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Ein kulturelles Musikzentrum: Das Klangwerk am Elm hat seine
Pforten für leidenschaftliche Musiker:innen geöffnet.
KF Klangwerk am Elm c Louisa Ferch art
Verschlägt es einen mal etwas außerhalb der Stadtgrenze von Braunschweig, ist es immer wieder überraschend, wie schnell sich die Gegend verändert, sobald man den Weg in Richtung Elm eingeschlagen hat: eine immer hügeliger werdende Landschaft, unberührte Natur und verschlafene Dörfer. Der Elm liegt eigentlich unmittelbar vor der Tür, jedoch verirren sich Löwenstädter eher selten dorthin. Allerdings hat der Elm nicht nur aufgrund seiner Flora und Fauna einiges zu bieten, hier und da schlummern auch einige kulturelle Tempel. So etwa auch das traditionsreiche Wirtshaus Wegwarte in Lucklum, deren ehemalige Betreiber mit dem WegArt e. V. vor gut zwei Jahren auch einen Verein zur Förderung von Kultur im Braunschweiger Land gegründet haben. So erklingt seitdem regelmäßig ein vielseitiges regionales bis internationales Musikprogramm durch den Elm.
Aber auch in Destedt wird es in Zukunft musikalisch: Dort eröffnete vor kurzem Musiker Markus Schmidt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Lars Haverlah das Klangwerk am Elm und hat sich damit seinen Traum von einem musikalisch-kulturellen Zentrum verwirklicht. Auf rund 375 Quadratmetern haben die beiden Macher am Westrand des Elms in den letzten zweieinhalb Jahren ein Paradies für Musiker:innen und Bands erbaut, die in professioneller und dennoch entspannter Atmosphäre musizieren, proben, recorden oder einfach kreativ sein wollen. Mit fünf nigelnagelneuen Räumen, einer gemütlichen Lobby und jeder Menge kreativem Spirit hat das Klangwerk Einzug in das historische Gut der Wasserburg in Destedt gehalten. SUBWAY hat der frischgebackenen Musikoase einen Besuch abgestattet.
Bau deinen Traum
„Herzlich willkommen im Klangwerk“, mit diesen Worten werden wir von Markus direkt wärmstens empfangen. Alteingesessene Musiker:innen aus Braunschweig erkennen ihn sofort wieder als Überbleibsel der Crossoverband Jammin*INC und Betreiber des ehemaligen Tonstudios Boomshop an der Gliesmaroder. „Damals musste ich wegen Eigenbedarf aus dem Tonstudio raus und ich bin aufs Dorf gezogen“, erzählt der leidenschaftliche Musiker, während er uns durch das eindrucksvolle Klangwerk führt. „Im Laufe der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich es brauche, laut zu sein und mit meiner Band Vollgas zu geben!“, führt er weiter aus. Zwar arbeitet Markus mittlerweile als Programmierer, doch die Musik braucht er für seinen Seelenfrieden. Also begann die Suche nach einer geeigneten Location, um sich musikalisch richtig entfalten zu können. „Ich habe ewig nix gefunden bis auf das hier“, schaut sich Markus um. Inzwischen sieht es hier bestens aus, frisch gestrichene Wände in waldgrün, neuer Teppichboden und hier und da wurde auch schon ein wenig mit Postern dekoriert. „Viel zu groß, alt, brüchig. Eigentlich war alles Mist und auch viel zu groß. Aber mit 'ner Pulle Rum haben mein Geschäftspartner Lars und ich dann beschlossen: Scheiß drauf, wir bauen da jetzt Proberäume rein – und jetzt sitzen wir hier“, schmunzelt er. Eine klassische Schnapsidee, die heute Früchte trägt. In den alten, sanierungsbedürftigen Gebäuden warten nun fünf frische, etwa 30 Quadratmeter große, selbst gebaute Räume darauf, mit Musik und Leben gefüllt zu werden und können ab sofort angemietet werden.


