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Tocotronic

9. November/ GroßerHausBesuch

Staatstheater, Großes Haus (BS)

Zum Auftakt der hochkarätigen Konzertserie „GroßerHausBesuch“ spielt die Avantgarde-Ausnahmeband Tocotronic im Großen Haus des Braunschweiger Staatstheaters.
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Aus unseren Jugend-Helden von einst, die in Vintage-Trainingsjacken und mit wuscheligen Scheitelfrisuren eine individuelle Pop-Résistance ausriefen, ist heute eine der etabliertesten deutschen Avantgarde-Bands geworden. Zu Beginn ihrer Karriere haben Tocotronic mit Grunge-Geschrammel und melancholischem Gesang den deutschsprachigen Indie-Pop neu erfunden. Mit kunstvoll verrätselten Texten auf der einen und poetischen Parolen auf der anderen Seite, haben sie der unzufriedenen Jugendgeneration der 90er aus der Seele gesprochen, die einer kleingeistigen und ignoranten Gesellschaft den Rücken kehren wollte.
Seither hat sich die Ausnahmeband stetig und drastisch neuerfunden wie kaum eine zweite. Nach ihrem ersten Nummer-1-Album „K.O.O.K.“ von 1999, das für Fans aufgrund seiner neuen, sehr ungewohnten Kompositionen einen großen stilistischen Einschnitt bedeutete, stehen Tocotronics Langspieler kontinuierlich in den Top 10. Und 23 Jahre nach ihrem erfolgsprägenden Titel „Michael Ende, du hast mein Leben zerstört“ schrieben die Hamburger im vergangenen Jahr mit „Die Unendlichkeit“ einen weiteren Teil ihrer eigenen „Unendlichen Geschichte“. Mit dem Album eroberte das Quartett schließlich wieder die Chartspitze. Das Konzept der immer neuen Wiedergeburt macht sich bewährt.
Zum individuellen Appeal der Band passt nun auch ihr Konzert am 9. November in einer besonderen Eventlocation. Zum Auftakt der Konzertreihe „GroßerHausBesuch“ spielen Tocotronic im Braunschweiger Staatstheater das erste von sechs Konzerten – vor sitzendem Publikum. Ein außergewöhnliches Konzertkonzept in einer außergewöhnlichen Location für eine außergewöhnliche Band, die dunkel, schön und märchenhaft einen Querschnitt aus mehr als 25 Jahren Bandgeschichte präsentieren werden.
Die Aftershow-Party zum Konzert – ebenfalls im Theater – wird übrigens kein passenderer Lokal-DJ als Riptide-Inhaber Chris Rank aka DJ Butch Cassidy musikalisch gestalten, der Tocotronic würdige Vinyl-Sets mit selbstredend jeder Menge Hamburger Schule spielen wird. Zum zweiten „GroßenHausBesuch“ am 25. Januar werden übrigens Kettcar kommen. Mehr Programmvorschau war zum Redaktionsschluss leider noch nicht spruchreif. Was das Staatstheater Braunschweig und Hauptsponsors Volkswagen Financial Services jedenfalls versichern, ist dass zwei bis dreimal pro Theatersaison die ganz Großen der deutschen und internationalen Pop-Musik-szene für die neu initiierte Reihe gewonnen werden sollen. Das Interesse aufseiten der Künstler sei bisher sehr positiv.
Mit Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow haben wir uns vor Beginn des „GroßenHausBesuchs“ zum Interview verabredet.
Mehr als 25 Jahre Tocotronic, Dirk. Wie schaut ihr auf diesen Zeitraum zurück, in dem ihr euch stetig weiter entwickelt habt? Und wie blickt ihr dem gegenüber in die Bandzukunft?
Weil wir immer gearbeitet haben, ist uns die Zeit gar nicht so lange vorgekommen. Wir waren eher überrascht, dass wir die 25 schon voll haben. Wie zum Beweis für diese These arbeiten wir gerade an einem neuen Album.

