ist natürlich auch irgendwann zu Ende, aber ich fühle mich noch gut. Ich glaube, das Wichtigste für Leute mit einer langen Karriere ist, dass sie auch in der Lage sind, sie selbst zu beenden und nicht aufzuhören, weil es keiner mehr hören möchte – das wäre eine Katastrophe. Man muss den Absprung finden und wissen, wann Schluss ist, aber ich glaube, bei mir ist das noch nicht so weit.
KF Afrob Rapper c 2019 Georg Roske 02 art

Heutzutage wird ja jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Wie sehr beeinflusst dich das beim Texten?

Ich denke, die Angst, dass man sich vielleicht nicht so gut erklären kann, die falschen Vokabeln benutzt und das Gegenüber gar nicht mehr zuhört, hat man immer – auch im privaten Leben. Da hofft man natürlich auf sein Gegenüber, dass der auch wirklich am Kern der Geschichte interessiert ist und somit diese Missverständnisse nicht so im Weg stehen. Klar gibt es auch so mal Missverständnisse und die müssen auch geklärt werden, aber das Wichtigste ist, dass man das Vertrauen hat, dass die Leute, die dir zuhören, auch wirklich verstehen wollen, was du sagst.

Das ist besonders in Social Media schwierig… 

Die ganzen Anfeindungen online – this is just a matter of records. Das gehört irgendwie einfach dazu. Aber jeder Mensch, der irgendetwas schreibt, macht sich darüber Gedanken, was andere Leute, die das dann lesen oder hören, darüber denken. Die Frage ist halt, wie leicht man sich davon einschränken lässt und wie frei man sich machen kann. Das muss jeder für sich wissen. Das ist immer ein Eiertanz. Die Scham ist aber bei mir seit fünf, sechs, sieben Jahren weg. (lacht) Die Leute sagen so oder so etwas und meiner Erfahrung nach ist es besser, dass sie was sagen. Die Hoffnung, dass man sich erklären kann, ist da und dann geht’s weiter.

Wie entsteht ein Song bei dir und woraus ziehst du deine Inspiration?

Das ist viel von der Musik, die ich bekomme. Meine Produzenten sind mir da ganz ganz wichtig und die sind auch sehr nah an mir dran. Die wissen auch, wenn ich privat mal ne schlechte Woche habe oder so. Mir ist es wichtig, dass die Leute, mit denen ich zusammen arbeite, mich verstehen. Das sind auch gute Freunde und dann philosophieren wir auch mal stundenlang über Sound und dann kommt da auch mal was rum. Ich gehe nie zu einem Produzenten und sage, ich möchte das, das und das und das ist dann vielleicht etwas, was er sonst nicht macht. Für mich ist das Unsinn. Wenn ich weiß, was ich soundmäßig möchte, gehe ich zu meinen drei, vier Leuten und dann besprechen wir das und ich gucke, was zurückkommt. Je nachdem, was dann da ist, fange ich an, an den Songs zu arbeiten und lasse mich dann davon inspirieren – musikalisch. Die Texte kommen dann von den Gesprächen mit Menschen, was man überall so mitkriegt und halt selbstverständlich meine Geschichte. Das ist ein riesiger Mischmasch. Ich finde aber, meine Themen sind sehr unterschiedlich – da muss man aber auch aufpassen, dass der rote Faden noch bleibt.

„Wenn du weißt, wer du bist, dann kannst auch besser mit anderen umgehen.“

Du bist schon 20 Jahre im Musikgeschäft. Wie hat sich der öffentliche Meinungsaustausch in dieser Zeit verändert?

Alle kriegen mit, wie sich das verändert. Ob unter Freunden, im Familienkreis oder sonst wo – die Leute trauen sich gar nicht mehr, zu sagen, was sie denken. Da komme ich wieder zum Zuhören: Das Wichtigste ist, dass man sich zuhört und dass auch verarbeitet wird, was einem gesagt wird. Dann kann man ja immer noch argumentieren. Aber die Stimmung da draußen ist wirklich hochexplosiv und das ist ja nicht nur in Deutschland so. Überall ist es gespalten; die einen finden die Richtung besser, die anderen finden die andere Richtung besser und da werden schnell mehrere Lager aufgemacht. Jeder hat natürlich seine Interessen, manche haben sogar das gleiche Ziel! Aber sie wählen unterschiedliche Wege, um da hin zu kommen. Es ist unglaublich kompliziert geworden, sich in der Öffentlichkeit auch mal missverständlich zu äußern, ohne dass da gleich die Guillotine kommt.
Siehst du „Abschied von Gestern“ selbst als dein persönlichstes Album? 

