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SON mit Fernweh-Sound aus Braunschweig

SON mit Fernweh-Sound aus Braunschweig | Nebel hängt in der Luft, es riecht nach Torf. Über schroffen Felsen und grünen Anhöhen liegt eine andächtige Ruhe. In der Ferne sieht man die Lichter eines Dorfes. So ähnlich könnten die Bilder aussehen, die sich beim Hören der EP „Nebraska“ von SON vor dem inneren Auge abspielen. SON ist Timo Scharf, der in Braunschweigs Musikszene bereits viel unterwegs war. Jetzt wagt er sich auf Solo-Pfade. Wir haben mit ihm über Reisen, Musik und Spurensuche geredet.

Timo, berichte einmal von deiner musikalischen Reise: Wie waren deine Anfänge?
Ich habe tatsächlich sehr früh meine Begeisterung für die Musik entdeckt. Eigentlich habe ich schon als Kind immer und überall gesungen. Meine Eltern waren begeistert (lacht). Nachdem ich meine Familie jahrelang mit den damals aktuellen Radiohits und Titelsongs meiner Lieblings-Fernsehserien genervt hatte, habe ich angefangen in Chören zu lernen. Ich habe nie so etwas wie eine klassische Gesangsausbildung absolviert. Das war mir irgendwie zu statisch. Mal abgesehen davon, dass so etwas arschmäßig teuer ist. Der Musikunterricht meiner damaligen Schule war auch nicht besonders modern, sodass es für mich lange gedauert hat, musikalisch irgendwo anzukommen. Dann kam „Grunge“. Das war, als würde mich jemand wach rütteln. Als Jugendlicher begann ich, eigene Songs zu schreiben. Bis dahin konnte ich allerdings noch kein Instrument spielen. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich wirklich ausprobieren konnte.

Und wie bist du zum Singer-Songwriter geworden?
Es hat mich sehr gestört, dass ich meine Texte nicht alleine untermalen konnte. Ich war immer auf die Mitarbeit eines Instrumentalisten angewiesen und darauf wie der- oder diejenige den Song interpretiert. Musik zu machen, ist für mich eine intime Sache. Wenn man mit einer Band Musik macht, gibt man als Songschreiber einem Raum voller Leuten die innersten Gedanken und Gefühle preis. Das bedeutet große Überwindung und fiel mir früher sehr schwer. Mit Anfang zwanzig habe ich deshalb angefangen, Gitarre zu spielen. Da konnte ich mit mir alleine sein und Songs so schreiben, wie ich sie empfinde. Bis dahin hatte ich in diversen lokalen Punk- und Rockbands gesungen und vorwiegend Songs gecovert. Darauf hatte ich keine Lust mehr und habe begonnen an eigenen Kompositionen zu arbeiten. Ich habe dann eine eigene Band gegründet. Das hat riesig Spaß gemacht und ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln. Nachdem sich meine letzte Band Anfang 2015 aufgelöst hatte, wollte ich zu den Wurzeln meines musikalischen Schaffens zurück und habe angefangen, Songs auf der Akustikgitarre zu schreiben. Seit ungefähr zwei Jahren bin ich unter dem Namen SON unterwegs.

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Fernweh ist oft Bestandteil meiner Gedankenwelt. Ich verarbeite das Gefühl wirklich oft in Songs.

SON hat britische Wurzeln, wie ist das passiert?
Um mein Songwriting zu verbessern, habe ich Ende 2014 an einem Workshop in Großbritannien teilgenommen. Der Dozent war Rod Jones, ein bekannter britischer Songwriter (Gründer der Band Idlewild; Anm. d. Red.). Ihm gefiel meine Arbeit, sodass er mich gefragt hat, ob wir nicht zusammen arbeiten wollen. Ich habe „Ja“ gesagt, wir haben uns in Schottland zum Arbeiten getroffen und gemeinsam eine EP produziert. 

Hat deine Zeit in Schottland Spuren hinterlassen?
Ich glaube dadurch, dass die gesamte Produktion, inklusive des ersten Musikvideos, in Schottland entstanden ist, wurde einfach ein bisschen Schottland in SON eingefangen. Für mich als Musiker hat die Zeit dort definitiv viele Türen geöffnet, sowohl was die Arbeit mit Kollegen angeht, als auch auf meine musikalische Entwicklung. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Und deine Weltreise? Was hat dich beeindruckt? 
Oh, das alles zu erzählen würde den Rahmen sprengen. Ich durfte wirklich viele tolle Sachen erleben - aber auch schlimme Dinge wie Armut, Ungerechtigkeit, Diebstähle und Bedrohungen – vor allem in Asien. Ich schätze, das gehört zur Gesamterfahrung einer Reise um die Welt dazu. Was mich an vielen Orten, wie zum Beispiel in Neuseeland oder den USA sehr beeindruckt hat, war die Weite und die wunderschöne Natur. Man ist im Alltag so geschäftig, dass man völlig den Bezug zu solchen Dingen verliert. Wie schade und auch unnatürlich das ist, fiel mir auf. Klingt sehr „hippieesque“, aber wenn man eine solche Reise mal gemacht hat – und nicht nur mit dem „Touri-Bus“ von Hotel zu Hotel, dann sieht man die Welt mit anderen Augen. Sollte jeder einmal machen.

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Hast du einen ultimativen Reisetipp?
Definitiv Japan!

Wie gehst du mit Fernweh um?
Fernweh ist oft Bestandteil meiner Gedankenwelt. Ich verarbeite das Gefühl wirklich oft in Songs. Ich beschäftige mich viel mit Themen, wie zum Beispiel den richtigen Weg oder Platz in der Welt zu finden, mit Einsamkeit, Bindungen und Familie. Das ist der thematische Schwerpunkt meiner Musik.

Im August ist deine EP „Nebraska“ erschienen – wie würdest du die Grundstimmung beschreiben?
Manisch-depressiv! (lacht) Nein, aber ich würde die Grundstimmung schon als melancholisch beschreiben.

Was ist das Besondere an dieser EP?
Für mich ist SON musikalisch ein unentdecktes Land. Ich kann die Musik nicht mal einem genauen Genre zuordnen. Ich habe so lange Rock und Punk-Kram gemacht, aber SON ist etwas völlig Neues. Auf der EP ist bereits zu erahnen, dass viele atmosphärische und düstere Nuancen in der Musik stecken. Weiterhin sind die Texte viel persönlicher und intimer als alles, was ich bisher geschrieben habe. Dazu kommt, dass ich alleine, also ohne Band schreibe und komponiere. Ich bin völlig frei und kann machen was ich will.

Wer ist der beste Songwriter der Welt?
Rod Jones natürlich (lacht). Ich glaube, es kommt bei einem guten Song darauf an, dass er die Menschen berührt und sich Leute in den Geschichten, die Songs beschreiben, wiederfinden. Da jeder Mensch anders tickt, ist natürlich auch die Interpretation völlig individuell. Deswegen erzähle ich auch ungern, worum es in meinen Songs geht. Die Leute sollen ihre eigenen Gedanken dazu haben. Es gibt so viele tolle Songwriter, aber am Ende ist Musik auch Geschmacksache.

 

Hier geht es zu Website von SON.

SON Nebraska EP Artwork 04

Interview: Kathleen Kalle
Fotos: Sebastian Dobrietz, SON

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