Interview mit der Braunschweiger Band GR:MM | Bevor es GR:MM gab, gab es Nudelsuppe. Der Legende nach legten die jetzigen Bandmitglieder Andreas, Alexander, Gideon und Markus Buchstaben auf einen Teller – der Name war entstanden. Die Alternative-Punk-Gruppe macht vor allem gesellschaftskritische, selbstreflexive aber auch politische Musik auf Deutsch. Ihre Debüt-EP „GRMM“ erschien Anfang des Jahres, die vier traten unter anderem bei der TU Night auf und werden am 30. Juni beim Crammer Rock im Hof dabei sein. Uns erzählten sie im Interview warum man auch mal über den Tellerrand schauen und im September wählen gehen sollte.

GRMM Live 1 c Sven Hoppmann 01
Hallo an alle, wie habt ihr euch als Band in Braunschweig zusammengefunden?
Alex Die zwei Kapellen, in denen wir vor GR:MM gespielt haben, hatten gegenüberliegende Proberäume. Nachdem diese dann wegen Eigenbedarf des Vermieters aufgelöst wurden, saßen wir sozusagen alle auf der Straße. Ziemlich schnell war dann klar, dass Andreas, Markus und ich Bock haben, zusammen Musik zu machen. Wir haben dann glücklicherweise einen neuen Proberaum gefunden und zu dritt angefangen, ein paar Sachen auszuprobieren. Dabei wurde schnell klar, dass wir uns um noch eine Person erweitern wollten. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Sänger. Das war allerdings schwieriger als gedacht. Denn jemanden zu finden, der es mit uns aushält und gleichzeitig Bock auf die Art von Musik hat, die uns vorschwebte, war schier unmöglich. Auf Gideon traf das alles jedoch zu. Der Haken war nur, er war Gitarrist und kein Sänger. Naja auf jeden Fall kein besonders guter. (lacht) Schließlich war uns das Zwischenmenschliche einfach wichtiger und Andreas freundete sich auch mehr und mehr mit dem Gedanken an, wieder zu singen. Rückblickend betrachtet waren das alles ausnahmslos gute Entscheidungen. Und so wurde aus zwei Bands eine neue.

Wer schreibt die Songs und Songtexte, gibt es einen bestimmten kreativen Prozess?
Gideon Das Schöne an Musik ist, dass sie gemeinsam entsteht. Es gibt eine oder mehrere Ideen und vier verschiedene Musiker, die auf ihrem Instrument die Ideen interpretieren. Wenn es dann alle schaffen, diese Interpretationen auch gemeinsam vorzutragen, entsteht ein neuer Song. Ist eigentlich kein großes Geheimnis – kein Genie im Hintergrund.

Geht auf lokale Konzerte! Es gibt so viele gute Bands in der Region.

Eure Debüt-EP hat auf Amazon noch keine Bewertungen. Welchen Kommentar würdet ihr gerne dort lesen?
Gideon „Funktioniert ohne Probleme. Der Service war super und ich würde das Produkt jederzeit weiterempfehlen.“
Andreas „Diese EP macht betroffen!“
Alex Gerne eine negative Bewertung, die sich allerdings nicht aus den Floskeln : „Klingt wie ...“ , „Das is wie ... nur in schlecht“, „von ... abgekupfert“ zusammensetzt, sondern sich kritisch mit unserer Musik auseinandersetzt.
Markus „Beste EP der Zeit.“

… dort würde dann stehen: Kunden, die GR:MM kauften, kauften auch … ?
Andreas Musik von den Forkupines, The Deadnotes, Val Sinestra, Cut Off Kites. Und natürlich lebensnotwendige Dinge wie: „Batman hält die Welt in Atem“, Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Action-Figur Leonardo, Gizmo von den Gremlins als Plüschfigur …
Gideon Lyrik von Rolf Dieter Brinkmann, Aluhüte, Thomas Mann, Sandalen, Tennissocken und Haarschneidemaschinen.
Markus Smoothiemaker und Rotkäppchen-Sekt.

