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Mr. Irish Bastard

10. März / Eulenglück (BS)

Die Folk-Punk-Instanz Mr. Irish Bastard gastiert auf ihrer „The Desire for Revenge“-Tour auch im Braunschweiger Eulenglück. Zudem erscheint Anfang März ihr gleichnamiges viertes Studio-Album. Und am 17. ist auch noch St. Patrick’s Day. Na dann, Cheers!
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Mit Wurzeln in der Punk- und Skaszene bewegt sich Mr. Irish Bastards Sound heute irgendwo zwischen The Pogues, Dropkick Murphys und Flogging Molly. Was mal ganz klein als Münsteraner Folk-Trio begann, ist heute ein zehnköpfiger Haufen bunter Vögel, der singend, grölend, jubelnd und dudelnd um die Welt reist. Highlights all der hochprozentigen Tourerei der vergangenen Jahre waren mehrwöchige Aufenthalte in China und Japan, wo alles so anders zu sein scheint. Oder doch gar nicht so anders? Wir haben uns mit dem „Irish Bastard himself“, dem irischstämmigen Sänger der Band unterhalten.
No offence, aber Münster ist nicht Dublin: Wie irisch ist Mr. Irish Bastard überhaupt? Habt ihr nicht ein Kredibilitäts-Problem?
Mr. Irish Bastard ist sehr irisch. Meine Familie und meine Eltern sind beide aus Irland. Ich habe meine Familie in Irland, den USA und in England, wie viele andere Iren. Auswanderung ist ein großer Teil der irischen Geschichte. Weltweit gibt es 50 Millionen Menschen mit irischen Wurzeln. Schau dir gerade die USA an. In New York gibt es mehr Iren als in Irland. Wir haben da auf keinen Fall ein Kredibilitäts-Problem.

Habt ihr schon in Irland gespielt? Gibt es einen Ort in Irland oder auf der Welt, an dem ihr gern spielen würdet?
Wir haben zwar in China und Japan und in 15 weiteren Ländern gespielt, auch im UK, aber in Irland waren wir noch nicht. Aber das kann ja noch kommen. Ich würde gerne St. Patrick’s Day in New York und dann tags drauf in Boston spielen. Das wäre mal was.
Was sind deine stärksten Erinnerungen an all die Konzerte in China und Japan?
Mit Japan kommt man recht schnell zurecht. Es ist zwar alles sehr anders, aber wenn du in Tokio stehst und die Werbebanner siehst, macht es bei dir Klick im Kopf, weil du damit Sachen verbinden kannst. In China ist das ganz anders. Alles ist anders. Komplett anders. Sogar innerhalb von China merkst du Unterschiede, zum Beispiel zwischen Shanghai und Peking. Es ist einfach so ein großes Land, in dem man zweimal hinschauen muss, um es zu verstehen. Aber wir bewegen uns ja in einer Punk-Rock-Subkultur. Die Subkultur ist überall gleich. Der Muff von schalem Bier und kaltem Schweiß in einem Punk-Club in Peking unterscheidet sich nicht von Berlin oder London. Das ist ein Stück Heimat.

Crowdsurfing in Shanghai ist für uns das gleiche, wie in Wacken

Aber wie passt das überhaupt zusammen? Irische Musik und fernöstliche (Sub-)Kultur?
Das passt überraschend gut zusammen. Die Instrumente in unserer Band, also Banjo, Mandoline, Tin Whistle und Akkordeon – das ist alles sehr irisch. Aber du kannst dir sicher sein, dass es auch in China und in vielen anderen Ländern ein ähnliches Instrument gibt und in der Folk-Musik des Landes auch schon ewig gab. Das ist vielleicht etwas kleiner oder größer, hat mehr oder weniger Saiten, aber erfüllt den gleichen Zweck. Als ob einer Draht, einen Schaf- oder Sonstwas-Hintern und Holz hatte und sich gedacht hat, ich hab jetzt etwas Zeit und schaue mal was ich damit bauen kann. Und diesen Typen gab es scheinbar überall (lacht).

Wie erklärt ihr euch aus euren Erfahrungen, dass es in Asien einen so großen Markt für „westlichen“ Punk, Folk, Ska und so weiter gibt?

Ich weiß gar nicht so genau. Alle Bands, die wir in Japan gesehen haben, konnten ihre Instrumente irre gut spielen. Alle Clubs, in denen wir gespielt haben, hatten super Technik und Tontechniker, die übrigens auffällig oft weiblich waren und stets wahnsinnig gut. Vielleicht nimmt Musik dort einen anderen Stellenwert ein. Vielleicht ist es ein kultureller Gegenpol, der das Lebensgefühl der Leute gut abbildet. Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit? Eskapismus?

Was ist der große Unterschied zwischen dem deutschen und dem japanischen Publikum?
Wir ziehen ja grundsätzlich ein positives, feierwütiges und vielseitig interessiertes Publikum an. Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder auf Unterschiede achtet, in dem wir demjenigen zuhören, der am schrillsten schreit, nicht demjenigen, der etwas Schlaues sagt. Es gibt aber deutlich mehr, was uns verbindet, als was uns trennt.

