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Der Dresdener Untergrundrapper Gossenboss mit Zett droppt am 12. März seine zehneinhalb-Track-starke Platte „No Future“.
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Wer bei diesem Rapper mit seltsamen Namen denkt, dass schon wieder irgendein testosterongetriebener Pumper meint, die Modus-Mio-Playlist stürmen zu müssen, irrt: Gossenboss mit Zett mischt schon seit 2008 im Rapgame mit, interessiert sich null für Trends und versorgt viele treue Fans im Underground mit Musik. Statt Autotune-versifften Oden an Codein stehen bei Gossenboss mit Zett roughe Beats, ein reduzierter Boombap- Sound und intelligente Lyrics gespickt mit sympathischer Bodenständigkeit auf der Tracklist. „No Future“ heißt die neue Platte des Dresdeners, die am 12. März auf den Markt kommt.
Die Gosse als Wegweiser
Erste größere Aufmerksamkeit erlangte der Boss der Gosse 2011 mit seiner Single „Linseneintopf“, die auf YouTube die Halbe- Millionen-Klicks-Marke knackte. Damals trug der Rapper noch eine Maske und ließ mit seinem Straßen-Flow, Jogginghosen- Vibe und basslastigen Sound starkes Aggro-Berlin-Feeling aufkommen: jung, improvisiert und assig. Was damals mit einer jugendlichen Schnapsidee begann, der auch der sagenumwobene Künstlername zu verdanken ist, hat sich inzwischen zu einem ambitionierten Projekt entwickelt – immerhin ist „No Future“ bereits die vierte physische Platte, die der Rapper rausbringt. 2013 droppte er „Nichtsz“, 2015 folgte „Das unantastbare Einkaufswagenimperium“ und 2017 gabs „100 Kilo schlechter Rap“ auf die Ohren. In der Zwischenzeit veröffentlichte der Mittdreißiger zahlreiche Free-Download-Alben und Singles. „Gerade so um 2016/17 rum ging’s relativ wild zu – da habe ich selbst keinen Überblick mehr, was wir so alles ins Internet geladen haben“, lacht Tim aka Gossenboss beim SUBWAY-Interview ins Telefon.
Heute hingegen hat das Schaffen von Gossenboss mit Zett an Struktur gewonnen: „Mein Leben hat sich mittlerweile ein bisschen geändert, ich bin auch älter und erwachsener geworden. Ich wohne jetzt in einer ganz normalen Mietwohnung und es ist auch nicht mehr so unaufgeräumt“, witzelt der Rapper. Trotzdem bleibt er sich auch auf seinem neuesten Werk treu: „,No Future‘ ist kein konzeptionelles Album oder so. Es ist für mich einfach nochmal ein bisschen das, was ich vorher schon gemacht habe, manifestiert und auf den aktuellen Stand gebracht – qualitativ, textlich, inhaltlich.“
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Handgemachter Anti-Rap
Geprägt von der Straße und seiner Jugend in Dresden hat Gossenboss etwa mit zwölf zum Rap gefunden, obwohl er mit seiner gesellschaftskritischen Attitüde auch dem Punkrock nie abgeneigt war: „Ich hätte mir sicherlich auch vorstellen können, eine Punkband zu haben. Rap war aber in dem Moment, in dem ich damit angefangen habe, einfach das große Ding für mich und auch zum Selbermachen einfacher zugänglich“, so Gossi. Selbst mit dem Rappen angefangen hat Gossenboss allerdings erst in seinen Zwanzigern: „Bis dahin habe ich immer nur Musik gehört und hatte eigentlich überhaupt keinen Zugang, ein Studio oder die Möglichkeit zum Aufnehmen. Das habe ich mir dann Stück für Stück selbst erarbeitet und dann ein, zwei Kontakte gefunden, zum Beispiel Cana, mit dem ich bis heute noch Musik mache und der auch jetzt auf ,No Future‘ einen Beat gemacht hat. Der hat mich damals geteacht und ich hab mir das so nach und nach erarbeitet und mich reingefuchst“, schildert