Welche Gigs sind euch besonders in Erinnerung geblieben?
Alex Nicht unbedingt der technisch beste aber auf jeden Fall der beeindruckendste war das „Rockstadl“ in Gnarrenburg. Das war zum einen mit fast 500 Menschen das größte Publikum, vor dem wir bis dato gespielt haben, und zugleich das euphorischste und dankbarste. Ein klasse Indoor-Festival. Der mieseste war wohl der Auftritt im Molotow in Hamburg. Wir hatten erst um 0.30 Uhr Stage-Time und uns alle wohl hinsichtlich der Menge des Alkohols, den wir bedenkenlos vor einer Show zu uns nehmen können, enorm verschätzt. Dadurch klappte alles nicht so wie gewollt. Dann hat auch noch die Technik versagt. Das sorgte dann für extrem schlechte Stimmung.

Am Ende des Videos zu „Tellerrand“ ist der Claim „Kein Mensch ist illegal“ zu sehen. Wie politisch ist eure Musik?
Gideon Voll gut, dass sich Menschen noch Videos bis zum Ende angucken! Besonders im Song „Tellerrand“ äußern wir uns klar politisch. Denn wir sind politisch interessierte Menschen und stehen für unsere Ideale ein. Das geschieht auch in unseren Songs. Es geht in unseren Liedern aber eher um Gesellschaftskritik oder Selbstreflexion und persönliche Entwicklung.
Andreas Es war uns wichtig, mit „Tellerrand“ auf gewisse Missstände hinzuweisen und Kritik an der heutigen Gesellschaft zu üben, in der man blind dem vertraut, was irgendwer irgendwo geschrieben oder gelesen hat. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die gezielt rassistische, homophobe oder sexistische News streuen und es gibt zu viele, die auf den Zug aufspringen, ohne zu hinterfragen.

GRMM Live 2 c Sven Hoppmann 02

Ein anderer Titel heißt „Apoikia“, was verbirgt sich hinter diesem griechischen Begriff?
Gideon Apoikia war im alten Griechenland eine Siedlungskolonie. Verallgemeinernd kann man sagen, es handelte sich um einen Heimathafen, der nicht der Ort ist, wo man geboren wurde, aber dennoch ein Zuhause darstellte. Apoikia ist also kein konkreter Ort, vielleicht eher ein Gefühl, irgendwo anders zu sein, aber dennoch ein Zuhause zu finden. Es geht um den Wunsch nach Aufbruch, sich nicht einzureihen und zu warten bis man aufgefordert wird, sondern das Unvorstellbare zu machen und einfach loszuziehen.

Geht ihr im September wählen?
Andreas Definitiv! Da gibt es für mich keine Ausreden. Argumente wie „Meine Stimme ändert doch eh nichts!“ sind in Zeiten wie diesen obsolet. Um zu sehen wie schnell die Kacke am Dampfen ist, brauchen wir auch nicht unbedingt über den großen Teich zu blicken. Die AfD erreichte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aus dem Stand 24,3 Prozent – und das bei einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 61,1 Prozent. Das ist eine Katastrophe, wenn du mich fragst. Wir dürfen dem Rechtsruck keine Chance geben.

Warum trinkt ihr so viel Sekt?
Gideon Warum denn nicht? Kann man gut mit anstoßen. Schmeckt annehmbar. Ist im Einkauf recht günstig. Und der Abend ist nicht ganz so schnell vorbei wie mit Korn. Wobei Tequila-Pop, also Tequila mit Sekt, auch immer eine Option darstellt.

Möchtet ihr sonst noch was loswerden?
Gideon Jip. Ohne Skotty wär hier gar nichts los.
Andreas Hab dich lieb, Mama!
Alex Geht auf lokale Konzerte! Ja, Festivals sind geil und so. Aber ganz ehrlich: Immer nur Billy Talent und Rise Against wird auf Dauer auch ganz schön langweilig. Es gibt so unsagbar viele gute Bands bei euch in der Region, die es verdient haben, gehört zu werden. Geht auf diese Konzerte, kauft deren Platten oder Shirts. In den allermeisten Fällen sind die deutlich hübscher als so ein Festival-Shirt mit Backprint von den immer gleichen Bands – und das Lächeln des Gegenübers, wenn man von einer „unbekannten“ Band eine Platte kauft, ist eh unbezahlbar.

 

Interview: Katharina Holzberger
Fotos: Sven Hoppmann, Andreas Rodemann

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