Seit „K.O.O.K.“ steht ihr stabil in den Top 10. Was bedeutet euch dieser messbare Erfolg?
Das Gelingen in künstlerischer Hinsicht war uns in all den Jahren immer am wichtigsten. Wenn ein Album, ein Konzept, aufgeht, sind wir glücklich. Jedes unserer zwölf Alben ist ein in sich geschlossenes, dabei aber zugängliches Kunstwerk. Welche Wichtigkeit es im eigenen Kanon hat, lässt sich oft erst mit etwas Abstand beurteilen, aber einen Platz haben alle Alben. Um dahin zu gelangen, bedarf es oft harter Arbeit und vieler Irrungen und Wirrungen. Deshalb freut es uns natürlich, wenn sich diese Arbeit und der damit verbundene Erfolg auch in Zahlen niederschlägt. Denn das bedeutet ja letztendlich nur, dass unsere Hörer mit uns weitergehen wollten.
… und was bedeuten euch Musikpreise?
Wir haben in unserer Laufbahn genau zwei Preise gewonnen, die „1live Krone“ und den Viva-„Comet“ in der Kategorie „Jung, Deutsch und auf dem Weg nach oben“. Letzteren haben wir seinerzeit wegen dieses auch politisch fragwürdigen Namens abgelehnt ... Wir glauben das beantwortet die Frage schon, oder?

Mit Genreschubladen ist das zwar immer so eine Sache, aber würdet ihr eure Musik als Pop bezeichnen?
In 25 Jahren und zwölf Alben haben wir vielleicht in gewisser Hinsicht unser eigenes Genre begründet. Zumindest wäre dies wünschenswert. Wir sind dann zufrieden, wenn unsere Musik „tocotronisch“ ist.

„Es geht uns wahrscheinlich sehr stark um Freiheit“

Der Genrebegriff Indie ist heute in der Musikkultur allgegenwärtiger denn je. Was an eurer Musik ist wirklich Indie? Was bedeutet euch Unabhängigkeit?
Es war uns in der Vergangenheit stets wichtig – und wird in der Zukunft für uns immer wichtig sein –, dass wir in unserer Musik genau das machen, was wir machen wollen. Es geht uns wahrscheinlich sehr stark um Freiheit. Aber Freiheit kann nicht unabhängig von anderen existieren. Sonst führt das zur Beliebigkeit und Selbstzufriedenheit.

Eine Anekdote zu eurem letzten Konzertbesuch?
Wir haben auf dem „Maifeld Derby Festival“ mit Steven Malkmus, einem Helden unserer Anfangstage, gespielt und uns am späteren Abend angeregt und in Wehmut mit ihm über den Abriss des Kaisers-Supermarktes in der Winsstraße in Berlin unterhalten. Das war lustig.

Welche Gedanken gehen euch bei der Erstellung der Setlist für das Konzert mit sitzenden Besuchern im Großen Haus des Staatstheaters durch den Kopf?
Die Positionen der Betrachter und Betrachterinnen sind etwas anders, auch die Raum-Akustik im Theater unterscheidet sich von der in Rock-Clubs. Aber wir versuchen, unser Zusammenspiel immer den jeweiligen Bedingungen anzupassen. Es ist ein ständiger Forschungsprozess.
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Macht es die Show auch irgendwie zu einem Theaterstück, wenn die Leute viel stärker beobachten, als zum Beispiel durch Tanz auf euch zu reagieren?
Theaterstück wäre jetzt übertrieben. Aber die Situation ist etwas intimer, auch kleine Gesten und Details fallen auf, das ist eigentlich eine sehr schöne Sache. Sowohl für uns, als auch für die Zuschauer, finden wir. Dass einige Personen in der Band sich für verhinderte Schauspieler halten, trägt noch dazu bei.

Spielt ihr gern vor sitzendem Publikum?
Wir haben schon öfters in Theatern gespielt, in Berlin oder in Hamburg etwa. Ein besonders feierlicher Moment ist es immer, wenn sich die Zuschauer im Laufe des Konzerts von ihren Sesseln erheben. Vielleicht passiert das auch in Braunschweig ...?

Geht ihr selbst gern ins Theater? Wo wart ihr zuletzt?
Wie schon erwähnt: Teile der Band sind Theaternarren und identifizieren sich mit der Schauspielkunst als solcher, andere haben es damit nicht so. „Black Maria“ von René Pollesch war zuletzt ein schöner Abend im Deutschen Theater Berlin.

Interview Benyamin Bahri
Fotos Michael Petersohn

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