Das persönlichste Album ist es nur wegen der Themen, klar. Aber das Album davor, „Mutterschiff“, war auch recht persönlich. Ich hab da, glaube ich, jetzt in meinem gestandenen Alter so meine Schwerpunkte gefunden, mit welchen Themen ich mich auseinandersetzen will und da gehört halt das Persönliche dazu. Man ist ja auch ehrlich zu sich und zu anderen Menschen und hat ja mittlerweile auch andere Gespräche mit den Menschen, als noch mit 20 Jahren. Dann geht man auch mehr in die Tiefe und stellt fest, dass es den anderen eigentlich genauso geht. Man ist mehr gewillt, auch mal seine Schwächen zuzugeben und dann redet man drüber und merkt, dass man nicht alleine mit einem bestimmten Gefühl ist. Das gibt einem vielleicht auch den Mut, sich an solche Themen heranzuwagen.

Was hat es mit dem Albumcover auf sich? Bist du das?

Klar ist es etwas sehr intimes und persönliches, sich als Baby so vorne aufs Cover zu packen – schwach, verletzlich. Aber es gibt auch Vorbilder für diese Art von Cover, gerade auch im Rap ist es nicht das erste Baby-Cover. Ich fand das Bild perfekt.
KF Afrob Rapper c Carl Michael Grabinger art
Auf dem Album ist keiner der Beats schneller als 90bpm. Warum hast du so ein gemütliches Tempo gewählt? 

Tempo rauszunehmen ist immer mutig. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass ich das andere alles schon bedient habe, diese Uptempo-Sachen und Club-Hit-Dinger. Ich muss das nicht zum zwanzigsten Mal bedienen. Das war mir einfach zu wenig und dann hatte ich auch ein bisschen Musik vorliegen, die langsamer war, und da habe ich mich so nach und nach dran abgearbeitet. Das hat funktioniert, aber manchmal, wenn ich meine Sachen dann nochmal höre wenn sie draußen sind, denke ich auch mal „Aaah, warum habe ich das so gemacht, hätte ich das mal lieber anders gemacht, warum klingt das so, warum rappst du so.“ Und irgendwann ist mir aufgefallen, dass wirklich nichts über 83bpm geht. Ich wollte es dieses Mal alles eher reduziert machen, mit viel Platz für die Stimme. Mit dem Bass haben wir auch viel experimentiert. Die Grundsachen, das Melodische, die Drums – das klang alles direkt wirklich richtig gut. Die Arbeit war dann das ganze Drumherum – was nimmt man raus, wie schnell soll es sein. In den letzten Jahren habe ich viel reduced. Vor ein paar Jahren konnte bei mir ein Song nicht vollgepackt genug sein und es gab keinen Platz mehr für nichts. Dann habe ich gelernt, hier und da mal was rausnehmen. Früher war es so, dass ich alles, was ich nicht gehört habe, dann halt lauter gemacht habe und so wurde alles immer lauter und dann zerfällt alles. Da bin ich vorsichtiger geworden.

Mit „Abschied von Gestern“ machst du einen Schlussstrich mit Erwartungen und Druck. Wie hast du das geschafft?
War das ein schwerer Prozess für dich? 
Man muss zu sich selbst finden. Wenn du weißt, wer du bist, dann kannst du auch besser mit anderen umgehen. Und die Leute müssen einfach wieder kritikfähig werden. Man muss Sachen auch mal in Frage stellen dürfen, dann kommt auch wieder der Dialog. Weil wir es mit Menschen zu tun haben –Menschen, die kann man nun mal nicht programmieren – geht das nur über den Dialog, zumindest wenn man es friedlich möchte. Deshalb rate ich jedem, auch wenn es leichter gesagt ist als getan, ein bisschen mehr Selbstvertrauen zu haben. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen und ich empfehle jedem, ehrlich genug zu sich selbst zu sein und zu wissen, was man kann und sich dann in diesem Feld zu spezialisieren. Hat man da dann auch eine Expertise, macht die einen immun gegen Kritik, weil man quasi immer eine Antwort auf das hat, was einem vorgeworfen wird.

Wo siehst du deine Stärken und Schwächen?

Ich finde, ich bin ein guter Zuhörer. War ich schon immer. Und jetzt kann man drüber streiten, ob das eine Stärke ist, denn manche sehen es als Manko, aber ich bin ein sehr kompromissbereiter Mensch. Ich kann beide Seiten verstehen, auch wenn sie mir nicht immer gefallen. Ich kann Leute sehr gut einschätzen und das sind Attribute, bei denen ich sage, dass sie vielleicht ein Mehrwert sind – auch für die Menschen um mich herum. Auf der anderen Seite gebe ich keine guten Interviews. (lacht) Da kommt wieder der Druck, auf jede Frage eine kluge Antwort zu geben – vor allem ich, mit meinem Background. Da muss ich eigentlich besser performen. Ich könnte auch etwas sozialer sein, mehr raus und mehr unter Menschen gehen. Ich investiere so viel in meine Arbeit, dass da kaum Zeit für Sachen übrig bleibt, die eigentlich genauso wichtig sind.