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Wir haben gerade bei unseren Touren gemerkt, dass die Menschen doch alle ähnliche Interessen verfolgen, egal was man dir erzählt. Sie wollen Glückund dass es ihren Lieben gut geht. Und sie wollen auch gelegentlich Fünfe gerade sein lassen und feiern. Dabei unterscheiden sie sich in dem Bereich, in dem wir uns bewegen, gar nicht so voneinander. Crowdsurfing auf dem Midi Festival in Shanghai ist für uns das Gleiche wie in Wacken. Die Subkultur ist ein stärkerer Faktor als alles andere. Der Spaß an der Musik verbindet. Und das ist gut so.

Vor welchem Auftritt seid ihr nervöser: Tokio-Shibuya oder vor heimischem Publikum in Münster?
In Münster zu spielen ist schon nervenzehrend. Vor allem, weil dann Leute kommen, die du kennst und vielleicht schon eine Weile nicht gesehen hast. Und du stehst dann auf der Bühne und musst in deren verwirrtes Gesicht schauen, weil sie gerade versuchen zu verstehen, warum hunderte Leute zu einem Konzert kommen, mit dem du zu tun hast, obwohl du früher so doof warst. Ach ja, und Freunde sind natürlich schonungslos in der Analyse.

Am 2. März erscheint euer neues Album „The Desire for Revenge“, wenige Tage später geht es auf große Deutschland-Tour: Worauf freut ihr euch am meisten?
Die Songs vom Küchentisch auf ein Album und dann auf eine Bühne zu bekommen, ist schon etwas Tolles. Ich erinnere mich sehr genau an Refrain-Fetzen, die mir irgendwie eingefallen sind, ich sofort zur Gitarre gerannt bin, um dann den Textfetzen mit einem Tonfetzen an der Gitarre zu verbinden, eine Melodie zu finden und dann über eine längere Zeit fertig zu schleifen. Das ist eine sehr intensive Erfahrung, die nur von der Live-
Darbietung geschlagen wird. Man kann lose sagen: Das ist die Pflicht, jetzt kommt die Kür. Eine große Klassenfahrt mit der Klasse 5b.

Spielt ihr lieber Festivals oder Clubs – und warum?
Wenn man Bands wie den Rolling Stones diese Frage stellt, dann sagen die immer: Lieber Clubs! Damit meinen die aber eine Halle mit 5 000 Leuten. Für ein richtig gelungenes Konzert, bei dem eine Verbindung zwischen Band und Publikum entsteht, ist die Statistik nicht ausschlaggebend. Die Sterne müssen sich wie bei einer Perlenkette einfach in Reihe aufgliedern. Wann und wo das passiert, weißt du nicht. Das kann in dem heißen Club sein, wo Leute extra für dich gekommen sind, oder in einer lauen Sommernacht, in der es dir gelingt, Leute, die dich nicht kennen, zu begeistern.

Album und Tour heißen „The Desire for Revenge“. An wem wollt ihr euch rächen?
(lacht) An keinem speziell! Aber Rache ist, so glaube ich, ein Urinstinkt. Ich glaube, sie entsteht aus einem Sinn für Gerechtigkeit. Was ist gerecht, was ungerecht? Was ist richtig, was falsch? Das war für mich so eine logische Klammer für das Album. Ich beobachte gerne Menschen, die sind so faszinierend wie abartig. Es gibt so viele Abgründe, so viele Handlungen aus einem ungesunden Egoismus heraus. Und diese Abgründe sind überall. Überall um dich herum. Und du bist ein Teil davon. Spannend.
Und in welcher Stimmung oder Situation sollte ich euer neues Album hören?
Erfahrungsgemäß sehr laut nach zwei Flaschen Rotwein nackt auf einem Bärenfell vor dem Kamin. Also nicht aus eigener Erfahrung.

Was sind eure schönsten Konzert-Erinnerungen an den St. Patrick’s Day?
Wir haben in München im „Backstage“ immer im kleinen Saal gespielt. Eines Tages am St. Patrick’s Day kamen wir dann zu unserer Show und stellten fest, dass die in einen anderen Saal verlegt wurde, der schon gut groß ist. Dann habe ich mein Glas auf St. Patrick gehoben und ihm zugeprostet.

Am 17. März ist es wieder soweit. Wie feiern Mr. Irish Bastard den St. Patrick’s Day?
Wir feiern das neue Album und wir feiern, dass wir alle als Mannschaft das Privileg haben, jetzt wieder zusammen unterwegs sein zu dürfen.
Ok, vielen Dank für das Interview, Irish Bastard. May the blessings of St. Patrick behold you!
Vielen Dank ebenfalls. May your purse always hold a coin or two!
 Album Tipp
„THE DESIRE FOR REVENGE“

Brachial, melodiös – tanzbar. An diesem Album kommt man als Folk-Punk-Fan eigentlich nicht vorbei. Neu ist die Geige. Die Bastarde betreten sogar vorsichtig Pop-Neuland, bekanntlich schrecken sie ja live auch nicht vor Covern wie „Livin‘ la vida loca“ zurück, wenn auch parodiös. Dennoch bleibt alles kompromisslos Moshpit-tauglich. Perfekt zum Saufen und Raufen.
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Interview Benyamin Bahri
Fotos Tim Hackemack, der nöBär: Bildergraphy

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