der sympathische Rapper. „Heute fangen die Kids mit 14 an und sind schon unglaublich gut. Ich bringe jetzt mit über 30 eine Platte raus – aber so ist das“, lacht er. Der Dresdener Untergrundrapper Gossenboss mit Zett droppt am 12. März seine zehneinhalb-Track-starke Platte „No Future“.
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Dafür ist „No Future“ keine kurzweilige Platte mit totproduzierten, zweiminütigen Tracks, die nur für Spotify taugen. „Es gibt verschiedene Themen – im Großen und Ganzen sind es Alltagsbeobachtungen. Es geht natürlich viel um Rap, aber auch politische Inhalte oder Winks mit dem Zaunpfahl“, erklärt der Musiker. Trotz der vernünftigen Grundhaltung, die der Scheibe zugrunde liegt, rappt Gossenboss mit Zett lässig und leicht, intelligent und trotzdem cool über den dreckigen, staubigen Klangteppich aus klaren Beats und Samples. „Ich weiß, dass dieser Sound nicht der brandheiße Scheiß ist. Das interessiert mich und die Leute, die mich schon lange hören, aber nicht“, reflektiert der Boss. Dennoch nimmt er kein Blatt vor den Mund – es juckt ihn nur einfach nicht, wer der Babo ist und was Universal will: „Ich will nicht mit krassen Business-Arschlöchern zusammenarbeiten müssen, die nur Dollarzeichen in den Augen haben. Solange ich das alles realisieren kann und da vielleicht noch ein paar Euro übrig sind, ist alles cool.“ Auf den Punkt bringt er diese Einstellung etwa im Song „Fernsehturm“, welcher nicht nur die neueste Single ist, die am 19. Februar released wurde, sondern auch der Lieblingstrack des Rappers selbst. Als kleinen Bonus wird der Refrain des Songs noch einmal im abschließenden elften Track als Punkrock-Version aufgegriffen.
Spannend wird „No Future“ vor allem da, wo sich Kontraste treffen: Während die Scheibe an sich – ebenso wie das Art-Design und die ersten Single-Videos – eher düster daherkommt, bringen einen ironische Tracks wie „Karl Heinz“ zum Schmunzeln und der butterweiche Liebesbrief an die Familie „Papa ist zurück“ gemeinsam mit Danger Dan zum Schmelzen. Gossenboss zeigt auf „No Future“, dass Deutschrap nicht grimmig, muskulös und Gucci-gepimpt sein muss, Gossenboss kann auch im Opel Combo richtig aufgedreht und abgefeiert werden.
Gossengoldene Zukunft?
Auch wenn es der Titel des Albums „No Future“ nicht unbedingt vermuten lässt, blicken wir mit Gossenboss mit Zett immerhin samt guter Musik auf den Ohren in die Zukunft. „In erster Linie geht es mir mit diesem ganzen Gossenboss-Ding darum, Spaß zu haben. Das ist ein Liebhaber-Projekt und findet vielleicht auch in einer gewissen Nische statt. Wir zählen nicht verbittert irgendwelche Klicks und es ist okay, wenn da nur 4 000 Follower auf Insta sind, die den Scheiß lieben und den Rest der Welt interessiert es nicht“, konstatiert der authentische Rapper, „mir reicht das Privileg, mit meinen Freunden diesen ganzen Blödsinn machen zu können und wenn es Leute gibt, die das feiern, ist das für mich das Größte!“ Von dieser Einstellung können sich nicht nur die Deutschrap-Kollegen eine Scheibe abschneiden, denn ein bisschen Leichtigkeit und Gelassenheit schadet uns allen in diesen strapazierenden Zeiten nicht. Scheißt auf Trends und Likes auf Social Media und macht einfach mal, worauf ihr Bock habt.

SOLANGE ICH DAS ALLES REALISIEREN KANN UND DA VIELLEICHT NOCH EIN PAAR EURO ÜBRIG SIND, IST ALLES COOL

Gossenboss mit Zett
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Text
Louisa Ferch
Fotos Danny Kötter/The Zitterman

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