„Manchmal wünsche ich mir, einfach nochmal die Chance zu haben, Abitur zu machen. Das wäre eine riesige Chance gewesen.“

KF Afrob Rapper c 2019 Robert Zemichiel art

Wie hat es sich letztendlich angefühlt, das Album dann so zu veröffentlichen?

Das war einfach ein riesen Kraftakt. Ich war froh, als es dann vorbei war und endlich rauskam im November. (lacht) Als das dann rauskam, stand ich zwar zwei Tage vor einer Tour – das war zuerst natürlich Erleichterung, aber dann kam direkt die nächste große Aufgabe – aber die Resonanz der Leute – man stellt sich ja immer was vor, was man für Reaktionen haben möchte von den Leuten, die die Platte hören – war super. Das war schon sehr nah an dem, was ich mir gewünscht habe. Die Defizite, wenn man das so nennen will, die ich hatte, war eine geringe Frauenquote und das hat sich über die letzten zwei, drei Jahre – also nicht nur mit der Platte sondern auch schon davor – sehr verändert und da bin ich sehr stolz drauf. Dann hatte ich auch noch eine große Umstrukturierung – dass ich das kurz vor der Tour überhaupt noch fertig stellen konnte, war eigentlich ein Wunder. Ich war froh, dass es vorbei ist. Und das ist jetzt meine siebte Platte und ich bin einfach nur froh, dass sie draußen ist.
Wie lange hast du an dem Album gearbeitet?

Das waren locker eineinhalb Jahre. Ich brauche sehr lange für die Soundfindung. Auch inhaltlich, bis ich weiß, was ich eigentlich sagen will, das dauert unglaublich lange. Und dann das Executen, das geht dann recht schnell. Das Schreiben macht die meiste Arbeit.

Wo wärst du heute, wenn du nicht Musiker geworden wärst? 

Das ist sehr schwer zu beantworten, denn ich kam ja direkt aus der Schule und habe sofort einen Vertrag unterschrieben. Ich wüsste gar nicht, welche anderen Interessen ich in dem Alter gehabt hätte, die ich mit ins Berufsleben genommen hätte. Ich war begeisterter Fußballspieler und habe mich für Sport interessiert. Manchmal wünsche ich mir, einfach nochmal die Chance zu haben, Abitur zu machen. Das wäre eine riesige Chance gewesen und ich hätte sagen können, dass ich studieren will. Aber wenn ich mir andere Jobs so angucke – vielleicht wäre ich ein guter Hotelmanager geworden. (lacht) Mich interessieren aber auch Geschichte und Politik sehr. Wäre ich an die Uni gegangen, wäre ich vielleicht Archäologe geworden und hätte noch Politikwissenschaft studiert.

Wie hat sich Rap deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Für mich ist aktueller Rap das, was es ist. Ich finde das okay, weil ich Rap halt mag. Inhaltlich kann man natürlich darüber streiten, aber ich finde handwerklich ist das alles extrem gut geworden. Rap ist mittlerweile unglaublich melodisch – manchmal sind Strophen ja nur noch acht Takte und da wird ja kaum noch gerappt. Dann kommen Bridges, Pre-Hooks, Hooks, Outros… alles wird gesungen. Ich bin sehr musikfixiert und wenn mir etwas musikalisch gefällt, dann sind mir manchmal sogar die Lyrics wayne. Generell ist dieser aktuelle Chartmarkt aber ein ganz anderer als früher – das ist eigentlich ein Instagram-Game. Mittlerweile signt man die Artists je nachdem, wie viele Follower sie auf YouTube oder Instagram haben. Es gibt so viele Leute, die sich darüber beschweren, dass es nur noch die ganzen Trap-Sachen in den Charts gibt und keine richtige Musik mehr, aber es gibt einen Haufen Leute wie mich, die noch gewissenhaft Musik machen – die sind da! Aber denen fehlt halt der Support und da braucht man sich nicht wundern, wenn es Strömungen gibt, nach denen sich natürlich Magazine und Sendungen richten, weil sie dadurch Klicks und Zuschauer kriegen. Und die kriegt man mit Artists, die sowieso schon laufen. Man muss Musik irgendwo aber auch als Entertainment sehen – auch beim Musikhören gönne ich allen ein bisschen Gelassenheit.

Interview Louisa Ferch
Fotos Georg Roske, Robert Zemichiel, Carl-Michael Grabinger

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