KF Klangwerk am Elm 3 c Klangwerk am Elm art
KF Klangwerk am Elm 3 c Louisa Ferch art
KF Klangwerk am Elm 4 c Klangwerk am Elm art
Raum der Wünsche
Viele hiesige Musiker:innen sehnen sich nach einem Proberaum für ihre Band, in dem man sich voll und ganz künstlerisch entfalten und austoben kann, in dem die Akustik gut und die Atmosphäre entspannt ist. Einen Ort, den man zum Bandreich gestalten kann und im besten Fall noch andere Künstler:innen in der Umgebung hat, mit denen man sich austauschen kann. Nur so kann die Kreativität angeregt werden und der musikalische Spirit wachsen. Leider gleichen die meisten Proberäume in Braunschweig und Umgebung eher einer kalten Garage oder einem feuchten Keller – und das für ein Heidengeld.
„Ich wollte hier alles besser machen, was ich an anderen Proberäumen immer scheiße fand“, stellt Markus klar. Und das hat er in feinster Detailarbeit auch umgesetzt: Alle Räume haben eine eigene Stromversorgung, sind barrierefrei, beheizt, belüftet und nahezu schalldicht – „man kann hier Schlagzeug spielen – das geht in den wenigsten Räumlichkeiten!“, schwärmt der erfahrene Studiobetreiber.

„Scheiss drauf, Wir bauen hier jetzt Proberäume rein“

Die leidenschaftliche Philosophie, die die Basis des Klangwerks am Elm bildet, hat schon hiesige Musiker:innen angefixt: Die Band Slow Hands hat bereits einen Proberaum angemietet und während wir uns auf unserer Begehungstour durch das Klangwerk von einem Raum zum nächsten vorarbeiten, treffen wir auf den Braunschweiger Rapper Monotyp, der hier ebenfalls in Zukunft musikalisch arbeiten wird und sich gerade sein Projektstudio im Klangwerk einrichtet. „Ich wusste sofort, dass das hier ein mega Projekt ist, bei dem ich dabei sein möchte“, erzählt er SUBWAY euphorisch, „nach einem kleinen Vorstellungsgespräch war klar, dass es zwischenmenschlich passt und jetzt habe ich hier ein tolles Tonstudio.“ Zuvor hat der Rapper seine Musik immer im improvisierten Heimstudio aufgenommen, doch nun war die Zeit reif, sich zu professionalisieren. „MDB39 ist inzwischen ein Label geworden, in dem viel Herzblut steckt. Ich möchte andere Künstler produzieren und mein Hobby zum Beruf machen“, freut sich der ambitionierte Künstler.
Was aus den übrigen freien Räumen wird und wer dort einzieht, steht noch in den Sternen. Das Klangwerk hat jedoch auch schon das Interesse der Destedter:innen geweckt und so stehen bunte Ideen von einer Musikschule über einen Tanzsaal bis hin zum Proberaum für das Akkordeon-Orchester auf der Liste dessen, was hier entstehen könnte. „Sogar der Bürgermeister kam schon mit kühlem Bier vorbei und wollte wissen, was hier abgeht!“, lacht Markus. Wer weiß – vielleicht schnappt sich die Gemeinde noch einen Raum für die Mehrzwecknutzung und so könnte das Klangwerk vielfältig und bunt genutzt werden – „dann wären unsere Wünsche erfüllt: Ein durchmischtes, diverses Zentrum, an dem sich Kreative am Tresen austauschen und wohlfühlen können “, meint Markus.
Es wird also Zeit, wieder mal einen Ausflug in den Elm zu machen und dabei vielleicht dem neuen Musikreich einen Besuch abzustatten. Wenn euer Herzensprojekt schon länger in euch schlummert und nur noch den richtigen Raum braucht, findet eure Idee möglicherweise im Klangwerk ein passendes Zuhause.

Text Louisa Ferch
Fotos Louisa Ferch, Klangwerk am Elm

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